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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-28 · Heft 52 (28.12.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 52 (28.12.1917)
Date
1917-12-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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ausgezeichnet. Herr Rabbiner Tx. .Le imdö x-fe r > der bereits am letzten Sabbat ,an geweihter Stätte die segensvylle Tätigkeit des Herrn Levh in der Gemeinde hervorgehoben hatte, verlieh ihm den Chowertitel. In der Wohnung fanden fich der Rabbiner, die Abordnungen des Vorstandes und der Repräsentanten ein. Die 'Vor-' sitzenden der beiden Körperschaften, die Herren M. Frankel und Louis David, dankten dem treuen Mitarbeiter für seine vorbildliche, ehrenamtliche Tätigkeit in der Verwaltung und überreichten als Angebinde einen kostbaren silbernen Tafelaufsatz. Der Jubilar dankte in sinnigen Worten füt die ihm gewordene Ehrung. Der Festakt wurde noch durch Gesänge des Synagogenchors verschönt. Im Laufe des Tages fanden sich noch viele hervorragende Persönlichkeilen zur Beglückwünschung ein. Die große Anzahl der von nah und fern eingelaufenen Glückwunschadressen, Blumenspenden und sonstigen Ehrengeschenke gaben ein beredtes Bild von der Beliebtheit des Jubilars. Möge es dem verdienten Manne vergönnt sein, noch recht lange Jahre in unserer Gemeinde ehrenamtlich zu wirken. — Der Krieg hat auch im kommunalen Leben unserer Vaterstadt eine bedeutsame Wandlung hervorgebracht. Bei der letzten Senatswahl wurde Herr Max M. Marburg, der Sohn des verstorbenen Gemeindevertreters Moritz Marburg als Senatskandidat ausgestellt. Bei der von der Bürgerschaft vorgenommenen Wahl unterlag er mit nur 31 Simmen. Bisher hatte man es in Hamburg für unmöglich gehalten, daß ein Jude Senatsmitglied werden könnte, und gelangte auch noch niemals ein Jude auf die Wahlliste. Der Krieg hat hier mit einem Vorurteil aufgeräumt, was in der gesamten Bevölkerung freudig begrüßt wird. Die gesamte Presse spricht, ihre Genugtuung darüber aus, daß der Senat selbst mit dem veralteten Standpunkt aufgeräumt habe und der Weg zum höchsten Ehrenamt in Hamburg jetzt auch den jüdischen Mitbürgern frei stehe, zugleich wird es aber bedauert, daß ein so hervorragender Finanzmann wie Max M. Marburg unterlegen ist. Durch seine Wahl hätte der Hamburger Senat eine Persönlichkeit gewonnen, die für Hamburg, namentlich nach dem Kriege von großem Einfluß gewesen wäre. Die Wahl seines Gegners geschah nur durch einige antisemitische Stimmen, die noch heute für den Bestand der alten Hansestadt fürchten, wenn ein Jude iri den Senat eintritt. Sr. Dresden, 21. Dezember. Unter großer Beteiligung aus allen Kreisen dev Finanz- und Handelswelt fand auf unserem Gemeindefriedhof die Beisetzung des verstorbenen stellvertretenden Direktors der Dresdner Bank, Leon Klemperer, statt. Mit den Hinterbliebenen und Verwandten hatte sich eine große Trauerversammlurg eingefunden, in der man außer den Direktoren und Beamten der Dresdner Bank viele Vertreter der ersten Kreise unserer Bank- und Jndustriekreise und der Dresdener Börse bemerkte. Nachdem der Shnagogenchor den Choral: „Seele, was betrübst du dich" gesungen hatte, hielt Rabbiner Professor Dr. Winter die Gedächtnisrede, in der er mit liebeswariuen, trostvollen Worten des reichen Segens gedachte, den Gott Wer dem Leben des Entschlafenen ausgebreitet hatte. Er rühmte die alle Zeit vornehme, feinfühlende Art des Verstorbenen, der in rastloser Arbeit die höchste Befriedigung des Lebens fand und seinen Mitarbeitern ein teilnehmender, treuer Freund, feinen Untergebenen ein wohlwollender Förderer war. — Nachdem der Synagogenchor „Seelig sind die Toten" gesungen und Kantor Hof st e i n das übliche hebräische Gebet gesprochen hatte, wurde der Sarg nach dem Grabe gebracht, wo die Feier mit -einem Gebet des Rabbiners beendet, wurde. — Augsburg, 21 Dezember. Dem verantwortlichen Redakteur des Berliner antisemitischen Wochenblattes „Die Wahrheit", welches unsere Synagogengemeinde wegen einer angeblichen Weigerung, das Knpserdach unserer neuen Synagoge für Kriegszwecke. herzugeben, heftig angegriffen hatte, ist seitens des Vorstandes unserer Synagogengemeinde auf Grund des § 11 des Reichspreßgesetzes folgende tatsächliche Berichtigung zugegangen: „1. Es ist erfunden und unwahr, daß der Synagogenvorstand sich weigerte, der Aufforderung zur Abnahme und Ablieferung des Kupferdaches nachzukommen. 2. Es ist erfunden und unwahr, daß in Augsburg irgendwelche Aufregung über den — nie stattgehabten — Vorgang herrschte und zu bemerken war, ferner daß -eine Beschwerde gegen lins erfolgte bzw. zu unserer Kenntnis gelangte. 