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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-25 · Heft 11 (25.1.1838) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 11 (25.1.1838)
Date
1838-01-25
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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43 So wie noch jetzt die deutschen Juden in Polen und Rußland (und vor wenigen Jahren auch die in Schweden, Dänemark, Holland und England) der deutschen Sprache eine besondere, gleich nach der hebräischen folgende, Heiligkeit beilegen, und bei religiösen Studien und Gesprächen keine andere gestatten: so herrscht auch bei dem größten Theile der Portugiesen eine besondere Vorliebe für die pyrenaischen Sprachen und zwar wird bei den italienischen, morgenlandischen und afrikanischen (barbariscos) Gemeinden die spanische, bei den nordeuropäischen (flamingos) aber die' portugiesische in der Art vorgezogen, daß z. B. hier in Hamburg in letzterer die iUisvlie-berräbs (oifertas) und die Bekanntmachungen (prexoes), die Verkündigungen der Neumonde nnd Fasttage rc. abgeleftn, die Bücher und Rechnungen der Gemeinden geführt werden u. f. w. Die religiöse Literatur aber ist bis auf die neueste Zeit, wo nicht hebräisch, durchaus in spanischer Sprache geführt worden. Spanisch sind alle anerkannten Bibel- und Gebetübersetzungen, spanisch werden die Haftara's, Sebimmü, Clmsön und Asöf (am 9ten Ab.) Vers vor Vers mit dem Original abgesungen, und spanisch ruft der Vorsänger an den hohen Festtagen die Ansangsworte jedes Pijuts zur Damen- Gallerie hinauf, damit die Frauenzimmer die Uebersetzungen nach esen können. Auch wurde früher blos spanisch gepredigt. Jetzt ändert sich dies freilich alles. HerrCassuto predigt gelegentlich deutsch, in London, Amsterdam und Bordeaux wird regelmäßig in der Landessprache gepredigt, und in Amsterdam, was alle Flamingos gewissermaßen als Metropolitan-Kirche betrachten (obgleich die Hamburger Gemeinde älter ist), wie die Orientalen Constantinopel, ist im vorigen Jahre ein sehr gut ausgestattetes vollständiges Gebetbuch mit Muldgrs schöner holländischenUebersetzunggedruckt worden. In früher» Zeiten herrschte, wie Sie wissen, eine tiefe, an Haß grenzende Verachtung gegen die deutschen Juden (Tedescos) und Verschwägerungen, waren durch besondere Anathema's verpönt, denen zufolge jede portugiesische Judenfamilie, aus der ein Mitglied eine Tedeica ehelichte, eine förmliche Siebentagstrauer hielt; auch wurden solche Ehemänner in der Synagoge bis an ihren Tod immer nur als Stabbacbir (der Unverheirathete) aufgerufen. Bei dergleichen schroffen Anordnungen, eben wie bei noch schlimmem einer andern Gattung, wie z. B. bei der Behandlung Acosta's und Spinozas, dürfen wir nur bedenken, daß diese Juden bei den Dominikanern in die Schute gegangen waren, ja mitunter lange Jahre selbst deren Maske getragen hatten. Inzwischen ist auch nicht zu übersehen, daß dieser unter Anderm von dem malitiösen d'Argenö persiflirteHochmuth ") neben dem Dünkel alleiniger direkter Abstammung von dem Stamm und der Familie David's, auch wol daraus sich erklärt, daß so viele Familien von Rang, Reichthum und Weltbildung, angethan mit aller castilischen Grandezza — die sogar bisweilen, wo der Reichthum sich verliert, zur Carricatur wird — und mit der, die ersten Jahrhunderte nach dem Exil wenigstens, nie ersterbenden Hoffnung einer baldigen Rückkehr in das unvergessene Vaterland, plötzlich unter Glaubensbrüder versetzt wurden, die sie noch weit tiefer unter sich stehend fanden, als wir etwa die Juden in Podolien in ähnlichem Falle finden würden. Inzwischen hat der nur dem Gelbe huldigende Geist unserer Zeit auch hier schon vieles ausgeglichen; Montesiore hat sich seiner Schwäger, der Rothschilde, nicht zu schämen, und in Hamburg werden verhaltnißmäßig viele Ehen zwischen beiderlei Zungen geschlossen, namentlich von Setten der unvermögenden Klasse der Portugiesen, die auch ihre Kinder in die Freischulen der deutschen Gemeinde schicken. Ganz verschwunden ist aber jener Kastenstolz noch lange nicht, da sogar >der längst christianisirte d’Israeli, in seinem Spirit of Judaism, ihm huldigt, und es besonders geltend macht, daß viele jüdische Familien-Namen — und sie besitzen deren uralte, regelmäßig vererbte, sowol orientalischen als europäischen Ursprunges — sich noch jetzt bei dem höchsten Adel in Portugal — das Haus Braganza soll ja selbst jüdischen Ursprungs sein, — wieder finden. Da sie übrigens dort sowol als Juden als unter christianisirter Maske, bisweilen hohe Staatsämter bekleiden, so ist einiger Anspruch auf achten, nicht blos finanziellen Adel, hier und da ohne Zweifel begründet, und so finden wir denn die Namen: Pereira, da Costa, de Castro, da Silva, Pimentei, Sasportas, Xi men es neben den Sealtiel, Edrehi, Luria, Abudiente, Jessurun etc. Die Kohanim setzen ihre Qualität ihren Familien-Namen vor und heißen z.B. Coben de Lara, Cohen Lobato, so auch die Frauen z. B. Sara Cohanet de Rocha u. s. w. Der weit verbreitete kohanitische Namen Azulay entstehet bekanntlich aus den Initialen von Iscbä sonä ngruschä 16 jikäcbu. Die Namen Abrab^anel und Spinoza existiren noch heute in Holland. Die Vornamen sind fast durchgeherts und für beide Geschlechter biblisch, und werden auch im Gebrauche nicht umgeändert, außer im vertrautesten Umgang durch holländische Diminutiven. (Z. B. aus Jacob wird Koetje, aus Josua Suetje, aus Salomon: Monne, aus Ckanna: Cannätje etc.) Diese Integrität der Namen wird vorzüglich dadurch erhal- “) Lettres Juives, Band 2, Brief 53,

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