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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-29 · Heft 52 (29.12.1916) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 52 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
Seite 616 (sequence 4)
Language
German
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616 schreiten in ein neues bürgerliches Jahr hinein, zwar in Sorge und Ungewißheit, aber mit felsenfestem Vertrauen auf die Gerechtigkeit und den endgültigen Sieg unserer Sache. * Von unserem Mainzer Korrespondenten erhalten wir folgende Zuschrift: .Rumänien hat allein schon d u x d) seine Judenverfolgungen seine Unabhängigkeit verwirkt. In dem Teile des Berliner Vertrages von 1878, der Rumänien und dessen Israeliten betrisst, heißt es: Artikel 43: „Die hohen kontrahierenden Parteien, erkennen die Unabhängigkeit Rumäniens an, indem sie sie an die in den beifolgenden Artikeln ausgezählten Bedingungen knüpfen." Artikel 44: „In Rumänien darf der Unterschied des religiösen Glaubens und Bekenntnisses niemandem als Grund der Ausschließung oder der Unfähigkeit, insoweit er den Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Aemtern, Funktionen und Ehrenstellen, oder die Ausübung der verschiedenen Professionen und Industrien betrifft, an welchem Orte es auch sei, entgegengestellt werden." „Die Freiheit und die öffentliche Ausübung aller Külte sind allen Einheimischen des rumänischen Staates, sowie den Fremden (Ausländern) gesichert und kein Hindernis darf ihnen weder in der hierarchischen Organisation der verschiedenen Gemeinden noch in deren Beziehungen zu ihren geistlichen Chefs in den Weg gelegt werden. Die Untertanen aller Mächte, Handelstreibende oder andere werden in Rumänien ohne Unterschied der Religion auf dem Fuße vollständiger Gleichheit behandelt." Es ist hinlänglich bekannt, wie das offizielle Rumänien in hinterlistiger und raffinierter Weise die Erfüllung dieses Artikels zu umgehen wußte, wie es die Großmächte bei ihren Vorstellungen und Ermahnungen zu täuschen unternahm und wie es seit nahezu 40 Jahren nicht gelungen ist, Regierung und Kammern Rumäniens zur Erfüllung ihrer hier so klar und deutlich ausgesprochenen Verpflichtungen zu bewegen. Die Juden wurden als Fremde erklärt, rechtlos gemacht, Ausnahmegesetze für sie erlassen, von Haus und Hof getrieben und das alles, indem man vorgab, den Worlaut des Vertrages zu halten. Wahrlich, schon wegen der Hunderttausende von geknechteten und entrechteten Juden hat Rumänien den Untergang verdient. * Von der Hu l d i g u n g d er ö st e r r e i ch i s ch e n I u d e n an den neuen Kaiser Carl I. war im „Gemeindeboten" bereits kurz die Rede. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit der bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden soll hier ein ausführlicher Bericht folgen, den wir der „Oefterreichischen Wochenschrift" entnehmen. Er lautet: Tie Audienz der Huldigungsdeputation durch den Kaiser mit) die Kaiürin fand am 11. Dezember mittags statt. Es untiten empfangen: von der nraelitnchen Kultusgemeinde Wien Präsident Dr. Alfred Sterin Erster Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin Rappaport und OLerrabbiner Dr. Moritz Güdemann, der Vizepräsident der Kultusgemcinde Prag kaiserlicher Rat Robert Fuchs Edler v. Robettin, das Vorstandsmitglied der Kultnsgcmeinde Brünn Adolf Herd an, der Rrgierungskommissär der Kultusgemeinde Lemberg Dr. Emil P a r naß, die Präsidenten der Kultusgemeinden in Krakau Tr. Samuel T i l l e s , in Linz Benedikt Schwager, in Graz Simon R e n d i, in Czernvwitz Tr. R e u - m ann - W e n der, in Troppan Dr. Theodor S o n n e n s ch ein, in Triest Karl S ch ü tz , in Pilsen Tr. Josef S ch a n z e r , in Mähr.