Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 8 (12.4.1922)
- Date
- 1922-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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SS. Jahrgang. Nr. 9 Berlin, 28. Hprit 1922 Der Gemeindevote. Beklage zur „Allgemeinen Leitung be£ Iuüentums". lkorrrspondrnzm und Aachrichtm. SrutWand. 22 Berlin, 22. April. Erst nach einer Pause von U Jahren ist es der Zentralefür prrva! c Jör so rge möglich geworden, das in allen Kreisen der Wohlfahrtspflege bestens eingeführte und bewahrte Buch „Tie.jWHlfahrtLeinrichtungen in der Stadtgemeinde Berlin* in neuer Auflage wieder erscheinen' zu lassen. Schon nn Jahre 1014 war das Manuskript druckfertig: doch setzte mit dem Kriege eine solche Umwälzung aus dem Gebiet der Berliner Wohlfahrtspflege ein. daß die Herausgabe in einer Form, die dem praktischen Gebrauch hätte genügen können, zur Unmöglichkeit wurde. Nach dem Kriege kam dann die Neuorganisation der ösfentliclien.Wohlfahrtspflege im Anschluß an die Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin. Ihre vollständige Durchführung dürfte noch längere Zeit in Anspruch nehmen; doch ist sie jetzt schon so weit ausgebaut, daß sie der Einteilung des Buches zur Grundlage dienen konnte. Das Buch, welches nicht weniger als 2873Wohlfahrtseinrichtungen anfführt. ist aus dem Bedürfnis der Praxis entsprungen une soll allen denen, die sich den Hilfsbedürftigen als Berater und Helfer zur Seite stellen wollen, ein Wegweiser sein, der über die den Einwohnern der Stadlgemeinde Berlin in den verfchiMnsten Lebenslagen zur Verfügung stehenden WohlfahrtseinrichtlMgenMuSflinft gibt. ES will sowohl den Or» ganen der öffentlichen, als auch den Helfern der privaten Wohlfahrtspflege ein nützliches HandbüH sein. Das genannte Buch enthält auch samtlidjc M der Berliner JMschen Memeinde und anderen Stellen verallediWsigen " welche sich theoretisch'mit^-Frogen der sozialenHür^e --esöMigen^ > Ihnen bietet der Inhalt des Buches ein lebendiges Bild der modernen Wohlfahrtspflege in ihrer vielseitigen und^mannigfaltigen Gliederung dar. Das Buch ist zum Preise von 3 5 Mark durch das Archiv für Wohlfahrts^ pflege. AtteAnng^dinMen t r ale für privat'e F ttrsorge. Berlin W 35, Flottwellstraße 4, I, zu beziehen. 22 Berlin, 25. April. Ter Centralverein deutscher Staats» hürger jüdischen Glaubens hat der ..Arbeitsgenreinschaft jüdischer Lehrer* (Frankfurt a. M.), die die Lehrer aller religiösen Richtungen vertritt, die Summe pon10 0000 M ark überwiesen, damit der? ungeheuren Not. in der sich lveite Teile der jüdischen Lehrerschaft besinden, gestenertwerdentaunrDer Centrälverein war sich bei der Bewilligung7^dieseWMxengaLe r-bewußt,-.?daßdie < Erhaltung.des^ jüdischen Lichrerstandes Dr den Bestand des deutschen. Judentums , einen wesentlichen,^ tveun" nicht den wesentlichsten FcMr bildet. Wen<eS auch bei der ungeheuren Geldentwertungnicht möglich ist^E durch die 100 OVO Mark der großen Rot ^unter den Lehrern EinhalW zu tun, so wird doch dadurch in vielen Fällen die Notlage gemildert toerden können? Diese Spende kommt allen in Frage kommenden Lehrern zugute, gleichgültig ob sie Mitglieder des CentraloereinL sind oder nicht. — Es wäre freudig zu begrüßen, ivenn diese Ehrengabe Nachahmung in unteren Kreisenfände. Berlin, 25. April. Die „Teutschvölkischen Blatter* brachten in ihrer letzten, kurz vor Pesiach erschienenen Nummer an der Spitze des Blattes folgende Notiz: „Es mehren sich wieder auffallend die Wahlen^^J^unten ^mcU>cfc%4fcn^ diese Kinder. IünMnge und Jungfrauen? Helft alle. Hamit dieses unheimliche Berschwinden endlich aufgeklärt und verhindert wird. Mädchenhündler imd Ostjuden treiben ihr Unwesen in Deutschland. Gebt Obacht!