Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-25 · Heft 11 (25.1.1838) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 11 (25.1.1838)
Date
1838-01-25
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224868--00784-3289361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 ten, daß die Kinder die Namen ihrer Grvßältern und zwar oft den Familien - Namen ihres mütterlichen Großvaters mit in den Kauf, bei deren Leben schon erhalten, und dann auch weil das portugiesische Ohr an die sonore Aussprache des Hebräischen gewöhnt, es noch nicht so weit gebracht hat, zu finden, daß z. B. Julius schöner klingt, als Josef, Moritz als Mose, Siegmund als Salomo, und Eberhard als Elia. Aber da lasse man sie sich nur erst mit uns amalgamiren, wir wollen sie wol lehren, sich dieser Namen, oder gar solcher wie 6 icke o», voralel, A bigail etc. zu enthalten! Und dann wollen wir ihnen auch unser Geheimniß der Namen entdecken, wie man sich nur Friedrich oder Isidor oder Eduard oder Peter nennen dürfe, um auch im Entferntesten nicht für einen, Juden erkannt zu werden. Aber es scheint, sie haben gar keinen Sinn für diescnMortheil, thun sich am Ende gar auf ihre jüdische Abkunft etwas zu Gute und sind gleich ihren Großvq^ern immer bereit, lieber'Vermögen, Vaterland und Leben, als ihre Gewissensfreiheit aufzugeben! Nack- Würden mid Beamtenstcllen streben sie nun einmal gar nicht. (Fortsetzung folgt.) Corrcspondenzen, Auszüge, Repli ken. Marburg in Kurhessen. Der in No. 75 der vorliegenden Zeitung angezeigte Lehr¬ oder Stundenplan für die jüdischen Volksschulen in der Oberprovinz Hessen ist von dem hiesigen Vorstcheramte nun wirklich in das Leben gebracht und in den jüdischen Volksschulen eingeführt worden, und Ref. beeilt sich. denselben, wie er vor ihm liegt, mitzutheilen. Dieser Lehrplan für die Oberprovinz Kurheffenö wurde bereits am 6. April d. I". von der hochlöbl. kurfürstl. Regierung dahier genehmigt,von dem hiesigen Vorsteheramte aber erst vor einigen Wochen in den jüdischen Volksschulen eingeführt. Seine Form und Einrichtung ist folgende, wobei Ref. nur noch bemerkt, daß die Vormittags- und Nachmittagsstunden durch einen Gedankenstrich getrennt sind. 'Sonntag: Religionslehre, Uebersetzen aus dem Hebräischen, Schönschreiben (deutsch), — Kopfrechnen , deutsch Lesen, Verstandesübungen mit schriftlichen Aufsätzen; Montag: biblische Geschichte, Ucbersetzen aus dem Hebräischen, Rechtschreiben (deutsch), — deutsche Sprache, deutsch Lesen, Geschichte, Naturgeschichte; Dienstag: hebräisch Lesen,. Tafelrechnen,Schönschreiben (deutsch), — Kopfrechnen; Schönschreiben (hebräisch); Mittwoch: ReligionSlebre. Uebersetzen auS dem Hebräischen, Rechtschreiben (deutsch), — Verstandesübungen mit schriftlichen Aufsätzen, deutsch Lesen, Naturgeschichte; Donnerstag : biblische Geschichte, Uebersetzen auS dem Hebräischen, Schonschreiben (deutsch) L — deutsche Sprache, deutsch Lesen, Geschichte; Freitag: hebräisch Lesen, Tafelrechnen, Rechtschreiben (deutsch), VerstandeSuöungen mit schriftlichen Aufsätzen; — Sonnabend; katecherische ReligionSübungen oder religiöse Vorträge. Erläuterungen. ES sind nach dem vorstehendem Stundenplan bestimmt: 1) für den Unterrichtin der Relig ion ölehre wöchentl. 