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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-04-12 · Heft 8 (12.4.1922) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 8 (12.4.1922)
Date
1922-04-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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ch.-r... -* ■ -i*r "yy-rrrr^ "5T ^J#r ’ ’ '\-&krt+if ' flimmerte eS — in strahlender Pracht harrten die' schönen reich gefdjmftdten Damen deS aufregenden Schauspiels, da lehnten in. vornehmer .Nachlässigkeit die Senatoren, das blutgierige Volk, tobte vor freudiger Erwartung — da. ganz vorn auf dem Platze -er kaiserlichen Familie ruhte schmerzversunken sein treuer Casus — und jetzt — einen Augenblick -noch, He die Hyänen der Wüste seinen Körper in Stücke reißen — da durchzuckt sein Herz ein Gefühl seligen Glückes — dort oben, an der Seite seines Casus, da lehnt geisterbleich, die schönen Augen in tränenlosem Jammer auf ihn gerichtet, dem sich jetzt mit heiserem Krähen die Hyäne, mit donnerähnlichem Gebrülle der Löwe naht. Julia. — Einen Augen» blick noch sonnt er sich an dem Anblick der Heißgeliebten; noch einmal umfaßt sein glühendes Auge die liebliche Gestalt, die. einer leblosen Statue gleich, auf ihrem Sitze ruht, noch einmal sucht fein.verlöschender Bück ihr. tränenschweres Auge, noch einmal, ehe die blutigen Bestien seinen Leib zerfleischen. — Da wurde mit lautem energischen Schlage an die Kerkertüre gepocht und herein trat Silas, der Aufseher deS Gefangenen. (Fortsetzung folgt.) literarische Mitteilungen. — Musaf-K'duschofür Kantor mit Orgelbegleitung. Von Aron Friedmann. Königl. Musikdirektor, Oberkantor der Jüdischen Gemeinde Berlin. Selbstverlag. In den religiösen Gemeinden bildet bis auf den heutigen Tag der Musaf-GotteSdienst den Höhepunkt der Andacht. Und daher kommt eS daß der in solchen Gemeinden amtierende Vorbeter der gesanglichm Ausgestaltung deS Mufaf-Gebetes ganz besonders Kraft, Geistund Seele widmet. DrMhohm Jnteiwsse. dos aA Ätusaf MgegettbÄngeri/ RcchmMgtrüMd. der^ seine ganze Seele in den Vortrag des Musass, entwickelt er dort alle Feinheiten seiner Kunst. Finden wir daher nicht auch im Musaf — besonders der Jomim nauroim — die Perlen der shnagogalen Musik? Und das Schönste, das die neuen Komponisten für die Synagoae geschrieben haben, find Vertonungen einzelner Teile des Musaf-GotteSdienstes. Sern Höhepunkt aber ist die K' d u s ch a. So konservativ jedoch der Jude im allgemeinen den Synagogenmelodien gegenüber ist. sei es in bezug auf die Gemeinderefpckisen wie auf die Rezitative der Chasen — der Kauscha gegenüber gibt er — mit Ausnahme der traditionell festgelegten an den Jomim naaroim — diesen im gewissen S'nn engherzigen Standpunkt auf. Ja, er fleht es gern, erwartet gewissermaßen, daß der Chasen nicht immer.-,, dieselben K'krscha-Rezitativeflngt^ Je mannigfaltige^ er in ihrer Ausgestaltung 'st, desto willkommener ist das den gläubigen Detern. Ja. der gedankenreiche und glanzvolle Dortrag der K'duscha ist oft.vaßpebend für die Bewertung des Vorbeters. Wer da weiß, in welch Entzücken der verständnisvolle fromme Beter (besonders der Ostjude) durch eine schöne K'duscha versetzt rverden kann, der w'rd es verstehen, daß alle großen Chasomm ihre seelen- und glanzvollsten Rezitative in der DUrsaf-K-duscha erklingen lassen und daß den gottbegnadeten Vorbetern dcrt die herrlichsten Inspirationen (LsaedaseLvnaus) entströmen. Doch nicht jedem ist diese Gabe gegeben, das. was seine göttbegeisterte Seele bewegt, in Tönen auSströmen zu lassen, und so begrüßt der Dorbeter jede neue Komposition der K'dnscha mit Freuden, besonders, wenn sie von einenr bewährten Fachkollegen stammt. Jedoch die Zahl der wirklich wirkungsvollen Kompositionen auf diesem Gebiete ist gar nicht groß, wie man gemeiniglich annimmt. Daher wird die neue Gabe der Friedmannschen Muse, die 5 Mufaf-KduschoS. gar vielen willkomnlen fein. ES sind Kompositionen eines echten CbasenS. und wer sie singen will, wie sie von ihm gedacht sind und wie sie der Chasen Friedmann selbst vertragen wird, der darf nicht nur d'e Notenköpse beachten, sondern, muß das innere Singen und Klingen wahrnehmen, worauf ihn die Zahlre-chen dynamischen und rhythmischen Bemerkungen Hinweisen. Tonlich bieten sie keine allzu große Schwierigkeiten, so daß auch dev junge Chasen sich getrost an ihre Einstudierung begeben kann. Feiedwään ist bemüht, in jeder K*dmHa etwüs Neuezu bieten, einen