Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 14 (1.2.1838)
- Date
- 1838-02-01
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
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56 ner spätem Emfleischung (Gilg-al), dann erst bittet man nm Vergebung der eigenen Sünden, und nun folgen eine Menge Psalmen, Beichten, auch Asallämnu, auch kabbalistisch versetzte Bibelverse ete. häufig unterbrochen durch das: Scliard leh mareli Iemään deiniztäDgarän li (Verzeih, 0 Herr, jedem, der mich gekrankt). Freitag Abends kein Lechü nerännenä, sondern zuerst Ps. 29., dann sofort bameh madükio, darauf das Lied: Lechab dddi und Am. R. Elasar, dann erst der Sabbatspsalm 92 und das Abendgebet bis zum Schluß, ganz wie bei uns, bis auf Ps. 24 vor ngAIenu. Kiddüscli wird nie in der Esnoga gehalten, wohl abrr Habdala. An Sabbats - und Festmorgen geht alles, die bereits erwähnten Abweichungen ungerechnet, wie bei uns, nur sind die sogenannten Sabbatspsalmen mit 4 von den Stufenliedern vermehrt. Verschiedenartige 8u1ot gibt's nicht. Auch durchaus keine Extra-J ozerot, selbst an den 4 Paraschot- und an Mittelfestsabbaten nicht. Das Ausheben und Zurücktragen der Tora geschieht mit vieler Ceremonie unter Absingung verschiedener Verse, die zum Theil als Privat-minliag der hiesigen Gemeinde, in den zu Amsterdam gedruckten Büchern zu finden sind. Beim Wegsetzen wird Ps. 29. feierlich und regelmäßig taut im Chor gesungen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Salon. lFortsetzung.) Notizen über heb r. Handschriften, aus einem Schreiben deS vr. F. D e l i tz s ch. Die Bibliothek des Ministern zu E r f u r r besitzt zwei alteBibelmanuscripte, daseine, in Regalfolio, in zwei dicken und fast mannsschweren Banden, auf Pergament, punktirt und accentuirt, mit figurirter Masora, deren Initialen zu Anfang jedes Buches natürliche und chimärische Lhierfiguren darstellen. DaS Largum, gleichfalls vokalisirt, folgt unmittelbar unter jedem hebräischen Vers; selbst das Largum der Chronik ist so geschrieben. Der Codex ist im I. 1343 geschrieben. Auf der Univerisitätsbibliothek zu Jena ist in Regalfolio ein Mscr. der Nebiim rishonim und acliaronim, ein Meisterstück von Kalligraphie, mit dem Largum, gleichfalls verSweise dem hebr. Text angefügt. Die große Masora steht am Anfänge und zu Ende der Seite, die kleine Masora am Rande. In diesem, wie im'vorhergehenden Mscr. ist das Letragrammaton ohne Cholem geschrieben. DaS Largum ist, wie auch in dem Cod. Wagens. Bibi. Senat. Lips. N. 1. (geschrieben von Makir, Sohn Krispin's), mir Accenten versehen. Ebendaselbst befindet sich der Commentar zum Pentateuch von,Ahron Nikomedeo (ben-Elia) dem Karäer., auf dickem Papier, mit rabinischem Schriftcharakter. Dieser Codex wurde (wie auch die kostbarsten Handschriften der Leipziger Rathsbibliochek) 1686 von deutschen Soldaten erbeutet, als das Heer Leopolds, nachdem die Lürken geschlagen, der Stadt Ofen sich bemächtigte. AuS diesem Codex hat Prof. Kosegarten in seinem Libiri Coronae Legis (d. i. TTO) aliquot particulae werthvolle Mittheilungen gemacht (lenae 1824)- Der Katholic Herald berichtete jüngst, daß in den Vereinstaaten Nordamerika'S sich jetzt ein seltsamer Pentateuch befindet, welcher in zwei Bande getheilt, deren jeder 2 Fuß breit und 69 Fuß lang ist. Er ist r^cht auf Pergament, sondern aus eigentliches Leder geschrieben. Eine durch die bonapartischen Kriege verarmte jüdische Familie mußte die kostbare Handschrift in Holland versetzen, von wo sie, da sie nicht ausgelöft werden konnte, an einen nordamerikanischen Bibliophilen verkauft wurde. — Der Lachkemoni des Spaniers Alcharizi ist in zwei Handschriften in Besitz der Bibliotheque Royale (Cod.505.506.), und in Einer (Cod. 236) in Besitz der Bibliothek der Sorbonne. Beiläufig erwähne ich, daß in den neuesten Memoiren der Societe Asiatique die elfte Pforte des Lachkemoni übersetzt und namentlich das hebräisch-arabisch-aramäische Gedicht entziffert und genügend erläutert worden ist. