Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 14 (1.2.1838)
- Date
- 1838-02-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 über das Aeußere der Personen selbst mitzutheiten. Es war mir höchst auffallend, wie scharf sich die spanische, portugiesische und selbst die maurische -Eigenthümlichkeit für diese Physiognomien eingegraben hat! Trotz zweihundertjährigen Wohnens in Deutschland ist da fast kein Gesicht, das man nicht auf der Stelle von dem des deutschen Juden unterscheiden könnte. Hierher möchte ich ein Dutzend derjenigen Schriftsteller schicken — und wäre auch Rotteck dazwischen — die da behaupten, wir Juden wären noch alle durch und durch Palästinenser. Ich komme nun auf die portugiesische Aussprache des Hebräischen, welche sich hier als ein Lebendiges Wesen ganz anders und viel eleganter darstellt, als wir sie uns in gelehrten Schulen herausquälen. Auch gibt es Manches darin, was uns so gut als unbekannt ist. So z. B. die Verschiedenheit des a mit oder ohne Dagesch, welches letztere, z. 33. in Magen Abraham, wie ein erweichtes ch lautet, so daß das Gimel in beiden Formen völlig dem Chaf Ln seinen beiden Formen entspricht. So wird ferner das Mapik He sehr stark gestoßen mit nachgeschicktem Vokal z. B. TT j-ha! TT£pS Isch-hai Zwischen zwei Wortspitzen von gleichen Consonanten wird ein leises E gehört, z. 33. Eliab-e-ben Chelön, leliamsch il-e-lo, bakkesch-e-schalöm, a gamm-e-majim/ Die Orientalen lassen dies leise, bei uns nur in der Theorie existirende e, nach jedem Schluß -raie ertönen, und Adonäje, Schalöme. Daß das u durchgängig sehr markirt als ng, wie in den deutschen Wörtern „länger," „singen" gesprochen wird, und daß diese Aussprache die griechische Rechtschreibung der Namen Reguel, Gomorrha, Gaza (nicht etwa auch das deutsche Wort Geiß von T?J?) erklärt, wissen Sie. Die Orientalen sprachen jedoch das Ajin mehr wie ein weicheres Cbet aus*). Die größten Mängel dieses Dialekts bestehen Ln der gleichen Aussprache von und 2 und von und außerdem steht sie der unsrigen — es versteht sich, daß ich mich auf sprachgeschichttiche Deductionen nicht einlasse — platterdings voran, und das nicht blos durch den schönem Klang der vielen hellen Vocale, auf die wir ja fast ganz verzichtet haben, als vielmehr und hauptsächlich durch eine Eorrectheit, die bei uns, und folgten wir auch alle der Methode des Herrn Rabbiner Hirsch Ln Oldenburg, für *) Die spanische Sprache hat den Laut des verschmolzenen ng bekanntlich nicht, daher wird daö y erwähntermaßen durch h gegeben, eben wie unser k in: „hebräisch." Der granftsSefardi Mardeckai Ventura hat aber in seiner franz. Uebersctzung der Gebete das ng. D. Ein send. die Masse unmöglich zu erreichen ist. Ein Portugiese, und sei er sonst noch so unwissend, wird fast nie gegen die Regeln der Accentuation (Mil-ngel und Milräng) verstoßen, die wir nur beim Vorlesen der Tora beobachten; er wird keinen gedehnten Vokal mit einem kurzen, kein stummes 8dieba mit einem hörbaren oder. vocalisirten (chatak) verwechseln. Ennosch, Emrneth, chäjim, mäjiin, mimmkdmo, Elobimin, Britth, Schommnmm, Kadschenu, rächmimm, Bäruch, atta; statt euöosch, einet, chäjim, mäjiin, miminekomö, Elohlm; Berit. Schomerlm, Kaddeschenu, rachämim, Baröch, attä; solche Pronunciationsfehler können bei ihm so wenig Vorkommen, als ein Deutscher je Ldbehn und Vätehrr aussprechen wird. Blos mit dem Kamez chataf wissen sie sich bisweilen nicht zu helfen und sagen z. B. Zähoräjim, Paogölo statt Zdhoräjim, Pangold etc. indeß geht auch dieser Mangel nicht so weit, daß man z. B. die Wörter Chochmä (Weisheit) mit Cbächemä (sie ist weise) verwechselte, oder>Vejakam und Bäni statt wajakorarn und Rdnui sagte. Ich versichere Sie, bei einiger Routine attachirt man sich sehr an diese Aussprache, und ich möchte herzlich wünschen, daß sie in Deutschland allgemein eingeführt würde — bis jetzt haben blos die neuen Tempel in Hamburg und in Leipzig und die von ersterem relevirenden Schulen sie eingeführt; denn ihr ungemeiner dem Spanischen gleichkommendet Wohlklang lehrt uns erst, mit welchem Recht die Sprache unserer Vater auf den Ruhm einer sonoren, musikalischen Anspruch machen kann. Sie erleichtert sehr dieKenntniß der ersten Sprackregeln, sie macht es durch ihre genaue Skansion erst möglichdie vielen auf die rhythmische Abwechselung von Jeted und Tenungä gebauten Lieder zu singen und — vielleicht das wichtigste — ihre Einführung wäre für uns das wirksamste Mittel gegen das Jüdeln. Hier muß ich indeß eine, wie soll ich sagen, Unart bemerklich machen, die sich in sämmtlichen portugiesischen Gebetbüchern findet, selbst in den schönen Mutdarschen. Es ist nemlich, wo von Gott die Rede ist, das enclyticum der zweiten Person fast immer, und zwar wie ich glaube aus einem bekannten damonologischen Grunde, chaldäesirt und statt --echa mit - ach gegeben, wie z. B. Nakdischäch, wenängärizäch; mescbichäck etc., ja in der Mondweihe heißt es gar Jozerich, Kouich etc. Eben so findet sich bisweilen die Pluratform in statt im z. 85. umebärechfo, umeschahbecbiD etc. Aber dergleichen Gewohnheiten sind bei den Sefardim gar nicht auszurotten. Im vorigenJahrhundert z. 33. erhob sich in der hiesigen Gemeinde ein Schisma, ob man Chay oder Che hangolamim lesen solle, worü-