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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-04-12 · Heft 8 (12.4.1922) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 8 (12.4.1922)
Date
1922-04-12
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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*.yn;. . - Ausüber PrlSjtiyck, - r : - ' . Aus einem BerjchjrvLkr Ältgcrneinen'Ärbökterorgänisntsou in Palästina geht -hervor,>dlrß-m-dcn'.^letzt»^ zwei Jahren äirßer Jngenjeuren. und'.Technikern '7ÜÄ^es6Mt'2.''»00 'Indische- Arbeiter an den öffentlichen Arbeiten teil^enammen habcNV'uitd zrvnr'oöiiviegettd beim Straßenbau. Tic A.rbeitsvcrtrcrge - wurden -;ryisctzeu dem Negierungsdepartement' nir öffentliche Arbeiten und der Allgemeinen Arbeltcrorgättisation al'geschl'ösfcild:c Arbeit wurde durch Arbeiter- 'genchsenschaften^atlf ergebe Rechmntg'.äüogefü!rrt. Tie/Don jiddischen Ärbeitern errichteten Straßen h.:beh bereits cmc Länge von 70 Kilorcketcrck, die Eifenbahn!:u..n''eirre. pLM! t< Vt i Ix\ ul-c t c x u erreicht. ... •. . - - --? ." ' '-' Ter Konstantrnopeler ..Reveil" veröffentlicht ein Interview mit Patriarch MoletioZ, dem Oberhaupt der griechisci)-katholischen Kirche im Orient, worin dieser fcinpn. Ztandpuntt ^znr Judenfrage für alltzekneillen und zum jüdischen"Nätionalhsim im besonderen zum Aufdruck bringt. ,.Tie griechifch-kacholische Kirche", sagte der Patriarch wörtlich, ''.steht' m'der Errichtung.einer jüdischen.nationalen Heimstätte in Palästina' nichts Unbilliges: sie. hat' vielmehr . mit großer Sympathie u'v) Befriedigung bon die'er Wiedergut rna ch u ngder einstmals am jüdischen Bette begangenen Ungerechtigkeit erfahren.' Inden und Griechen haben in der'ruhmreichen ^Vergangenheit unmer übercingestimmt und zur Zivilisation der Welt sehr viel beigetragen. Man darf glauben, daß die griechisch-katholische Kirche der jungen zionistischen Bewegung, die ans eine Wiedererrichtung Palästinas abzielt. stets mit Sympathie begegnen wird." Nach Berichten aus Safed find die soften der Lebenshaltung in Palästina erheblich gesunken. In den >?andelsbeilagen der LandeSpresse wird der Preissturz vornehmlich auf den allgemeinen Sturz der Weltmarktsprcise, dann aber nucf> ans den wachsellden Import australischen Getreides mrückgeführt. Ter letzte Umstand hat auf die % -v■v&i-'uiu i -', ' . -> ^iWwirkt. daß die Getreids^re^—seit Februar um 50 Prozent gefallen sind. Tie Gemüseimd Kvhlenpreije sind um 10 Prozent gesunken. Tie palästinensischen Kolonisten glauben, daß die Verbilligung der Lebenshaltung fortschrciten wird und daß bereits die Arbeitslöhne,von der allgemeinen Tendenz erfaßt lverden. Tie erwarten deshalb auch eine wesentliche Berbilligung der uäclnten Ernte, «die den einheimischen Produktes eine erfolgreiche Konkurrenz gegenüber den ansländischcn Getreidc'vrten ermöglichen, wird. Tie „American Sdc:ety for the Exportation vf Fruits from Palcstine", die mit einem Kapital von 100000 Dollar in Boston gegründet wurde, hat m der jüdischen Kolonie Petach Tikwah eine moderne. Anlage zum Verpacken von Orangen errichtet. Tie Gesellschaft loird in der jüdischen Siedlung Rechoboth ein Zweigiustitnt eröffneck und den Export palästinensischer Orangen nach Amerika organisieren. Tas Kapital des neuen Unternehmens wurde von einer jüdischen Gruppe in Montreal aufgebracht. Tie Palestme Tevdlopment Eornpany hat in der Nähe von Kfar ^ada und En Ehai (bei Petach Tikwah) 5000 Tnnam erworben. Auf derrr'nenen Terrain wird eine Großsiedlung errichtet, die besonders der'Aandivirtschaftlichen Industrie gewidmet sein soll. Außerdem chat..die .P. ^L. T.- C. jn. ^unmittelbarer Nähe von Tel-Awiw 240 Dunam gekauft. Dieser Boden, der Tel-Awiw eine Ausdehnung nach.Norden ermöglicht wurde an mehrere Baugenoffenschaften der jiwi.ßhcn Mustadt verpachtete { ' MH. Margustrs. \ neTiuarlet ' traf uni die crsthntternde: Nachricht, daß DL. S, -H: Margikites Sbrrra^biucr von Florenz und Direktor des Eöllegio RabbiUicv Italmno, am 12. März d. I. plötzlich verschicdcnist. Mt ihm ist. wie das alte Bibclwort es ausvrückt,' ein Fürst und ein Großer in Israel henngegangen. (ft entstammte einer alten vornehmen Familie und blickte mit stolzem SelbstbLlVtchtsetu .aus die-lan,ze Reihe Mehr!er APien. IN seiner HaltUHch seiüem ZAnstreten. - seinend Mesen -lag | arüMratischc DörnehnWt.'