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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gedeiht ungleich mehr zum Segen, als werin die Kinder, wie das hierzulande, mit Kreti und Plati untermischt werden. 8. Breslait, 3. Januar. Wie bereits berichtet wurde, wird der Schwesternverein der hier seit über 50' Jahren bestehenden Gesellschaft „Eintracht" einen Mädchenhort für schulpflichtige Mädchen ins Leben rufen. In Anerkennung -dieses nützlichen Zweckes haben die Damen Frau Rabbiner Dr. Guttmann, Frau Rabbiner Dr. Rosenthal, Frau Seminardozent Dr. Brann und Frau Kanter sich gern bereit erklärt, in den Vorstand des Unternehmens einzutreten. Von der praktischen Erfahrung und der regen Tätigkeit der Damen haben wir einen besonders gedeihlichen Erfolg dieser Einrichtung zu erwarten. Am 3. Januar ist der Hort in den Räumen der Industrieschule für israelitische Mädchen durch eine kleine interne Feier eröffnet worden. Als Leiterin dieses Hortes ist Fräulein Doris Freund berufen worden. — Welchen Anklang die geplante Einrichtung gefunden hat und wie groß die Notwendigkeit einer solchen hier allgemein, anerkannt wird, beweist, daß eine hier seit einigen Wochen erst begründete neue Vereinigung von Frauen und jungen Mädchen ähnliche Bestrebungen hegt. — Am 19. d. M. veranstaltete die hier bestehende Haushaltungs- und Kochschule für israelitische Mädchen ihre diesjährige Chanukahfeier im kleinen Saale der Lessing-Loge. Es verdient wohl an dieser Stelle, unsere Glaubensgenossen in Stadt und Provinz wieder auf diese segensreiche Einrichtung hinzuweisen. Die Schule stellt sich die Aufgabe, unsere jüdische weibliche Jugend anzuleiten, auch bei beschränkteren Mitteln einen Haushalt verständig zu führen. In unserer leider materiell denkenden Zeit wird die Tätigkeit unserer Heranwachsenden weiblichen Jugend zu sehr von dem Erwerbsleben absorbiert und die Ausbildung für Küche und Haus vielfach vernachlässigt. Zurzeit gliedert sich das Institut in einen Unter- und Oberkursus; dazu tritt in allernächster Zeit eine besondere Oberabteilung, in welcher junge Mädchen, wenn es von den Eltern gewünscht wird, in die bessere Küche eingeführt werden sollen. In dem Stundenplan ist von Neujahr ab die dankenswerte Einrichtung getroffen worden, die jungen Damen auch im Maschinennähen zu unterrichten. Welchen Anklang das Unternehmen jetzt gefunden hat, das beweist der so rege Besuch des Oberkursus; sehr zahlreich sind die Anmeldungen aus der Provinz, doch scheitert leider oft der Eintritt in die Schule an den Aufenthaltskosten, welche für viele unserer Glaubensgenossen von dort nicht aufgebracht werden können. Zwischen Lehrerinnen und Schülerinnen herrscht im Institut ein wahrhaft ideales. Verhältnis, durch keinen Mißton getrübt und das auch nach dem Verlassen der Anstalt keine Unterbrechung erfährt. Das segensreiche Unternehmen wurde von Frau Rosalie Hirschel hier begründet. Möge es der edlen Dame noch lange vergönnt sein, zum Segen dieser Anstalt, für deren-Gedeihen sie weiter unermüdlich tätig ist, zu wirken und die Früchte ihrer jahrelangen, mühevollen Arbeit zu ernten. L. Hannover, 5. Januar. Am 26. v. M. verstarb hier nach kurzer, schwerer Krankheit Frau Franziska Fridberg, geb. Berliner, im 52. Lebensjahre. Die Heimgegangene war nicht nur die Sonne und das Glück ihres Hauses, sondern wirkte auch in segensreicher Weise innerhalb unserer Gemeinde. Sie gehörte dem Vorstande des Frauenvereins an, in dem sie den schwersten Teil der gemeinnützigen Arbeit freudig übernommen halte, und war ein sehr tätiges Mitglied des Vorstandes des Mädchenheims. An ihrer Bahre stand nicht nur der große Kreis ihrer Freunde aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, sondern auch eine große Anzahl Armer, denen sie eine Trösterin im Unglück und Segenspenderin in der Not war. Die'.Verblichene vereinigte in schönster Harmonie die Eigenschaften einer echt jüdischen Frau von altem Schlage mit denen der modernen, ideal veranlagten und dabei doch mit praktischem Blicke bevorzugten Dame. -- Frankfirrt a. M., 6 Januar. Im Interesse der notleidenden russischen Juden und auch der nichtjüdischen Personen, die aus Anlaß der gegen die Juden verübten Grausamkeiten geschädigt würden, hat^ hierXeine internationale Versammlung stattgesunden, die von den Hilfskomitees der meisten großen europäischen Länder beschickt war. Die Beschlüsse gipfelten in erster Linie darin, die Verteilung der gesammelten Gelder in die richtigen Bahnen zu