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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-31 · Heft 7 (31.3.1922) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 7 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
Seite 79 (sequence 9)
Language
German
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Artoms zu den ausgewählten Neden des groben Staatsmannes benutzt hatte, bei jenem gefunden! Doch noch viel Kompromitticrenderes für Treitschke hören wir von seinem Verehrer Eornicelius: Nur durch Vermittlung Artoms gelang es dem Deutschesten aller Deutschen, einen italienischen Uebersetzer für seinen „Eavour" aufzutreiben, und zwar in einem Freunde Artoms. Ansellno Grrerrieri Gonzaga, dem Uebersetzer Hermann und Dorotheas", sowie „Iphigeniens", der auch seinerseits wieder völlig ..verjudet" war, wie man folgender Widmung, die er seiner 1862 in Mailand erschienenen Uebertragung des ersten Teiles vom ..Faust" voranschickt, entnimmt: „Sophie Hohenemker, welche mir in der Verbannung ihre Dichter vertrauter gemacht, erwidere ich. ins Vaterland zurückgekehrt, die Gabe, mit dem Wunsche, daß endlich die Völkerverbrüderung zur Wahrheit werde." Diese Sophie Hohenemser (der Historiker Treitschke wutzte sicherlich, dab Hohenems der einzige Lrt im Vorarlberg war. wo Juden wohnen durften!^ welche die „wilden" Satire 1848 und 184g in Frankfurt a. M. zugebracht, hatte nämlich feit 187,2 die beiden Brüder Marquis Aaselmo und Earlo Guerrieri Gonzaga, die wegen ihrer Teilnahme an der italienischen Nwotntion von 1848/45» in der Verbannung lebten, zu Genf in ihrem Heim nicht minder gastlich ausgenommen als andere Politisch Verfolgte: ja. der jüngere der beiden. Carlo, hatte 1866 ihre Tochter Emma geheiratet. So finden wir denn unseren armen Heinrich dem internationalen und interkonfessionellen Judentum verpflichtet! Noch mehr: Sein guter deutscher Name ist auch äusterlich an dieses inso'ern gekettet, als die italienische Uebersetznng seines Essays über den Grafen Eavour von Ansclmo Guerrieri Gonzaga denen Freunde Imcco Artom gewidmet wurde! Aber das alterfchlirnmste kommt noch: Auster dem Uebersetzer verschaffte dem deutschen Herrn Professor der kleine Südjude Artom. welcher, als die italienische Ausgabe endlich erschien, und zwar im Jahre 1873. also gerade zur Mit. da nach antisemitischer Darstellung die jüdischen Gründer Orgien feierten. Generaldirektor im Ministerium des Aeusteren war. das Kvmturkrcuz des italienischen; Krvnenordens! -KcirfU die deutsche Sprache aus zur Prägung einer völkischen Bezeichnung dafür, dast der Vorkämpfer des germanischen Antisemitismus aus Iudenhand welschen Tand cntgegennahm?? Noch wunderbarer mutet es uns an. dast Treitschke die politische Tätigkeit des Grafen Eavour. als die eines wahrj hart konstitutionellen Staatsmannes, den Deutschen zum Vor- , bitd hinstellen konnte. Hätte er nicht zum mindesten im Hör-! saat gewitzett. falls Bismarck es gcrvagt. sich zum vertrauten! .Kabinettsstkretär einen Inden, und noch dazu einen unge-; tauften, zu nehmen? Dast der deutsche Staatsmann einen! getauften als Hilfsarbeiter ins Ministerium berief, mochte allenfalls noch hingehen, wenn auch die wenigen bösen! Zungen, die es unter den ..deutschen" Studenten schon damals gab. sofort das Gerücht in Umlauf setzten, der Betreffende ' hätte die Söhne des Eisernen Kanzlers zu den niriftHrfjcn j Prüfungen vorbereitet — und zwar mit gutem Erfolg. Die Eigenschaften der deutschen Juden-wurden eben von ihrem germaninven Mitbürger mit anderem Maste gemessen als die der italienischen: Bei diesen wurde ihre Abstammung geflissentlich verschwiegen, während unter dem Iubelgebrüll. feiner akademischen und wenig akademischen Zuhörer von Treitschke z. B. die Bemerkung vom Zaune gebrochen wurde, der Syndikus der Stadt Berlin. Eberty — obwohl doch bereits als Christ geboren — stamme vom