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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-01-26 · Heft 4 (26.1.1906) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 4 (26.1.1906)
Date
1906-01-26
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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—'— 42 '--- kaum 15 268 Juden, und dürfte ihre Zahl gegenwärtig kaum mehr als 23 000 betragen. Auf die einzelnen Länder verteilt kamen im Jahre 1899 auf Neu-Südwales 8340, auf Viktoria (im Jahre 1901) 5907, auf Mu-Seeland 2270, auf Südaustralien 1210, ans Queensland 930, auf West-Australien 850 und auf Tasmania 550. Die jüdische Bevölkerung Australiens besteht aus englischen resp. russischen Juden, die längere Zeit in England gelebt haben. Eine nennenswerte jüdische Einwanderung findet bis auf den heutigen Tag nicht statt, obgleich wir absolut nicht mehr wiffen, was wir mit den Zehntausenden von Emigranten, die alljährlich in Stärke von ganzen Armeekorps Rußland und Oesterreich verlaßen, um sich anderswo eine neue Heimat zu suchen, beginnen sollen. In erster Reihe sind dafür die von der in Australien allmächtigen Arbeiterpartei durchgedrückten Restriktivmaßregeln gegen die Einwanderer verantwortlich zu machen. In zweiter Reihe haben auch die Juden Australiens selbst alles getan, um die Zahl der jüdischen Emigranten dahin nicht steigern zu lassen. Als im Jahre 1899 in Rumänien die Judenfrage wieder aktuell wurde, wurde von London aus freilich der Versuch gemacht, eine Anzahl rumänischer Juden nach Australien zu bringen. Der Plan wurde jedoch auf Wunsch von australischen Juden nicht zur Ausführung gebracht. Das Beispiel der andern Länder und die Tatsache, daß in jedem Lande der Antisemitismus proportionell mit der Zahl der Juden wächst, hat unsere australischen Glaubensgenossen zu diesem unfreundlichen Verhalten veranlaßt. Nach unserer Ansicht mit Unrecht. Australien könnte ganz gut noch einige hunderttausend Juden vertragen, und es ist töricht von der australischen Judenheit, sich gegen die Zufuhr frischen Blutes zu sträuben. Aachmals -ur Hilfsaktion! Von Gustav Michalski. ie von Herrn Rabbiner Dr. Brettholz-Triest an- . geregten Vorschläge bedürfen und verdienen nach jeder Hinsicht die Unterstützung für unsere unglücklichen russischen Glaubensbrüder. Abgesehen davon, daß in Wort und Schrift eindringlich vor der Auswanderung aus Rußland gewarnt werden muß, reden die Unglücklichen, Gehetzten und Gemarterten, die speziell in Berlin landen, eine beredte Sprache, um einen Teil der gesammelten Summen für die zu retten, die nichts weiter aus ihrem „Vaterlande" mitbringen, als das Gottvertrauen und den Glauben an die Menschenliebe! Man gehe in den Verein für Arbeitsnachweis (gegründet von den Bnai Brith-Logen), Berlin, Gr. Hamburgerstraße 13/14, und sehe dort die große Anzahl gequälter, geängstigter russischer Glaubensgenosien, die nicht „Almosen", sondern „Arbeit" fordern! Als Mitglied des Vorstandes jenes Vereins kann ich dies am Besten beurteilen. Wie ist es aber größtenteils möglich, diesen, die der deutschen Sprache oft vollständig ohnmächtig, den Weg zur „Arbeit" zu weisen? Wie klein steht man diesen gegenüber, die fähig, zu arbeiten, nur um für sich und ihre Familie einen Broterwerb zu erringen? Man halte einen Teil der gesammelten Summen zurück, um diesen unglücklichen, von der Scholle gehetzten Glaubensbrüdern je nach Lage ihres Könnens einen kleinen Betrag zur Gründung einer Existenz zu bewilligen, man gebe ihnen Werkzeug, Material rc., um