-nnd -seine Etscheinuna-sttmtnte jrbrfrcffitäf; z,Gdem >.rrrstokrtrtifch-dätMrchalischen Charakter'. 'd?n MneiViem'emDe'.Ia/<d,' als er.W| fein?lint. antra'lh. Iü kics«'Nmgebunü vösi^.M 'Kulüir^ und stolzer Traditiöneü hatte^r. sich 'erstaunlich rasch eingebürgert, er war in der : Hrunat Dantes völlig heimisch und redete , ihre Sprache in ■ vollendeter Reinheit, augcstaunt von allen« die ihn hörten. ' Cr geiwß ein Ansehen, wie nur selten ein Rabbiner- und verlieh! seinem Amte einen Glanz, wie ei ahn nie gehabt hatte.' Für! alle Juden in Italien, die Einheimischen und dic Fremden.! war er der Rabbiner, zumal für alle diejenigen, die mit dem! lebendig - pulsierenden Judentum.Verbindung suchten. „Nicht geringerer Mertscha^ung erfreute er sich in christlichen Kreisen. Auch der Negierung galt er als der Repräsentant des Judentums: wiederholt hat der König ihn empfangen und sich von ihin ttbcx jüdische Angelegenheiten berichten lassen. Theodor Herzt konnte er den- Weg zum italienischen Hofe ebnen. Alles beugte sich vor »einer geistigen »md sittlichen Größe. - Eingeweihte erkannten früh seine Begabung: in jungen Jahren bereits galt er als hervorragender Talmudkenner. Jur vollen Entfaltung gelangten seine Gaben in Italien, hier : hat er auch sein organisatorisches Talent bewährt. Das; italienische Judentum verdankt ihm einen nellen Aufschwung. - er hat es aus dem Dornröschenschlaf, den es lange Zeit ge- > schluniincrt. geweckt und mir dein lebendigen Judentum der j Gegenwart in Verbindung gebracht. Durch ihn erst erfuhr i man in Italien wieder von dern, was das geistig regsame» j das sozial .wirkende Jndcntmn bewegte: er habt? Beziehungen I zu . den Juden aller'Länder iu»d .uc gewichtiges Wort in aü! den großen'Organisationen, die an der Verbesserung der! Lage der Juden arbeiteten. Von ihm ging ein neuer Geist - ans. der besonders die Jugend erfaßte, »md wenn sie heute aü der Bewegung' zum Anfbau Palästinas, an der Emigra» * tionsfräge'mit lebhafter Aktivität teilninnnt. so ist das im; letzten Grunde Margnlies' Verdienst. Nur sein Ansehen in l allen jüdischen Kreisen machte cs möglich, daß die numerisch , so schlvache italienische Judenhcit sich an die Spitze der Be» »vegung zur.Rettung der Falaschas stellte und sie erfolgreich; dnrchführte. Im Dienste seiner. Gemeinde beschäftigte ihtt be-! sonders die Frage.der Jugenderziehung, unablässig widmete er ihr seine Arbeit. Seine Schule hob er auf eine so hohe i Stufe, daß die Derwaltlmg des in Verfall begriffenen Colle» > gio Rabbinico Jtaliano in Rom 1899 dieses Institut nach! Florenz verlegte und ihm die Leitung übertrug. Durch diese; Anstalt hat er seinen Namen unsterblich gemacht, an ihrem > Aufbau arbeitete er mit Leib und Seele, mit Aufgebot aller > Kraft entfaltete er eine reiche Lehrtätigkeit. Es gelang seinem edlen Eifer, die besten Traditionen der italienisch-jüdischen Gelehrsamkeit wieder zu beleben. die'Anstalt wurde ihren Schwestern' iw Ausland ebenbürtig, eine wissenschaftliche I Zeitschrift-zeugte von dem Geist, der an ihr herrschte, eine i Schar junger Gelehrter und begeisterter Rabbiner trug die Lehre'des Meisters in die Gemeinden. Ter Weltkrieg hat die iel.vne Entwicklung drs volle gio gestört, und es bereitete dem Vcrelvigten tiefen S.hnierz. daß die Wiederherstellung seines Lieblingslverkes zu lange Zeit in Anspruch nahm — ja. im Zusammenhang mit inanchem Verdruß, den die völkische llebcrspannnng der letzten Jahre ihm bereitete, ivar er nicht abgeneigt, das Laild seiner Mühen »nd seiner Triumphe zu verlassen. Gottes Ratschluß hat ihn einen anderen Weg geführt, vor seiner Zeit , ist er an; dein L».ben geschieden: bei einer ' ') Einzelheiten ous seinem Leven und sei» Bild brachte .diese Zeitung. Inh'-gang 7«, (101:2. 9iv. lei.

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