Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 7 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- Seite 76 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Diele gemeinnützige Vereine und Wohlfahrtseinrichtungen derbanken ihm Hilfe und Förderung. Wir nennen nur den Verein für schulentlassene Waisen, das Auerbachsche Waisenhaus, den Hilssverein der Teutschen Juden, die in ihm von jeher einen freund und Gönner fanden. Besondere Erwähnung aber verdient fein lebhaftes Interesse für den Wiederaufbau Palästinas und seine Mitarbeit bei der Gründung des steren Hajeflod in Deutschland. in dessen Präsidium' er als erster stellvertretender Vorsitzender wirkt. „Eugen Landau fühlt sich als siebzigjähriger nock) jlkng, und kein Gedanke würde ihm absurder ersck-einen als der. sich zu entlasten und sich Ruhe zu gönnen/ Mögen ihm in gleicl^r körperlicher und geistiger Frische noch oiele Jahre beschieden fein! G Znnt 80. Geburtstage Z* Vlumeufetds (5« April 1S22). Am 5. April 1922 vollendet Lehrer Z. Blumenfeld in Güttingen fein Lebensjahr. Man darf sagen: „Dieses vtium cum äixnitutv ist ausgezeichnet durch neidenswerte Frische und Rüstigkeit des störpers, der noch immer in bewunderungswürdiger Elastizität dem Gebot feines Willens gehorcht/ Mit unverminderter Anteilnahme folgt der senior der jüdischen Lehrerschaft der Provinz Hannover den Ereigniffen der großen Welt und nicht minder den Vorgängen der jüdischen Lebens. Einst hat er selbst dazu beigetragen. ihm Richtung zu geben und ihm seinen Geist aufzuprägen. 2o widerspruchsvoll es klingen mag. in unserer engeren Heimat gibt es kaum eine Persönlichkeit, die so sehr in die Weite gewirkt hat wie Blumenseld. In dem Rachbarstädtchen Adelebsen hat er durch fast 50 Jahre das Amt des Lehrers und des jüdischen Gemeindebeamten bekleidet. Vorbildlich in seinem amtlichen Leben und in seiner anmutig-schlichten Häuslichkeit, verehrt von der großen Zahl seiner alten schüler lind Freunde in der Nähe und in oer Ferne, hat er Generationen trefflicher Männer und Frauen herangebildet. Heimisch wie wenige in der Fülle allgemeinen Wissens und'mit besonderer Liebe dem jüdischen Schrifttum zugetan, das er mit scharfem Verstände dllrchforichte. gehört er zu jener Gruppe von Männern, die als Kulturträger zur Ehre des jüdischen Namens selbst in kleinerem Ureitc gewirkt haben. Als Vorsitzender des heimischen Provinzialvereins jüdischer Lehrer har er all jene stämpfe geführt, die die jüdische Lehrerschaft durch den Zusammenschluß zum deutschen Lehrerverband unter seiner Leitung um die Anerkennung ihrer staudesrechte und ihres sozialen Ansehens mi: großem Erwlg geführt hat. sein Lebenswerk wird seinen Namen für alle Zeit mit der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands verknüpfen. Als Jünger Ahrons hat er einst inmitten seiner Gemeinde und seiner engeren Berufsgenvsien sich in den Dienst des Friedens gestellt. Das ist ihm in hohem Mas>e durch die Gradheit seines Denkens gelungen. Weit über den «reis seiner Gemeinte hinaus ist ihm in fernem früheren Anttsbezirle hohe Achtung und Wertschätzung von allen strersen der Bevölkerung entgegengebracht, sein kluger Rat jederzeit begehrt und befolgt worden. Ans seiner kleinen Gemeinde sind seine einstigen schüler hinansgezogen in die weite Welt und haben durch ihre Lebenswege den Namen ihrer Heimat zu hohen Ehren gebracht, und sie haben nicht ausgehört zu bezeugen, welchen Einfluß, Blumenfeld auf ihre Entwicklung genommen hat. sie werden sich gewiß heute tnit der großen Zahl führender Persönlichkeiten der deutschen Judenheit vereinigen in dem dankbaren Bekenntnis, daß der Zauber der abgeklärten Weisheit Blumenfetds sie bis auf den heutigen Dag in ihren Bann zieht. Als, 'dem Zug der Zeit folgend, seine schule sich leerte, da trieb es ihn. seinen Wohnsitz nach einem größeren Zentrum zu verlegen. Er übersiedelte nach nahezu 50jahriger Amtszeit, die in einer erhebenden Abschiedsfeier inmitten seiner alten schüler ihren Abschluß fand, nach Göttingen. An unserem Gemeinde- und Pereinsleben hat er bis heute lebhaften Anteil genommen. Bielen ist er ein treuer Freund geworden, mit den Rabbinern und Lehrern allezeit eine innige geistige Gemeinschaft verbunden. Möge es dem trefflichen Manne noch lange vergönnt fein, sich seiner Hände Werke zu freuen. Möge ihn die