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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 2. Berlin, 12. Januar 1906. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK IudentnmK". korrrlponklm-m und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 4. Januar. In der heutigen Abendsitzung der Repräsentantenversammlung wurden, wie es für die erste Sitzung des Jahres statutarisch vorgeschrieben ist, zunächst die Wahlen der Vorsitzenden und der Schriftführer vorgenonrmen. Die Neuwahl ergab keine Veränderung in der bisherigen Zusammensetzung der Leitung. Es wurden fast einstimmig wiedergewählt die Herren Louis Sachs zum ersten Vorsitzenden, Geheimrat Blumenthal zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden, Kommerzienrat Julius Martin Friedländer zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn zum ersten Schriftführer, Willibald Loewenthal zum stellvertretenden Schriftführer. Um 7 Uhr wurden wegen der Einführung der wiederbezw. neugewählten Gemeindeältesten und Aeltesten-Stellvertreter die Verhandlungen unterbrochen. Die behördliche Genehmigung der vor kurzem erfolgten Neuwahlen zum Gemeindevorstand ist, wie Herr Louis Sachs in seiner feierlichen Ansprache mitteilte, vom Polizeipräsidium eingegangen: es sind demnach die Herren Justizrat Lachmann, Karl Leopold Netter, Sanitätsrat Stern, Julius Oliven als Aelteste bis zum Jahre 1911, Herr Leopold Badt als Aeltesten-Stellvertreter bis 1911, Justizrat Timendorfer als Aeltester bis 1908, Dr. Feilchenfeld und Geh. Regierungsrat Professor Pinner als Aeltesten- Stellvertreter bis 1908 bestätigt worden. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß die hiesige Gemeinde in wenigen Jahrzehnten eine sehr bedeutende Zunahme an Mitgliedern erfahren habe und daß es aus diesem Grunde eine der wesentlichsten Aufgaben der Aeltesten sei, die Mittel der Gemeinde in geeigneter Weise zum Wohle der Mitglieder und insbesondere auch im Interesse der Armen zu verwenden. Er hob die glänzenden Fortschritte hervor, die die Gemeindepflichten, wie Religionsunterricht, Befriedigung der religiösen Erbauung, Sorge für Witwen und Waisen, für die Alten und Schwachen, für die Kranken, in den letzten Dezennien erfahren hätten — Aufgaben, welche die ganze Kraft eines Mannes erfordern, deren Erfüllung aber auch mit der Steuerkraft der Gemeinde in Einklang gebracht werden müsse, um so sicher fortzuschreiten auf dem bisherigen Wege, der bis jetzt zum Segen der Gemeinde geworden sei. In diesem Sinne werde die Repräsentantenversammlung stets mit dem Gemeindevorstand einig und eifrig bestrebt sein, mit ihm für das Wohl der Gemeinde zu sorgen. Nach der Verpflichtung der genannten Mitglieder des Vorstandes durch Handschlag erwiderte Justizrat Dr. Lachmann namens der Gewählten^ auf die Ansprache des Vorsitzenden. Von einer Programmrede, die er für außerordentlich gefährlich hält, nahm er ausdrücklich Abstand, nur auf zwei Punkte wies er kurz hin. Zunächst hob er hervor, daß die hiesige Gemeinde auf lange Zeit im Zeichen der Bauperiode stehen werde, daß, wie bisher, niemals von einer preußischen Gemeinde immense Ausgaben von der Verwaltung in kurzer Zeit bestritten werden müssen, daß diese Ausgaben dauernd steigen werden und damit den Repräsentanten die Pflicht auferlegt sei, betreffs der anderen Verwaltungen recht sparsam zu sein und spezielle Wünsche solange zurückzustellen, bis die Balanziernng des Etats größere Ausgaben ermögliche. Der Redner glaubte, in der einstimmigen Wiederwahl der Vorstandsmitglieder den Beweis erkennen zu können, daß das Repräsentantenkollegium mit der Amtsführung des Vorstandes zufrieden sei und erbat die Unterstützung seitens der Repräsentanten, um im gleichen Denken und Fühlen mit ihnen für das Wohl der Gemeinde tätig sein zu können. — Alsdann trat die Versammlung wieder in die Tagesordnung ein. Der Antrag eines Mitgliedes betreffend Gewährung von Notstandszulagen an die bisher nicht berücksichtigten Beamtenkategorien, wurde von der Tagesordnung abgesetzt, da der Gemeindevorstand selbst eine Nachtragsvorlage einbringen wird. In die Kommission für die Friedhofsangelegenheiten wurden