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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-17 · Heft 6 (17.3.1922) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 6 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
Seite 2 (sequence 15)
Language
German
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27. Februar. emberusen. Tw Vorsitzende, ,V<ni Professor Gnttmann, begrüßte die .zahlreich erschienenen Mitglieder nnd konstntierte daß dank der rührigen Werbetätigkeit die Mitgliederzahl der Ortsgruppe Breslau erheblich zugenommen hat und nunmehr grauen zu verzeichnen sind, ferner konnte sie mitteilen, daß die Tagung des erweiterten Bundesvorstandes im Spätfrühling in Breslau stattsinden solle: bei dieser (Gelegenheit solle nicht nur ein schlesischer Provinzialverband jüdischer »Trauenvereine gegründet werden, auch eine Sympathiekundgebung kür Lberschlesien sei geplant. Sie zeichnete hierauf in großen Zügen die Arbeitsleistung der verschiedenen Gruppen und erteilte hierauf, nachdem sie noch bemerkt hatte, das Ergebnis der Sammlung für die.jüdische Kinderhilfe" würde demnächst zur Verteilung gelangen, den Gruppenvorsitzenden das Wort zu ihrer Berichterstattung. Trau Paula Lllendorff legte klar, daß die Beratungsstelle, die allwöchentlich Montags im Gemeindehause tagt, aus kleinen Anfängen zu ungeahnter Höhe gewachsen, unablässig bemüht ist. materielle und seelische Not zu lindern, insbesondere Trauen stets neue Erwerbsmoglichkeiten zu schaffen. Trau Rabbiner Tr. Vogel st ein berichtete über Kinderfürsorge. Im tatkräftigen Zusammenwirken mit der tüchtigen Zugendpflegerin »Fräulein Lucy Cohn ist es bereits gelungen, manche vorhandenen Mißstande zu beseitigen. Binder, die schlecht versorgt sind, in beffere Pflege zu bringen. Auch die Ukrainekinder fanden reichliche Unterstützung. Ferner gelang es. 82 Kinder, insbesondere zahlreiche Kinder des Mittelstandes, in die »Ferienkolonie nach Segeberg und zirka 20 Kinder nach Goldbach zu schicken. Zn der Zentrale für Jugendfürsorge vertritt Frau Geheimrat Tränkel den Jüdischen »Frauenbund gemeinsam mit Träuleiu Lucy Cohn. Ueber das Kleinkinderheim berichtete »Frau Bankdirektor Cohn. Tür 20 Kinder eingerichtet, sind diese unter Obhut von Frau Tr. Schlesinger bestens geborgen; mehrere haben schon infolge Adoption ver geviiöen»., bcgütc.kcn. kinderlosen Heimat und Elternhaus gesunden. Allerdings teilt das Kinderheim infolge der Ungunst der Zeirverhältnisie das Schicksal aller Anstalten: die Ausgaben waren erheblich bedeutender als die Einnahmen, doch ist das Tesizit durch den Reservefonds gedeckt worden. Trau Grete B i a l referierte über den Mädchenklub, der nunmehr H*o Mitglieder zählt. Tie Kurse werden stetig ausgedant. neuerdings erteilt Herr Tr. Schiff in dankenswerter Weise Religions unterricht. »Für das geplante Erholungsheim, das in erster Reihe für erwerbstätige Trauen des Mittelstandes bestimmt ist. hat Trau B ial zu den bereits v"rhandenen 7<hmk> Mark noch weitere IOoimim Mark zusammcugebracht. jedoch ist es noch nicht gelungen. ein geeignetes Haus hierfür zu finden: daher werden wie im Borjahre crholungsvedürftrge Trauen und Töchter unter entsprechend erhöhter Beihilfe wieder im Jüdischen Kurhvspital Ausnahme genießen. Tic Türsorge um den Mädchcuklub hat Trau Cafsirer übernommen. Trau Cäcilie Landsberg berichtete über die rituelle Ouäkerfpcisung. Ter Stipendienfonds. der unter Verwaltung von Fräulein Selma Wiener steht, hat einem großen Uebelstand der Hausbettelei erfolgreich gesteuert. Trat» Engel berichtet, daß die Hauptkaffe an Mitgliedsbeiträgen rmd Spenden M 208.05 Mark «ufweist. nach Abzug der Ausgaben von 21 002,*."» Mark ist ein Bestand von 0*200,10 Mark zu verzeichnen. Rach Prüfung der Kaffe durch Trau Insti.zrat Bendir und Trau Schlesinger erfolgten die Entlastung. einige Satzungsänderungen sowie der Beschluß, die Ortsgruppe in das Bereinsregister einzutragen. Ten letzten Punkt der Tagesordnung bildete die Bvrstaudswahl mit dem Ergebnis, daß der bisherige Borstand wieder- und einige Mitglieder in denselben neu hineingewählt wurden. Mit Tankesworten an die Anwesenden schloß die Vorsitzende die Bersannulung.. — Dresden, 10. März. Tie Ausstellung für religiöse K u n st im Sächfisck)en Kunstverein wurde Sonntag, den v. M.. vormittags, in Gegenwart .zahlreicher. Gäste eröfsnet. Amoescnd rvareu Vertreter des Kultusministeriums, des Rates, des; evangelischen Laudeskonsistvriums. der katholischen Kirckfe. des Synagog'nvorstandcs. des 3äd>fifdx,it knnstrvreins. die Scheutget^cr nnd zahlreiche Künstler rmd Kunstfreunde. Ter Vorsitzende des vorbereitenden Ausfchuffes. Pastor Tr. Mensing, begrüßte die anlösenden Tamen und Herren und führte dann aus. daß die Leipziger! Ausstellung der Borläufer der Tresdner sei. Tie Leipziger Ansstellling sei auf der einen Seite eiulieitlich und geschloffen ^zelvestn. anderseits habe ihr aber eine gewiffe Einseitigkeit aiigelzastet. Tie Tresdner Ausstellung sei ans eine breitere Grundlage gestellt worden. Bvr allem fei die Knnst der (^genwart hinzugcfügt worden. Auch habe man die jüdische Religion berücksichtigt, insbesondere durch Kultgegenstände. Tie Ausstellung .zeige, daß trotz tiefgehender Verschiedenheiten es dock) nröglich sei. in einem höheren Geiste zl.