Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 9 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- Seite 102 (sequence 7)
- Language
- German
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Amtlich wird initgeteiU. das; Postpakete nach Palästina in starken ststen. Btechschachteln, Hrilsstoffen oder Leinen verpackt fein müssen. (ri»ir Verpack,rng in 'Papier oder Pappe genügt nicht. X ii Das Leitaltrr ürr Lmansipatlon - dir Schicklalsttullde des Judentums. enn mau an einem heißen Tvmmcvabend die Lampe anzündet und die Fenster weit öffnet, so stürzt eine Unzahl von Nachtfaltern dem Licht entgegen, und wenn man sie immer wieder verscheucht, so kommen sie doch stet» wieder, vis sie in den flammen d.n Tod Erfunden haben: fast in Verzückung haben sie sich in das Verderben gestürzt! Tiefe Fensterläden sind die Gettotorc. die nm die Mitte des l§. Iahrhrinderts geöffnet wurden und ans denen in immer sich erneuernder Anzahl die Inden sich ergossen, nm sich dem blendenden Licht der Iwitisation entgegenzmverfrn! Unzählige bedien die Walstatt! Ter Historiker weiß, daß wir rin geschichtliches Ereignis erst dann voll zu würdigen verstehen, wenn wir einen gewissen Abstand zn ihm gewonnen habe»!. Ties ist aber hinsichtlich der Probleme der Emanzipation nicht der Fall, die noch Zu nahe unserem eigellen Erleben stehen, als daß wir völlig unparteiisch über sie urteilen könnten. Und doch bginnen sie sich allmählich aus dem Nebel der Vergangenheit hcrauszukriftaUisieren. .Tie Frage lautet heute nicht mehr w: War die Emanzipation der Juden notwendig oder nicht? Tie so zn formulieren. hieße, alles geschichtliche Geschehen mißverstehen. Erblickt man in der (beschichte nicht eilte Unsumme sich zu'ällig abroUender Ereignine. sondern eine gcseZnnäßige Abfolge, so hat man zu der eben aufgeworfenen Frage auch schon die richtige Ttcllnng gcnmden. Ter Weg aus dem (Hetw mußte znrnckgelcgt werden: das alte Getto des 1". Jahrhunderts war eine abgestorbene Lebensform, die in sich hohl geworden war. > . - >. Aber eine andere Frage ist auszuwcrfcn. Vedcuter hie nn imd U». Jahrhundert erkämpfte Emanzipation etwas Endgültig: s öder ist sie ällch nur ein Lurchgangsstadinm historischen Geschehens zn einer neuen »ttd größeren Enßoicklnng? Ist sie das Ende des Judentums oder soll sie nns den Anfang bedeuten einer neuen Epoche des Gottcsvvltes. und was kann sie nus in diewm Fall lehren > Eins iß lrerrte gewiß: Alle Ver folgungen Des Mittelalters, sei es die. wclctw die itrcuzzüge rnit sich gebracht hatten oder wclche der schwarze Tod im befolge hatte, sie haben dem Judentum nicht solche Verluste an Mensche,, gebracht wie die Emanzipation, die geradezu Hekatomben forderte. Menschen, die allerdings nicht getötet wurden, sondern der jüdisch: n Volksgemeinschaft durch die Tacho verloren gingen. Wir wollen Diesen Weg nicht im einzelnen schildern, nicht darauf Hinweisen, was längst bekannt ist. wie Mösts Mendels sohn. noch ein Jude durch und durch, doch nicht verhindern konnte, daß mit dem neuen Geist. der in seine Familie einzva. auch der Abfall von, Glauben der Väter einkchrtc. od?r um noch ein anderes Beispiel anznsührcn. wie der Lohn von Adolphe Erönüeur. dem unerschrockenen Vorkämpfer mr jüdisches Neckst und erstem französischen Iltstizminister aus jüdischem Blur. den Weg zun, Taufbecken fand! Tas Zeitalter der Emanzipation ist eine Epoche d r ch» ßHang des Judentums in Westeuropa, aber es iß keine .ieit endgültiger: Fäulnis! Es ist das ja einer der st' ganz rat'ei voller^ Vorgänge der indischen Geschichte. daß in .leiten in denen ein völliger Verfall droht, dann von innen heraus ans den g.'