Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 8 (12.4.1922)
- Date
- 1922-04-12
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mose eutrollr-denserdenzarte» Papyrusr er erkennt die Schristzüge. cr lickt: „Ich sprach! Uebereiltes ist geschehen: die Hebräer entgehen nicht der Strafe Aegyptens! Sie kehren augenblicklich zurück. Nicht einer wage dem Gebot zu trotzen." Tas Siegel des Pharao in darnntcrgeseht und irgendwo ein eilig und heftig hingestrichelter Sah: „Mose, was folgtest du nicht, als ich bat? Nun trage das Endel- Mose laßt die Nolle fallen. „Melde dem Pharao die And wärt?- ruft er stark. „Tas Volt der Hebräer zieht hinweg aus Aegypten. Ueber uns unsres Gottes Wille, nicht der öef ~ Pharao!" Ter Söldner fährt empor, sein Gesicht ist dunkelrot, halb lst cs Wut und Abscheu, halb grausame Lust, tvas aus seinen Augen flammt. „Ihr entrinnt nicht!" schreit er. „es wirst der Pharao feine Heere über euch. daß ihr verderben werdet allesamt!" Er reiht sein Pferd herum, ein rauher Ruf treibt die Ge« solg-'chast arr. dröhnend stiebt die Schar davon- More wendet sich um. er ist sehr bleich und sein Antlitz wie Stein. Aaron ergreift ihn am Arm: „Mose, das ist schlimm! Siet, das Belt! es kann ihnen nicht mehr verschwiegen huiben." Cfwc;>avifel. nein! Tenn dort, zwanzig Schritte zurück, kauert ein angstvoll gedrängter Hanse, hundert Augen, die das Enner.ren weiter, haben den Vorgang gesehen, hundert rlUren l'.aveu gehört. Und schon rasen-sie herbei, sie umringen Most. ihnen nach stürmen andere, nocstahnrnnzslivcr die fragen und schnelle Antwort erhalten, das ganze Lager Kv'Onn herzu, und ein Schrei der Verzweiflung erhebt sich, nur ein nunlofes Etagen erst - dann aber ein wildes und wüten« . d-.-s fordern, ein tobendes Befehlen! „Umkehren!. Umkehren! .!'.rrn-.-t. Vlosi! Zurück nach Aegvpten!" Me'e wird von der Wucht andrängender Leiber halb erdrück:. aber rinn gelingt eine Befreiung: Simei und llficl. i*a; ■ ■ 11 :!'.a .i:ioerg?hoben, auf ihren Schultern sieht er plötzlich > B üb.r dem tsiewühi. ..Ihr wollt die sinewrfchasi von auf euch '»'.-tunend riur er. .am Staub der fremden aviriih’n fronen, heiumtlo- und gontos. grausamer geoasi: rea -ur.u Pen;igern als je zuvor!" Ear S.haud.r lauft durch die Menge, ein winunenides '.oaeru. durm klingt das antwortende Ja. aber es ersiarkt '.'euc.l. und -a'.r'-.-ndsiimmig ianunert der Angsisibrei: ..Wir . .a. a :v?ulden roeiter' Be'str Fron und Ner. als hier '.eco-a'.n'n oo.-rdcn von den Söldnern des Pharao, zermalmt o'"a feinen Wagen und Nonen!" Auf Mests Stirn fammelt sich die Wolke des Zorns, germ'.nig.s Weh bricht wie Feuer aus feinen Augen. Beschwerend hebt er die Arme: „Und Jahwe! Wo nt euer Gott, der heilige Wille zur Heimat und Freiheit, der euch erfüllte? Verleugner ihr ihn schon heute und wisset nicht mehr, dass er machtvoll über >urch waltete bis jetzt?" Er har cs über die Menge hinge schrien, drohend in. leiden«, schasilicher Anklage jetzt erschrickt er vor der Stille, die jählings alle Stimmen, jammernde und zornig wütende, verschling:, so daß nur ein Kinderweinen, von irgendwoher, -hö.-bar bleibt rote das Fleben eines mitleidlos Beraubten. Larin aber, nach kurzem Schweigen das von Entfcheidungs« '-.hwere beängstigend zittert, erhebt sich neues Gelärm, verworfen und luftig aufbegehrend, und Mose hört: junge Kehlen 'iu7 -cs. die da schreien, die Jünglinge und Knaben, die seine it :;. nunii-.'ch begeisierte Anhängerschaft waren, „fliehen!" llmg! . ..lasit uns fliehen! Wir müssen entkommen! Aus. in d',- -A'sirue'?as Meer hinter uns? Wir wollen nicht '!ce"en'" Tn Sll-ce: grein um sich wie Brand im Stroh. Ja? Ja. g:eb. n! .'luf und hinweg! Nicht mehr die Jugend allein ,n : i'-r v r< a das ru. ch kostoar isi bewahren- Männer