Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 8 (12.4.1922)
- Date
- 1922-04-12
- Page
- Seite 95 (sequence 11)
- Language
- German
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- wir wandern!" Kranen weinen vor sich tun, mm erstenmal kennen sie Trane»». die ohne Bitterkeit sind: denn jetzt erst sind sie der Verheißung gewonnen, da sie den Weg offen sehen. Männerhände. von neuer Kraft durchglüht. schlietzcn sich klammernd um den Wanderstab. „Jahwe, wunderbar zeigst du dich dem Volke, das du erwählt hast! . Ter Heimaterde siihrst du es sichtbar entgegen!" Tw Sonne sinkt, sie wird im bleigrauen Wolkenbetr verschlungen. fahl ist die Luft. der Wind fuhrt nassen Tunst. ..Eilt euch! bald kommt die Nacht!" Aber getrost, schon haben die ersten das Jmneirs gewonnen, am steinigen Ufer klimmen sie empor, sie sind geborgen. ..Eilt, eilt! Ihr czroßen Buben, nehmt die Kindtein auf eure Schultern, sie sind müde und weinen! Vergeßt ihr den Pharao? Tie Heere von erzgepanzerten Männern, die uns bedrohen? Nein, fürchtet nichts, wir entrinnen! Wir-erreick»en die Wüste, wir alte, ehe sie heran sind!" ..Staubwolken auf dem Lande, das wir vertiefen —? Wo? wo? — seht ihr? Das ist der Pharao mit Mann und Rotz und Wagen? Noch ist er weit, aber furchtbar eilig ist seine Fahrt. — hört ihr den tausend fackln Hufschlag? Spürt ihr, w'e der Grund erzittert? Sie kommen, sie kommen! Hilf, Jahwe!" „Was ist das? Schlägt der Wind um? Vorwärts, vorwärts. cs möchte fein, das; die Wasier zurückftuten und unfern! dedcck.'»!' j „Eilc! io eilt doch! Tas Heer ist hinter uns! Hört das j 'Mavt'Ui der Wagen, den gellenden Schrei der Lenker. Schaurig j Halit es über die Bucht sie nehmen den gleichen Weg, den wir windeln, den Weg. den Jahwe uns bereitet! Schaut euch; ui tit um. man erkenn»- nichts, düster ist der Himmel überzogen. - ,uihn»c. kann es »ein. da»; du uns »o verlä»»e»st? Gibst du uns in die Hände unsrer Heinde, nachdem du uns den Wunderweg; ocörner? Ja luve, Zatzioe. das kann dein Wille nicht »'ein." - Ta! itHiv braust dirr-tz die Tä'.nmerung. was raunt und riefelt um uwere Hüne? Das Waner komm: zlrrück. flieht, flieht! wir sind die lenken! Ta ifr das Ufer! linansi hinan»! Und hinter uns ran?-: cs. es dröhn» und klirrt durch das Toben ' der Flut horch! schreien sie nicht wie tu Todesgrauen und oräßlieber Tas "ch.'asi.u. das Waner! cs kommt über die Here das '.Neer versilsirnge den Pharao, sie ertrinken, sie ertrinken alle' Wir aber, wir sind gerettet, Fahwe. Jahwe! furchtbar ist dein? 'Kadir über denen, die du vernichtest!" Entsetzlich langsam verrinnt die Nach»: auae»üllr mir brütender Finsternis, mir auä'ender Ungewißheit lastet sie j unerträglich auf den Hebräern. Sie hocken und kauern im - Gemein des Wüstenrand cs. einer den andern »chuhbedürfrig! umklammernd, die kalten Hände im Dunkeln gerungen. > ..Most!" rast dann und wann eine klagende Stimmet ihn j n»teu »sie in der Not der finsteren Stunde, und sein Schritt.! der fest und ruhig über dst Sstine tönt, ist Trost und Znstncht ' der überreizten Seelen. Tas Meer rau'chr eintönig und »stark. Was wird der Tag bringen? j Ein rosiger Morgen, unschuldig und süß wie ein Binder- ‘ lächeln, erglän't am Himmel und wirst blütenfarbigen Wider- * schein auf das Meer. Am hohen Ustr stehen die Hebräer und starren hinabt die Ä)ancr»läcue der Bucht i»st mit treibenden Leichen ertrunkener Aegnpter bedeckt, jede Welle wirft Watten. Trümmer von Wagen und das Aas roter Pferde an die Küste Ver'sttztim.icn der Pharao und »eine Heere, hinweggestgt von der Woge Jahwes entronnen i»st das Volk der Kneebl'chatt