drei turnusmäßig ausscheidende Mitglieder auf drei Jahre wiedergewählt, an Stelle des vierten Mitgliedes Herr Justizrat Hamburger neu gewählt; außerdem treten in diese Kommission, deren Vergrößerung infolge der Uebernahme^ des Gärtnereibetriebs in die Gemeindeverwaltung erforderlich ist, als neue Mit, glieder die Herren Rechtsanwalt Dr. Meyerstei'n und 'Hermann Rosenthal - Rixdorf ein. — In das Kuratorium" der ^Ephraim- Stiftung wird Herr Gerson Simon abgeordnet. — Die Ergänzung des Vorstandes der Altersversorgungsanstalt und des Vorstandes der Neuen Synagoge wanderte in die geheime Sitzung. — Die Amtsdauer der Mitglieder der Fürsorge-Kommission wurde'durch die Auslosung eines Mitgliedes, Alfred Roth, geregelt, der auf drei Jahre wiedergewählt wurde. — Zu der behördlich nunmehr erfolgten Festsetzung des Tarifs für Beerdigungen erklärte die Versammlung ihre Zustimmung. Sie sprach ferner die Bewilligung aus für die Gewährung eines Extrazuschusses von 700 Mark an den Religionsverein Moabit und für die durch die Bewirtung der Delegierten zur ersten Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden ent standenen Ausgaben. - Die Bewilligung von Kosten für den Religionsunterricht von Proselyten wurde auf Antrag Minden in die geheime Sitzung verlegt. — Debattelos wurden 1000 Mark als Beitrag zu den Kosten der Aufstellung eines jüdischen Betraum aus der 1906 in Dresden stattfindenden Kunstgewerbe-Ausstellung genehmigt. Zum ersten Male soll hier der Versuch gemacht werden, einen jüdischen Betraum auszustellen. Als Raum stehen h rfür 48 gm zur Verfügung, die Kosten des Plans sind auf 12 000 Mark veranschlagt. Das zur Verwirklichung dieses Plans gebildete Komitee hat sich zur Aufbringung dieser Summe an die Gemeindevorstände verschiedener Städte gewendet. — Fürbei der Alterversorgungsanstalt errichtete Stiftung im Betrage von 20 000 Mark wurde nachträglich der Stifterin Frau Adelheid Lange und nach deren Ableben ihrer Tochter das Vorschlagsrecht eingeräumt. — Die durch die provisorische Unterbringung der Knabenschule entstandenen Mehrausgaben in Höhe von 741 Mark werden nachbewilligt. — Eine sehr lange Debatte schloß sich an die Vorlage betr. Genehmigung zur Anschaffung von Schulgeigen, die für den liturgischen Gesangsunterricht in den - Religionsschulen Verwendung finden sollen. Schließlich wurde die Vorlage bewilligt. — Der Rechnungsabschluß der Zentralstelle für die Wohltätigkeitsanstalten pro 1904/05 schließt mit einem Minderverbrauch von 258.95 M. Während des Berichtsjahres wurden 14006 Anfragen an die Zentralstelle gerichtet und von dieser 13149 Berichte erstattet. Während der jetzt zehnjährigen Wirksamkeit gingen 105899 Anfragen ein und es wurden 109833 Berichte gegeben. Die beantragte Entlastung wurde widerspruchslos erteilt. Zum Schluß der öffentlichen Sitzung erteilte die Versammlung ihre Zustimmung zur Annahme der Zuwendungen der Johanna Flatau, geb. Pollack. Von dieser Stifterin wurden ausgesetzt 1000 Mark für die Altersversorgungsanstalt, 600 Mark mit der Auflage, daß der Zinsertrag alljährlich am Todestage der Stisterin an Arme verteilt wird, 1000 Mark zur Erhaltung zweier Verwandtengräber und 600 Mark zur Erhaltung ihres eigenen Grabes. — Aus der geheimen Sitzung sind wir noch in der Lage mitzuteilen, daß seitens der Repräsentanten dem Gemeindevorstand die Ermächtigung erteilt wurde, das Grundstück Fasanenstraße 79/80 zur Erbauung einer Synagoge im Westen der Stadt anzukaufen. Das Terrain umfaßt zirka 260 Quadratruten. dCfc Berlin, 8. Januar. Nachdem die Hilfsaktion zur Linderung der unmittelbaren Not bei den russischen Juden sich ihrem Abschluß naht, tritt nunmehr an die großen westeuropäischen Organisationen die Ausgabe heran, vor allem für jene unglücklichen Kinder, deren Eltern bei den Pogromen erschlagen worden sind, zu sorgen. Das in Uebereinstimmung mit den Komitees in London und Newyork eingesetzte Zentralberichtsbureau in Berlin (Hilfsverein der Deutschen Juden), hat an die Vertrauensmänner in Rußland ein diesbezügliches Anschreiben gerichtet und demselben Fragebogen über Alter, Geschlecht rc.

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