oder den anderen Satz mit originellen Gedanken zu erfüllen. Besonders liebevoll behandelt er den. 3. Satz in jeder K'duscha (Mim» feomo), der in seiner Mollstimmung den Geist des alten Chasonus widerspiegelt, so besonders in K'duscha Nr. 2. Es ist auch Friedmanns Bestreben, der^ modernen mufikalischen Entwickelung dadurch Rechnung zu tragen, daß er die Orgelbegleitung sÄbständig gestaltet und durch Modulation Monotonie vermeidet. In der Tertbehandlung sind wir in einigem mit dem Verfasser in bezug auf die Behandlung des Schwa nach sowie auf die willkürliche Trennung des Textes durch den musikalischen Gedanken nicht einverstanden, so z. B. erstcres bei „Mim'komo". letzter Satz 3. Ked. 2. Tie 5 K'duschos Friedmanns — sie sind gleichsam ein die Dankesgabe zur Verherrlichung seines Schöpfers, der ihm die Gnade gewährt hat, 40 Jahre in Ehren als Chasen in der größten jüdischen Gemeinde unseres Vaterlands zu amtieren — find daher als wertvolle Bereicherung des Repertoires jedem Vorbeter zur Anschaffung zu empsehten.. . - Zum Schluß möchte ich noch auf einen Uebelstand Hinweisen, wie er bei den meisten Kompositionen der Musaf-K'duschos zutage tritt (auch bei den Friedmannschen). Cs handelt sich um die musikalische Gestaltung des Schlußsatzes: Addir addirenu. Entweder dieser Satz wird überhaupt nicht vertont — so auch bei Friedmann — oder er. wird als schlichtes Rezitativ im Stil deS „L'dor wodor“ behandelt. Tiefe stiefmütterliche Behandlung verdient aber dieser Text nicht: bedenkt man. welche Kraft, welche Steigerung der religiösen Begeisterung in diesen Worten liegt, die geradezu nach einer dramatischen Gestaltung drängen. Fa bi sch (Göttingen). * , OstjudeninDeutschland. Schriften des Arbeiterfürsorgeanttes der jüdischen Organisationen Teutschlands, Heft 2. Philo- * Verlag. Berlin SW 68. El. Wir können das Erscheinen der vorliegenden Schrift nur auf das wärmste^ begrüßen, schildert sie uns nun endlich einmal in Vorurteils- ^lofer^fachlicher' m TeutWaud» - -. ^datz'^MW'^opaganda 'in ein so^falscheS''Licht' einem Gedcnkwort für den fo überaus verdienten, leider viel zu früh dahingegaugencn Generalsekretär Fritz Mordechai Kausinana und einem Vorwort von Paul Nathan wird zunächst die ostjüdische Wanderung besprochen: es wird mit Neckt wiederAolt darauf hingewiesen, wie aus der Bernfsstatistik hervorgeht. daß sie .Fine Ein« Wanderung von Arbeitern fei. also Elementen, die. produktive Werte schaffend, die deutsche Volkswirtschaft gleich anderen in Deutschland vorhandenen ausläiidisck)en Arbeitern durch produktive Arbeit bereichern". Sodann schildert das Büchlein das Hilsswerk der jüdischen Organisationen Deutschlands und den Aufbau der Tätigkeit des Arbeiterfürsnrgemntcs in den Jahren bis El. Es stellt diese - Tätigkeit, als produktive Sozialpolitik dar. die sich also grundsätzlich von ollen nur philanthropischen und unterstützenden Organisationen unterscheidet! Wohl der interessanteste Abschnitt ist der über de» x ostjüdifchcn Arbeiter selbst. Zwangsweise ist er zumeist Wer die Grenze gekommen, von der ehemM kaiserlich derltschen Regierung / hereingcholt. um an die Front gehende deutsche Arbeiter in den - Fabriken zll ersetzen! Diese Männer haben sich in ihnen zum Teil vollständig fremde Schwerarbeit, wie etwa in den Bergwerken, hineingearbeitet und aufs beste bewährt. Sie nun hinausdrängen zu wollen, hieße eine himmelschreiende Ungerechtigkeit begehen! Wiv Vmren hier nicht im einzelnen wiederholen. waS über die ostjüdifchen Frauen in Deutschland nnd über weibliche Stellenvermittlung und Berufsberatung gesagt ist. Wie anheimelnd, möchte man fast sagen, wirkt die Schilderung des jüdischen Flüchtlingsheiures. dessen weitere Eri Haltung und dessen weiterer Ausbau Ehrenpflicht der gesamten ' deutschen Iudenheit ist. Wem dieses Büchlein, dem wir weiteste Verbreitung wünschen, nicht die Augen öffnet, ist unbelehrbar. EinS sollten aber diejenigen unter unseren StamnreSgenossen sich sagen, die allzugern einen Unterschied zwischen West- und Ostjuden machen uno auf die letzteren herabblicken zu müssen glauben: einen Unterschied macht der Antisemitismus zwischen beiden nicht! Jude bleibt Jude: wir selbst aber sollten doch immer mehr daS schöne Wort im Äuge behalten, daß ganz Israel füreinander einsteh«, sollt Kein unjüdischerer Gedanke alS der einer Abstufung zwischen verschiedenen» Gruppen! 'Breslau. Dr. Willh(vhn.

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