2 Stunden 2) - - - - bibl. Geschichte - 2 - 3) für den Unterricht im Uebersetzen a. dem Hebräischen (Gebete u. Grundtext der 5 Bücher MofeS) verbunden mit den notbwendigsten Regeln d. hebräischen Sprache wöchentl.4 Stunden 4) für den Unterricht im deutschen Lesen (nach Sinn und Inhalt). - 4 - 5) für den Unterricht im hebräisch. Lesen - 2 - 6) - - - -deutschen Schönschreiben ... - 3 - 7) - - - -hebräisch. Schönschreiben ... - l - 8) - - - - deutschen Rechtschreiben (Orthographie) . . . . : 9) für den Unterricht im hebr. Rechtschr. 10) - - - - Kopfrechnen . . 11) - - - - Tafelrcchnen. t. 12) für den Unterricht in Verstandesübungen und damit zu verbindenden schriftlichen Gedankenausdruck . - 3 13) für den Unterricht in der Grund lehre der deutschen Sprache ...... 2 14) für den Unterricht in-.Naturgeschichte, verbunden mit dem Nöthwendigsten auö der Naturlehre . . ,. - % 15) für den Unterricht in der Geschichte, und zwar vorzugsweise der vaterländischen, verbunden mit dem Nvthwendigsten auö der Erdbeschreibung (Geographie) % . - 2 16) für katechetische Religionsübungen, beziehungsweise religiöse Borträge . .. - 1 3 1 2 i überhaupt 36 Stunden Anmerkung. Bei der Vertheilung der Lehrgegenstände nach Tagen und Stunden war es Hauptaugenmerk, das Leichtere mit dem Schwereren, daö Angenehme mit dem Nützlichen, die Gegenstände, welche mehr den Verstand und daö Herz in Anspruch nehmen, mit denen, welche mehr äußere (mechanische) Thatigkei und Fertigkeit erfordern, schriftliche Uebungen mit mündlichen in der Weise aöwcchseln zu lasten, daß jede Ermüdung und Erschlaffung der Geisteskraft verhütet werde. Die Sabbatstunds, welche unmittelbar nach dem Morgengotteödienst gehalten wird, ist zunächst zu katechetischen Uebungen (Prüfungen) in der Religionölehre, wobei die Aeltern hinzugezogen werden können, bestimmt; an deren Stelle können von Zeit zu Zeit Religionsvortrage des Lehrers, ebenfalls in Gegenwart der Aeltern treten. (Die Vertheilung der Unterrichtsgegenstände oder vielmehr daS Unterrichten der erwachsenem und kleinern Kinder, des Vormittags und Nachmittags) bleibt also dem Gutbefinden deS jedesmaligen Lehrers ganz anheim gestellt; denn sämmtliche Kinder können doch nicht zugleich denselben Unterricht genießen! Und betrachtet man hiernach die Vertheilung der Unterrichtögegenstände in Vor- und Nachmittagöstunden, und berücksichtigt dabei noch den gegenwärtigen Zustand deö jüdischen VolköunterrichteS, so bezweifelt Ref., daß der vorstehende Lehrplan sich in allen Gemeinden durchführen läßt, welche Ansicht er sogar von einigen jüdischen VolkSlehrern vernommen zu haben glaubt, und brlligerWeise hätte man bei der Abfassung dieses Stundenplanes auf daö verschiedene Alter der Kinder einige Rücksicht nehmen sollen. Noch weniger wird man aber verlangen können, daß ein jederLehrer streng nach diesem Plane unterrichten solle, da er den Zustand seiner Schule genauer uud besser kennen muß, ob sich gedachter Lehrplan in derselben ein- und durchführen lasse oder nicht. — Doch wir wollen datz Beste hoffen und sehen, in wiefern sich die edle Absicht deö hiesigen Vorsteheramtes realisire, worüber zu seiner Zeit Bericht erstattet wird.) Vr. Diöcoluö. Redacteur: L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. - Druck von I. B. Hirfchfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.