Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 7 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- Seite 83 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Rabbiner zu Porizk in Rußland, dieses Werk vollständig mit kurzen sachlichen Erläuterungen in Porizk am Anfänge des vorigen Jahrhunderts (1810) herausgab. welche Ausgabe mit Recht als die beste bezeichnet wird. Tie Erklärungen des R. Mardusch erleichtern gar oft das Verständnis des in einem kurzgedrängten, eigentümlichen Stile abgefaftten Kommentars und bieten besonders dem mit einer geringeren Fassungskraft begabten Leser bedeutenden Nutzen. Seit dieser. Zeit wurde sein Kommentar noch öfter, immer mit den erläuternden Bemerkungen und Zusätzen des Porizker Rabbiners versehen, gedruckt, .zum letzten Male in der großen Wilnaer Talmudausgäbe im Jahre 1896, nebst vielen anderen Kommentaren, die noch heute zu den beliebtesten und unentbehrlichsten Handbüchern der Talmudforschung gehören. Im Ssmrkrris der Lslsren. Historische Erzählung von Carola B u ch h e i m. (4. Fortsetzung) «Nachdruck verboten.) oldcn durchflutete dasSvnnenlicht die herrliche Roma. tauchte in magische Farben die leuchtenden Säulen dcr stolzen Tempel und Paläste und übergvß mit heiterem (Stanze die blendendweißen Marmorgestaltcn der Götter. Allein in das düstere Gelaß, das den frommen Jttden als Gotteshaus diente, da drang kein Strahl des heiteren Glanzes: hierher, wo di? Gläubigen sich versammelt hatten, um ihrem Gotte zu nahen, gelangte kein Schimmer der blendenden Pracht, die das schwelgerische Rom zauberhaft beleuchtete, und dennoch lag der Abglanz heitwen Friedens, seliger Verklärung im Angesichte der Versammelten. Wie fühlten sie sich geborgen in der Nähe ihres Gottes, in dem durch ihre Andacht geweihten Raume! Während dort in der verderbten Stadt heiterer Glanz und lachende Lebenslust Herrschern und dennoch all die nickend? Angst bebte, der grausige Mord und das Laster nch breirmachten. herrschte weihevoll? Andacht, gläubiges Gottvertrauen inmitten der Verenden. die nch hier versammelten, um in weltabgeschiedener Ruhe, den Augen der götzenanbeternchen Römer entrückt, ein heiliges Fest zu rciern. Es war am ersten Tage des Panahfestes. und die Inden Roms, denen di? Härt? eines Tiberius es nicht gestattete, in einem ihres Glaubens würdigen Bethauft Feste zu begehen, hatten nch hierher aeflüchtet — mochte auch die Willkür des grausamen Herrschers ihnen nicht die geheiligte Stätte aewähren: hier in Rom. wo in prunkvollen Räumen all den falschen Götzen geopfert wurde, ertrugen sie schweigend dieses harte Gebot, beielte ne ja noch die stete Furcht, daß der grausame Tiberius sie aus Rom verjage, wie er dies schon einmal, kurz nach Antritt seiner Regierung, getan - . schmerzerfüllt gedachten sie der vielen Tarnende ihrer Glaubensgenossen. die durch jenes harte Gebot dahin geopfert, und zahlloser blühender Menschenleben, die vernichtet wurden. Darum ertrug?n ne in festem Gottvertranen das schroere Joch, das ihnen der harte Tiberius arrfertcgte. und fugten sich in die erniedrigende Zurücksetzung. Heute jedoch gewahrte man nichts von erlittener Unbill und grausamer Bedrückung heiterer Fried? erfüllte ihre Brust, auf ihren Zügen lag der Glanz seligen Gottvertranens: freudig jauchzend drang aus ihrer Brust das Tankgebet für die Befreiung ihres Volkes, für die göttliche Erlösung aus ägyptischer Knechtschaft. In atemloser Spannung hingen ihre Blicke an der ehrwürdigen Gestalt des Rabbi, und was Rabbi Gamliel zu ihnen sprach, was er seinen Zuhörern in