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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-02-01 · Heft 14 (1.2.1838) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 14 (1.2.1838)
Date
1838-02-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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55 ber mehre Tausend Thaler bei den christlichen Gerichten verprozeffirt wurden! Als ich das Gebetbuch Ln die Hand nahm, und nach meiner Gewohnheit hinten zuerst blätterte, machten ein Paar Worte einen erschütternden Eindruck auf mich. Ich fand nemllch neben der Haschkabä (®ebet für die Verstorbenen) einigt Phrasen angefügt „zum Einschalten: wenn der Betreffende lebendig verbrannt wordenwar." Wahrlich ein grauenvoller Lakonismus! Das Schaukeln beim Beten ist bei den Orientalen gebräuchlich, nicht aber bei den Europäern. Vielmehr erfordert hier der Anstand, daß jeder beim Gottesdienste ruhig sitze und nicht anders steherc. als beim Ausheben der Thora, bei jedem Kaddisch, bei Hallel und beim Achtzehn-Gebet (Schemona Esra), welches deshalb hier auch durchweg nur die ngAmida genannt wird. Diese wird blos im Morgengebet vom Vorsänger wiederholt, nie aber im Mincbä, und im Mushaf nicht anders als am Neujahr, Versöhnungstage, und zum Tall und Geschein (muda^äö dos versos genannt). Sonst wird in Musaf und Mincbä vom Vorsänger nebst der responsenartig mitsingenden Gemeinde laut vorgebetet, bis zum Schluß der Keduscbä, darauf lieft die Gemeinde die Mittelsatze leise nnd der Ghasan fangt bei Rezeb wieder laut an zu lesen und mit der Gemeinde abwechselnd zu singen. Wenn Sie nicht ungeduldig werden, will ich Ihnen hier 'einen langst gelesenen Gegenstand auffrischen, und einen kurzen Abriß der Liturgie geben. Das tägliche Morgengebet fängt an, mit Elohäi neschamä, darauf folgen 14 sogen. Morgenbenedeiungen (unser Hannoten lajangäf Koach fehlt.) Nach dem biblischen Segen folgt die ngAkedä mit Prolog und Epilog, eben so das Kapitel vom Morgenopfer und die Räucher-Mischnä. Darauf die Panacee Ana bekoach und die Opfer-Mischnah Eseku mekomän, dann wird Kaddisch Rabbanän gesagt, hierauf unser gewöhnliches Hodu und die Psalmen 103 und 19. Nun erst wohlgemerkt, nun erst kommt Baruch Sclieamar (am Sabbat und Feiertag mit bezüglichen Einschaltungen z. B. baruch hamänckil inenuchä leagammö Isr.) und Mistnor letodä, dann Jehi Cheböd, Ps. 145. und die Hallelujapsalmen. Darauf alles wie bei uns. Im Ata Gibbor Sommers morid battall. In der Bitte fürs Jahr werden nicht wie bei uns blos zwei Worte eingeschoben, sondern es sind zwei vollständige ziemlich lange Bittformeln vorhanden, mit denen nach den Jahreszeiten abgewechselt wird, und worin außer von der Feldfrucht auch von „allem Werk unserer Hände" die Rede ist. Nach der Keduschä sagt der Vorsänger das Ata Kaddsch und nicht ledör wadör. Beim biblischen Segen, gleichviel ob vom Vorsänger oder von Ahachroniden gesprochen, wird jedesmal der Vers: „sie sollen meinen Namen legen auf die K. I. und ich will sie segnen" hinzugefügrz ein Gebrauch, den ich sehr zweckmäßig finde, um die segnende Person in den Hintergrund zu schieben. Abinu -Malkenu - sind nur 29, und es fehlt das leidige Neköm lengenenu. Au Nefilät appäjim (Tachnun) gebrauchen sie nach dem Wajömer Dawid statt unseres Ps. 6. den Ps. 25. Das sogenannte lange wehu Rachum ist etwas kleiner, aber weit 8e!icbot-mäßiger als unseres. Nach Ubä leziön folgt Ps. 86. Täglich werden zum Schluß die Verse 1 Kön. VIII, 57. ff. gelesen^ und ebenfalls jeden Tag das Lied En Keloheuu und Amar R. Elasär etc. Darauf wieder ein Kadd. rabbanän mit Perisüt Schemäng und endlich ngAlenu ohne ngAlken nekawweh, aber mit dem berühmten Satze 8ch. m. lehebel welarik etc. Sie sehen, diese Leute sind nicht so zahm als wir durch und durch Deutsche! Im Alltags-Mincha wird zuerst Ps. 84. gelesen, im ngArbit, wie sie das Abendgebet durchweg nennen, ist keine namhafte Verschiedenheit. Uebrigens sind nur sehr wenige Stücke von völlig gleicher Lesart mit den unsrigen; irgend ein kleiner Unterschied findet sich immer, ob zwar nach meinem Gefühl größtentheils züm Vortheile unserer Lesarten, welche mir einfacher und naiver, daher auch wol alter scheinen. Dies gilt vorzüglich da, wo die Portugiesen allerlei dogmatische Zusatze haben, z. B. nach Ri hakköl häbel ihr: lebäd hannescbamä hattehorä schein ngatbidä lathet Din we~ cheschbon lifne kisse chebodecba, oder im Adon ngOlam, einem Liede, das sie nur höchst selten benutzen: bell »gerecht bell dimjön, beli schinnü, wehattemura; beli chibbür, beli pirüd etc. Im Kaddisch wird jedesmal nach wejamlich malcliute eingeschaltet wejazmäch purkaue, wikareb ineschichä. Manche Einschaltungrn streifen auch ans Abergläubische, wie im Hasckkibenu der Zusatz umippächad hallelöt. Das Nachtgebet ist entsetzlich lang. Den Anfang macht der 119 Psalm, in 7 Portionen auf jeden Tag der Woche abgetheilt, dann folgt das Gebet selbst mit einem Rib. scbel ngOlaoi, worin man aufs Allerbündigste erklärt, man verzeihe gänzlich und ohne allen Rückhalt alten Feinden und Beleidigern jede Beschädigung und Kränkung am Körper, am Gelde, am Gute und an der Ehre, er sei ein Zudr oder nicht, es sei in dieser oder in ei-

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