und. Frmren stimmen leidenschaftlich ein, Kinder, Greise jammern— schrill, in drängender Angst: „Rettet, rettet uns!" Ueberschrien sind die Zaghaften, wütender Wille zu Flucht und Erhaltung reiht alle empor, noch einmal umklammern sie in verzweifelter Kräfteanspannung die erhoffte Zukunft. Unter tosendem Ruf bringen sie von neuem auf Mose ein. sie bieten sich ihm dar, sie fordern seine Führerschaft. Er wird herabgezogen, mitgerissen auf glühender Woge, kein Wort des Widerspruchs würde er verständlich machen können. „Es ist Wahnsinn!" schreit ihm Aaron ins Lhr. „Unrnöglick», baft wir entkommen! Ter Pharao ist zehnmal geschwinder als unser Zug von Erschöpften und Verzweifelnden!" „Was sonst?" fragte Mose zurück: er spricht es beinahe lachend. „Tu mußt dem Pharao entgegen! Verhandle, markte um unsere Unterwerfung, sieh zu. was zu retten ist! Gewinne zum mindesten Zeit, daß der Aegypter Wut sich legt!" Mose schiebt den Eifernden zur Seite. „Tas Volk will sich retten — das ist Jahwes Stimme! Aus! Wir fliehen! Bringen wir die Meeresbucht hinter uns, so sind wir in Sicherheit: in die Schluchten der Wusle folgen uns des Pharao Rosse und Wagen nicht." Es bedarf kaum noch seines Führerrufes, um das Volk emporzuscheuchen. In fieberhaftem Getüuunel vollzieht sich ein Aufbruch, der an zähnekuirschender Entschlossenheit, an inbrünstig zusammengeraffter Willenskraft wie das Auf« -bämnen eines einzigen todbedrohten Leibes ist. - In behendester Schnelligkeit reiht sich Zug an Zug, Sippe nach Sippe, zusammengeschlossen um Weib und Kind und Vieh. Tie Männer und Jünglinge, die Mose zu Lrdnern und Haupt« lenren des wandernden Haufens bestellt hat, finden bebenden Gehorsam für ihre Befehle. Tie Hörner rufen: unaufhaltsam drängt alles dem Strande zu. die Erde dröhnt vom ungeduldigen Gestampf der taufend Füße. Aus. aus! Eilt euch! Tie Bucht muß urmchritten werden! Am jenseitigen User ist die 'Wüste, der rettende Einschlupf für die Verfolgten! Tie Sonne ist Längst über Mittag hinaus. Eine bleigraue Wolkenwand hat sich über dem Meere emporgeschoben, unbeweglich steht ste, trotzdem der Wind von Stunde zu Stunde heftiger wird. Er fegt über die Wasserfläche hin, daß sie sich funkelnd schtrppt, aber die Wellen vermögen nicht mehr sich frech emporzubäumen - ist es nicht, als kröchen ne feig zurück vor denr drängenden Anhauch des Sturmes? Ta was ist das! 'Was schreien ne da vorn an der Spitze des Zuges, die ersten, die schon am User entlangftreben! Hört! hört doch: das klingt wie Jauchzen! „Jahwe! Jahwe hilft!" fo rufen sie. Was geht vor! Was geschieht? .Kommt, eilt doch und laßt uns sehen! Ta — Da! Tas Wasser! Tas Meer! Vater, Brüder! Seht ihr nicht! Tas Wasser tritt zurück. es weicht aus vor unseren Füßen, schon liegt ein Streifer: der Bucht trocken! Seht, seht!" Mose schreitet hinab auf den entblößten Grund. feierlich wandelt er. mit erhobenem Stabe. — ihm nach, hinunter, hinüber zum Jenseits! Es teilt sich das Meer vor unseren Schritten. — „Jahwe! dein Weg ist es, den wir wandern! Tu reißest uns die Straße der Rettung auf, Jahwe. Jahwe! Tn unser starker und gewaltiger Gott!" Bramend wälzt sich der Schrei von Schar zu Schar, er übertönt das Heulen des Sturmes, das dumpfe Murrerr der entwichenen Flut. In reißendem Zuge, getragen von unbekannten Kräften, dring: das Volk voran aus der Bahn Jahwes. Derwegen, als wüßten sie sich unverletzlich, betreten die Zaghaftesten der: nassen, dunkelfarbigen Boden, der schleimig ist von Wassecgewächs, mir glatten Steinen und zappelnden Fuchen besät. Mrr schief geneigten Häuptern kämpfen sie seitwärts gegen den Wind, die Wangen glühen, ans ihren Augen strahlt reinste Ergriffenheit, todeskühne Bereitschaft zu allen Forderungen des Geschickes. Kinderstimrnen lallen: .Zahwe,