Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 7 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- Seite 86 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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m und Elohistl fori, was eigentlich AUM Schaden der Sache geschieht, da die Stilunterschiede im Fünsbuch nicht gehörig gewürdigt werden. Schöne Worte findet Bernseld für die Bedeutung der Psalmen. Hingegen ist die Behandlung des jüdisch-hellenistischen Schrifttums allzu lur* geraten: die sprnchlicite Eigentümlichkeit dieser Schriften ist kaum berührt worden. Tafür lesen wir gleich zu Beginn des Buches einen Abriß der Entwicklung der hebräischen Sprache, womit unser Buch etwas über die sonstigen isagogischen Büclier hinausragt. Tie Fortsetzung des Werkes werden wir gewiß freudig begrüßen. / Wien. Samuel Krauß. * -= Bernhard Huldermann, Tirektor der Hamburg- Amerika-Linie: Albert Ballin. Oldcnburg^rlin, Gerhard Stallina, 1922. Unter den Gestalten, die das deutsche Judentum um die Zeit der Jahrhundertwende hervorgebracht hat. ist die Albert Vallins zweifellos eiire-Ler markantesten. Wenn seine Leistung als Generaldirektor der H^nnburg-Amerika-Linie mid» iemeits der eigentlichen jüdischen Betätigung liegt und für diese selbst ibm kaum Zeit blieb, w ist er doch auch als Jude zu würdigen. Ballin hat bekanntlich den Zusammenbrnch Teutichlands nicht überlebt, mit» es erscheint dies bemerkenswert. daß er. der Jude, der Anhänger des .»neu n rosinio. den 9. November, der in ihm eine Welt einriß. nicht überleben wollte, wahrend die anderen, meist im Ausland nntertauchend. ihr Leben bewahrten. — So hat er auch selbst seine Memoiren nicht schreiben tonnen, und Bernhard Huldermann mußte aus den Notizen Ballins * und seiner intimen Kenntnis des Mannes heraus Z»ie»e Arbeit leisten. Heber die Herkunft Ballins erzählt er. was uns au dieser Stelle besonders interessiert, daß er einer alten jüdischen Familie entstanmite. ..von der Mitglieder an Hand der alten Grabsteine und sonstiger Urkunden vor Jahrhunderten "bereits in Frankfurt a. M. nachweisbar und. zu spaterer Zeit in Paris, dann in Mittel- und Norddeutsch land und in Tänemark". Er erzählt weiter, daß Ballins Borfahren in Hamburg und Altona schon itn 17. Jahrhundert als wohlhabend und angesehen erwähnt werden. Einiae von ihnen haben sich durch Gelehrsamkeit ausgezeichnet und ein Hobes Au'ehen unter ihren Glanbensbrüdern genossen, andere wieder haben »ich auf dem Gebiete der Kunst und des Ktmsthaudwerks erfolgreich betätigt. Hierin zeichneten »ich besonders die {' Iran kreist» ainäüigeii Zaveiae der Familie aus. während die nach Tenlstblaud und Tänemark ans gewande rten durch Gelehrsamkeit und geschäftliche Tüchtigkeit hervor ragten. So glaubt Huldermann -crl-S'Bererbnngsprodnkte bei Baltin Klugheit und fünftlerififK“ Phantasie feststellen v» können. Tie Lektüre dieses Erinnerungsbandes ist. außerordentlich spannend: er unterscheidet »ich durch sein maßvolles Urteil vorteilhast von io vielen anderen Bänden. die in inneren Tagen erschienen sind! Tie Warner rolle, die Ballin gespielt batte, mußte eine undankbare »ein. obwohl ihm die Entwicklung der Tinge in vollem Umfang recht gegeben bat. Eine Stelle des unbedingt auf das wärmste \u empfehlenden Buches möchte ich noch hervorhcben. Ballin unterschied »ich in »einer Stellung zu Hamburg deutlich von den Hamburger Patrioten, deren Gedanken an den Grenzpsählen der Hansestadt haltmachen! Ein Mangel an tüchtigen Persönlichkeiten sei stets bemerkbar gewesen. So äußerte er einmal: „Ich sehe ganz deutlich, was dieser Stadt'fehlt, dieser Stadt fehlen loooo Juden. Ich .verkenne keineswegs die unangenehmen Eigenschaften der Inden, und doch muß ich sagen, für Hamburgs Entwicklung wären 19 Oiw» mehr davon ein Segen." Huldermann tnüpst an diese Aenßernng die folgende Bemerkung: ..Auch ein Zeugnis fiir den vorurteilslosen Standpunkt Ballins zum Judentum. Keineswegs orthodor. religiös im Gegenteil indifferent, war er viel zu stolz, feine Herkunft oder seine Religion zu verleugnen oder gar zu wechseln, geschweige denn »einen Namen „zu verschönern". Bon jemandem, der das letztere getan hatte, sagte er mit bitterer Kritik: ..Er beschimpft seinen Vater." — Es bleibt gen»iß zu bedauern, daß Ballin »'eine außerordentliche» Fähigkeiten nicht in höherem Maße unmittelbar in den Tienst des Judentums gestellt hat. aber