- Ostrau Dr. Alois Hilf, in Salzburg Rudolf L ö wy, in Innsbruck Wilhelm D a u n h auicr und in Wiener-Neustadt Tr. Wilhelm Wolf, der Obmannstellvertreter der Repräsentanz der böhmischen Landesjudeufchafr Dr. Heinrich R o? e n b a u nt und für den mährisch-jüdischen Landesmassafonds Dr. Sigmund Schimmer- I i n g. . . Nachdem das Kaiserpaar den Audienzsaal betreten hatte, trat Oberrabbiner Tr. Güdemann einige Schritte vor und erbat sich die Erlaubnis, mit bedecktem Haupte die althebrüischen Segensworte im Namen der gesamten österreichischen Judenschaft über das Herrscherpaar aussprechen zu dürfen. Nach erteilter Genehmigung sprach der Oberrabbiner erst den hebräischen Segensspruch und fuhr dann deutsch fort: „Gepriesen sei der ewige Weltherr, der in seiner Gnade den Abglanz göttlicher Majestät auf die glorreichen' Häupter Euer Majestäten herabgesenkt hat und zu dem wir inbrünstig beten, daß dieser Abglanz in immer hellerem Lichte des Glückes, der Freude, des Segens und des Friedens über Euer Majestäten erstrahlen möge. Amen!" In dieses Amen stimmten alle Anwesenden ein. Sodann hielt der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Tr. Alfred Stern folgende Ansprache an den Kaiser und die Kaiserin: „Eller Majestäten! Ehrfurchtsvoll nahen die gesetzlichen Vertreter der Kultnsgemeinden der Kronlandshauptstädte und einiger größerer Städte Lesterreichs, um namens der gesamten Judenschaft des Vaterlandes Euer kaiserlich und königlich Apostolischen Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin die alleruntertänigste Huldigung darzubringen. Glücklich und hoffnungssroh hat die Judenschaft aller unter Euer Majestät Zepter vereinigten Länder die Verheißung Euer Majestät vernommen, die Rechtsgleichheit, welche wir Juden dem unvergeßlichen, nunmehr verklärten, ruhmreichen Vorfahren Euer Majestät All danken haben, so r g s a m hü t e u z u w olle u. In alten Gauen des Reiches fühlt sich die jüdische Bevölkerung eins mit ihren Mitbürgern in der unwandelbaren Treue zu Kaiser und Reich, eins in der Bereitwilligkeit, Gut und Mut für Thron und Vaterland zu opfern, eins in der Freude über die ruhmreichen Erfolge unserer tapferen- Armee, eins in der stolzen Zuversicht, daß es Euer Majestät ruhmbedeckten Armee baldigst gelingen wird, den endgültigen Sieg über unsere Feinde 31t erringen. Wir sind glücklich, die Huldigung unserer Glanbensbrüder Euer Majestät heute zu Füßen legen zu dürfen, da erst vor wenigen Tagen die verbündeten Armeen in unwiderstehlichem Siegeszug einen nellen helmtückischen Feind bezwungen, glücklich, daß untere Glanbensbrüder im Heere auch hier teilhaben dlirften an dieser Großtat, durch welche zu Habsburgs Rühm imb Ehre das Licht der Freiheit abermals in das Land eines Feindes getragen wurde, in welchem unsere Glaubensgenossen unter entehrendem Truck schmachten. In traditioneller Kaisertreue, in herzinniger Liebe für Euer Majestät geheiligte Person richten wir in allen unseren Gotteshäusern vor geöffneter heiliger Bundeslade, richten lvir alltäglich und stündlich in der Stille unseres Hauses unsere Gebete zu Gott: Es möge Gott der Allmächtige Euer Majestät auf allen Wegen beschirmen. Euer Majestät Sieg und Ruhm und Herrlichkeit verleihen, Ihre Majestät, unsere erhabene Kaiserin, behüten, ihr gütiges Herz in vorbildlicher Ausübung wohltätiger Werke stärken. Seine kaiserliche und königliche Hoheit den Kronprinzen wachsell, gedeihen, erstarken lassen, das ge'amte erhabene Herrscherhaus in seinen gnadenreichen Schutz nehmen. Gott erhalte, Gott schütze unseren Kaiser Carl I., lNlsere Kaiserin Zite, Ihr erhabenes Hans!" Der K a i s e r erwiderte auf die Worte: „Die mir.und der Kaiserin von den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinde im Namen ihrer gesamten Glaubensgenossen dargebrachte Huldigung nehmen wir mit herzlicher Erkenntlich k e i t e n t g e g e n. T i e jüdische B e v ö l t e r n n g h a t i in m e r i h re Li e b e n n d 9t ll h ä n g l i ch k e i t an m ein H aus und das Vaterland bewiesen und in der gegenwärtigen großen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielt e n E r f 0 l g e n opferf r e u d i g m i t Gut it n b Blut beißet r a g e n. So wie ich von der Unerschütterlichkeit dieser Patriotischen Gesinnung überzeugt bin, ebenso mögen Ihre Glaubensgenossen versichert sein, daß sie sich in m e i n e n L a n d e n d e r a l t e ll B ü r - a e r il g e lv ä h r l e i st e t e n -K e ch t e st e t s ll ll e i n g e s ch r ä ll k t lv erbe n erfre 11 e n könnell. Gerührt von den Segenslvünfcheu, die Sie in Ihren Gotteshäusern für mich und die Meirlen zum Himmel senden, sagen wir Ihnen auch für die' e f r 0 m in e B e f u n d w n g Ihrer treuen Gefühle II u f e v e 11 lv ä r m ft e n T a n f!"

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