Lehre Israels wie einst in den .stampfen und sorgen des Lebens über die Tage der bZegcnwart hinwcgtragen zn weiterer Höhe der Jahre, mögen feine st'ndcr und seine Falnilienmiigiieder sich sonnen ::: dem Gedunsen' 'Noch im Greisenalter blühen sie. sind frisch lind belaubt, uni;u verkünden, daß gerecht ist der Ewige, mein Hort, an dem kein Falsch! Das ist unser Gruß und Glückwunsch an seinem Ehrentage, dem sich weiteste streife unserer Gemeinschaft um lo bereitwilliger anfchließen werden, je aufrichtiger Blumenfeld in den Dienst unserer Ideen sich immer gestellt hat. Rabbiner Tr. S. BehrenS (Göttmgen). * Veihttse für Pensionäre und Kleinrentner. Dom Hilssausschuß des Lehrerverbandes wird uns geschrieben: Durch Reichsgesetz ist den Empfängern von Ruhegeld oder Hinterbliebenen sowie den notleidenden Meinrenlnern eine Beihilfe aus Reichs- und Staatsmitteln in Aussicht gestellt. Es sollen Unterstützungen erhalten: 1. Pensionäre der Reichs invalidenversicherung nach dem Gesetz vom 7. Dezember 1921 auf Antrag. Tie Unterstützung ist so zu bemessen, daß das Gesamtjahreseinkommen des Empfängers einer Invalidenrente oder Altersrente den Betrag von 3000 Mark sowie das Gesamteinkommen des Empfängers einer Witwen- oder Witwerrente den Betrag von 2500 Mark erreicht. Bei der Berechnung des Gesamtjahreseinkommens bleibt das A r b e i t s - Einkommen der Rentenempfänger bis zum Jahresbetrage von 2000 Mark außer Ansatz. Ter Antrag istbeiderOrt^behörde zu stellen. Wird der Antrag vor dem 1. April 192 2 eingereicht, so kann er rückwirkend vom 1. Lktober 1921 ab berücksichtigt werden. Tie Beihitfe wird nur deutschen Staatsangehörigen gewährt. Gegen die Festsetzung der Unterstützung ist Besch»verde bei der Aufsichtsbehörde zulässig. 2. Pensionäre der Reichs-Angestelltenversicherung nach dem Gesetz vom 23. Juli 1921. Tie Beihilfe wird rückwirkend vom 1. Januar 1921 gewährt, und beträgt für Empfänger von Ruhegehalt monatlich 70 Mark. für Empfänger von Witwen¬ oder Witwerrenten monatlich 55 Mark, und für Empfänger einer Waisenrente monatlich 30 Mark. Rentenempfänger, die sowohl aus der Invalidenversicherung wie ans der Angestelltenversick)erung Renten beziehen, erhalten die Beihilfe erst vom 1. Lktober 1921 ab. 3. f *> tt ft i g c notleidende stleinrentner im Falle der Bedürftigkeit, sofern sie im In lande wohnende Deutsche sind, die selbst oder deren Ehegatten durch Arbeit ihren Lebensunterhalt erworben haben, sich vor dem 1. Januar 192O für das Alter oder die Errverbsunfähigv it ein Vermögen (oder eine Rente) mit einem Jahreseinkommen von wenigstens Ooo Mark sict)ergesteUt haben, und jetzt wegen Alters und Erwerbsnnmvglichkeit im wesentlichen auf dieses Jahreseinkommen angewiesen find. Bedürftigkeit des stleinrentners ist dann anzunehmen, wenn das Gesamtjahreseinkommen geringer als 3000 Mark ist. Auch dieser Antrag ist bei der Ortsbchörde zu stellen. Aus diesen zur Unterstützung notleidender stleinrentner bereitgestellten Reichs- und Staatsmitteln können auch allediejenigen Pensionäre unserer jüdischen Pensions-Hilfskaffe Unter st ütz ungen erhalten, welche nicht Renten aus der Invaliden- oder Angestelltenversicherung beziehen. Nähere Auskunft in der Angelegenheit erteilt der Vorsitzende des Verbands-Hilssaus'chusses. Waisenhausdirektor P e r i tz (stönigsberg). Rückporto ist beizulegen. ♦ Die HilsstLtigteit der „Jea". Gleich nach Friedensschluß hat die „Jca" einen ihrer begabtesten Direktoren, Herrn Emil M eher son, nach Polen und Litauen entsandt. oer in mehreren ausgedehnten Reisen die vom Weltkrieg dem Judentum .zugefügten schaden eingehend studierte und mit den örtlicl^n Autoritäten Mittel und Wege zu ihrer Wiedergutmachung beriet. Herr Meyerson ist der Ansicht, daß der Judenhaß in Polen seinen Höhepunkt bereits überschritten hat und wenigstens der Radauantisemitismus im langsamen schwinden ist. Jedenfalls macht die rohe und so überaus gemeine spräche gewisser polnischer Blätter auf die Leser schon längst nicht mehr den gewünschten Eindruck. Der W i e d e r a tt f D a u wurde durch Schaffung eines mit nur wenigen, aber klugen und erfahrenen Männern besetzten Zentralbureaus in Warschau eingeleitet. Es hat die Aufgabe, alle vom stricge vernichteten Institutionen wieder auszurichten und nach Bedarf neue zu schassen, schon ist eine grösrcre Anzahl Handwerks-