3. Es ist erfunden und unwahr, baß von uns jemals eine schweizerische Herkunft des Kupfers geltend gemacht und aus diesem oder einem ähnlichen Grunde die Befreiung von der Ablieferungspflicht begehrt wurde. . 4, Es ist erfunden und unwahr, daß die Behörde einen Bescheid erließ, wonach wir zur Ablieferung des Kupferdaches nicht verpflichtet find. Währ und nachweisbar ist: a) daß wir sofort nach Erscheinen der Bekanntmachung die freiwillige Ablieferung der Hauptmasse (3669,7 Kilogramm) anmeldeten, worüber wir eine Bestätigung des Stadtmagistrats Augsburg vom 15. Februar 1916 besitzen, und lediglich um Befreiung von der Ablieferung von 932 Kilogramm, welche zu kunstvollen Arbeiten der Bekrönung und Verzierung des Kupferdaches verwendet worden waren, baten; b) daß wir uns niemals zur bedingungslosen Ablieferung des Kupfers weigerten, keinerlei behördliche Beanstandung erfuhren und das Möglichste veranlaßten, um die Abnahme des Daches zu dem festgesetzten Zeitpunkte zu bewerkstelligen, insbesondere für die rascheste Beschaffung des Ersatzmaterials und der Umdeckungsvorkehrungen sorgten; e) daß wir während der Kriegszeit das aus dem Deutschen Reiche bezogene Dachkupser für die am 4. April 1917 eingeweihte Synagoge durch ausdrückliche Verfügung der Zuständigen militärischen Behörde freigegeben erhielten; d) daß wir bei unseren Gesuchen ausdrücklich die Berücksichtigung der vaterländischen Interessen in die erste Linie stellten; e) daß weder die Lokalpresse noch eine andere uns bekanntgewordene Zeitung — außer der „Wahrheit" — sich mit dem angeblichen Vorkommnisse überhaupt, geschweige denn in abfälligem Sinne, befaßte, und daß durch Umfrage bei der Behörde und bei der Bevölkerung der wahre Sachverhalt leicht festzustellen gewesen wäre." er. Karlsruhe, 21. Dezember. Um den gesteigerten Ausgaben und erhöhten Anforderungen, die der Krieg und in nicht geringerem Maße auch die kommende Friedenszeit an die Frauen stellt, .gerecht werden zu können, ist vor kurzem ein Verband der israelitischen Frauenverein Badens mit dem Sitz in Karlsruhe ins Men getreten. Vorsitzende ist Frau Antonie Elsas, Redtenbacher Straße 19. Der Verband hofft, in den beteiligten Kreisen kräftige Unterstützung zu finden, um eine ersprießliche Wirksamkeit entfalten und eine ehrenvolle Stellung unter den sozialen Einrichtungen des Landes eirinehmeu zu können. Gesterreich-Ankrarn. z. Wien, 21. Dezember. Die Eröffnung der jüdisch-pädagogischen K u r f e in Wien gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feier. Regierungsrat Prof. Dr. Wilh. Jerusalem setzte die Ziele der Kurse auseinander. Die Kurse wollen nicht nur ihre Höhrer zu tüchtigen Pädagogen heranbilden, sondern sie auch dazu erziehen, daß sie den Geist des Judentums bei der künftigen Generation erhalten helfen. Dr. Siegfried B e r n f e l d ergriff als zweiter Redner das Wort. Der jungen Generation, die jüdisch fühle, genüge es nicht, sich nur gelegentlich, an Feiertagen unb bei Sitzungen, mit dem Judentum zu befassen. Sie habe nunmehr das unabweisliche Bedürfnis, in jedem Augenblick ihres Daseins jüdisch zu denken und zu wirken. Daher strebe sie auch, sich ganz mit jüdischen Kulturwerten zu erfüllen. In diesem Sinne müßten auch die kommenden Geschlechter im Judentum erzogen werden. Dazu seien aber tüchtige Erzieher nötig. Solche heranzubilden, sei die schwierige Aufgabe der jüdisch-pädagogischen Kurse, die zunächst nur ein Versuch seien und an die Hörer große Anforderungen stellen. Im Namen des Exekutivkomitees der österreichischen Zionisten sprach der Präsident desselben A d 0 l f S t a n d. Zu. allen Zeiten, wenn das jüdische Volk in Gefahr gewesen sei, sei ein Jabne, ein Mittelpunkt der Pflege jüdischen Geistes, entstanden. Er hoffe, daß der Versuch gelingen werde. Vieles spreche dafür, insbesondere aber sei ihm die Tatsache, daß die Kurse in den Räumen der Frau Anitta Müller scheu Institutionen abgehalten werden, die aus kleinen, schwachen Anfängen sich zu einem Werke von höchster Bedeutung entwickelt hätten, Symbol und Gewähr dafür, daß das begonnene Werk gelingen müsse und zu einem neuen „Jabne" sich erheben werde. — „lieber die Judenhetze in Ungarn schreibt die Bud-apester „Allgemeine Jüdische Zeitung": „Das Kesseltreiben gegen die Flüchtlinge in Budapest hat nach einer kurzen Pause wieder begonnen. Wie vor einigen Wochen wurde hier auch gestern eine Straßenj-a g d aus galizische Flüchtlinge veranstaltet, und zwar mit Hilfe btt Militärpol i zei! Eine Anzahl von Flüchtlingen — darunter auch unter 18 und über 50 Jahre alte - , die gerade die Straße

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