Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1917)
- Date
- 1917-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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81. Jahrgang Nr. 52 Berlin, 28. Dezember 1917 V7 VUiVHIMVMUVV» Drllsgr zur „Allgemeinen Leitung drK IudentumK". Korrrkplmdrn?m und Oachrichtm. Deutschland. Berlin, 24. Dezember. Wir erhalten aus dem Felde folgende van fünf Feldgrauen Unterzeichnete Zuschrift: Wo immer es nur zu ermöglichen, werden die jüdischen Feiertage begangen, und der Feldgraue entbehrt nicht gern das von frühester Jugend an gewöhnte Begehen denkwürdiger Tage von religiöser Bedeutung. Um so mehr, da die geschichtlichen Ereignisse der Vergangenheit ein Spiegelbild der Gegenwart sind. Der Chanukkaabend int Felde verläuft, soweit es eben möglich, nach alter Sitte, und wollen wir heute nicht die schon oft geschilderten Festgvttesdienste wiedergeben, die den verehelichen Lesern längst aus den verschiedensten Darstellungen bekannt sind. Etwas anderes ist es, worauf wir Hinweisen möchten. Allüberall, wo es gilt, Not zu lindern, das Elend zu bekämpfen, bei der Mitarbeit wohltätiger und gemeinnütziger Zwecke mitzuhelfen und mitzuwirken, stehen unsere Glaubensgenossen an der Spitze und spenden mit offenen Händen. Wo aber bleibt die kleine Festesfreude in Form eines bescheidenen Geschenkes, wie es die andersgläubigen Kameraden im verhältnismäßig reichen Maße zugewiesen bekommen, für den jüdischen Feldgrauen, dem es nun auch im vierten Kriegswinter nicht vergönnt ist, im Kreise seiner Lieben das Chanukkafest zu begehen? Es berührt uns eigenartig, daß der Grundgedanke, seinen Mitmenschen eine kleine Freude zu bereiten, so gar nicht aufgekommen ist. Es ist jetzt das vierte Chanukkafest, das im Felde gefeiert wird, und bei keinem dieser Festestage sowie an sämtlichen anderen Feiertagen ist uns ein Gruß der deutschen Juden zuteil geworden. Nicht um den Wert der Liebesgaben, die wir da erhalten, ist cs uns zu tun, sondern der Gedanke: ,,Seht, unsere Glaubensgenossen in der Heimat gedenken unser an den Feiertagen", bereitet schon ein festtägliches Gefühl. Warum versagt hier der Gemeindeapparat, das Herz der Gönner und Geber? Diese Frage wurde von uns in diesen Tagen oft aufgeworfen, sowohl hier als auch bei anderen Armeen. Im Interesse aller Feldgrauen bringen wir hiermit unsere Aussprache zur allgemeinen Kenntnis. Mögen diese Zeilen einen Hinweis auf das Purimfest bilden, wenn, was Gott verhüten möge, das gewaltige Ringen noch keinen Abschluß gefunden. In diesem Sinne entbieten wir noch nachträglich unseren Chanukkagruß. SQ. Berlin, 24. Dezember. In der „K riegsh i lse der Jüdischen Gemeinde Abt. Frauen und Kinder" fand für die Kriegerkinder am 16. Dezember eine Chanukkabescherung statt. Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde waren Herr Geheimrat P i ck und Herr Blankenburg erschienen. Nach dem Anzünden der Chanukknlichter hielt Herr Prediger Dr. L e h m a n n eine Ansprache an die Kinder und Mütter. Dann folgte die Bescherung mit Wintersachen, Spielen usw. Wer da weiß, wie schwer in diesem Jahre Mäntel, Kleider, Schuhe usw. zu beschaffen sind, der muß der Sorgsamkeit der Damen der Kriegshilfe, die trotz allem solch reichen Gabentisch zusammenstellen konnten, warme Anerkennung zollen. Den Vätern im Felde wird es ein beruhigendes Bewußtsein sein zu wissen, wie durch treue Heimarbeit für die Ihrigen gesorgt wird. S£2 Berlin, 24. Dezember. Der Jüdische Frauenbund beabsichtigt, in der Zeit vom Januar bis Mai 1918 Kurse zur Ausbildung in jüdischer Wohlfahrtspflege zu veranstalten, und hat zu diesem Zweck folgendes Programm ausgestellt: Einführung: Herr Rabbiner Dr. Warschauer. 1. Geschichte der jüdischen Wohlfahrtspflege: Herr Dr. Jsmar Freund, 19., 26. Januar, 2. Februar; 2. Die ethischen Lehren des jüdischen Schrifttums über Wohlfahrtspflege, 9., 16., 28. Februar; 3. Die Aufgaben der modernen jüdischen Wohlfahrtspflege, 2., 9. und 16. März: Frau Siddh W r o n s k y : 4. Jüdische Armenpflege 13. April: Bertha P a p p e n h e i m , Frankfurt a. M.; 6. Jüdische Jugendpflege 20. April: Dr. Cora Berliner; 6. Ausgewählte Kapitel aus der jüdischen Hygiene 27. April: Herr Dr. Eisenstadt,' 7. Zukunftsausgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege, 4. Mai: Herr Magistratsassessor Dr. Friedrich Ollendorff. Als Hörer find jüdische junge Mädchen gedacht, die in der interkonfessionellen und jüdischen! sozialen Arbeit stehen, die über ein Maß von allgemeinen sozialen j Kenntnissen verfügen, denen aber das Wissen, das die jüdische j Wohlfahrtspflege zur Grundlage hat, fehlt, ferner jüdische junge i Leute, die für diese Frage. Interesse haben, und besonders zukünftige Lehramts- und Rabbinatskandidaten, die in ihrem Berufe dieses Gebiet gebrauchen werden. