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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-17 · Heft 6 (17.3.1922) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 6 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
Seite 71 (sequence 13)
Language
German
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71 — Mar Brvd: Erlöserin. Ein Hetürengcfpräch. Verlag Ernst ' Rowohlt, Berlin 1921. Max Brod besitzt heute eine große Gemeinde, die jedes Buch. das von ihm erscheint, mit lebhafter Erwartung begrüßt. Darüber hinaus aber ist er ein mutiger Bekenner seines Judentums geworden, das er mit glühender Liebe umfaßt. In dieser kleinen Schrift. die fein und anmutig ist. wie alles, was er geschrieben hat. zeigt er in der Gestalt einer jüdischen Dirne, wie selbst ft, dieser Frau noch der Gedanke lebt von dem, was das Judentum der Welt Erlösendes zu leisten hat. Uebec dem Ganzen schwebt in aller Erotik der Hauch feiner Kultur und abgeklärter Weisheit. Breslau. Dr. WillYCohn. * — Errnanno Loevinson: R matrimoniu di C. A. Vecchj (Tie Ehe von E. A. Vecchj). Sonderabdruck aus der Zeitschrist „Rassegna Storica del Risorgimento**, Aquila 1921. In fesselnder Weise unter Beigabe von ztvei interessanten unveröffentlichten Briefen schildert der römische Geschichtsforscher Ermanno Loevinson den Kampfden ein junger Italiener im Jahre 1841 mit einem groj^n Aunvand von Heldenmut und Tatkraft durchführte. um eine Jüdin heiraten zu dürfen. Noch war ja Italien damals in die verschiedensten Staatswesen gespalten und die Reaktion allmächtig. Die glühende Liebe Veccbjs zu seiner Erwählten, die besonders aus dem an den päpstlichen Geschäftsträger in Florenz gerichteten schreiben spricht, hat etwas Fortreißendes. Unsere schnelllebige Zeit empfindet vielleicht die Tat des jungen Vecchj nicht mehrals etwas so Außergewöhnliches, aber ne ist ein lehrreicher Beitrag für die Geschichte des werdenden Italiens. Darum müssen wir dem Verfasser für feine Darstellung, die uns bisher unveröffentlichtem Material zugänglich macht, besonders dankbar sein. Ist dieser Aufsatz ja auch ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Juden. D r e s l a u.^ Tr. WillyEohn. O ----- P rofadicht n n g e n v vn P a rr l M ü h s a ui 1 Verlag Fr. Wilh. Grunow. Leipzig): 1. Mehr Mensch. 2. Worte an meine Tochter. r. (^spräche mit Gott. 4. Aus dem Schicksalsbuche der Menschheit. Tie Besprechung dreier vier Bücher, in rvelct)en Juden und Judentum überhaupt nicht erwähnt werden, in einer jüdisct)en Zeitschrift findet ihre Berechtigung in dem Hauet»? der höchsten jüdisck»en Ideale, der sie durchzieht, in der zrvar nngeivollten. aber desto mehr als ursprünglich anmutenden Aehnlichkeit in Form und Ausdruck mit den schönsten und erhabensten biblischen Schöpfungen. Wie eine Lase in der Wüste der gegemvärtigen. von Haß. Kampf und Ver zweiflung erfüllten, von der überaus gesährlick^eu Ueberspannuug nicht nur schlimmer, sondern sogar an sich guter Bestrebungen krankhaft verzerrten Literatur laden uns diese Schriften zu verklärender, veredelnder Seelenruhe ein. Eine wunderbar tönende Sprache ohne Ueberschwang taucht uns. ohne je zu ermüden. Lhr und Seele in ein erquickendes Bad klaren Denkens, reinen Fuhlens und edlen Wollens. Ein wunderbares Erfaßen der tiefsten Regungen der Men seien seele. eine uvgetl irtc Gottes-. Lroeus- und Weltanschauung bieten eine zuverlässige Führung zu rechtem, beglückendem Verstehen. Empfinden und Handeln. Der theosophrscl-e Einschlag rKarma. Seelenwanderlmg. unerlöste Wesen und: das All in Gott) fügt sich so unaufdringlich und ungezwungen in das Ganze ein. daß es selbst auf den. der sonst aus diesem Standpunkt nicht steht, durchaus nicht störend wirkt. Man glaubt in ganzen Teilen von ..M ehr M e n fch" einen alttestamentlichen Propheten mit seiner Wahrhcitsfackel nr die Verirrungen der Zeit hineinleuchten zu sehen, mit der Kraft und Innigkeit seiner Worte, mit dem Pulsschlag feiner von Liebe und Erbarmen für die Leidenden erfüllten Seele, sie zum. Wiederaufbau der in ihnen und mu sie herum zerstörten Mensckientums aufrnfen zu hören. An Schönheit der Form und Innigkeit der Empfindung erhebt sich manches, darunter in ..Gespräche mit Gott" der Abschnitt ..Gott und der Traurige", zur Höhe der Psalmen, der Abschnitt ..Gott und der Jüngling" an dichterischer Wucht \n den Seelentäinpseu und packeriden Szenen de» Buches