Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 7 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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SS. Jahrgang. Nr. 7 Der Oemeindeüote. 1,22 Beilage zur „AllgemeinenRettung beö IudentumK". Korrespondenzen und Aachrichtm. SrutschlaaL. L K. Berti«, -N. Mar.z. Tie Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees in Berlin wurde Mittwoch, den 15. d. M.. 4 Uhr naa/.nittags, eröffnet, folgende Herren waren anwesend: Bon der Erekutive: die Herren Weizmcmn. Lichtheim. Motzkin. Solvweitschik. Iudge Rosenblatt: vom Finanz- und Wirtj schaftsrat: die Herren Naiditfch und Tr. Barth: vom Aktionskomitee:! Tr. Ehajes. Tr. Hantte. Tr. Jacobson. Grünbaum. Tr. Reich.! Rofoff, Blume.'l'eld. Struck, Lewin-Epstcin. Tarbstein. Rabbiner } •Uiibinftciti, llaplan. Tr. Adr. Hatzenelfohn. Twerstv. Meremim'ky. | Rubafchvw. ferner nahm der Präsident des Waad Leunn. Tr. I. Thon, j als «aft an der Sitzung teil. - Nachdem der Präsident des j tromitees, Tr. Ehajes. die Sitzung hebräisch eingeleitet hatte, wurde sofort in den ersten Punkt der Tagesordnung eingegangen, und zwar Bericht über d'e politische Lage. Tas Referat Tr. 26 eizmanns sowie die politische Tebarrc wurden rür vertraulich erklärt. Tr. Weizmann berichtete zunächst über die »Trage des Mandats und. die Aussichten seiner baldigen Ratifizierung. Sodann erörterte er die Trage des Entwurfs einer nonsritutiou für Palästina und die Haltuug. die die Erekutive dazu eingenommen hat. Er verbreitete sich hierbei auch über die Tätigkeit der arabischen Telegation in London und die Politik gegenüber den Ariern. Zur weiteren Verlaus seines Berichts ging Weizmann auf die Vorfälle ein. die in der letzten Zeit die zionist: »ch? Ordentlichkeit stark beschäftigt haben, insbesondere die Angriffe der Northcli'fe Presie. den Tall Stuart Samuel und die orthodore Telcgarion zu Lord Northcliüe in Palästina. Außer diesen Angriffen von außen mußte sich Tr. Weizmann auch mit den Angriffen von innen beschäftigen. Er betonte. wie verderblich die zionistifäze Opposition. die von Paris und? den; Haag ausging, auf die ziomsti'ch? Atmosphäre gewirkt hat. : •Statt die Leitung in ihrer schwierigen Position zu Nützen, sei von - Vierer Seite der Bersuch gemacht worden, sie gerade im entscheidenden Augenblick zu schrvächen. Trotz aller dic'er Hindernisse, erklärte Tr. Weizmann. ist die politische Situation im allgemeinen als günstig zu bezeichnen, doch mühten Wege gesunden werden. um die Position des Zionismus zu starken, gerade vrt Rücksicht darauf, daß die Ratifizierung des Mandats bevorsteht und sich dann besonders große Aufgaben für das jüdische Volk ergeben werden. Rach Eöeizmanns Re^rat hielt zunächst der Vorsitzende. Tr. EHajes, den kürzlich verstorbenen prominenten Persönlichkeiten der Bcivegung. dem Arbeiterführer und Schriftsteller VI. T. G ordon. dem Rabbiner Tr. Nobel und Rabbiner T. Margnlies iTloreuz», einen Rachruf. den das Komitee stehend anhörte. sodann wurde in die p o l i t i f ch e T e - batte eingetreten, an der sich die Herren Tr. Ehajcs. Tr. Reich, Twerftn. Tr. Jacobson. Grünbaum. Tr. Soloweinchik. Tarbstein. Meremim'ky und Tr. Thon beteiligten. — Zweiter Tag: Zu Beginn der zweiten Sitzung, Tonnerstag. den 16. d.M., 10 Uhr vormittags. erstattete das Mitglied der Erekutive Herr Licht heim das Referat über ..Immigration und Organisation". Herr Lichtheim : berichtete über die Verlegung der Immigrationszentrale nach Palästina. Es fei eine Konferenz der Palüstinaämter in Wien ge- - plant, doch ''ei es schwer, im gegenwärtigen nnacklärten Stadium die prakti'chen Tragen definitiv zu regeln. Lichtheirn erörterte die Haltung der palästinensischen Behörden, die sehr rigoros 'ei, und berichtete über die Bemühungen der Erekutive. die Kontrolle der Zionistischen Lreanifation über die Einwanderung wieterherzustellen. Tie Verhandlungen mit der eng'.isckjen Regierung fchlvebten noch), da die Regierung die Eimvandcrungssrage nicht olme Zusammenhang mit der Trage der Konstitution behandeln wolle. Ter Redner schildert die Schroierigkeiten der Arbeitsbe'ch.nfuu.z »ür die Ehaluzim in Palästina, besonders wenn ungeeignete Einwanderer kämen, was nicht verhindert werden könnte, 'olange das Zerrmta'.'N stein nicht wieder eingeführt fei. Zur Besprechung organifatvri'cher Tragen