Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-17 · Heft 6 (17.3.1922) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 6 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3229509-3229515--76643-3289271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

86. Jahrgang. Nt. fr Der ^Gemeindebote. -**M Mä"wa Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". Korrespondenzen und Nachrichten. Vrutkchlaad. »»» Berit», 14.Marz. Ter Teutsch-Jsraelitis che Gemeindebund hat zur Erlmwrung an den Gemcindetag vom V. Januar 1921 an seine Bunde-gemeinden nachstehendes Begrüßungsschreiben versandt: Am 2^. Januar jährte sich der Tag. an dem die deutsche Jlchenheit mit einer noch nie dagewesenen Einmütigkeit ihren Willen tundgegeten hat. sich $u einer Gesamtorganisation zusannnenzuschließen. deren höchstes Ziel die Erhaltung des Judentums in feiner Lebensfülle sein sollte. Es war ein Erlebnis von unauslöschlicher Prägung, die 325 Vertreter von El (Gemeinden und Gemeindeverbänden. die nn einzelnen den verschiedensten Anschauungen huldigen mochten. etnt\l zu sehen in der Begeisterung für die Schaffung eines Werkes, das seit Jahrzehnten ersehnt, oftmals versucht worden, aber bis dahin niemals gelungen ivar. Tie Not der Zeit kam dem Verlangen zu Hilfe. Mehr oder weniger heurlich lzatte wohl jeder das Gefühl, daß es sein oder Nichttein des deutschen JudentundS gelte. Eben weil dieses Gefühl lebendig war. darum konnte das Werk, trotzdem nn Augenblick nicht alle Wünsche durch die Verfassung befriedigt rverden konnten, vollbracht werden. Eine Verfassung kann geändert, verbessert rverden. und darum war man bereit, der Größe des Ganzen Opfer persönlicher Ueberzeugung zu bringen, nie Noi d»e Zeit -gestattpt«» keinen Auffllprb. denn die Erhaltung des Judentums ist roefentlich bedingt von der Erhaltung der kleinen und kleineren Gemeinden. Tiefe können aber nur durch die Gesamtheit erhalten werden, und es kann nicht schnell genug ihrem roeiteren Verfall vorgebeugt rverden. Ties schließt die sorge lmi ein würdiges Letensnivetm der Rabbiner. Lehrer und Kantoren ein. z^auz Israel". sagt ein abtes Wort umevcr Weilen. ..ist Bürge einer für den andern." Das bedeutet im ticffrcn Grunde, daß jeder au seiner stelle temir zu sorgen habe, daß er auch Bürge sein könne ßir den andern. Das kann nur durch eine G-csamrvrgamsarion geleistet werden, tjin Jahr ist seit jenem .denkwürdigen Tage dahin» ,-errangen, und die Negierung hat leider, trotz aller Bemühungen von unserer seite. jede auftauchende Schwierigkeit zu te'eirigen. n«^ch nicht den Wert «zefunden. die mit ganz überwältigender Mehrheit von, (>>eme'udetag amTeuonnnene Verfassung zu genehmigen und ihr Gesetzeskraft zu verleiten. Aber trotz der Verzögerung, die hierdurch da? Inkrafttreten der Gesamtorganisation erleidet, wird, io dürfen wir zuversichtlich Harfen, die Bogeistermrg für die sacbe nichts von ihrer .Warme eingebüßt haben, denn die Ueterzeugung lebt sicherlich in uns allen fort, daß die Schöpfungen des Judentums auf religiösem, sozialem und wissenschaftlichem Gebiete nur durch die Gesamtheit erhalten. nur durch sie neue sclzopfungen ins Leben gerufen worden können, nur durch die Gesamtorganisation der unerschöpfliche kulturelle Reichtum des Judentums aus dem schacht feines Schrifttum? gehoben, nur durch sie ihm die Weltbedeutung gegeben werden kamt, die die Propheten verheißen haben. Darum, selbst wenn der absolut un»vahrschernliehe Fall einträte, daß die Regierung die Verfassung nicht genehmigte, würde nicht ungeschehen gemacht werden, was am 23. Januar 1921 geschehen ist. vielmehr würde es für uns nur der Ansporn Pt gröberer Krastentfaltung fein, um die Ziele der Gesamt Organisation auf dem Wege voller Freiwilligkeit zu erreichen. Aber dieser Fall kann nicht Eintreten: denn die Regierung hat wiederholt ihre gute Absicht bekundet, staabs.zuschüsse. die hie die (ciftungs* schwarten Gemeinden zu venvenden waren, zu bnvilligen. aber die Absicht nicht verwirklicht, rveil kein Organ in der Juden heit vorhanden sei, mit dein über die Angete^nbeit verhandelt rverden körkltte. und sie hat selbst den Wunsch ansgesprocten. daß ein solche? ^rgan ycidwfm weite. Das hat eben der Gemeinderag an dem vorjährigen 2!. Januar vollbracht, und die Nichtanerkennung dieser impwanten Willenskundgebung des ganz überwiegenden Teiles der d»mt?chen Jnderr muß daher als ausgeschlossen gelten, so Weiten n»it voller Zuterficht, daß bald der Schlußstein an d.rs