Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 11 (25.1.1838)
- Date
- 1838-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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n. 3-h-s-W. Allgemeine N». n. Zeitung des Judcnthumg. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Conccssion.) Leipzig, den 25. Januar 1838. ZeLtürrgsnschrichten. Penzlin, 4. Jan. (Privatmitth.) Ich ersuche die Redaction der Mg. Zeit, des Judenth., welche die Tendenz, alles jüdische Interesse, und zwar, wie der Titel derselben besagt, unpartheiisch zur Sprache zu bringen, hat, folgenden Artikel aufzunehmen. Die Univ.-Kirchztg. No. 89, enthält, eine Jeremiade, daß man sich in den Erwartungen, die man von den jungen Rabbinern im Großherzogthum Hessen zu hegen berechtigt war, getauscht sehe. Jeder acht religiöse Israelit daselbst, dem die Aufrechthaltung seiner' Religion am Herzen liegt, habe nämlich geglaubt, daß mit der Anstellung philo^ sophisch gebildeter Männer auch die Zeit gekommen sei, wo die alten Formen und Observanzen des Judenthums, wie das mischnische Zeitalter sie ersonnen und in dasJudenthum eingeflochten, „zeitgemäßen Reformen, in Bezug auf Cultus und Ceremonke," weichen würden, — aber noch sei Alles beim Alten geblieben. — - Daß dem wirklich sso ist, wissen wie, außer dem obengenannten Blatte, auch noch aus andern sichern Quellen, und mit Bedauern müssen wir hinzufügen, daß nicht nur die Rabbiner in Hessen, sondern sehr viele derselben auch in den übrigen deutschen Staaten der Vorwurf trifft, daß sie entweder ihre Pflichten nicht kennen, oder um ihres irdischen Interesses willen, das, wegen der noch immer bedeutenden Zahl der Orthodoxen, oft gefährdet werden kann, nicht zu denjenigen Verbesserungen schreiten, welche der Geist der Zeit und die zunehmende wissenschaftliche Bildung der Israeliten erheischen. — Die einzige Verbesserung, welche ein großer Theil der neuen Rabbiner getroffen, besteht darin, daß sie wöchentlich, viele aber auch nur monatlich einen, dem jedesmaligen Wochenabschnitte (Sidra) entsprechenden, deutschen Kanzelvortrag in der Synagoge halten. Ist aber damit schon Alles gethan? — Allerdings schon ein Schritt zur Verbesserung und religiösen Aufklärung, welcher, wenn die Vorträge nur immer für die Fähigkeiten der Zuhörer berechnet sind und die Tendenz haben, das Gemüth für den Glauben der Vater, wie ihn Mose und die Propheten gelehrt, zu erwärmen, von wesentlichem Nutzen sein muß, nur darf damit nicht Altes schon geschehen sein. Eine gut verfaßte und gut geordnete Predigt hört Jeder, festst der Orthodox gern, und bleibt man nur im Uebrigen, was vor vielen hundert Jahren vielleicht gut und zweckmäßig war, mit eiserner Hartnäckigkeit stehen, so wird er, wie die Erfahrung darthut/an deutscher Predigt nicht den geringsten Anstoß finden. Die Rabbiner aber sind dazu berufen, ernst zu untersuchen, was für gegenwärtige Verhältnisse, für gegenwärtige Begriffe und Vorstellungen'paßt, und ex officio befugt, die die tobten,, jetzt sinn- und zwecklosen Formen zu vertilgen und dagegen Herz und Geist ihrer Brüder für achte. Religiosität zu gewinnen, Ceremonieen von Religionslehren unterscheiden zu lehren und, was vorzüglich noth thut, einen Gottesdienst mit deutschen Gefangen und Gebeten zu Lnstituiren, der auf Geist und Herz zu wirken vermag. Denn der wahrhaft erleuchtete und acht religiöse Israelit kann unmöglich in solchen Gebeten Trost und Befriedigung finden, dke-er nur hersagt und nicht versteht: er kann unmöglich in den seligsten Augenblicken des Lebens, wenn er, im Gefühle der Andacht, vor den ^erhabenen Weltenschöpfer tritt, sich an ihm unverständlichen Worten erbauen. — Das liegt klar am Tage, daß nur der Gottesdienst, mit seinen unverbesserten, unwesentlichen Bestandtheilen, die Schuld tragt, den frivolen Jndifferentismus und die Verachtung alles Heiligen und Ehrwürdigen verbreitet zu haben, und die Rabbiner sind verantwortlich, wenn, durch ihr Wirken, oder vielmehr ihr Nichtwirken, dieselben immer größere Kreise gewinnen. In einer spätem Nummer der Univ. Kirchztg. tirtt ein Defensor für dieRabbiner des Großherzogth. Hessen auf und bemerkt, daß dieselben dem Systeme der Stabilität huldigen müssen, weil dieses die meisten Sporteln und Geschenke bringt und die meiste Ruhe und Gemächlichkeit gewährt! — Jenem Des. zufolge müssen also die Rabb. ihrer innernUeberzeugung entgegenhandeln und — heucheln... Heucheln — aus welchem Beweggründe es auch geschehe— ist und bleibt ein — Laster, und von Lehrern der Wahrheit sollte gerade dieses Laster wol am wenigsten geübt werden. Wer, um seiner Existenz willen, nach seiner innern Ueberzeugung nicht handeln zu können glaubt, der muß sein geistliches Amt niederlegen und einem andern Stande sich widmen. Daß aber, wie Viele uns weiß machen wollen/ die jungen Rabbiner aus innerer Ueberzeugung dem Systeme der Stabilität huldigen, glaube, wer da will. G. Im Sinne der Unpartheilichkeit, die Einsender Dieses von uns in Anspruch nimmt, müssen wir bemerken, daß das Anklagen immerhin eine leichte Sache sein 'mag. Denn bei obwaltenden Umständen frägt es sich, inwiefern die Regierung die Reformen begünstige oder hemme, und inwieweit die hessischen jungen Rabbi.nen es vorziehen, durch