Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 7 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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84 €fmr? Lippen bewegten sich tn lericin ftirsternden Gebete. tMim schritt er dem Ausgang entgegen. Toch da wurden die Vorhänge heftig \nt «eite geschoben, und sich mit kräftig Faust von den ihn umklammert haltenden Bünden der Wächter befreiend, stürzte in atemloser Hast, mit schreckensbleichen Mienen der junge Zosimus herein. ..Wehe/ rief Rabbi (Hamliel beim 'Anblick des Jünglings, „welches Unheil kommst du uns künden?" "Erschöpft lehnte Zosimus an der Wand: er hatte, um jedes Aufsehen zu vermeiden, keine Begleiter genommen und war allein, in einen dunkeln Mantel gehüllt, hierher geeilt, um feinen Glaubensgenossen Kunde zu bringen. In MLrlvotter Spannung hingen die Blicke aller an den verstörten Zügen des Jünglings, und jetzt, als er die bleichen, blutlosen Lippen öffnete, «da näherten sie sich ihm mit ahnungsvollcm Schändern. Allein er vermochte nicht zu sprechen, ein Schmier schüttelte seinen Leib, seiner gepressten Kehle entrangen sich unverständliche Laute: doch jetzt, als er die schreckensbleichen Mienen aller ans sich aerichtet sah. da erfasste wilder Schmerz seine Sinne und hcisse Tränen stützten aus seine bleichen Wangen hinab. ..Schreckliches Nt geschehen!" ries er mit tränen erstickter Stimme. ..wappnet euch, ehrwürdiger Rabbi. und ihr. meine Brüder, mit Mut und Gottvertrauen . . ,L9elch neues Unheil droht unserem Volke?" sagte bekümmerten Tones der Rabbi. „rede. Jüngling, was bedroht uns?" Nach Fassung ringend, lehnte Zosimus an der Wand, wirr hingen ihm die Haare ins Gesicht, seine Wangen bedeckte sirhle Btäsie. in seinen Augen malte sich tödlicher Schreck: ..Entsetzlich ist die Kunde, die ‘ ' x-rnchmeu werdet, unrassbar oh. dass ihr ne durch?:■ : n Mrind hören ntüsst . vcrnrhmet — unser junger >?ssprvss Agripp^r ist aus Befehl des Kaisers in den Kerker g.'chleppt ..." Ein Schrei des Entsetzens durch drang den Raum. ..Aarippa. der Sprosst" ans Hyrkans Priesterhauw?" „Mariamnens Enkelkind?" ..Wehe über Israel und sein Königshaus!" ..Welchen 'Vergehens klagt ibn Tiberius an?" ..Womit konnte der Jüngling den Groll des Imperators erwecken?" So schwirrten die Stimmen durcheinander und angstvoll fragend hingen ihre Blicke an den Zügen des Jünglings. ..Wie konnte dies geschehen? Wie konnte Tiberins solches Unrecht begehen?" ..Ter junge Agrippa besitzt mächtige freunde am Hose." ..Kein Freund, und wäre er einer der Ersten im Senate, vermag von seinem Haupte das Unheil abzuwenden", sagte mit tonloser Stimme Zosimus. ..das ibn bedroht", und laut aufschluchzend rief er in verzweifeltem Schmerze „es gibt kein Mittel, ihn zu retten, er ist in der Gewalt des Tyrannen, ihn erwartet der Tod . . „Wehe! Wehe über unser Volk!" und laut jammernd verhüllten sie ihr Angesicht. „Keine Rettung! Sein junges blühendes Leben sollte vernichtet werden ..." „Geknickt die Blüte aus Judäas Königshause?" „Geopfert der Laune dieses heidnischen Kaisers." „Ties edle Reis am Baume unseres Stammes, gestillt von der Hand des verruchten ..." ..Verloren! Zerstört