Hiob. Das Kapitel „Gott und der Sterbende" erinnert an die talmudifche Vorstellung. , daß Gott der Crt der Welt sei. in dem ..S ch i ck i a l s b u ch e der . Me lisch heit' das ergreifende ..Gebet des Vaters" an das jüdische . Friedhotsgebet. das Kapitel ..Die Nnerlösteir" ganz decitlich an den kabbalistisck)eu ^edanken^on dem Eintritt der messiamict-en Zeit, sobald alle Lebenstenne des Weltalls zur vollen Entfakturlg gelangt waren. In diesem Buche, das einen flammenden Protest gegen den Krieg darstellt. gibt d7r Abschnitt „Mann gegen Mann" eine prächtige Szene im Stile der Kleimnalerei aus dem großen Iesajanischen Wort« gemälde eines ewigen Völkerfriedens, während die bis in die tiefsten Seelengänge hinein erschütternde „Vision" eine unübertroffene Interpretation von Wereschaginsck)en Werken darbietet. Ich widerstehe der Versuchung, einzelnes hervvrzu heben. hellgeschliffene Diamanten klaren Denkens und eines tiefglüubigen Gemütes in das Gold ungewöhnlicher. Schönheit und Kraft des Wortes gefaßt, gebe vielmehr der Ueberzeugung Ansdruck, daß diese wie keine anderen literarischen Erzeugnisse berufen sind, in einer Volksausgabe Geist und Herz, Wille und Ziel einer verirrten, verzweifelnden Menschheit entgiften zu l)elfen. Die „Briefe an meine Tochter" aber müßte jeder, der nach Seelenrul>e und wahrem Glück sich sehnt - und wer sollte, zumal in der Gegenwart, das nicht tun —. nicht einmal, sondern immer und immer wieder lesen. Er wird sie nie enttäuscht aus der Hand legen. Rabbiner Tr. Loevy (Berlin). * — Der bekannte Verlag L o n i s L a m m (Berlin) bringt zu Passah eine neue, hervorragend ausgestattete Hagadah aus den Markt. Nach Jahrhunderten wird znm ersten Male mit der Ucberlieferung gebrochen. immer wieder a9<* und älteste Bilder abzudrucken. Die Hagadah hat vollständig neue, von dem jüdischen Künstler M. -*utu stadt in Wien hergestellte Bilder erhalten. Sie ist reich mit Miniaturbildern. Randbordüren. Zierleisten usw. geschmückt und wirkt durch den doppelfarbigcn Druck wie ein kostbares Monumentalwerk. als das sic auch bezeichnet werden kann. Die neue, von Dr. Konigsberger in Berlin verfertigte Uebersetznng ist in gutem, zeitgemäßem Deutsch abgefaßt. Da sowohl zum Truck als zum Einband nur bestes Fricdensmaterial verwendet wurde, wird diese Hagadah wieder wie in früheren Jahrhunderten durch viele Generationen in den Familien erhalten bleiben. Süchrrrmlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurückfendung der Brrchcr findet i» keine« ft« de statt. Der Jude. Eine Monatsschrift. Heft 4 unb ♦». Jahrgang. 1922. Herausgeber Dr. Martin Bub er. Jüdischer Verlag, Berlin. Iüdifckxer Antisemitismus und Arbeiterschaft. Von Earl (y t selb i Hagen». 1922. Verlag Buchhandlung ..Neue Freie Presse". Hagen i. W. Das Judentum. Die Wahrheit über seine Entstehung. Von Lic. Tr. Will,. Erbt. Detmold 1921. Meycrsck^ Hoibuchhandlnng Mar S.aeccke. Jedakah. Mitteilungen der Zentralwohlfahrtsstelle oer deutsel^n Juden. Herausgegel'ett von Eugen Gispary. Dr. Jacob Seqall, Paul Frank. Nr. 4. August-Dezember 1921. „Erdarbet". jüdisch-landwirtschastlic!^ Monatsschrift. herausgegeben mit Unterstützung der Gesellschaft „Lrt" in Berlin. Nr. 1. Januar 1922. Psychologie des jüdischen Geistes. Zur Völkermrd Kulturpsychologie. Von D r. S. M. M e l a m e d. Zlveite. verbesserte und vermehrte Auflage. Berlin 1921, E. A. Schwetichke n. Sohn. Verlugs bnchhandlnng. Talnnrdproben. Von Rabbiner Dr. S. F ti tt k in Wien. Zweite, ver besserte und vermehrte Auflage. Berlin und Leipzig. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruvter u. Eo.. 192 l. Das Rätsel unserer literarischen Welt. Von E. Graham. 192*2. Druck. Bonner Druck- und Verlagsanstalt Klaus Mütterbach. Bonn a. Rhein. Die Iotephserzahlung. Von Dr. Jakob Hvrowih. Rabbiner. I. Kanssmann. Frankfurt a. Main. 192L- Der Born Judas. Legenden. Märchen und Erzählungen. Gesammelt von M. I. v. Gorian. Fünfter Band. Volkser',ählnngen. Leipzig, im Insclverlag. Jahrbuch für jüdmhc Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verb.,«,de der Vereine für jüdische Geschichte uut> Literatur in Dcnttchland. Mit Beiträgen von Isidor L a »» d a u . Sim^,«» B ern ield. Ed. König. Julius G n t t m a »r n. Umberto Eafiulo. Philipp Bloch. Moritz G o l d st e i n. Vierundzwali;igster Band. Berlin 1921 2*2, Verlag von M. Poppelauer.

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