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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 1. Berlin, 5. Januar 1901?. üßetlsge zur „Allgemeinen Leitung deK IudrnlumK". korrklpondrn?rn unv Mchrichtm. Deutschland. 22 Berlin. 29. Dezember. Am 27. d. M. hielt die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums ihre zahlreich besuchte Generalversammlung in den Räumen des Brüdervereins, Unter den Linden 4 a, ab. Professor Dr. Philippson erstattete den Jahresbericht, nachdem er in einem ehrenden Nachruf der verstorbenen Mitglieder, des Rabbiners Dr. Kayserling-Budapest und des Justizrats Dr. Heinrich Meyer Cohn gedachte. Die Gesellschaft darf auf ihr vollendetes drittes Lebensjahr mit Genugtuung Zurückblicken. Neben der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", das die Mitglieder erhielten, hat die Gesellschaft vier Schriften herausgegeben: 1. Böck, „Das Wesen des Judentums", 2. Eschelbacher, „Das Judentum und das Wesen des Christentums" und 3. Bloch, „Die Kabbala auf dem Höhepunkte ihrer Entwicklung und ihre Meister". In kurzem werden die „Gesammelten Schriften über Juden und Judentum" von Steinthal, herausgegeben von Karpeles, erscheinen, die allen Mitgliedern der Gesellschaft gratis zugehen sollen. Für eine Anzahl Zeitschriften und Werke hat der Ausschuß namhafte Subventionen bewilligt. Druckfertig liegen vor „Die Apologetik des Judentums" von Güdemann und „Die Wirtschaftsgeschichte der Juden" von Caro; zur Vorbereitung der von ihm für den Grundriß übernommenen talmudischen Archäologie hat Professor Dr. Krauß-Budapest mit Beihilfe seitens der Gesellschaft eine Reise nach Palästina, zu Studien für die gleichfalls dem Grundriß ungehörige „Liturgik" Dr. Elbogen eine solche nach England gemacht. Nach weiteren Mitteilungen berichtete der Vorsitzende über die Finanzen des Vereins. Die Einnahmen stellten sich im Berichtsjahre auf 23 457 Mark und die Ausgaben auf 19 254 Mark; nach Zuschlag noch ausstehender Zinsen respektive Abzug der Unkosten für die letzten beiden Hefte der Monatsschrift sind per 1. Januar 1906 3500 Mark verfügbar. Das Vermögen der Gesellschaft beträgt 37 500 Mark. Nach stattgehabter Dechargierung des Schatzmeisters wurden die Vorstandsmitglieder sämtlich wieder gewählt. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Lucas-Glogau einen sehr interessanten, orientierenden Vortrag über die Wissenschaft des Judentums und ihre Förderung durch die Gesellschaft. Der Vortragende, der von dem Grundsätze ausging, daß die Wissenschaft die erhaltende Kraft der jüdischen Gemeinde sei, hob hervor, wie sich die Altvordern gegen die allgemeine Bildung und die Einführung der deutschen Sprache widersetzt haben, und wie dies heute alles anders geworden ist. Zwischen dem alten talmudischen Bildungsideal und der modernen Wissenschaft mußte eine Zeit der Aufklärung kommen. Der Vortragende erörterte sodann Begriff, Entwicklung und Umfang der Wissenschaft des Judentums und ging dann zur Beantwortung der Frage über, was die jüdische Gemeinschaft bisher für die Wissenschaft des Judentums getan habe. Er betonte, wie die freie wissenschaftliche Forschung auch ganz freie, unabhängige Männer verlange und daß es deshalb notwendig sei, besondere wissenschaftliche Beamte zur Erledigung der großen Aufgaben der Gesellschaft anzustellen. Die Wahlen ergaben Wiederwahl des bisherigen Vorstandes durch Akklamation; für den sel. Dr. Kayserling wird Dr. Porges-Leipzig vorgeschlagen und gewählt. An den Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion, an der sich die Herren Dr. Jacob- Göttingen, Dr. Rosenthal-Stargard, Dr. Stern-Berlin, Eppenstein- Briesen, Abr. Epstein-Wien u. ct. lebhaft beteiligten. Es ist dringend zu wünschen, daß die allgemeine Teilnahme den Arbeiten und Bestrebungen der Gesellschaft sich zuwende. Berlin, 31. Dezember. