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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-29 · Heft 52 (29.12.1916) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 52 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
Seite 624 (sequence 12)
Language
German
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. 6-24 cuuicjiilivt wird, einer schönen, liebenswürdigen, reichen Dame, die von früher her mit dem Helden Bernhard befreundet, dann mit seiner jungen Frau Lotte, die eine Zeitlang von ihrem Vater, dem General, verstoßen ist, aufs innigste verbunden, die Befreiung des Unpatriotischen" durchsetzt und durch ihre Anmut und durch ihre starke Betonung des Judentums alle, selbst manche weibliche, ursprünglich widerborstige Mitglieder der aristokratischen Kreise bezaubert. Am meisten den General, der gar nicht abgeneigt ist, das hübsche, reiche Frauchen zur Gemahlin zu erhöhen. Daß auch dies sehr wahrscheinlich sei, möchte ich nicht behaupten, aber ich nehme gerade dies, namentlich in der Voraussetzung, daß die Bersasserin Christin ist, als ein Zeugnis schöner Toleranz hin und freue mich des Buches, weil es in der schweren Kriegszeit ein Dokument tiefen Friedensbedürfnisses und ein Bekenntnis der Lehre ist, daß die wirkliche Kultur in einem gemeinsamen Borgehen aller Nationen und in ihrem streben nach hohen und großen Zielen besteht. L. Ci. # — 5370 . . . 5076. Gedenkschrist, uitgegeven ter Gelegenheid Van Het 300 Jährig Bestaan der Onderwijsinrichtingen Talmud Tora en ets Haim bij de Portug. Israel. Gemeente te Amsterdam. Door Dr. M. C. P a r a i r a en J. S. Da Silva Rosa. Reber diese wertvolle Veröffentlichung habe ich bereits kurz in einer der letzten Wochenübersichten gehandelt. Jetzt liegt mir durch die Güte, eines Amsterdamer Freundes die Schrift selbst vor. Leider bin ich bei meiner Unkenntnis des Holländischen nicht in der Lage, genauer über deu Inhalt zu handeln, doch darf ich so viel sagen, daß hier ein sehr wichtiger Beitrag für die innere Geschichte der Amsterdamer Gemeinde geboten wird, namentlich die Zusammenstellung am Schlüsse des Werkes, über die Vorsteher der Talmud-Thora-Schnle während der drei Jahrhunderte ihres Bestehens, ist von sehr großer Bedeutung, und vieles in der Schrift selbst dürste auch von allgemeinem Interesse sein. Vielleicht ist ein des Holländischen kundiger Gelehrter in der Lage, uns Näheres über den Inhalt der Schrift, die sich auch äußerlich prächtig darstellt und mit manchen Faksimiles geziert ist, mitzuteilen. Was uns zunächst an der Arbeit interessiert, ist die Stelle, die über Spinoza und die Seinen handelt. Ich lasse diese gleichfalls in der Uebersetzung meines Amsterdamer Freundes, dem ich auch dafür an dieser Stelle Tank sage, hier folgen. Sie lautete „Zn den ersten „Jrmaos" gehörte n. a. Michael d'EsPinoza mit feinen beiden Söhnen Jsaae und Baruch (der damals noch nicht 5 Jahre alt war). Er gab am Stiftungstag Fl. 70 als Geschenk, wovon Fl. 52 als „Promesa" und Fl. 18 als Einkanssgeld für sich und seine beiden genannten Söhne. Ter Name seines Sohnes Baruch (Benedictus), des berühmten 'Philosophen, ist auf der Liste durchstrichen. Sehr wahrscheinlich ist dies geschehen, nachdem der Bann über ihn verhängt war, wodurch er außerhalb der Gemeinde zu stehen kam und alw von selbst seine Mitgliedschaft verloren hatte. Unter den Studenten, die einen Zuschuß (Aspaca) erhielten, kommt sein Name nicht vor. Aus dem, was jetzt noch vom Archiv Ets Haim übrig ist, ergibt sich nirgends, daß Spinoza Schüler der genannten Schule war. Toch ist es so gut als sicher, daß er diese Schule, die der Stolz der Gemeinde war und wv sowohl die Kinder der Reichen als der Armen Unterricht genossen, besucht hat." Tazn die Anmerkung: Michael d'EsPinoza hatte im Jahre 5395 (1635) als Parnas von ,,Talmud Tora" fungiert. (Siehe Seite 09.) — M. I. bin G o r i o n : Der Born Inda s. Erster Band. Bon Liebe und Treue. Leipzig, im Jnselverlag. Ter pseudonyme Verfasser ist seit Jahr und Tag als eifriger Sammler und Berdolmetscher der Sagen der Juden bekannt (siehe auch diese Zeitung, Jahrg. 