Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- Seite 617 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Antwort des Kaisers, mit lauter Stimure und ausdrucksvoller Betonung gesprochen, übte auf die Anwesenden tiefsten Eindruck aus. Hierauf erbat sich der Präsident Dr. Stern neuerlich das Wort,; um die Mitteilung zu erstatten, daß die israelitische Kultusgemeinde R a gu s a (Dubrovnik), die infolge Kürze der Zeit einen Vertreter nicht mehr entsenden konnte, ihn beauftragt habe, bei der Huldigungsdeputation die unwandelbaren Gefühle ihrer untertänigsten Treue und Ergebenheit an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Der Kaiser nahm die vorgewiesene Depesche zur Hand und reichte sie auch der Kaiserin und beauftragte sodann den Präsidenten j Dr. Alfred Stern, der Kultusgemeinde Nagusa seinen Dank für die bekundete patriotische Gesinnung 51t übermitteln. Sowohl der i Kaiser als die. Kaiserin reichten dem Präsidenten die Hand. Der Kaiser erkundigte sich sodann noch bei Dr. Stern eingehend über seine Amtstätigkeit bei der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und über ihre Verhältnisse. Dem Oberrabbiner Dr. Gü d e m a n n sprach der Kaiser, indem er ihm die Hand reichte, den Dank für den erteilten Segen aus. Er erkundigte sich sodann noch über die Dauer der Tätigkeit des Oberrabbiners in Wien und bemerkte auf die Antwort Dr. G ü d e m a n n s, daß er seit 50 Jahren in Wien wirke: „Das ist eine lange Zeit!" Ter Kaiser ließ sich sodann die Mitglieder der Deputation vom Präsidenten Dr. Stern vorstellen, erkundigte sich bei ihnen über ihre Privatverhältnisse und über die Verhältnisse der voll denselben vertretenen Gemeinden oder Körperschaften und bekundete besonders lebhaftes Interesse für die Approtz is i 0 ni e r u n g s f r a g e der einzelnen Städte, aus welchen Vertreter gekommen sind. Bei dem Vizepräsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Dr. Benjamin RappaPort erkundigte sich der Kaiser nach der Tauer seiner Tätigkeit in der Gemeinde und über seine Amtswirksamkeit im Staatsdienste. Bei dem Vertreter der Prager israelitischen Kultusgemeinde kaiserlicher Rat Robert Fuchs Edlen v. R 0 b e t t i n erinnerte sich der Kaiser, ihn schon vor Jahren bei einer Prager Ausstellung gesehen und gesprochen zu haben. Dem Vertreter der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft Obmannstellvertreter Dr. Heinrich R 0 s e n b a u m stellte er die Frage, ob viele Juden in Böhmen eingerückt seien. Auf die bejahende Antwort bemerkte der Kaiser: „S i e h a b e n s i ch a I l e sehr b r.a v g e h a l t e n." Als auf eine ähnliche Frage des Kaisers der Vertreter der Brünner Kultusgemeinde Adolf Herdan erwiderte, daß es nahezu keine einzelne Familie in Mähren gebe, welche nicht ein oder mehrere Mitglieder im Kriege hätte, bemerkte der Kaiser, d a ß i h m dieswohlbekanntsei linb daß auch viele A u s - z e i chm ungen e r h a l t e n h a b e n. Bei dem Vertreter des mährisch-jüdischen Landesmassafonds Tr. Siegmund Schimmerling erkundigte sich der Kaiser nach dem Vermögensstande des Fonds. Auf die Bemerkung Dr. Schimmerlings, daß ungefähr die Hälfte des zweieinhalb Millionen betragenden Fonds in Kriegsanleihe angelegt sei, antwortete der Kaiser: „Das freut mich sehr. Ich schätze Ihren Patriotismus und I h re d h n a st i s ch e T r e u e." Zu Dr. Emil P a r n a s , k. k. Negierungskommissär der Kultusgemeinde Lemberg, bemerkte der Kaiser, daß er sich mit Freude seines Aufenthaltes in Lemberg ini Jahre 1912 erinnere, worauf ihm Dr. P a r na s erwiderte, daß diese Tage für alle Einwohner Lembergs, speziell aber für die Juden Lembergs unvergeßlich sind. Den Vertreter der Krakauer israelitischen Kultusgemeinde Dr. Samuel Dilles erkannte der Kaiser sofort wieder und sagte: „Wir sind ja schon bekannt. Ich erinnere mich Ihrer ganz genau." Er erkundigte sich bei Dr. Dilles nach den Verhältnissen in Krakau und über die landwirtschaftlichen Verhältnisse in G a - l i z i e n, insbesondere über den Wiederaufbau der durch die Russen zerstörten Landg ü t e r. Auch den Vertreter der Czernowitzer Kultusgemeinde, Landtagsabgeordneten Dr. Neumann-Wender, erkannte der Kaiser wieder. Er erkundigte sich bei ihm über die Lage der Bukowianer Fluchtl i n g e und gab zum Schlüsse der. Hoffnung A u s d r u cf, daß s i e bald wieder in ihre Heimat w erde n zurückkehren können. Auch bei dem Vertreter der Troppauer Kultusgemeinde Dr. Theodor Sonnenschein erkundigte sich der Kaiser über die Lage der in Schlesien untergebrachten Flüchtlinge und bemerkte auch: „Ich weiß, daß Ihre Glaubensgenossen für die Flüchtlinge sehr tätig sind." Zn dem Vertreter der Triester Kultusgemeinde Direktor- Karl Schütz bemerkte der Kaiser, daß er erst j ü n g st in T r i e st w a r und die Verhältnisse dort selbst kenne. Auf die Frage bezüglich der A P P r 0 v i s i 0 n i e r u n g der Gemeinde antwortete Direktor S ch ü tz, daß die Schwierigkeiten in der Approvisionierung der Gemeinde dank der großen Unterstützung der Behörden, besonders des Statthalters Freiherrn v. F r i e s - S k e n e, des kaiserlichen Kommissärs Hofrates Kretisch v. S t r a s s a l d 0 und der Aufopferung des Oberrabbiners der Triester Gemeinde Tr. Ehajes wesentlich gemildert wurden. Zu dem Vertreter der Pilsener Kultusgemeinde Dr. Josef Schanzer bemerkte der Kaiser, daß er die Stadt aus der Zeit.seiner Stationierung in Dobron kenne, und erkundigte sich, ob sich die Stadt seither stark entwickelt habe, was Dr. Schau zer insbesondere im Hinblick aus das Aufblühen der Skodawerke bejahte. Auch.bei dem Jacob pleßner: Moses Mendelssohn.