ülnd gebliebenen üeilnzetten ein Prozeß der Negem ration siel) entwickelt. Während wir in allen anderen ünl rnven eine IeitDer Jugend, des Mannestuins und des Grcienaltrrs imterscheiderr können, wird das Judentum. ,venn cs scheinbar in die Periode Des Verfalls cintritt. wieder jung, erholt sich von tödlichem Siechtum: so sah cs sctwn einmal in i Der jsidisckzcn (beschichte, in Der alerandrinischcn Epoche, aus.! so jclrt nilm lvieder in der Gegenwart. > Eewiß werden sich nicht alle Teile des jüdischen Volkes i nwhr crliolen können, gewiß wird ein beträchtlicher Teil von ' ihm den Anftönmgsprozefr der abenländischen Welt bis zu seinem bitteren Enöe durchmachen. aber schneidet nicht auch Der kluge (Härtner im Herbst von den Bäumen. Deren Pflege ihm^anvertraut ist. alle faulen Itveige ab. d«rnüt die übrigen im Frühjahr um so schöner blühen und gedeihen? solch Bainn scheint auch Israel zu sein! Ter im Abendlande gl pflanzte Baum scheint in der fremden Erde nicht mehr gedeihen zn wollen, der stamm ist morsch geworden lind er droht zn verfaulen, sich langsam in Dem umgebenden Erdreich aufznlösen. . Aber ein weis gelang cs von ihn» rechtzeitig noch zu retten Man brachte es in die alte Heimat, und rasch 1-a* es hier Wurzel geschlagen, um attfs neue zn gedeihe» und für Jahrtausende zu leben! Auch dieses Neis hat von dem Boden der Fremde manch fruchtbaren Taft in sich ausgenommen, ihn mit seiner eigenen Art verschmolzen, io blüht cs reicher als vordem! Und wen:» wir uns nun nichr mehr des Bildes bedienen wollen: die Emanzipation war notwendig, aber mchr alch. Teile des Judentums konnten sie gleichmäßig gut übe rächen. Entlang cs dem eimn Teil, aus ihr neue Ideen aufznnehmen und nur den alten zn verschmelzen, ohne diesen Gewalt anzuku». so wurde ein großer Teil des Judentums von d r Emanzipation vernichtet und «eines eigenen Lebens beraubt: L0 iß die Emanzipation dir Tchick'alsstnnde des Juden tnms geworden: dies klar zu crleumn. iß Psticht: dem, die Erkenntnis bedeutet auch die Umkehr. Tie bedeutet ab.-r als historische Epoche nichts Endgültiges, wndern nur eine lieber gangssorm in der nnverg.Httglichc n beschichte des Judentums Bres! a n. / Tr. W itlN ch oh Klus meiner zwritrn parlamentarischen Session. Voll Tr. ,Z o « epb T. V l o ch ' m 2. April bei Beratung des Budgets für stultus und Unterricht. Kapitel: ..Bestreitung der Auslagen «ür die Abhaltung des VIl. Internationalen ^rientalistenkougrenes in Wien" mußre ich das Wort ergreifen und ich lasse hier nach dem stenographischen Protokoll den erster, Teil der Nede folgen: ..Gestatten Tie mir, meine Herren, bevor ich zum eigene liehen Gegenstände, der in Verhandlung steht, übergehe, eine kleine Bemerkung voranzcischicken. Wir stehen beinahe am Tchlnne der langen Beratung über das Unterrichts bndger. und wer mit einiger Aufmerksamkeit den Tebatten Ter rü tunlichst bekannte Herausgeber der . ^esterleiäu'cheic des Tr. BleU, ,,» die nuiteM ^eUu<irmi.> u> uniunb i! t'.-n 'reue,: uns. l.ach'lebend einen .'ibsttuiiN aus die'elu ubernns ic-eUc-olUn birrlie biete« zu könne«.