77, S. 371), und wir wissen ihm Dank* dafür. Tas vorliegende Werk kündet sich ans sechs Bände an. Erstaunt fragen wir: Ist denn „Ter Born Judas" unerschöpflich? In der Hand unseres Verfassers wohl, denn er weiß aus allen Schichten und --- Wüsten der jüdischen Literatur, die er vorzüglich kennt, stets neue Geschichten und Erzählungen heranzuziehen. Aber diese frommen Geschichten, Legenden, oder maasijoth, wie sie mit unübertrefflicher Prägnanz der jüdische Volksmund bezeichnet, werden nicht nach jedermanns Geschmack sein, trotz der Nachhilfe, die ihnen bin Gorion in Sprache und Anordnung gewährt. So z. B. „Tie Tochter Sephatjas" S. 287, eitle Geschichte, die man als banal bezeichnen famt, da sie nichts enthält als die alltägliche Erscheinung, daß der Vater die reif gewordene Tochter zu verheiraten trachtet; in der Quelle selbst hat sie freilich einen Sinn, weit dort eine Familiengeschichte gegeben wird. 'Andere Geschichten stoßen w-egen ihrer Wunderlichkeit und hier und da auch wegen ihrer Sinnlichkeit ab; zu schätzen ist freilich die Betonung des Waltens Gottes und des Lohns der Tugend und der Strafe des Frevels, was aber ermüdend wirkt, wenn es gar zu oft zum Bewußtsein geführt wird. Der Hauptfehler des Buches ist aber der, daß viele Geschichten in zwei oder drei Fassungen mitgeteilt werden. Wären diese Fassungen inhaltlich sehr verschieden, so würde fich ihre doppelte und dreifache Mitteilung rechtfertigen lassen, da aber die Abweichungen ziemlich geringfügig sind, so läßt sich ein Grund -311 dem Abdruck der verschiedenen Fassungen kaum einsehen. Kurz, wir bitten um bessere Auswahl, um Abwechslung lind bei allen Geschichten mrr um eine, und zwar die ausführlichste ulld beste Darstellung. S a m u c l K r a u ß. * — Agada - Sa m m l u n g. Von I. Lewner. Für die Jugend ausgewählt, übersetzt und mit Zusätzen versehen von B. Gottschalk. Zweiter B a n d: Von Mose bis Samuel. Berlin, Verlag von M. Poppelauer, 1916. Es war ein glücklicher Gedanke, die ausgezeichnete Agada-Sammlung Lewners in einer für die Jugend geeigneten Allswahl ins . Deutsche zu übertragen'. Von dieser Sammlung, die von B. Got.tschalk besorgt ist, liegt nunmehr der zweite Band vor, der in 45 Abschnitten die Zeit von Mose bis Samuel umfaßt. Der Inhalt sowie der Wert der einzelnen Stücke ist ungleichartig;' im allgemeinen möchte ich behaupten, daß die kürzesten dem beabsichtigten Zweck am meisten eutsprochieu: um nur wenige zu nennen: Mose als Hirt, Mose am Dornbusch, Tie zehn Gebote, Rahab, Achan, Michas Götzenbild, Samuels Eltern, Samuel als Richter. Zn wünschen wäre mir, daß die A gada-Sammlung recht viele eifrige Leser und Leserinnen unter der Jugend fände, die in dem Wundergarten der Agada manche schöne Blume des Glaubens 1 mb der Lebensweisheit pflücken, könnten. Aussig a. E. Tr. A r t h n r R 0 s c n z w e i g. * =•■= M alwida v. Meh senb u g. Ein Lebensbild zum 100. Geburtstage. Ter Jdealistin von Berta Schleicher, mit 32 Abbildungen. Verlag von Schuster u. Loeffler, Berlin 1916. Tie 100. Wiederkehr des Geburtstages der ausgezeichneten Schriftstellerin und tapferen ^orkämpserin der deutschen Frauenbewegung veranlaßte den Verlag Schuster u. Loeffler, eine Gesamtausgabe ihrer Werke vorzubereiten. Als Einleitung hierzu ist das vor uns liegende Lebensbild erschienen. Tie Hauptaufgabe der Herausgeberin war, die interessante Persönlichkeit irr den Vordergrund zu rücken, auf die i Dokumente zu deren Lebensgeschichte den Hauptnachdruck zu legen und > Malwida selbst so viel wie möglich mit eigenen Worten reden zu lassen, was ihr durch reiches Briefmaterial ermöglicht wurde. Die Biographie ist demnach so gehalten, daß sie einerseits den Kennern und Verehrern der großen Frau Neues zusührt, andererseits der jüngeren Generation, die noch nichts von ihr weiß, ein klares Bild ihrer Persönlichkeit gibt. .Wir empfehlen das treffliche Buch um so wärmer der jüngeren deutschen Frauenwelt jüdischen- Glaubens, als Malwida v. Meysenbug vielfach mit bedeutenden Juden in engen Beziehungen gestanden hat, Tr. Anton Reö, Julius Rodenberg, Frau Julie Salis-Schwabe u. a. in. Breslau. R egin a Neiße r. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet ln keinem Falle statt. Tagebuch für die jüdische Jugend 5677. 1916/17. Zweites Tausend. Wien 1916, R. Löwit Verlag. (Dr. Mäher-Präger). Aage Madelung: Aus Ungarn und Galizien. Kriegsberichte. S. Fischer Verlag, Berlin. Hundert Jahre Berliner Humor. Ein heiteres Stück Kulturgeschichte von den Freiheitskriegen bis zum Weltkrieg. Gesammelt und eingeleitet von Gustav Mauz. Mit Zahlreichen Bildern aus alter und neuer Zeit. Verlag der Lustigen Blätter, Tr. Eysler u. Co. (G. m. b. H.), Berlin 1916.

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