Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- Seite 618 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertreter der Mähri sch-Ostra uer Kultusgemeinde Direktor der Tzieditzer Montanwerke Dr. Alois Hilf erkundigte sich der Kaiser über die Approvisionierungsverhältnisse, insbesondere der Gewerkschaftsarbeiter. Ten Vertreter der Wiener-Neu'städter Kultusgemeinde Regimentsarzt Tr. Wilhelm Wolf befragte der Kaiser nach Entgegennahme der militärischen Meldung über die Krankenstands- Verhältnisse im Kriegsspital Wiener-Neustadt. Bei den Vertretern der Kultusgemeinden Linz Benedikt Schwager, Graz Simon R e n d i, Salzburg Rudolf L ö iu y und Innsbruck Wilhelm Tann- Hauser erkundigte sich der Kaiser nach der Größe und den Verhältnissen der von ihnen vertretenen Gemeinden. Tie Kaiserin zeigte für die Anfragen des Kaisers und die erteilten Antworten lebhaftes Interesse und zeichnete gleichfalls mehrere Herren durch Ansprachen aus. Nach jeder Ansprache reichte der Kaiser den einzelnen Vertretern die Hand und verabschiedete, nachdenr er auch dem Präsidenten Tr. Alfred S t e r n Unter neuerlichem Ausdruck seines Allerhöchsten Tankes wieder die Hand gereicht, -die Deputation in huldvollster Weise. * Ferner sei aus der „Halbmonatsschrift für soziale Hygiene und praktische Medizin" nachstehender Artikel abgedruckt, der für unsere Leser von hervorragendem Interesse ist: Z h nt Gegeustande: M ische h cn n n d Statistik. Eine Erwiderung. Bon Dr. Hans G n r a d z c (Berlin). In Nummer 24 dieser Zeitschrift finden sich bedeutsame Bemerkungen zu meinem Aufsätze „Die Mischehen in Berlin" (Nummer 23 dieser Zeitschrift) von M a l* Ni ax cu s e. Der bekannte Sozialforfcher betont dabei im wesentlichen den Vorzug der Kasuistik gegenüber der Statistik bei der Behandlung des in Rede stehenden Gegenstandes. Gewiß hat er dalr-ei im ganzen recht: aber er gibt selbst zu. daß seine - bezüglichen Untersuchungen besonders hinsichtlich der christlichjüdischen Mischehen selbst ein „vielleicht nicht einwandfreies, weil durchschnittlich ein sozial zu gehobenes Material" behandeln. Das ist eben der Marigel der Kusuistik gegenüber der Statistik, daß erstere lange nicht die Tragrveite und Vollständigkeit besitzt, ihrem Wesen nach auch nie besitzen t a n n rvie letztere. Dafür hat diese, die Statistik, manchmal ihre eigene Achillesferse. Es ließe sich unschwer eine „Statistik der Mängel der Statistik" Herstellen. Aber vollkommen ist nun einmal nichts auf dieser Welt. Im übrigen freue ich mich stets! als Statistiker, wenn mir ein Kasnistiker entgegentritt, noch dazu ein! so..geistvoller wie M a r c u s e. - Jedoch kann ich zur Ehrenrettung der Statistik auch in der Misch-! ehenfwge verschiedene Punkte aufführen. Zunächst scheut sich selbst .ein so gewiegter Sozialhygieniker wie Prinzing nicht, die Statistik als Beweisnüttel für die Sterilität der Mischehen heranzuziehen. In seinem „Handbuche der medizinischen Statistik" sagt er "unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die preußische Statistik auf! S. 39 (ich lege die Auslage vorn Jahre 1906 dem Folgenden zu- > gründe):! s V Jacob pleßner: Louis Sachs, Standplakette (Vorderseite). „Sehr beträchtlich ist der Prozentsatz der kinderlosen M i s ch - e h e n zwischen Juden und Christen. Nach der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 war. dieser (ohne Rücksichtnahme auf die Dauer der Ehe und auf die gestorbenen Kinder) bei Ehen zwischen protestantischen Männern und katholischen Frauen 21,4 katholischen Männern und protestantischen Frauen 21,1 „ christlichen Männern und jüdischen Frauen . . 34,2 „ jüdischen Männern und christlichen Frauen . . . 36,0.„ So weit Prinzing. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diesem bedeutenden Sozialmediziner der störende Einfluß der Aus- und Uebertritte bei dem in Rede stehenden Gegenstände nicht unbekannt war. Und nun zu diesen Trübungen und Betrübungen der Mischehenstatistik selbst. In Berlin — und ich habe doch vorzugsweise die Reichshauptstadt in dem betreffenden Aufsatze in Nummer 23 dieser Zeitschrift behandelt—wurden im Jahre 1910 — ich nehme absichtlich ein Volkszählungsjahr, in anderen liegen die Verhältnisse nebenbei bemerkt ganz ähnlich --- im ganzen 21848 Ehen geschlossen, darunter 4052 Mischehen (im statistischen, nicht kasuistischen Sinne). Unter diesen 4052 Mischehen waren solche 1. zwischen jüdischen Männern und christlichen Frauen 164, 2. zwischen christlichen Männern und jüdischen Frauen 95, 3. zwischen jüdischen Mnnern und dissidentischen Frauen 9, 4. zwischen dissidentischen Männern und jüdischen Frauen 6. Von den zu 1 ausgeführten 164 Frauen waren 147 evangelisch und 17 katholisch, von den zu 2 aufgeführten 95 Frauen 76 evangelisch und 19 katholisch. Im ganzen heirateten 1910 in Berlin 750 jüdische Männer und 679 jüdische Frauen, hingegen 17 527 evangelische und 3119 katholische Männer, 15908 evangelische und 1849 katholische Frauen. Im einzelnen sei auf die Tabelle S. 61 des 32. Jahrganges des Statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin verwiesen. Man steht also, daß der 'jüdische Einschlag bei allen Ehen sowie bei den Mischehen nicht sehr erheblich ist. Dies hervorzuheben scheint mir nicht unwichtig für die kasuistische Behandlung des Problems; eine solche kann eigentlich nur auf lange Zeiträume erstreckt als beweiskräftig gelten. Dieser verhältnismäßig geringe jüdische Einschlag ist mit eine Folge des überhaupt geringen Anteils, den die jüdische Bevölkerung von der gesamten bildet. So belief sich in Berlin bei der Volkszählung von 1910 der Anteil der jüdischen Männer an der gesamten männlichen Bevölkerung auf 4,65 Prozent, der entsprechende der jüdischen Frauen aus 4,07 Prozent, der aller Juden auf 4,35 Prozent. Im gleichen Jahre 1910 traten zur evangelischen Kirche in Berlin aus dem Judentum im ganzen 113 Personen über, überhaupt zur evangelischen Kirche 767 Personen. Also auch hier ist der jüdische Anteil nicht erheblich. Austritte aus der evangelischen Landeskirche erfolgten 3339. - Uebrigens haben gerade im Kriege die Mischehen aller Art zugenvmmen, nämlich in Berlin von 4063 in 1913 auf 4638 in 1914, während alle Ehen von 21194 in 1913 auf nur 22 702 in 1914 gestiegen sind. — Diese kurzen Angaben mögen vorläufig genügen. Mit ihnen soll natürlich grundsätzlich nichts gegen eine