das sich aufzubauen, was ihnen gewaltsam von Mörderbuben zerstört wurde. Man gründe ein Heim für jüdische Obdachlose, um sie nicht Piraten in gewiffen „Hotels" im Osten unserer Stadt mit Leib und Seele sich verschreiben zu lassen, die die Unglücklichen irreführen und ausbeuten. Dieses wäre eine wahre „Hilfsaktion", so würde der Not und dem wahren Elend mehr'gesteuert, als wenn man ihnen in ihrem „Vaterlande" Geld geben wollte, das meistens benutzt wird, um sich einen Paß rc. behufs schleunigster Auswanderung zu verschaffen, um von neuem den verschiedenen Hilfskomitees das Bild ihres Unglücks und Elends vorzusühren! Lur JFragt der Kolomlatmn. Ron Leo Herzberg-Fränkel. ur Zeit als Dr. Theodor Herzl unter Donner und Blitz aus dem Nebelgebiete idealer Traumgebilde den Zionismus herunterbrachte und ihn nach dem Osten trug, von Millionen unglücklicher Menschen umjubelt, stand ich als Frondeur bei Seite und goß Oel in die hochgehenden Wogen, indein ich in zahlreichen Artikeln in der „Oesterr. Wochenschrift" aufdie Unrealisierbarkeit der geweckten Hoffnungen und gehegten Pläne hinwies. Ich suchte sogar Herzl selbst ein wenig zu ernüchtern, der ehrlich und freundlich genug war, mein Schreiben in seinem Blatt „Die Welt" unverkürzt abzudrucken, obschon es nicht der Tendenz desselben entsprochen. Später machte mich Professor Moritz Lazarus, mit dem ich damals in Meran sehr oft die zionistischen Bestrebungen besprach und der mit mir vollständig gleicher Anschauung war, auf ein sehr wertvolles Buch seines Freundes, des Professors Dr. Sprenger, früher Vorsteher der mohammedanischen Hochschule in Kalkutta — „Babylonien" — aufmerksam, worin mit großer Detailkenntnis nachgewiesen wurde, daß Palästina sich überhaupt nicht zur Kolonisation eigne, während das Gebiet zwischen dem Euphrat und dem Tigris der Niederlaffung von fünf bis sieben Millionen Menschen einen goldenen Boden biete. Ich machte aus diesem wertvollen Buche, das in Heidelberg erschien, Auszüge, um angesichts der Undurchführbarkeit des zionistischen Projektes die Aufmerksamkeit auf die Kolonisierung Babyloniens zu lenken, die so leicht, billig und unangefochten von den katholischen Mächten, die in Palästina Wache halten, durchzuführen wäre — allein nichts half. Der Palästiner Wein war den Leuten zu Kopfe gestiegen und man konnte sie nicht wach rütteln. Selbst dann noch nicht, als ein Refus aus Konstantinopel kam, dem strenge Weisungen an die Provinzial- und Lokalbehörden gegen Zulassung der Juden folgten, auch nicht, als man zur Erkenntnis gelangte, daß große Flächen fruchtbaren Bodens von erforderlich weiter Ausdehnung überhaupt dort nicht vorhanden, daß der gute Boden teuer und der billige schlecht, daß die christlichen Mächte nicht dulden werden, daß Juden in breiten Scharen in das auch ihnen heilige Land der Sage und historischer Begebenheiten hereinströmen, um es nach und nach, durch Ausdehnung, Käufe, Errichtung autonomer Gemeinden, Gründung von Industrien, kultureller und humanitärer Etablissements zu erobern — selbst dann noch träumte man weiter fort von dem verheißenen Lande der Ruinen und der Erinnerungen, das tatsächlich leider aber mehr Steine als Palmen trägt. Und man träumt noch jetzt, obschvn viele Hände auf Südwestafrika Hinweisen, wo viele Vorteile unter der Protektion Englands wirken. Die Juden sind eben ein obstinates Volk, das sich nicht leicht wenden läßt. Sie waren durch Jahrhunderte nicht in ihrer Ueberzeugung zu erschüttern, daß der

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