Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 6 (17.3.1922)
- Date
- 1922-03-17
- Page
- Seite 68 (sequence 10)
- Language
- German
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68 die Trauerbinde vom Ableben Micha - Josefimerrerchte, eine formvollendete Trauerkundgebung, einem Bibelabschnitt nach Jfarm und Inhalt ähnlich, wo in weihe- und wundervollen Worten die Klage um den unvergleichlichen und unvergeßlichen jungen Freund ausklingt. Bon weiteren größeren Nachrufen führen wir bloß an die von Leon Kordon: außer einer Fabel, wo in geziemenden, warmen und gedankenreichen Worten des groben Jugendfreundes gedacht wird, der kristallklaren Wasserquelle gleich, seiner Lauterkeit des Charakters und der edlen Gesinnung, ist besonders ein größeres allegorisches Gedicht, das Gordon kurz nach dem ' Ableben des Freundes nioderschrieb und erst zur 25. Wiederkehr des Todestages. 1877. in der Monatsschrift „Haschachar" veröffentlicht hatte. Gordon schildert den Tod des Freundes in der Lebensbtüte: die hebräische Sprache, umgeben von himm-, lischen Heldengestalten und den kulturgeschichtlichen Geisteshelden. führt ihren jüngsten — größten Sohn ins Elysium, I umstrahlt vom Glorienschein der Unsterblichkeit aller Edlen j und Großen in Israel. —! Nächst seiner überwältigenden himmlichen Gabe als gottj begnadeter Ticht-r überragte Micha - Josef seine Umgebung durch Herzensgute, Sanftmut und Tugend. Bon seinen Zeitgenossen wird er als dawahre Ideal der Herzensgute, der Tugend und Weisheit gepriesen; sein Gemütsreichtum entzückte 'seine Freunde, sein Leiden machte sie trübselig. Senior Sachs i Berlin) schreibt über Micha-Josef an S. I. Reggio iGörz): ..Mein Herz vergeht vor Leid um ihn. denn er besitzt ein hervorragendes poetisches Talent und seltene moralische Eigenschaften. Seit jener Zeit, wo er hier war, haben wir einander tiedgewonnen. Und er stecht dahin in der Blüte der Jahre." In der „Jewreiskaja Starina" iBierteljahresschrift NU4 sind vier Briefe Micha-Josefs an Senior Sachs i i*5«r -1*51), hebräischer Tert publiziert worden. Wir gewinnen da einen Einblick in das Seelenleben des kranken genialen Tichterjünglings und bewundern die Seelengröße. Solange die hebräische Sprache wrtlebt - und ihr Fortbestehen ist ewig - . wird das Andenken an jenen edlen, jugendlichen Meister der Sichtung sortlebeu. Um löannkrris der Läsarrn. Historische Erzählung von Carola Buchh e i m. (ft. Fortsetzung) ^Nachdruck verboten.) ann aber begann Agrippa von neuem —in glühenden Worten malte er ein Bild der Zukunft, schilderte in den leuchtendsten Farben das Glück und die Wonne des ganzen römischen Volkes, wenn Eajus die Herrschaft der Welt erlangen werde —: „Eine innere Stimme sagt es mir: Kaiser Tiberins wird fallen, ja, er muß zugrunde gehen, und du, o Eajus, wirst herrschen — ich sehe deine Stirne mit dem Lorbeer der Cäsaren geschmückt, ich höre den vieltausendstimmigen Jubelruf der Völker: „Heil Kaiser Cajus, dem Herrlichen!" Ta erhob Eutychos den Kopf und mit hämischem Grinsen ließ er sein Auge auf den leidenschaftlich erregten Zügen seines jungen Gebieters ruhen. HI. In iennn Teile des kaiserlichen Palastes, den der junge Eajus benuchrtte, herrschte beim Sonnenuntergang des nächsten Tages lautes, fröhliches Treiben. Ter junge Fürst