Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 6 (17.3.1922)
- Date
- 1922-03-17
- Page
- Seite 69 (sequence 11)
- Language
- German
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"Bei im dayeim*7 sagte Zosimlls. uns fein Rüge blickte versonnen vor sich hin. ..da würdest dir. Eajus. vergebens solche Geschöpfe suchen, wie diese Dirne hier — in meinem Vaterlande, da ist auch das vcrachtetste und ärmste Mädchen eine reine Jungfrau, und nichts, selbst die reichsten schütze der Erde nicht, würden eine jüdische Jungfrau dazu bringen, vom Pfade der Tugend zu weichend „Ich neide sie dir nichts deine keuschen jüdischen Frauen". warf Lachend Eajus hin. ..meinem Geschmack genügen die liebestollen Römerinnen - und verlangte es mich einmal nach einer reinen Jungfrau, nun, da wähle ich mir eine Geliebte aus unter den vestalischen Jungfrauen . . . und". setzte er hinzu: ..Lasse doch erst, guter Zosimus, die Zeit kommen, wo unser schöner Freund hier euer König wird, dann hat's auch mit eurer gerühmten! Tugend bald ein Ende." „Agrippa, König von Judäa?" kam es ungläubig aus des Jünglings Munde. „Ta wird's wohl bald zu Ende sein nut der gerühmten Ehrbarkeit eurer Frauen Meinst du nicht auch. Agrippa?" „Ja. und bist du erst Kaiser, dann gibt's auch bald keine unberührten vestalischen Jungfrauen mehr!" „Ha, ha, ha!" fachte Eajus aus vollem Halse. ..möge dein Wort sich erfüllen' — Aber ihr trinket doch gar nicht! Die Lecher gefüllt! und. geleert aufs Wohl meiner zukünftigen Freundinnen, der heiligen Jungfrauen aus dem Tempel der Vesta!" Und mit wilder Gier umfaßte er den auf seinem Schoße ruhenden Leib der Tänzerin, dann erhob er den Becher und leerte ihn in einem raschen Zuge. Sofort eilten die Sklaven herbei, die Becher \u füllen: immer ruscher wurden sie geleert, immer glühender wurden die Stirnen, irnmer zügelloser die Reden. Tie Musik übertönte das freche, girrende Lachen der Tänzerinnen, die mit schamlosen Gebärden auf den Knien der halb Berauschten lagen. „List bu auch keine vertausche Jn.ugfrau." ries der volltrunkene Eajus ans. „so sind doch deine Lippen wie reife Kirschen, und deine Küsse wie göttlicher Trank ..." „Tann mache doch gleich eine Vestalin aus ihr . . ." „Rein, mache doch Lieber aus der vestalischen Jnngsran eine Ehloe. eine Amaryllis . . „Bin ich erst Eaiar." lallte der sinnlos betrunkene Eajur-. ..dann soll's bald keine, keine vest keine . . . wie sage ich denn . . und Lallend bemühte er sich, den Satz zu vollenden, „bin ich erst Kaiser der Römer . . ." „Tann gibb's auch keine ehrbaren Frauen in Rom mehr", warf einer der Gäste dazwischen. „Ich sckzenke dir die ehrbaren römischen Frauen, auch die Jungfrauen, ich hatte mich an die Vestalinnen, und heute schon wähle ich mir eine aus - komnrt. wir wollen uns einen Götterspaß machen — kommt! Auf. zum Tempel der Göttin!" Wilder, bacchantischer Taumel hatte sich der sinnlosen Zecher bemächtigt. Tie Becher sieten klirrend zu Boden, die Musik erklang in wilden, kreischenden Rhythmen, die Tänzerinnen umschlangen mit entfesselter Gier die Zecher, und mitten hinein in das tolle, zügellos freche Treiben kreischte die glucksende Stimme des betrunkenen Eajus: „Auf. zum Hain der Vesta! Heil den keuschen Priesterinnen der Göttin!" Kommt, sie sollen unser Fest verherrlichen durch ihre Gegenwart - sie Jäh war er Bcrftummt. Ten heillosen Lärm, das Klirren der zerbrochenen Gefäße, das schrille, wüste Getane der Munk, das girrende, lockende Lachen der Tänzerinnen, die zügellosen, frechen Scherze der berallschten Zecher, all dies wüste Treiben, all diesen bacchantischen Taumel übertönte vorn Vorraum her der laute Ton einer besehtenden