-sammenznarbeiten. Es nwrde in breiter Weise das Schiffen der Gegenwart in Klinst nnd Trönnnigkeit dargestellt. Auch das Kunsthandwert komme in anßerordentlichen Stücken zur Geltung. Tie Sächsische Landesstelle für Knnstgetverbe habe Großes geleistet. Sie gibt einen großartigen Ueberblick über die religiöse Knnst. worüber noch einiges zu. sagen sein rvird. wenn die noch fehlenden Kunstwerke eingetroffen sein rverden. ' / — Nürnberg, 10. März. Zwischen der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde und der orthodoren Adaß Iisroel ist behufs Zusammengehens ein Statut auf folgender Grundlage vereinbart worden: ..Tie Adaß Jisroel steht in voller Selbständigkeit als gleichberechtigter Partner der Kultusgemeinde gegenüber, ist in ihren eigenen religiösen Angelegenheiten unabhängig. und nur in Tragen, die sie mit der Kultnsgemeinde teilt, erfolgt gemeinsames Vorgehen. Tas SckMhten ch t -religiösem Hinsicht ausschließlich der Adaß Jisroel unterstellt. Ter orthodore Rabbiner ist beflrgt, Trauungen auch auswärtiger Lrttfvdoren auf Antrag ohne weiteres vorzunchmen. Tie Gemeindesteuern, welche Mitglieder der Adaß Jisroel entrichten, werden zu 00 Prozent an letztere zurückerstattet, die restlickien 10 Prozent finden Verwendung bei der gemeinsamen- Sck-.chitah und dem gemeinsamen. Friedhof: Aus diesem hat die Adaß Jisroel freie Hand für ihre Mitglieder, ihr Rabbinat und ihre Chewra." M. W. Fürth i. B., im März. Herr Rabbiner Tr. Reubürger dahier ist am 24-. v. M. im Alter von nicht ganz 7", Jahren veestcrbcn. Er hak seit is7i «otn «der r*o .\ahre lang, znecst als Rabbinatssubstitut und dann als Rabbiner dahier gewirkt und zeit seines Lebens die größte Hochschätznng und Verehrung rn seiner Gemeinde genossen. Seine Wirksamkeit in derselben war eine sehr ^schützte und äußerst segensreiche: im (Gottesdienste und ans der Kanzel, bei Trauungen und bei Beerdigungen, im Religionsunterrichte, den er an den höheren Schulen erteilte, und in der Armenpflege. — Im Weltkriege hat er vor fünf Jahren seinen älteren Sohn, der schon Amtsrichter war, verloren. - Tie Beerdigung unseres Herrn Rabbiners sand am 27. Februar statt, es nahmen sieben Rabbiner au deriellren teil. Herr Rabbiner Tr. Freuden th a l iRürndergi hielt die Hauptrede und schilderte in vorzüglicher Weise den Charakter des Verewigten, als dessen Vor Züge er die Gediegenheit, die Einfachheit, die Abneigung gegen jeden äußeren Schein nnd die Treue bczeichnete: Treue gegen seinen Berns, gegen seine Gemeinde, gegen seine Familie, gegen seine Bcrufsgcnvffen. Iustizrat Tr. Wittel shöfcr (FürtlO schilderte namens der Ijraclitnch'n Knltnsacmeinde dafelbü die Verdienste des Verstorbenen um diese Gemeinde. — Tie übrigen Redner sprachen nur kurz: Rabbiner Tr. Eckstein (Bamberg! sür die bayerisch' Rabbrnorkonjerenz. Rabbiner Tr. W o h l g e m u t h (Kitzingen» für die Pensionskasse der bayerischen Rabbiner. Oberstndienrat Tr. Schiller sFürth) sür das humanistisch Gymnasium daselbst, au dem cer Verstorbene vierzig Jahre lang den jüdischen Religionsunterricht erteilt hatte; ein Schüler dieser Anstalt sprach den Tank der Schüler. Herr Stahl aus Reustadt a. Aisch den der Landgemeinden aus, Herr Profeffor Tr. Feilchenfeld von der Israelitifdjcix Realschule (Bürgerschule) »Fürth den dieser Anstalt. — Tie Israelitisch Kultusgemeinde Fürth bewahrt dem Verklärten jür inuner das dankbarste und ehrendste Andenken. «ieße», im März. Eine Weihestunde war es. die Oberkantor Magnus Tavidfohn aus Berlin vor kurzem seinen zahlreich erschienenen Zuhörern in mitcrcr Synagoge bereitete. Sein traftstrotzendes, imposantes Stinunaterial. das in den von ihm z»nn Vortrag gebrachten hebräisckfeu nnd deutschen Gesängen voll zur Geltung kam. nahm sofort gefangen und eroberte sich im Sturm die Herzen der Zuhörer. Tavidfohn ist aber nicht nur Säuger, er ist auch ge schmackvoller Rezitator, wie er es in den Melodramen ..Abraham" und „Tie Sage vom Rabbi Amnvn" bewies, vätte das andächtig laufende Publikluu seinem Gefallen öffentlich Ausdruck geben dürfen. Tavidfohn wäre sicher mtt Beifall überschüttet worden.

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