scharfsinniger Rede deutete, von der niedrigen Knechtschaft in Aegypten, von den religiösen Pflichten, durch deren Ausübung sie sich die göttliche Befreiung erwirkt hrrtten. von den Pflichten, die sie mit ihrer Religion gegen den allmächtigen Gott und seine Geschöpfe übernommen hatten, von der Helligkeit d?r Ehe. dem Gebote der Nächsteliebe. der Enthaltsamkeit von allem Unreinen, dies alles weckte ein tausendfaches Echo in ihrer gläubigen Seele, uns ein Gedank? erfüllte ihre Brust mit unermeßlichem Stolze — der Gedanke: au^erwählt zu fein von all den Bewohnern dieser Erde für den einzig wahren Glauben? Dank, heißer Dank wallte auf In ihrem Gebete zu dem Ewigen, der ihnen die göttliche Gnade zwiefach zuteil werden ließ, der sie errettete aus 'der niedrigen 'Knechtschaft der Aecchplor. und der ihnen die Thora verlieh, die ihr Hort wurde, deren heilige Lehren sie aelritoten durch di? Jahre der Sklaverei und durch die schmachvolle Zeit der Bcdrsicknna. Geleitet von d-"n erhabenen Lehren dcr Thora wollten sie auch fürder ihren Weg wandeln, durch Mutual und Gefahr."durch Schmach und Bedrückung, und ft? wußten: Ter hehre Gottesalaube. durch den sie erhöht waren vor allen Völkern der Erde, der würde ihr Hort kein in der Stund? der Gemhr. der werde sie schirmen und behüten, und so wie die mächtige Hand -des Ewigen sie aus Mnrasim geführt, so wird auch fürderhin sein Auae über die Kinder seines Volkes wachen, sie führen mr) geleiten «durch die Jahrtausende. vorbei an lodernden Scheiterhaufen. au grauenhaften Folterguaton. an maßlosen Martern vorbei znm endlichen Siegle über den Irrwahn dcr Menschheit, znm erlösenden Heit?, das nur dcr Glaube an den einig einzigen Gott verleiht! Ern Gefühl stolzer Honnnnasfreude schwellte ihre Brust, als sie an jene ferne glücklich? Zukunft dachten: vor ihr inneres Aug^ trat in blendender Pracht der Tempel Salomonis. Tort, wo dem Auge aller entrückt das Allerh sticht? ruhte, dort wollten sie ans tiefster Seel? Tankgebete zu dem ^errn emrorscnden. der sie gest'ihrr und sie erlöst hatte ans d.r Schwach dcr .Knechtschaft. War cs denn nicht auch ein? Zeit der schwersten Bc- ^rückuna, sechsten sie nickt wieder nnter grausamem Jocke. das schwer auf ihnen lastete? Schwebte über ihrem Haupte nicht stündlich die Gembr einer neuen harten Verordnung «des Tyrannen, waren sie selbst, ihre Anaehöriaen. ihr schwer erworbenes Eigentum auch nur einen Augenblick davor sicher, den Haß oder d'e brutal? Begierde des wüsten Tiberius zu erregen? Nein, sie wussten cs wohl, darum suchten sie Schutz und Sckirm bei dem Allmächtigen und erhoben ihre Stimmen in heißem inbrünstigen Flehen zu Gott. Ta drang plötzlich mitten in die weihevolle Andacht der Judengemeind? verworrener Lärm, zankende Stimmen wurden hörbar: es schien, als ob jemand den Einlaß in das Gemach mrcimien wollt?, woran ihn di? zur Sicherheit der Betenden postierten Wächter zu hindern suchten. Betroffen von «dieser sonderbaren Störung richteten sich die Blicke der Versammelten nach dem Aus-gang hin: einen Augenblick umfing lähmender Schreck ihre Glieder, aber rasch hatten sie sich gefaßt, und ihre Angen hingen mit gespannter Erwartung an dem Antlitz des Rabbi. Urrwittig hatte sich der Rabbi von feinem Betpnlte emporgerichtet. an «dem er mit verhülltem Angesichte seine Andacht verrichtete. Was bedeutete diese Störung? Was mochte jene, di? hier einzudringen suchten, dazu veranlasst haben, die heilige Andacht der Frommen zu stören - welch neues Unheil droht? ihrem Haupt?., was würde der nächste Allgenblick ihnen bringen t -