grote Werk gelegt werden wird, und hegen zugleich dir Öffnung, daß auch die kleine Gruppe, die noch älteststeht unseres guten Willens gewiß, sich den, Gangen omschließen wird, und in dieser Zuversict/t begrüßt der TLntfch-Jsraelitisllre Gemeindebund seine Mitglieder zur Wiederkehr des Tages seiner Umgestaltung in die Gesamtorganisation und möchte das Feuer der Begeisterung, wo es etwa abgeschlvacht sein sollte, von neuem anfachcn. eingedenk des Spruches, daß nur Einigkeit uns stark machen kann zur Erfüllung der hohen Aufguten, mm der nnfere Zukunfr abhängt. Mit Bundesgrnßk Ter Ausschuß des Teutfch-Jsraelitischen Gemeiudebundes- Professor Tr. s. rralifcher. Geschüftsführender Vorsitzender. Verßi», l4. März, sxitcns der Jüdischen Gemeinde zu Berlin werden Üurc unterhalten, durch rvelche Lehrerinnen und seminaristinnen Gelegenheit geboten ist. nch in sämtlichen Fachern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auswdilden. Tie llurse dauern fcr?i Jahre. Am Ende oer Ausbildungszeit findet eine Abscl!ufrprttf»ing statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Tie Teilnahme ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen steten ans dem Julius Bleichröderfchen Legat einige Stipendien zur Verfügung. Tas sommeriemester beginnt am M o n t a a. d e n 2 4. April dieses Jahres. Meldungen nimmt der Leiter der Uurfe. Herr Rektor Tr. Spanier, in der Mädchenschule haiserstraße 29 entgegen. der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. exr Berti», 14. März. Am 26. Februar d. I. wurde in Breslau die dortige dritte Loge des Unabhängigen Ordens Bne Brith. die M a n u e 1 - I o e l - L o g e . als 91. im deutschen Distrikt begrunoer. Tre Jmrallatwn wurde vom Großpräsidenten. Geheimrat Timendorier. vorgenommen. Am 5. Mürz d. I. wurde in Frankfurt a. M. die dortige dritte Lrnze des Unabhangrgeu Ordens Bne Brith. die Marcus-Horovitz-Loge. als 92. im deutschen Distrikt begründet. Auch diese Installation wurde vom Großprän- - deuten. Geheimrat Dimendvrfer. unter Mitwirkung des Vi;c- - großpräfidenten. Bankier Li j fe r ^Hamburg», geleitet. ©erlitt, 14. März. In feinen .Erinnerungen au Earuio" schreibt Geheirncr Jntendauzrat Emil Ledner im ..Berliner Tageblatt" vom 4. März iMorgenausgabe»: Earufo arbeitete immer an sich und seiner gesanglichen Fortbildung, llnd da fällt mir eine Epnote ein. die jener Zeit einen verblüffenden Eindruck ans mich machte. In Hamburg war's. im ersten Gastspieljahre. Eines Nachukittags trat er in mein Zimmer und forderte mich arte ihn iu die . . . jüdische svnagoge zu begleiten. Ich glaubte, nicht richtia verstanden zu haben, und machte ein etrvas erstauntes Gesicht. ..Wohin fragte ich. Er ater, in humoristisch dozierender Weise antwortete: ..Ja, in die Synagoge der Israeliten. Es ist doch heute Freitag abend." Auch nach dieser weiteren Aufklärung dürfte ich den Eindruck eines Blödsinnigen gemacht haven. Ater einen Einwand erhob ich natürlich nicht. Nun kannte ich Hamburg einigermaßen, aber batte wirklich keine Ahnung, wo sich irgendeine jüdische Synagoge befinde. Der Portier des Hotels instruierte einen Droschkemührer. und wir wurden in eine Synagoge — irre ich nicht, in der Grindelallee — gerührt. Tort hielten wir uns eine stunde auf. Während des Abendbrots erfolgte die mich interessierende Aufklärung. ..Ich habe gefunden." sagte er. ..daß die jüdischen sänger in ihren Bor trägen eine eiaenartige Gefangskunft und Gesangsmethode pflegen." Tas ..Ueberfchlagen" der stimme, das ..Ansetzen" des Tones, die Behandlung der rituellen Gesänge, das Hinweggleiten über gesangliche Schwierigkeiten, die vielleicht im Wort, nicht in der Munk liegen, macht ihnen so leicht keiner nach. Aus diesem Grunde besuche ich jüdistbe Synagogen, wenn ich kann und Zeit habe. Wir haben im Lame der 'Jahre an spielfreien Freitagen und probefreien Sonnabenden die Synagogen in der seitenstettengane und in der Praterst raste in Wien, in der Oranienburger und Lützowitraße in Berlin, die Hauptnmagogen in Frankfurt a. M. und Paris, die imposante große in Bubarnst ausgesucht. Earuf« bürte gespannt zu. spitzte die Obren bei jedem solovortrag des Hauptsängers . wir fuhren nach' Haufe, und dort übte er eine halbe stunde das ihm kostbar erscheinende. zwanglose ..Ansetzen, lleter* und Umschlagen" des Tones. r. Bresl««, ln. März. Die Ortsgruppe BreSlau des Jüdischen Frauenbundes hatte ihre Hauptversammlung für Montag, den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.