mittelbar ist sein Schassen auch ein Schassen zu Ehren des jüdischen Namens gewesen. Breslau. Tr. W i l l u G o!» n. * Nathan Birnbaum: Um die Ewigkeit.. Welt -Verlag. Berlin. ' Aron Barth: Lrthudorie und Zionismus. Welt-Verlag. Berlin. Wenn man dem ..Zionismus" noch einigermaßen gerecht werden will, so kann man dies höchstens dem Misrachi werden: denn der gläubige Jude, der in seinem Judentum eine Welt- und Lebensanfchauung steht, kann vom Misrachi allein eine ..Renaissance" des Judentums im religiösen Sinne erhoffen. Ein „Zion" ohne jüdische? Leben und Empfinde:», ohne jüdisches Recht und Sitte ist kein Zion, es ist eilte Kolonisation wie jedes andere Kolonisationswerk. und ..Palästina" ist für ste nur Phra'e. nicht der Inbegriff eines heiligen Landes. Tas hat auch Nathan Birnbaum empfunden, und ./ein Weg hatte ihn eben von der materialistischen Weltanschauung weg zu bewußter Bejahung des Religiösen und zur Glünbiakeit. vom weltlichen Nationalismus zur Erkenntnis der religiöstn Bedeutung und Bestimmung des jüdischen Volkes geführt". Diesen Geist und diesen Kampf kühlt man in all seinen Einrcldarstellungen. die der Welt-Verlag unter obigem Titel veröffentlicht hat. Und dafür fei ibm besonderer Tank: denn in diesen Schriften (auch in ..Gottes Volk"), „ist w viel Ewigkeitswert aufgespeichert lnehe „Jeschurun". Jahrg. 19 29. S. 196). daß dcv Anteil ihres Autors an dem „ewigen Leben" vollkommen stchergeftellt ist". Wer als Jude die ganze nationas-jüti'che Bewegung mi^- erlebt kurt, der muß sich freuen, daß einmal wlchc Gedanken zutage gefördert wurden. Aber die»'e Schriften werden von der nationaljüdi'chen Jugend weniger beachtet, weil ste ihr nicht passen, weil hstrin Forderungen an das Seelenleben des einzelnen gestellt werden, die ne nicht auf sich nehmen wollen. Es berührt mich »elt'am. n>enn junge Inden das Wort „Jude" mit voller Entphase in die Welt hinausschmettern, und ihr Leben ist alles, nur nicht jüdisch. Sie helfen stch damit, „daß ste das unin'iftliefe nationale Ziel als Kulturzicl aufrcmen. Religion von Kultur scheiden und ein Nacheinander aus ihnen machen" ,S. 15). Mit all diestm rechnet Birnbaum in.gewaltig wirkender Sprache ab. und man suhlt in »einer Spracl>e die prophetische (?) Kraft, die in ihm lebt und 'chafst. Birnbaum daraus einen Vorwurf zu maclxm. daß er ein „Acivr", ein anderer geworden st't. können nur die. die gar wohl empfinden, daß-erdas Grundubel der ganzen national-indischen Bewegung ai/gedeckr hat und daß von ihm ein Einstuß ausgeht, der die ganze Bewegung in eine andere Richtung lenken wird und muß. Tas ..Zionswerk kann nur dann ein göttlich gewoll:es werden, wenn „jüdische Religiosität" im Birnbaumichen Sin: e iS. N5» die Grundlage für alles ist. Nur unter solchen Bedingungen kann auch der Mi'rachi mitarbesten. und die Bedenken, die die £r:hodor-o mit Recht i'i gegen die national-jüdische Bewegung hegt, kann auch Bart h mit ''einer lebendig geschriebenen und mir edler Begeisterung ciuiUten Schrist nichr wrglvißtzen. Seine Schlnßwl;7ernnaen »änd gegenüber all dem. was er uns sonst vom Zionismus, dem Vaster Programm um», vorzutraaen weiß, »ehr mark, und man hat das Empfstiden. daß er eben auch zu denen gehört, die mehr „Zionisten" als ..Juden" stnd. die mehr der nationalen Idee Lpier bringen als dem „religiösen" Judentum. Beide Schriften stnd aber typische Zeirdokumente. und man möchte wünschen, daß sie Wegweiser sein möchten für alle die. die in die national-jüdische Idee sich verrannt haben. F. Straßburger (Ulm). Oücherrinlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinen» Falle Katt. Analekten zur Textkritik des Alten Testaments. Neue Folge. Bon Felir P e r l e s. Leipzig 1922, Verlag von Gustav Engei. Preis Mark. Leopold Grünwald: Kriegstagebuch (hebräisch». Tie Leiden und Erlebnisse eines jüdischen Soldaten, der im Weltkriege vier Jahre hindurch an den verschiedenen Fronten gekämpft hat. 1922. Budapest Vif, Kirr'iln-u.. "7. 11. :s. Eine Lösung der Judenfrage? Krrti»'cl)e Betrachtung von Johannes Fritdrichs. Mit einem Vorwort von Pfarrer B r o v t - W e r b e r. Tetmold 1922, Metzer »'che Hofbuchhaudlnug <Mar Slucrcke». Hermann Evhen. Aus persönlicher Erinnerung von Robert Arnold Fritzsche. Berlin 1922. Bruno Eaistrer T^erlag. Tie talmudische Lehre und ihre Togma. Erstes Hcst. Bon Rabbiner Tr. S. Kautz in Hindenburg (£.»3.1. Leipzig 1922, Verlag M. W. Kausmann.