Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 7 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- Seite 82 (sequence 12)
- Language
- German
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82 Rabbiner. Prediger. Schächter und Vorbeter ein und ab. Er schonte auch die Angesehensten und Mächtigsten seiner fre* meinde nicht und tadelte öffentlich und ohne Scheu manche argen Mißbräuche. die er unter ihnen vorfand, wie so manchen religiösen und sittlichen Verstoß, auf denen Beseitigung er tatkräftig drang. Lehr oft überschüttet er mit der Lauge feines Spottes auch diejenigen unter den deutschen Rabbinern, welche gegen Reiche und Angesehene sine weitgehende Nachsicht bei Uebertretung rabbinischer Satzungen übten, dagegen über wenig Bemittelte. fremde Männer, wenn sie auch nur um ein geringes abwichen, einen bösen Leuinund verbreitend. Mit dieser seiner Selbständigkeit und Charakterfestigkeit. die er überall geltend zu machen wünschte, stieß er freilich öfter an und verletzte manche Eitelkeit. Nicht nur unter den eigenen (^emeindemitgliedern. sondern auch unter den Rabbinern und Tatmudgetehrten fremder (Gemeinden wg cr sich viele Feinde zu. die in ihm einen gefährlichen und rücksichtslosen Eiferer gefürchtet hatten. Nichtsdestoweniger, oder vielleicht gerade deshalb, hat er anderseits wieder immer mehr hingebend? Anhänger gefunden: jüngere wie ältcre Talmudbeflissene brachten ihm ihre Huldigung und waren voll Bewlmderung für seine hervorragenden Leistungen.» Alles das nahm aber seine Zeit dermaßen in Anbruch, daß cr in seinen Werken sehr häufig über unliebsame Störungen in seinen literarischen Arbeiten bittere Klage führ:'». Tie KonOnentare des Mir schiff erstreckten sich ursprünglich auf alle Traktate des Talmuds und sie wurden in den Jahren 1627 bis 16:56 abgofaßt"). Toch ist das meiste davon vcrlorcuacganaen. und nur die Kommentare zn Beza, Ketubot. Estttiu. Baba Mezia und Ehullin sind vollständig, hingegen die zu Sabbat. Megilla Baba Kama. Baba Bathra. Sauhedrstr und Zebachim stchr lückenhaft und unvollständig übriggeblieben. Anher den genannten Kommentaren Zn den verschiedensten Teilen des Talmuds schrieb schiss noch cinen svlcbeu mm Pentateuch, ein mnemo.nstbes Register zu Bib.l und Talmud, das später mm Drucke umgearbeitet werden sollte und sich nur in seiner ersten (siestatt erhalten hat. ferner schrieb er eine': .Kommentar zu den vier Turan, mehrere kabbalistische Werke, wahrscheinlich unter dem Einstuste der Lnrianischen Mnstik. welche damals die ^erster der Anden unumschränkt beherrschte, sowie einige greü-ere talmudifche Tiskussionen. sogenannte ..Ehilukim". ans welch testtore er in sein m Talmndkemmentar zu K.tubor. Baba Kama und Beza des öfteren hinweist. d-e aber nie gedruckt und als Mauu'kripte von der Feucrsbrnnst *ii Frankfurt a. M. im Jahr? 17N verzehrt wurden^"». Wie der Talmudkommentar w tragen auch alle seine übrigen Schriften denselben Stempel von Gründlichkeit und kritischem?nn. wahrend er inseinen Truschim und Schristerklärunaen der -Kabbala einen hohen Vorzug einräumt, £b er Approbationen und (Gutachten über damals erschienene rabbinische schritten, wie es zu dieser Zeit üblich war. erteilte, konnte ich nicht ermitteln: für seine Werke ha* er solche entschieden von keiner Seite an gestellt. Im Jahre 1644 wurde Schiff als Rabbiner nach Prag, wohl als Nachfolger des damals vor Bericht gestellten und zur *) 5dir oft behandelte er auch seine älteren Zeitgenossen nnd^ z^^^iocowersind nimmt .zu ifimi Erktäruwzen Stellung und fertigt sie ab mit den Werten: S?rT od:r *7*#^ 7777 : siebe seinen .rronnnentar zu 857^ 3. l-r '> Zum schlusie seines Kommentars »n 87277 855und sehr erst auch seinen Predigten zu den verschiedenen WochenabsthuiNen. "» An seinem Kommentare zu rsZ'T'Z 3. s- *> Tenn am Ente von 7?^'2 .bemerkt *£'2* 7C*5 ft**- C72 am Ende de? Traktates d'hnllin lagt er. V-7 ■Jk'm b»—W m >*m U I ,0> Landshut in feinem '*"2? 