seine blühende Jugend und die Hoffnung seines Volkes." ..Und wenn dennoch jemand wagen wurde, die Gnade des Kaisers anzuflehen." ..Wenn die Aeltesten imfcrer Gemeinde, wenn Rabbi Gamfiel selbst sich dem ßlaiser zu Insten werfen . . .?" „Tiberius ist unseres Glaubens Feind, das würde Agrippas Los noch verschlimmern." „Nein, nein! Ihr sinnt vergebens", entrang es sich stöhnend der Brust des Jünglings, „für ihn ist keine Rettung, keine!" „Tu irrst, o Jüngling!" und Rabbi Gamliek trat mitten unter die gramvoll erregte Menge. „da, wo menschliches Wissen nicht ausreicht, wo unsere Kraft versagt, da richten wir in gläubigem Vertrauen unsere Augen zu Gott empor; stehend nahen wir seinem göttlichen Throne, in seiner Macht liegt es, den Willen des Tyrannen zu brechen, zum Ewigen empor richtet sich unser Auge, , und der Allerbarmer, der Gott Abrahams, Isaaks und Jaakobs. der uns geführt aus dem Lande der Knechtschaft, der uns durch seine heiligen Lehren, die Moses auf dem Sinai empfangen, ausgezeichnet l)at. vor allen Völkern der Erde — Er wird auch dieses Unheil von seinem Volke abwenden. Bebet nicht, verzaget nicht, meine Brüder — das Auge des Allmächtigen wacht über den Kindern Israels, und Er. der unser Volk geleitet durch die Wüste, dessen geheiligten Namen unsere Vorfahren angerufen in höchster Not und Unterdrückung, der Ewige unser Gott wird uns schirmen. Zu dir, 0 Gott, erhebe ich mein Auge, lasse dein gnadenreiches Antlitz leuchten dem schuldlosen Königskinde — verhüte, daß Der Spross aus dem edlen Hasmonäerhaufe unrühmlich sein junges Leben ende — du, der du allmächtig bist, von dessen göttlichem Angesicht die Gnade ausgeht, wandte den Sinn des Tyrannen, nimm dich gnädig an des verirrten Lämmleins, vergib ihm seinen verderblichen Umgang mit den Götzendienern, führe ihn zurück in die Gemeinschaft unserer Brüder, verleihe ihm gnädig deinen Schuh, auf daß er heimkehre nach Judäa, sein Volk beglücke und den alten Glanz des edlen Stammes erneuere — in deine Hände, 0 Gott, lege ich sein Geschick, du. der du der Allerbarmer bist, wirst ihn nicht eine Berste des Tyrannen werden lassen — erhöre inner Flohen, nimm gnädig aus die Bitte deiner Kinder, lasse ihm dein Antlitz leuchten und stü ihm gnädig, denn du bist der Ewige, unser Gott, und dein ist die Gnade." (iyortfefcung folgt.) Dir Wacht am Jordan. Aus dem Hebräischen von Noftali Herz Im der. überseht von S. A s ch n e r. s braust ein Ruf wie Tonnerhall, wie Sturmgesaus und Blitzesbrand. Von Zion ruft's mit mächt'gem Schall: Kommt, kommt doch heim ins Vaterland. Am Jordan nur die Heimat lacht. Am Jordan, dort steht unsre Wacht. Im wüsten Land brecht. Quellen, auf. Ergieß dich. Strom, mit brünst'gom Trang! Gen Zion strömt in Siegeslauf, Schirmt unser Land mit Schwertesschwang: Am Jordan nur die Heimat lacht. Am Jordan, dort steht uns re Wacht. Erwach', erwach', geliebtes Land! Wir woll'n nicht rasten, feiern nicht. Bis du, nicht mehr verschmäht, verbannt. Erstrahlst in bräutlich frohem Licht! Refrain. Bis seelenweckend, jubelhcll. Des Schofars Glücksfansarenstoss Frohlockt hoch über Turm und Wäll', Und uns're Fahn' weht freudongross. Refrain.