Stimme, bei oeren Klang die Gäste erschreckt von ihrem Lager anfnchren: in rnaßlostr Verwirrung richteten sie dieBlicke auf das Antlitz des jungen Eajus allein mit dem Prinzen war eine sonderbare Veränderung vv.'gegamzen: aschfahl, das starre Auge mit unheimlichem Ausdruck vor sich hin gerichtet, verharrte er unbeweglich auf seinem erhöhten Lager, und es war zweifelhaft, ob er der Störung inne ward, die das Festgelage unterbrochen hatte. Ta eilte schreckensbleich ein Sklave in den Saal: „Herr!" rief er in bebender Angst, „erhabener Gebieter, es ist ein Centurio der Prätorianer hier, im Auftrag des Kaisers." Doch ehe den blutlosen Lippen des bleich in sich versunkenen Prinzen ein Laut entschlüpft war. hatte sich schon der Vorhang beiseite geschoben, und im nächsten Augenblick stand bereits der Hallptmann vor dem Prinzen. „Vergib die Störung, erlauchter Fürst", sagte er mit militärischem Gruße, „allein ich komme, des Kaisers Befehl auszuführen, und somit, im Namen des Kaisers, erkläre ich dich, Markus Jrllius Agrippa, für verhaftet und befehle dir. mir zu folgen!" Lähmendes Entsetzen hatte sich bei diesen Worten der Gäste ^bemächtigt: eine Weile verharrtem sie regungslos, wie betäubt von dem Unerklärliche, das da mitten in ihr tolles Gelage hinointrat und ihre vom Wein und vom schwelgerischen Genüsse erschlafften Sinne aufrüttelte zu wildem, maßlosem Grimme. Doch, machtlos dem Gebote des Imperators gegenüber, hieß es. das Unerhörte zu ertragen: mit angstvoll spähendem Ausdruck richteten sie ihre Blicke nach dem Lager hin. auf dem bleich, doch mit gleichgültig gefaßter Miene der junge Agrippa lehnte. Ten erstaunt fragenden Blick auf das Antlitz des Freundes heftend, verharrte er inmitten des Getümmels — der Speisesaal hatte sich geleert, die Sklaven waren lautlos hinweggeschlichen, ihnen nach, beim Anblick der bewaffneten Krieger flüchteten mit lautern Gekr.ische die Mädchen. Tie Musik war verstummt. eine unheimliche Stille herrschte jetzt in dem Saale, den noch vor wenigen Augenblicken bacchantischer Jubel und wüster Lärm durchtobt hatten. Roch immer verharrte Eajus 'u strimpfsinnigem Brüten auf seinem Platze. Teil dem Eintritt der Wachen war er ohne ein Zeichen der Anteilnahme, mit fcstaeschlonenen Lippen regungslos auf seinem Lager geblieben. Krin Laut entfuhr seiner Brust, kein Wort des Unmutes kam über seine Lippen - ruhig, gleichgültig vernahm er den j Beseht des Hauptmanns, teilnahmslos ließ er jetzt die Soldaten sich Agrippa nähern, erwachte auch aus seinem stumpfen Tahindämmern nicht, als der Anführer den Arm des geliebten Freundes ersaßte und ihn im strengen Tone aufsorderte, ihm unverzüglich zu folgen, da der Befehl des Imperators dahin laute, daß er sogleich in den Kerker abgeführt lverde - an welchem Lrte mtb in welcher Gesellschaft der junge König-:- jproß sich auch befinden möge. Achselzuckend schickte sich Agrippa an. dem unerklärlichen Befehle Folge zu leisten — denn ganz uw gar unerklärlich dünkte ihn dieser Berhaftbefchl. diese Plötzliche Trennung und gewaltsame Entfernung/ aus der Nähe seines erlauchten Freundes. Hatte er'doch nichts verbrochen, wodurch er den Zorn des Jnrperators auf sein Haupt herabbeschworen hätte die paar Liebeshändel, in die er sich in jugendlichem Leichtsinn eingelassen, konnten ihm doch ebensowenig eine Strafe zu zrchen wie die Schulden, die er cingcgaugen und Tie Tank den Wucherkünsten römischer Geldmänner wohl schon eine; erschreckende Höhe erreicht hatten das alles aber konnte ' doch dem Kaiser nicht zu Lyren gekommen sein, und selbst dann wäre es doch kein Grund. ihn vom Gaitmahl des Freundes hinweg in die Gesallgernchast »u führet;