hatte feine Freunde zmn Gaft- und Zechgelage laden und in übersprndelnder Laune gab sich die Gesellschaft dem reichlichen Genüsse der köstlichen Speisen und feurigen Weine hin. Tie rofenbckränzten Becker wurden stets bis auf die Neige geleert, und die reichgekleideten Sklaven beeilten sich, dieselben rasch wieder zu kredenzen. Ter fürstliche Gastgeber, der junge Eajus. der in scharlachfarbiger, silberverzierter Synthesis, das Haupt mit einem Kranze blühender Rosen geschmückt, am oberen Ende der Tafel auf einem golddurchwirkten. auf elfenbeinernen Füßen stehenden Lager ruhte, eiferte durch umnäßigcn Genuß der Leckeren Speisen und des köstlichen Weines feine Gäste zu stets reicherem Schwelgen, zu übermütigerer Laune an. „Wahrlich, erhabener Cajus. wir wissen dir Tank dafür, daß du. Geliebter, etwas Leben bringst in die trostlose Lode dieses Hofes. . ." „Tie unerträglich ist - . ." „Tie jedoch, noch che ihr denkt, ihr Ende erreicht haben wird", warf Agrippa dazwischen, „d-enn der Entschluß des Kaisers ist gefaßt: Zu Beginn des nächsten Monats begibt sich Tiberins neuerdings nach Eapreä . . ." „Auch ich vernahm ans des Kaisers Nkurde, daß cr sich wegfehne aus Rom. aber glaubt ihr, daß es für uns besser wird? Tu irrst: ihr alle, ihr ersehnt euch nichts Gutes damit: denn geht Tiberins wieder nach Eapreä, daun müssen wir alle mit, und was haben wir damit erreicht?" „Schlimmes, denn es winkt uns auf der einsamen Insel die tödlichste Langeweile." „Hier in Rom kann man ja den Mauern des Palastes entfliehn und sich überall fein Vergnügen suchen . . „Allein »dort auf der einsamen, von Felsen umschlossenen Insel., dort können wir nicht leben, das kann Tiberins nicht fordern!" „Es ist nutzlos, dagegen zu murren. Ihr wisset, wenn d:r Herrscher Rom verläßt, muß der ganze Hof chm ebenso in die Einsamkeit folgen, wie auch ich dazu gezwungen werde." „Ich nehme mir Faustrna mit. die wird mir wohl die Einsamkeit ertragen helfen,"' rief lachend Antiochus. „Tas würde dir übel bekommen, der Kaiser hat allerorts seine Späher . . ." „Mag er doch", lautere die Antwort, „wir wollen Weiber mir uns haben, schöne, glühende Weiber!" „Um die kümmert sich Tiberins nicht." „Wozu auch, er ist alt und bedarf der Liebe nicht mehr . . Ein wieherndes 'Gelächter folgte diesen Worten. „Alt! Ha. ha, hu!" lachte aus vollem Hälfe der junge Eajus. „Tir scheint er wohl jung?" „Verrieten es deine rongen Wanaen nicht, daß du noch . nicht lange Roms Lust atmest", rief Aarippa, „so künden es Deine Worte. Seinem Alter ziemte es freilich tugendhaft zu sein, allein den abscheulichsten Lastern frönt der alte Wüstling", und flüsternd näherte er seinen Mund dem Lhre des Jünglings. „Das ist ja eine Schmach!" rie? in auffallendem Unmute der junge Zosimus aus, „einen solchen Unhold sollte man ja . . ." „Mäßige deine Entrüstung. du^ wirst hier in Rom noch manches sehen und hören, wovon du in deiner jüdischen Heitnai nichts ahntest." „Aber auch des Schönen genug", rief Eajus dazwischen, „sieh her", und er zog eine der Tänzerinnen, die das Gastmaht durch ihre wilden, schamlosen Tänze erheitern sollten, zu sich heran. ..blühen bei euch in Palästina solche Blumen Und er lehnte den üppigen, nackten Oberkörper der Tänzerin zurück und bedeckte sie mit wilden, unzüchtigen Liebkosungen.