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete am 28. d. M. seinen ersten populär wissenschaftlichen Unterhaltungsabend im Oberlichtsaal der Philharmonie. Die außerordentlich zahlreiche Beteiligung und das allgemeine Interesse, das der Veranstaltung entgegengebracht wurde, ist ein Beweis dafür, daß der Verein mit dieser neuen Institution eine sehr gute Idee verwirklicht hat. Am 28. i>. M. las zuerst Herr Dr. Poritzky drei Dichtungen (Joel Krugan, Sabbatausgang und Chanukahtraum), die durch ihren Inhalt, die feine psychologische Motivierung und poetische Darstellung interessanter Stoffe aus dem jüdischen Leben, nicht zum wenigsten auch durch die gute und vornehme Art des Vortrags auf das Auditorium große und nachhaltige Wirkung übten. Hieraus rezitierte Professor Alexander Strakosch den zweiten Akt aus dem Drama von Otto Ludwig: „Die Makkabäer" und die Ballade von Heine: „Belsazar". Beides mit der großen dramatischen Kraft und in der hinreißenden Weise, die diesem Meister der Vortragskunst nun einmal zu eigen, dessen Vorzüge nicht mehr des Rühmens bedürfen. — Am 30. d. M. fand die Generalversammlung des Vereins in der jüdischen Lesehalle statt. Nachdem der Vorsitzende den Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre erstattet und auch der Kassenbericht nach dem Referat der Revisoren genehmigt worden war, fand die Neuwahl des Vorstandes statt. An Stelle des Herrn Maximilian Heymann, der aus Gesundheitsrücksichten das von ihm solange und mit so viel Umsicht und Hingabe verwaltete Amt des Schatzmeisters zu allgemeinem Bedauern niederlegen mußte, wurde Herr Fabrikbesitzer Julius Fränkel neu gewählt. Sonst bleibt die Zusammensetzung die bisherige. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete die Beschlußfassung über die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister und die Erledigung der dazugehörigen Formalitäten. Der Verein zählt gegenwärtig 955 Mitglieder. 8. Berlin, 2. Januar. In der Jüdischen Reformgemeinde wurde an Stelle des verstorbenen Justizrat Hermann Stern Direktor Dr. Georg Minden zum zweiten Vorsitzenden des Vorstandes gewählt. — Am 27. Dezember beging der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Konsul I. Friedemann, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Mit ehrenden Worten rühmten die Herren Sanitätsrat Dr. B. Holz, Direktor Dr. Minden und Prediger Dr. M Levin die verdienstliche Tätigkeit des Jubilars, der in herzlicher Weise für die ehrenden Ansprachen dankte. 8. Berlin, 31. Dezember. Wie erst jetzt bekannt wird, hat die Kaiserin der Frau Bertha Manheimer, Gattin des Herrn Moritz Manheimer, die kürzlich ihre goldene Hochzeit feierte und durch ihre tätige Mitarbeit an wohltätigen Bestrebungen allbekannt ist, eine prächtige Schale aus der königlichen Porzellanmanusaktur zum Geschenk gemacht. Dieselbe wurde ihr mit einem Schreiben des Ministers des Innern überreicht, worin dieser in schmeichelhaften Worten den so oft bewährten Wohltätigkeitsstnn des Ehepaars nochmals hervorhob. — Berlin, 30. Dezember. In der Sitzung der wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin am 9.V.M. hielt Kollege Abraham einen Vortrag über „Den Entwurf zu einer Zwischenstufe im Hebräischen". Er legte dar, wie die in seinem Vortrage vom 14. Januar begründeten Ansichten praktisch ausgeführt werden könnten resp. müßten. Die Versammlung stimmte den Ausführungen des Kollegen Abraham zu, die Kollegen Levy und Dr. Kellermann aber wünschten im Gegensätze zum Vortragenden den Pentateuch anstatt der Gebete zur Grundlage des ersten hebräischen Unterrichts gemacht zu sehen. Arn 4. November sprach Kollege Dr.Kellermann über: Kalthoffsches Christentum und prophetisches Judentum. An den Vortrag, dem zahlreiche Gäste beiwohnten, schloß sich eine rege Diskussion. In beiden Sitzungen berichtete der Vorsitzende über das Ergebnis der behufs Einrichtung eines Fortbildungskursus in Berlin für Religionslehrer unternommenen Schritte. Tie wenig befriedigende Rechtsstellung der Lehrer an den Religionsschulen der Berliner Gemeinde gab wiederholt Anlaß zu Debatten. S2 Berlin, 29. Dezember. Am 23. d. M. abends fand in dem festlich erleuchteten Genesungsheim zu Lehnitz und im Beisein einer größeren Zahl von Vorstandsmitgliedern des Vereins „Jüdisches Genesungsheim" eine schöne Chanukahfeier statt. Nach einer Ansprache

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