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Hörerkarten erhältlich: Bureau des Jüdischen Frauenbundes, Frau Henriette May, Berlin-Wilmersdorf, Gieselerstraße 16, von 9 bis 11 Uhr, oder auf schriftliche Meldung. # Berlin. 24. Dezember. Di e zahlenmäßige Bedeutung der Berliner j ü d i s ch e n Gemeinde, die ein Viertel der jüdischen Bevölkerung Deutschlands umfaßt, wird durch einige Ziffern aus dem Rechnungsabschluß der Frledhofsverwaltuna deutlich illustriert. Die Abschlußzifsern des Berichts belaufen sich in der Ausgabe auf 866 386 Mark, denen Einnahmen in Höhe von 864 016 Mark gegenüberstehen, so daß eine Mehrausgabe von 1371 Mark zu verzeichnen ist, die aus dem Gemeindesäckel gedeckt werden muß. Diese Unterbilanz ist em Novum in der Friedhofsverwaltung; denn wenn auch das eigentliche Beerdiaungswesen schon immer sehr erhebliche Zuschüsse verschlang, so erbrachten doch die Friedhotsgärlnereien seit ihrer Uebernahme in Gemeindeverwaltung so bedenrende Ueberschüsse, daß nicht nur die Mehrkosten des Bestaltunaswesens gedeckt, sondern auch recht beträchtliche lieberschüsse angesammelt werden konnten, die zum Ankauf eines neuen Friedhofes verwendet werden, sollen. Diese Veränderung des gewohnten Bildes ist nur zum Teil als Kriegsfolge zu betrachten; sie dürfte in der Hauptsache auf den Beerdigungstarif zurückzuführen fein, der die begüterten Gemeindemitglieder nicht zu genügenden Leistungen heranzieht. Für das Beerdigungswesen wurden 467 369 Mark verausgabt, während im Vorjahr 81 746 Mark weniger verbraucht wurden. Die Einnahme dieser Position betrug 304 128 Mark, so daß ein Gemeindezuschuß von 163 231 Mark zu leisten war, der zum Teil aus den 163 740 Mark betragenden Ueberschüssen der Gärtncreiverwaltung zu decken war. Im Berichtsjahr fanden 2074 Beerdigungen statt gegen 2043 im Vorjahre. Ferner wurden 40 Aschenreste beigeseüt, so daß im ganzen auf dem Friedhof in Weißensee 324 Aschenreste ruhen unter 50 319 Leichen, die seit der 1880 erfolgten Friedhofseröffnung dort bestattet wurden. Auf dem für gefallene Krieger eingerichteten Ehrenfelde wurden bisher 183 Soldaten beerdigt, die vor dem Feinde gestorben oder ihren Wunden erlegen sind. Die sich auf mehr als 27 000 Mark belaufenden Kosten für Beerdigung und Grabpflege werden von der Gemeinde getragen. Die Gemeinde unterhält zwei Friedhöfe, von denen der ältere (Schönhauser Allee) jedoch nur wenige reservierte Grabstellen aufweist; die Weißenseer Anlage ist als eigentlicher Gemeindefriedhof anzusprechen. Hier fanden 2061 Beerdigungen statt, also mehr als sechs täglich. Bei 894 Trauerfeiern wirkten Prediger mit, von denen ein einziger 213 Trauerreden hielt, bei 483 Beisetzungen sang ein Chor, in 36 Füllen wurde das El-mole-rachamim-Gebet vorgetragen. 614 Grabsteine wurden auf Gemeindekosten gestellt, weil die Hinterbliebenen dieser Pflicht nicht nachkamen. In dauernder Gemeindepflege befinden sich 23 476 Gräber. Als besonders bemerkenswerte Erscheinung ist die im Berichtsjahr auffallend geringe Beteiligung bei Beerdigungen zu erwähnen. Insgesamt befinden sich in Weißensee 16 294 als Armengräber gepflegte Hügel. Unter den Schwierigkeiten, mit denen die Verwaltung zu kämpfen hatte, sollen hier nur die Mängel an Fuhrwerk, an Leinen für Sterbekleider und die Arbeiternot Erwähnung finden. Das eingearbeitete Personal steht durchweg bei' den Waffen. Die Friedhofsverwaltung wird von einer aus Gemeindemitgliedern, Repräsentanten und Vorstehern gebildeten Kommission ausgeübt, die zwanzig Mitglieder zählt. E. M. Berlin, 24. Dezember. Die Ko s che r f l e i s chv er w a l - t un g der B e r l i ner ) üdi s chen Genre i nde, die von der unter dem Vorsitz des Gemeindeältesten, Sanitütsrat Dr. Feilchenfeld, stehenden Kaschrnth-Komnrisston geführt wird, hat in einer der letzten Sitzungen der Repräsentantenversannulung ihren Rechnungsabschluß! voraelegt. Die Beschaffung und Verteilung des Koscher fleische s hat im Jahre 1916 einen Gemeindezuschuß von 50 000 Mark erfordert. D.is