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Meiningen, im Dez. 1837. Gutmannsche Schule. Es hat in einigen auswärtigen Blättern bereits gerechte Anerkennung gefunden, daß im Herzogthum S.-Meiningen für Unterricht und Erziehung in den letzten Jahren viel geschehen ist. Nicht blos die Gymnasien zu Meiningen und Hildburghausen, die durch die Liberalität der Stände den besten Anstalten Deutschlands gleichgestellt worden sind, geben davon rühmliches Zeugniß, sondern auch die Realschule in Saalfeld, die seit 2 Jahren ins Leben getreten ist, entspricht ganz dem Zwecke, dessen Realisirung der Oberbehörde bei ihrer Gründung vorschwebte. Weniger bekannt dürfte vielleicht sein, daß das Herzog!. Consistorium zu Hildburghausen seine Thärigkeit auch den israelitischen Schulen des HerzogthumS fortwährend zuwendct und dieselbe der Aufsicht'der Kirchen- und Schulenämter dringend empfohlen hat, was von den israelitischen Gemeinden, wie sich wohl voraussehen läßt, dankbar anerkannt wird. Wiewol nun von tüchtigen Lehrern, deren Fähigkeiten und Kenntnisse in vorhergegangenen Prüfungen erforscht worden sind, Alles geleistet wird, was von Elementarschulen gefordert werden darf: so fehlte doch eine Anstalt, welche die Jugend weiter führen und dieselbe für den künftigen Beruf die nothwendige Ausbildung geben konnte. Diesem Mangel hat seit 11 Jahren Herr S. Gutmann aus Sulzbach auf die genügendste Weise abzuhelfen gesucht. Unter seiner Leitung besteht in Walldorf bei Meiningen ein Erziehungsinstitut für israelitische Knaben, das wir mit voller Ueberzeugung allen Eltern und Vormündern empfehlen können. Die Anstalt wird nicht nur von Einheimischen besucht, sondern zählte auch in diesem Sommer 12 auswärtige Zöglinge, von denen 8 als Pensionäre der besondern ' Aufsicht des Herrn Gutmann anvertraut waren. Herr Superintendent Lehaubach in Meiningen hat schon seit Jahren den öffentlichen Prüfungen, die jährlich wiederkehren, beigewohnt und die ehrenvollsten Zeugnisse für die Lüchtigkeit der Anstalt an das Herz. Consistorium eingesandt. Auch Referent war in diesem Sommer bei der Prüfung gegen^ wärtig und wurde durch die Gründlichkeit deS Unterrichts, die in allen Lehrgegenständen hervortrat, sehr überrascht. In Religion, Geschichte, deutsch: Sprache, Erdbeschreibung, im Rechnen, im Gesang u. s. w. zeigten die Knaben eine Kenntniß, die nichts zu . wünschen übrig ließ. Die Prüfung im Hebräischen gefiel besonders den anwesenden christlichen Lheologen, indem Herr Gutmann die hebräische Grammatik mit der Sicherheit vvrtrug, wie sie ein Schüler von Gesenius erwartet. Ein im Schullehrer-Seminar zu Hildburghausen gebildeter Lehrer steht Hrn. Gutmann als Gehilfe zur Seite, der neben wissenschaftlichen Gegenständen vorzüglich die Leitung des Gesanges und der Gymnastik übernommen har. Möge dem begeisterten Gründer der Anstalt auch in der Folge die Anerkennung nicht fehlen, die er jetzt in hohem Grade genießt und der er so würdig ist! Bon einem christl. Schulmann. Redacteur: vr. L. Nhilippson. — Verlag von Baumgartner- Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.