Juden Ephraim, mit welchem, über 100 Jahre zuvor, der Groste Friedrich gemeinsam Geldgeschäfte gemacht, die nicht immer als sauber zu bezeichnen waren. Und dasselbe Auditorium trampelte phrenetisch Beifall, wenn die aufopfernde Tätigkeit Eduard Lasters im Reichstage durch den in keiner Dene gerechtfertigten Vorwurf herabzusetzen gesucht wurde, er stottere ju den deutsch"). Welch peinlicher Augenblick für die wenigen Unbefangenen unter seinen Zuhörern? Brachte doch der arme Mann, der sich da auf dem Katheder so erbittert ausdrückte, wegen seiner Taubheit selbst die eigenen Worte in stotternder Weise hervor, ohne sich dessen bewusst zu »ein? Dagegen fanden die Briefe des Venezianers Daniele Marnn an Giorgio Pallavicino sowie »eine patriotischen Aufrufe bei Treitschke einen enthusiastischen Widerhall, der keineswegs dadurch an Kraft einbüstte. daß der kühne Verteidiger der Lagunenstadt im Jahre 184ü der Enkel eines getauften spanischen Juden. Fonwca. war? Ersehnte doch Treitschke. wie er sich ansdrückte, für Deutschland dasselbe, was der venezianische Held, der in seiner foliristchen Grosse an-die Vorbilder des klassischen Altertums erinnere, uir »ein Vaterland erstrebt. So -fand denn dieser Urdeut'ck:? nichts dabei, die Jugend des eigenen Landes au? das patriotische Martyrium des Iudenwröstlings -- wie er ihn sicherlich genannt haben würde, hätte cs ssch nicht um einen in Welsch-, sondern in Deutschland Geborenen gehandelt hinzuweisen. Ja. er suchte sogar, wiewobt vergeblich, nach einem deutschen Uebersetzer für denen Briefe! Warum fürchtete er denn nicht in diesem Falle, wie sonst in ähnlichen, den deutschen Geist durch semitischen zu vergiften? Wir Ueeertebeuden aber, die wir durch den Eorniceliusschen Aunatz von neuem auf Treitschkes Schwächen hingewiestn worden find, sollen wir mehr die seine, eck'7 jüdi'cke Zurückhaltung bewundern, die Istwco Artom über die Förderung, di' jener w gern von ihm angenommen, tiefstes Schweigen bewahren liest, stl/st als der deutsche Geschicht-'orscher wenige Jahre darauf acaen das internat'onale Judentum losdonnerte. oder uns erstaunen über den Widerwruch jenes zwischen seinen Lebren und seinem Handeln. Fraalich bleibt auch, ob Eornicelius den Zweck 'eines Artikels erreichen odw ob das gebildete Publikum Italiens sornahrcu wird, in Treitschke einen der hervorragendsten Förderer des Nwendünkels zu sehen. Denn wenn er jede 'Voreingenommenheit desselben gegen Frankreich und England in Abrede stellt »? wird dabei vergessen, wie dessen bis zum Parornsmus gesteigerter Nationalismus die Verachtung und Befehdung jedweden anderen Volkstums als selbstverständlich in »Ich sch lost. Diest ch Sn den ven Mar Eornicelius verö'stntl'ckten B.wl'ucr Vorlesungen Treittchkes über Politik Leipzig. 2 Bände» und derartige Bemerknn.-en. wiewohl ne deck rnr die der stMinngässe seiner Kollegien die eigentliche Würze die'er b ldetcn. geflissentlich gestrichen, was der Herausgeber. Vorwort, 3- VII. onen z»gestellt: -»'nt gedruckten Wort alles fest<tcu. wardie Err.gung des Augenblicks dem Aedner a.ck die gieren geführt, wäre nicht nur mistrerstandene Pietät diestnr gegenüber oeirestn. es ist auch an nch stilwidrig.- Lb nickt aber v-elleickt die Wiedergabe 'o'cher polemischen Bemerkungen den deut'ckcn ^rämren der Nachwelt gegenüber in mehr als einem Fai.'e dlo'.zestellr baden würb.'t Z.d?lüaU>: bä't.'n tte nch einen n'ehrbe-?: vw./eren B. 'r n rau jenen Vorlegungen macken können. Marcker von den Auge!- sack.stn und Aomaneu. die in ibneu nick: sevtten. ru d der st'äter die staatc-münuisle ^au'bahn ergriii oder mr d e e Ale:- nung in ''einem Vande Einfluss ansüb'e. mag ssch die Antwort am b e in jenen Nollegs 'Huer Nasse zuteil gewordenen 3ckw.äb:mgeu ausgekwben haben für die Zeit, da Deutschland gezwunaeu ward, um Frieden zu bitten.

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