übergehend, erklärte Lichtheim die N v t w e n d i g k e i t einer intensiven Schekelaktion und eines Sonderbeiträges für vrganifatori'ck? Zwecke der Erekutive. da die (Gelder des Keren Hajesiod für die'en Zweck nicht herangezogen werden könnten. Zum Schluß ging der Referent auf die Trage ein. welche Maßregeln die Organisation nach der Erteilung des Marens zu ergreifen habe, um die Mitarbeit aller Juden beim Aufbau Palästinas zu sichern. — Hierauf berichtete Herr Naiditfch über die Tätigkeit des Tinanz- und Wirtschaftsrates, insbesondere über die Aktion für die Hypothekenbank und die Vorbereitungen des I. E. T- Trive. Tes weiteren sprack) er über die finanzielle Situation und erklärte die bisherigen Erfolge des Keren Hajesiod für ungenügend, insbesondere haben einige Länder des Ostens noch lange nicht ihre Pflich: getan. Redner charakterisierte die Opposition, die von seiten der Marmorek-Gruppe gemacht werde, um den Keren Hajesfod zu schädigen. Tamit der Keren Hajesiod zum Erfolg geführt werde, müßten gerate die besten Menschen in den Tienft der Organisation treten: das aber werde durch die unqualif: zierbare Agitation gege » die Beamten unmöglich gemacht. -■ Tas Mitglied der Palästina-Erekutive Iudge R o s e n b l a t t. der sich gerade aus der Reise von Amerika nach Palästina befindet, berichtete hierauf ausführlich über die Situation in Amerika und teilte Einzelheiten von der dortigen Rrren-Hajesivd-Arbeit mit. Er erklärte, daß die amerikanischen Z i o n i st e n die Idee des Heren Hajesiod sehr ernst nähmen, während er in einigen europäischen Ländern diesen Ernst noch vermißte. Tas Geld werde in Amerika von den mittleren und unteren Schichten aufgebracht, während die reichen Juden bisher versagt halten. Rosenblatt betonte, daß die Opposition der Branders-Gruppe ganz anders fei als die der Marmvrek-Gruppe. denn die Brandeis-Gruppe arbeite nicht gegen den K e r e n H a j e i? o d. Ter stören Hajesiod müsie als Steuer erklärt werden, daher dürfe man auch keinen Gewinn in Aussicht stellen. Im weiteren Verlauf 'einer Rede trägt Rofenb.at: seine An chauungen über die Notwendigkeit einer Reorganisation des Vlpparates vor. Tanach 'vll die Erekutive nach Palästina übersiedeln und nur die politische Vertretung in London bleiben. 'Auch im Budget sei eine Reorganisation erforderlich, z. B. müßte das Schulwerl allmählich zum Teil vom Ii'churv erhalten werten. — Herr B l u m e n f e l d letzte die Notwendigkeit einer Stärkung der Zionistischen Organisationen auseinander, die nur mit Hille des Ausbaus des Bcamtenapparats erfolgen könne. Tr. Barth beantragte Einsetzung einer Alommifuüu zur Unter'uchnng der Möglichkeit von Ersparnissen. Terner beantragte er. an Stelle der nächsten Vlkrionskomiteesitzung eine Sitzung des Zentralkomitees einznberufen, die sich m:t der »rrage tes Jüdischen Welttongreßes defchüftigen solle. — In der Nachmittagsntznng. die bis in die späten Vlbendstunden sortdanerte, wurde die Generaldebatte über die Politik und über die Sonderberichte fortgesetzt. — Berit«, 2A. März. Generalkonsul Eugen Landau war am 17. d. M. anläßlich seines 70. Geburtstages Gegenstand herzlicher Ovcttionen. In seinem Heim waren erschienen der Herzog von Ratibor. Graf v. Hülsen. Prinz Asenburg. General konsul Tinte, die Generaldirektoren der Großbanken und Vertreter von Handel und T"wnzeri. Tie Stadt Berlin hatte durch Oberbürgermeister Böß folgenden Glückwunsch überreickzen lasten: ..Zum heutigen Tage drangt cs uns. Ihnen von Her.zen kommende Glückwütlsche darzubringen und der ausgezeichneten Ticnste zu gedenken, welche Sie der Stadt Berlin in einem langen, arbeitsreichen Leben geleistet haven. Seit fünfzig Jahren ist das Bankhaus, das Ihren Namen trägt, mit dem wirtschafrticheü Gedeihen der Reichshanptstadt eng verknüpft. Wir gedenken besonders dabei Ihrer bereiten Mithilfe der der Tnrchführung vieler nuferer großen Geldgeschäfte. In den vergangenen dreißig Jahren hat nicht zuletzt auch Ihr kluger Rat und Ihr verständnisvoller Eifer im Vorstande der Zentralstelle für den Trenrdenverkehr Groß-Berlins, die Sie mitbegründew halfen. Segensreiches für das wirtschaftliche Aufblühen unserer Stadt gewirkt. Wir wissen, welchen Wert gerade Ihre weitere Mitarbeit sür das Berlin hat. dem so treue und unermüdliche Anhänger und Verteidiger heute, mehr als je erwünscht und