3. >2. peinlichen Rechenschaft gezogenen Jomtow Lipman Heller (£7* fflfiCIJU berufen, welches Amt er. trotz der schwierigen Vevhältnisie, die damals infolge der kriegerischen Wirren in Prag geherrscht, zu Pessach angetreten hatt. Er wurde dort mit Hellem Jubel und hoher Begeisterung ausgenommen; dock scheint er sich dieses hohen Glückes und neuen Wirkungskreises nicht lange erfreut.zu haben, denn er starb bald darauf in Prag im Alter von kaum neununddreißig Jahren"). Er hinterließ zwei Kinder: einen Sohn namens Saitnri, ein mittelmäßiger Kops, von dem nichts Wesentliches zu berichten ist, und eine Tochter Hannele, welche die hinterlaflenen Schriften ihres Vaters in Verwahrung nahm und sie wie ein Heiligtum hütete. Sanwil starb kinderlos in ganz jungen Jahren. Tie Sage berichtet, daß er vor seinem Tode besohlen habe, ihm. ken? Tenkmal auf sein Grab zu setzen. Trotzdem wurde von seiten des Rabbinats, der Nettesten und der Leiter der Beerdigungsbrüderschaft die Aufstellung eines solchen beschlossen und ansgeführt. Ter Stein fiel aber um. ob man ihn auch zweimal wieder aufrichtete, und man sah sich genötigt. ihn auf das Grab zu legni. Eine zweite Sage über das Schicksal seiner Schriften erzählt folgendes: Vor seinem Tode beschied R. Mir leine Tochter Hannele zu sich und sprach zu ihr: „Ta mehrere Werke ich verfaßt, mein einziger Sohn jedoch, dein Bruder Sanwil, ohne Nachkommen sterben wird (Sanwil war damals noch ein Kind), wodurch meine Schriften in fremde Hände geraten können, so sollen diele in einen .vohl nt verschließenden Kastell gelegt und einem meiner nächsten Anverwandten anvertraut werden, bis unter meinen Nachkommen jemand ersteht, der sie der £ offen tücfjfert zu übergeben vermag." R. Mei.r starb und Hannele tat. wie ihr befohlen. Einst entdeckte aber ein Tatmudjünger aus der Nachbarschaft diese Schriften und wollte einiges für sich daraus abschrcibcn. um dies als das Seinige auszngeben und sich damit einen Namen und ein Ansth.n zu verschaffen: allein kaum hatte cr die Handschrift berührt, da überfiel ihn plötzlich Angst und schrecken, daß er erblaßte, in Ohnmacht niedersank und mst das Leben aushauchte. Als er wieder erwachte und zu sich gekommen war. erzählte er »ein böswilliges Vorhaben und feinen beabsichtigten Tiebstahl der Tollster des Verfaffers^ bereute »ein ungerechtes Tun und bat den beleidigten Toren um Verzeihung. Tarauf stellte die Tochter den Kasten mit den Handschriften in das Haus eines anderen, woselbst gar vieles gestohlen, vieles von den Würmern zersresien wurde, und übergab viele Jahre später den übriggebliebenen Teil ihrem bereits 'Heranwachsenden Enk.ll 'Jcchiel Mechel Stern, der diesen zur Herausgabe aufbewahrte, bis die bereits erwähnte Feuersbrnnst zu Frankfurt auch ihn bis auf die Kommentare zu fünf Traktaten des Talmuds verzehrte. Ter Enkelsohn bemühte sich später den Ueberrest. der fast 100 Jahre alt und bereits unleserlich geworden war, zu veröffentlichen, erhielt später noch eine Abschrift des Kommentars zu einigen anderen Traktaten, di? er ebenfalls herausgab, und schrieb dazu eine kleine Vorrede, aus welcher die Taten dieser Biographie zum Teil entnommen find. Ter Kommentar nebst den Fragmenten zu dem fünften Buche Moses und dem bezeichncten Register zu Bibel und Talmud wurden zum ersten Mate in zwei Teilen im Jahre 174 l in Hamburg und später noch mehrere Male, aber'niemals korrekt und sauber gedruckt, bis endlich R. Mordchai Mardusch, 11) Mi der erwähnten Vorrede 'eines Enkels. Sein Todesjahr wie seine Tunktionsdaner in Prag laßen fick ebenfalls nicht genau ermitteln. .Tränke! und Horvdezki haben sein Todesjahr 16.44 an« ge'etzr. es strickt aber vieles dagegen. Wiest aber KerpeleslEe'chickte der Literatur. Vd. (I s. :*»2.Yi das ^afir 17.42 als fein Todesjahr her. ansgcbracht hat. iß mir e n Rätsel.