Aegnptens. entronnen der fremden Erde. Sie schreien nicht, kein Jubel gesättigten Hanes gellt au». Im sihweigsitmeu Triumph des duldenden Neberwinders wende»; die Hebräer sich ab. Ihre Seelen sind crstböpst und noch..zitternd von den verzehrenden Erlebnissen des Gestern Ihre Augen, die nicht g§oö: nt sind, eigene Wege wagemutig zu suchen, richien^sich c-r f?»koke. Seine hohe und strenge Gestalt ragt irgendwo im Kreise ernster Männer und still beg, isterter Jünglinge. Dem Meere, das vom Sterben Aegypte »s überdeckt ist. wendet er den Rücken, sein Blick hängt an den Aip eln der Wüste, die im Morgenglanze brennen. Und von seiner Stirne leuchten Sehnsucht und inbrünstiger Wille in umerai nglicknr Flamme. — Ter Sornstotz ruft: i.i ei nnütigem Entschlich erhebt sich das Volk. Glühend unt bte »dcnd öffnen sich die Täler der Wüste. Ein Wolkenzzrg. schn'rnen»oeitz und von Licht durchtränkt. schwebt über der» Ambrechenden im Blau; Jahwes Gewand ist es. das durch die i Ific flattert. Kindersingen geht ml; dem Z»»ge: ..Wrwandern! Jahr-e. w-r wandern!" Im Sannlrrnr; der Lgsarelr? Historische Erzählnr g voi (5 a r o l a B n cb li ei iir. Flachdruck vcrbotcn.» ie Kunde von de.- Gesa» reu^ahme des jungen Herodes Agrippa hatte ß.h im kaiserlichen Palaste sowohl als in der Stadt rasch fc.:bre;ic’, begegnete den vielsriugsten Af/saffungen und errve^te die nannigsachften Empfindungen: denn während Nabbi '.'»arnliel im Vereine mit den verrammelten Frommen de.» Schutz des Höchsten für den »ii:tr;: ii;n Gefangenen, den Enkel ber lewen Hasmonäerin. heraosicat gab es in der Judcabcit .R uns dagegen viele, die drest- Nachricht gleichgültig ertaeaenr ahmen, ja mehr als da--: cs fanden sich sogar fanatntze Eilet er. die in dicstr Mastrcgeurng eine gerechte Strafe fnden jü i sitzen König.s»'proß crbisikren die dieser tausendfach /'.'wirkt bitte durch »1:11:11 »toten Verkehr mit den römischei Große» und »stine enge Freund »sttzast mit dem zuustloi'en. entarteten Eajus und nicht zuletzt erblickten f.e ein 2 ergehen des jungen T-.:ste.t auch darin, daß er durch seine brziebung am römischen H-s? g.mcin'am mit den ka.i»er!tcher» Prinzen, sisti uinnd'o nud griechische Sitte angeeie.net ha::,. Ja. sie siiheu in der Etn kerkerung dieres Jüngl.ngs eine zotluche Fügung, die es rer hind.cte. daß nenerding.? ein Jdn:näer»proß ern »einem Groß vater, den» gottlosen Herodes. gleichender König zur Herrschaft gelangte im jüdischen Reiche. Im Kreise seiner ^rennde »doch. und deren hatte d. t junge Agrippa unter ten Borncl me»» des Rei.bcs eine »statt liche Zahl, errveckte das urchtb^rre Ge'sttzick. das ihn ereilt batte größte Bestürzung. Bange Berzweiflumt ergriff d. s Herz des treuen Zonniu- »vrvie des »einem jungen füri'lichen Genvsien ergebenen Antiochus. wenn sie. z rr Nntängstsit verdammt, das Fu.rebtbare ruhig mir anfehe/ mußten. . as ihn bedrohte und dem er erliegen »nutzte. Vergebens suchten sie nach c»ne»n Rettungsanker, vergebens trachteten sie e»n Mittel \t seiner Befreiung zu en: decken: die Senatoren, die sie in irrer Bedrängnis anstebton. ihren Einfluß beirn Imperator zugunsten des Eingekerkerttn. anznwcnden. lehnten it r Ansinnen ebenso ab »vie die Gü»strlinge des Kaisers. Agri »paä bei »einen Glan' casstm Herren »einer Getre. :n nawenso'e Tr-rncr aeweckt. w 7 :7vrasto ein Sturm »vilder Leidenschaft das Gemüt des j'mzen Eajns als er. aus »i'i.iem ^lttta!» enoacbt. den Freund; - an feiner Seite erblickte, und wilder, wahnwitziger Zorn cr-wisi ihn. als er erfuhr Agr apa »et auf 'sistehl des .Kaisers von den Wachen abgehvlt worcen und schn,achte jetzt in» Kerker.