enken. Die Berichte, die aus Rußland Vorlagen, lassen indessen befürchten, daß die vorhandenen Mittel, so erheblich sie auch sind, nicht im entferntesten ausreich.en, um der traurigen Lage der Geschädigten in Rußland selbst Herr zu werden, geschweige um daneben noch eine Auswanderung planvoll und zum Heile der Auswandernden durchzuführen. Es müsse deshalb aufs dringendste davor gewarnt werden, Mittellose zur Auswanderung zu veranlassen. -t. München, 1. Januar. Während, dank dem Einflüsse, den das Verfahren anderer deutscher Staaten geübt hat, auch in Bayern man nach und nach den Juden den Zugang zu allen, wenn auch noch so schlecht bezahlten Staatsämtern zu erschweren sich bemüht, falls man ihn nicht ganz abschneidet, im Punkte der nichtbezahlten Ehrenstellen ist man, wie die letzte der alljährlichen Neujahrsauszeichn un gen zeigt, gegen die Juden gerade nicht abstoßend. Allerdings bevorzugt man sie nicht, sondern man gewährt ihnen nur die Anerkennung für den im Laufe des Jahres reichlich bezeugten Gemeinsinn und für die erheblichen Verdienste, die sie sich durch ihre Berufstätigkeit erwerben. Die heutige Liste der erschienenen Auszeichnungen läßt ersehen, daß der Kommerzienrat Bernhard Löwensohn in Fürth den Verdienstorden vom hl. Michael 4. Klasse bekommen hat. Bernhard Löwensohn hat zusammen mit einem Bruder das Verdienst, die schon vor 60 Jahren bestandene kleine lithographische Anstalt seines rührigen Vaters, deren religiöse Vorgänge betreffende Erzeugnisse übrigens fast in allen alten jüdischen Häusern Süddeutschlands heute noch verbreitet sind, in eine viele Hunderte von Arbeitern beschäftigende Bilderbüchersabrik im Laufe der Jahre umgewandelt zu haben, in welcher diese Arbeiter ihr auskömmliches Brot finden, während die Erzeugnisse ihrer Tätigkeit in den bedeutendsten Buchhandlungen Englands und der Vereinigten Staaten Amerikas stets gleichmäßigen Absatz finden; die heutige Auszeichnung dürfte aus der Herstellung eines Denkmals für den Prinzregenten, das die Anlage vor dem Hause Löwensohn^s in seiner Heimat Fürth ziert, ihren Anlaß haben. Kommerzienräte wurden der Bankier und Magistratsrat Simon Leb recht in München, ein Mann von hervorragenden Verdiensten um die Oeffentlichkeit, gegenwärtig der einzige Jude, der Mitglied eines der städtischen Münchener Kollegien ist, als Verwaltungsrat der Münchener Trambahn im Dienste der Stadtgemeinde geschickt, tätig, gegenwärtig auch Vorsitzender der Zulassungsstelle für die Wertpapiere an der Münchener Börse; weiter der Kaufmann Louis Be chm a nn in Fürth, der als Teilhaber eines in Fürth seit sicher 60 Jahren bestehenden Spiegelglasgeschäftes zusammen mit seinem Bruder durch Export bayerischen Glases nach Amerika Brot für eine zahlreiche Arbeiterbevölkerung der bayerischen Oberpfalz schafft. Ein Münchener Arzt Dr. Adolf Theilh aber, der eine umfangreiche Anstalt für leidende Frauen seit Jahren sich eingerichtet hat, wurde zum Hosrat ernannt. Erfreulicherweise erregen die verliehenen Ehrenstellen bis jetzt wenig Neid, während, wenn diese Ehrenstellen auch nur mit einem mäßigen Gehalt dotiert wären, man schon längst Klagen darüber im Landtag vielleicht gehört hätte. Gesterretch-Angarn. 0 Wien, 8. Januar. In der letzten Sitzung des Kultus Vorstand es vor Jahresschluß erstattete der Vizepräsident K. Rat Hirsch wie üblich den Bericht über das Budget. Danach weist der von der Versammlung genehmigte Voranschlag für das Jahr 1906 eine Gesamteinnahme von 2 441340,11 Kronen auf. Diesen steht an ordentlichen Ausgaben ein Betrag von 2 483 934,51 Kronen gegenüber, so daß sich wiederum ein Defizit von 42 594,40 Kronen ergibt. Rechnet man die außerordentlichen Ausgaben im Betrage von 140300 Kronen hinzu, so ergibt sich für dieses Jahr ein Defizit von 182 894,40 Kronen. Eine schöne Aussicht! — Am 6. d. M. feierte der Oberkantor der Türkisch-Jsraelitengemeinde, Herr Jakob Bauer, das Jubiläum seiner 25 jährigen Amtstätigkeit in dieser Gemeinde, in welche er behufs Reformierung des damaligen Gottesdienstes von Graz aus berufen wurde. Bauer, der mit seiner, heute noch prächtigen Tenorstimme schon viele zu weihevoller Andacht geführt hat, gilt als einer, der hervorragendsten Interpreten des Synagogengesanges und als Reformator der gottesdienstlichen Liturgie, wie. sie im Prachttempel der hiesigen türkischen Gemeinde und in anderen sephardischen Ge* meinden geübt wird. Auch auf dem Gebiete der kantoralen Organi

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