Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-25 · Heft 11 (25.1.1838) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 11 (25.1.1838)
Date
1838-01-25
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224868--00782-3289359
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

42 Schule und Predigt auf die Zugend zu wirken, und so allmäligen Fortschritt öffentlichem Eclat und bösem, folgereichem Zwiste voranzustellen. Allerdings ist es picht unangemessen, öffentliche Erinnerungen ergehen zu lassen, aber man darf nicht zugleich die böswilligsten Motive aufsuchen, wie Geldinteresse, Heuchelei u. s. w. D. Redact. Theologie. Der Ritus der portugiesischen Synagoge. Hamburg, Oct. 183?. Ich danke Ihnen, lieber . . . ., recht herzlich für Ihre Aufforderung, meine Anwesenheit in Hamburg zur nähern Bekanntschaft mit dem portugiestschen Ritus zu benutzen. Meine Bemühung ist reichlich belohnt; ich halte es für Pflicht, Ihnen alles Interessante mitzutheilen, und Sie könnnen es, wenn Sie wollen, weiter veröffentlichen. Denn obgleich ich diesen Bericht durchaus nicht als erschöpfend ansehen kann, so ist es doch eigentlich eine Schande, wie fremd uns in Deutschland dieser Gegenstand ist; so fremd, daß außer Hamburg, Altona und Wien *), wo die portugiesischen Synagogen — oder wie sie sie nennen: Esnoga5s — haben, fast Niemand zu finden ist, der von einem Ritus, dem die Mehrzahl unserer Nation in allen Welttheilen huldigt, mehr wüßte, als höchstens, daß er Hülsenfrüchte am Pesach gestattet, die Tefilin in den Festwochen verbietet Und schöne rhythmische, uns aber wenig bekannte Pijutim gibt. Ja, ohne den Hamburger Tempel in 'Leipzig wahrend der Messe wäre selbst die Aussprache und die Art des Vortrages und Gesanges uns fast gänzlich unbekannt geblieben. Doch ich komme zur Sache, und werde alles hintereknder hinschreiben, wie ich es theils nach eigener Anschauung, theils nach freundlicher Mittheilung notirt habe; bitte Sie daher, sich auf etwas Confusion gefaßt 'zu machen. Im Ganzen werde ich vorzüglich die Punkte berühren, deren Abweichung von unfern Gebräuchen am meisten auffällt, und weniger bei solchen verweilen, die Sie in ihrem portugiesischen Machasor selbst Nachlesen können. Sie wissen, ich bi» kein Theologe von Profession und müssen es also nicht zu streng nehmen. Mikul melamdäi hiskälti! Als ich zum ersten Male, es war an einem Freitag Abend, in die Esnoga trat, ging vor mir her ein Mann, mit einem zehnjährigen Knaben, zu *) Zu Wien bei den türkischen und griechischen Juden, welche auch in Leipzig während der Mefle ihren Gottesdienst in einem Betsaal halten. Anm, d. Ein send. dem er sagte: „Na myn lewe Mordechäi, wenn du morgen de Haftara so good leest as güstern Awend, denn sollst du mahl sehn, watt ick Dy för'n langen iUisoI>«-b«rüoIi maken laat! " Hier hatte ich nun schon gelernt, daß die Portugiesen ihre Namen nicht modernistren, daß sie die provinzielle Landessprache reden, und daß ein Kind bei ihnen Mafthir sein kann. Ich bildete mir nun meine Richtschnur für weitere Erkundigungen, und brachte so mein Quantum Notizen zusammen. Mit bewundernswürdiger Pietät erhält hier in Hamburg eine Gemeinde von ungefähr hundert Seelen, von der noch dazu ein großer Theil nicht orthodox lebt, und die sich im Nothfall ohne Mühe den Deutschen anschließen könnte, eine völlig constituirte Gemeinschaft (congregagäo) und einen Tempel, der sogar am Alltag - Gebet Morgens und Abends fast ohne batUmim vollzählig besetzt wird. Mancherlei Verhältnisse haben sie oft in Versuchung gebracht, ihren Verband aufzulösen, die reichsten ihrer Familien sind im vorigen Jahrhundert (siehe No. 41 vor. Jhrg. dieser Zeit) wegen des bürgerlichen Drucks ausgewandert, sie selbst waren sogar vor einigen Jahren genöthigt, ihr altes Gotteshaus zu veräußern und ein kleineres Local zu beziehen; aber das Heiligthum ihrer Väter fallen zu lassen, dazu konnten sie sich nie entschließen. Wo ist noch solch ein Glaube kn Israel zu finden? Dazu besitzen sie kn der Person des Herrn J e h u d a Cassuto einen vielseitig gebildeten Mann.-Er unterrichtet außer in Religion u. s. w. in sechs lebenden Sprachen, und, obgleich Familienvater, für einen unbedeutenden Gehalt die weit mehr als bei uns mit Geschäften beladene Stelle des Chasan versieht, und zugleich Rabbinerstelle vertritt, so wie die Kinder der Armen unentgeldlich in der Religion u. s. w. unterrichtet, Sochra lo Elohim letobä! In den Familien wird gewöhnlich plattdeutsch,gesprochen, das sogenannteJudendeutfch ist ihnen völlig fremd, eben wie unsere hebräische Currentschrift und überhaupt die Sitte, europäische Sprachen mit hebräischen Buchstaben zu schreiben. Bei den wenigen Wörtern (vorzüglich Namen), wo sie dies bisweilen thun müssen, dient") vr für 8. Sch., und X, -i für e,' ’i für i und ei und i für » und u., was solchen Wörtern mitunter ein wunderliches Ansehen gibt. Vielleicht ist aus Mißverstand das so geschriebene Wort (Senior) zu dem bei den Deutschen hin und wieder vorkommenden Vornamen Sohne^er geworden. Andererseits drücken sie das hebräische n, v und n durch H aus, und bedienen sich, wenn sie hebräisch schreiben, der Raschi- Schrift. "p Weil die spanische Sprache wol ein t sch aber kein sch hat. D. Ei »send.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.