* —- Für so idiotisch hält dar! brave Blatt natürlich seine Leser nicht, daß sie an dos jüdische Kochrezept, das ohne Christenblut nicht auskomme, glaubten. Darum anstatt einer offenen Beschuldigung diese mystische „Warnung* vor „Mädclzenhändlern nnd Ostjuden*. Wie traurig muß es um eine Parte' bestellt sein, die mit solchen Giftmischrezepten zu arbeiten gezwungen ist! —- Berlin, 25. April. In verschiedenen 'deutschen und ausländisch <n Blättern erschienen in 'dem letzten Jahre Schi'ldernngen über Besuche bei dem früheren deutschen Kaiser in Haus Doorn, au? welchen hervorging, -d^iß in der Umgebung Wilhclms U. ein stark antijüdischer Zug sich bemertb r mache. Es wurde versichert, daß in diesem Kreise alle noch so krassen Lrgeirden über die Schuld der Juden am Weltkriege und über ihre Weltherrschaftspläne einen fruchtbaren Boden finden. Die in Berlin erscheineivde antifeinidifch? „Staatsiburgerzeitung* bringt in einer ihrer letzten Nummern unter der Noberschrift „Wilhelm li. als Antisennt* den Bericht eines deutschen Pastors im Hause Doorn, der u. a. über eine dort neu entstandene antijüdische Legende berichtet. Wilhelm tt. erzählte bei dieser Gelegenheit „der rnfsische Machthaber Trotzki ... habe kürzlich einen neuen Orden verliehen: den „Orden de« Antichristen*.* n. Berlin, 2l. April. Der Verein der Besucher der Neuen Synagoge veranstaltete am Sonnabend, den 8. April, seine Gründnngsversammlnng im Repräsentanteusaa, der Jüdischen Gemeinde. Nach einem einkeiteiden Chorgesang. ausgeführt von dem Chor der Neuen Synagoge unter der Leitung seines Dirigenten Kapellmeister Keller mann, brachte Herr Oberkantor Klein dasl „Gebet* von HiUer zum L^ortrag. Herr Direktor Gut mann ergriff dann das Wort und legte rn kurzen «'«ndringlrchen Worten Zivecke und Ziele des Vereins dar. Ter Gedanke des PlN-ochiaLsystems, der -in der Gemeindevenvaltun-g nnmer inohr an Boden geivinnt. hat die Gründung des ^we-enKich . .Er..,M^niM^nur. für dvr inneren synagogalenFragenÄ Betracht kvnnnen. sondern er foll nuch vie Befncher der 9keuen Synagoge zu einer Einheit zusSammenstlKeßen. Hilfe und Mitgefühl bei SchickfalsWägen betätigen kann. - So -sott die soziale Arbeit mit in den Kreis der Aufgaben ausgenommen iverden. sprachen WEref chre^GlüMünHe'Drr BereiZK ersthrer schildeM^Mgehend die b^Wdets Mnstkgeit BerhäktnWM unter denen der Äeroin her Synagoge Nndenstvaße bereits arbeitet. Herr HanPtkantor Sch m ä l brad)ie hierauf ein Lied zu: Gehör, hieran schloß sich ein eindrucksvoller Schlußgeßnvg des Chores. Tie stinmningsvolle Feier hatte damit ihr Ende erreicht, nnd es ist wohl zu hofseu. daß der Bevern in ätMcher Werse wie die bereits aus andere Synagogen gegründeten eine starke Mitgliedszahl erreichen und auf feinem Gebiet segensreich wirken wird. KOiHta, im April. Das „Hamburger Fremdenblatt* schreibt: Bis in die Jetztzeit hinein hat sich aus dem Mittelalter in Altona eine eigenartigealte Einrichtungerhalten, die nur in sehr wenigen anderen Orten .Deutschlands zu finden sein durste und auch in Hamburg Unbekannt ist. Es sind dieses die sogenannten Iudentore? ftmtfteiwn *8^1^ des < - Talmuds un^uch des Alten Testaments machen es den rechtgläubigen Anhängern derÄnosaischen Religion zur Pflicht, in' Städten nur also durch Mmwrn und' "Tore gesichert sind? (Eine solche Vorschrift existiert nicht. Die Red.) Nun* dürste es i n Tentschland sehr wenige Städte geben, die im Mittelalter nicht befestigt waren; in diesen erlaubten die religiösen Bestimmungen den Juden, sich häuslich niederzulassen. Altona war aber während der ganzen Zeit seines Bestehens , stets eine offene Stadt gewesen, also hier war den Juden die Niederlassung aus rituellen Gründen untersagt. Aber hier war ihnen gerade seitens der toleranten dänischen Könige volle Freiheit in gesellschaftlicher und religiöser Hinsicht gewährt. Tie Folge war ein starker Zustrom von Iuden. die ans ihren Wohnsitzen vertrieben wurden, so namentlich aus Portugal und Holland. Um nun in ' Altona bleiben zu dürfen und dennoch den religiösen Borschristen zu entsprechen. verfiel man ans einen ganz originellen Ausweg. 'Wirkliche Tore waren nicht vorhanden, und min konstruierte man Ersatztore. die natürlich mit wirkliclien Toren keine Aehnlichkeit besitzen. An den alten Stadtausgüngen befestigte man jcderseits der Straße an den ersten Häusern je einen Stnisen Flac!)eisen von einem Meter Länge. Tiefe Eisen markierten die Torpseiler. Genau über diesen Ersahtorpfeilern hoch oben cm Haust? wurde ein Torn oder eine Schraube eingetrieben, die als Halt sür einen die Straße überspannenden dünnen Draht dienten. Tiefer Draht mm markierte den Torbogen. Das ganze Tor ist also ein recht leichtes Etwas, aber die