Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 6 (17.3.1922)
- Date
- 1922-03-17
- Page
- Seite 63 (sequence 5)
- Language
- German
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64 - Aus London wird berichtet: Unter den zahlreickwn Hvchzeitsj Geschenken für die englische Prinzessin Mary ist auch das der? jüdischen grauen Edinbnrgs nennenswert, Cs ist ein kostbares TeeNeid. dessen auserlesene Spitzen in Palästina von den jüdischen Waisenmädchen der jüdischen Kunstschule Bczallel hergesteUt worden sind. Ter Vorstand des Edinburger Jüdischen Frauenvereins erhielt aus dem Buckinghampalast folgendes Dankschreiben: Die Hofdame der Prinzessin Mary ist vop dieser ersucht worden, den Mitgliedern des Edinr burger Jüdischen Frauenvereins den herzlichsten Dank für die ihr gespendete Hochzeitsgabe auszudrücken. Ihre Königliche Hoheit weiß die Gabe lowie den treuen Sinn, der die Deranlaffung dazu bot, wohl zu schätzen. Ter Chief-Rabbi Dr. Hertz und Frau gehörten ebenfalls zu den Gästen, die eingeladen waren, der Trauung in der Weftminster Abbey beizuwohnen. * Ans and über PaLLftina. 3ui Laufe des Zavimr fiel die Zahl der Arbeitslosen in Jaffa von OflO auf 365, von denen 358 neue Einwanderer nxutrn. Die neuen Bauunrernehmnngen der Gesellsct)aft „Nevi Shaanan" werden vor» aussichtlich allen Arbeitslosen Beschäftigung geben. Rach einer Bekanntmachung des palästinensischen Regierungs departements für öffentliche Arbeiten umfassen die Eisenbahnwege in Palästina eine Gesamrstrecke von 145.0 Kilometern, von denen Kilometer normalspurig gebaut sind. Wie erinnerlich, wurde im Juli 1021 zwischen den Verwaltungen der palästinensifchen und der Hedschas-Eifenbahn ein Abkommen getroffen, das eine Eisenbahnverbindung zwischen Palästina und Trans- Jordanien bezweare. Auf Grund drefes Abkommens ist bereits ein durchgehender Tienft von Haifa nach Ma an eingerichret worl^u. Der neue ^crvmdnnasweg hat feit ferner Einführung Vre wirtschaftliche Erschließung Transfordciniens erheblich gefordert, da der Passagrerima regelmäßig erfolgt ist. Tw transjordanischcn Gutsbesitzer haben der palästinensischen Eifenbahnverwattung aus Grund der guten Erfahrungen. die sie im ersten Halbjahr mir dem neuen Treust gemacht haben, vestumnre Vorschläge unreroreuer. die ans die Verlängerung weiterer palästinensischer Elfenbahnwege hinan-ianfen. Tie Vorschläge wurden Zinn großen Teil cuigenoinmen, und die palastinenfifch Regier,mg hat sich bereit erklärt, auch die südlichen Erscndahnflreaen zugunfcen Transjordamens .zu verlängern, wenn der gegenwärtige trenft sich auch weiterhin als rentabel erweist. Tie palästinensische Zeitung ..Haaretz" teilt mit. daß ein aus Südafrika nach Paiafuna emgewanderrer Jude eine neue Methode der seifenfabrrtatron nnt grvtzem Erfolge emgefuhrt hat. Die neue Favritanonsart soll auf der Verrvendung von sodmmchloraten beruhen. die in Palästina erhältlich find und die Einfuhr teurer Eausricjoda überflüssig machen. Die Leitung der palästinensischen Arbeiterbank hat sich neuerdings in mehreren Sitzungen mit Fragen der Lrganifar.on und Kredttgewahrung befastt. Bon den neuen Anlechen, die die Bank ausgegeven hat, seren hervorgehoben: 1400 Psuno an vier Kwuzoth (Genoffenschasten) zur Biegbejchaffung, 3500 Pfund als Betriebskapital für dre übernommenen Ehausseearbeitcn. 600 Pfund für die Arbeitsabteilung der Ziomstlschen Ereturive in Palastma und *oo Pfund für ' die Arbeit am Reglerungsgebauoe in Ramleh. Tie Rückzahlung aller j Ta riehen ist durch Vertrage gcsichrt. Zn der letzten Sitzung des! BantOlrektvritttttS wurden A. Berlin zum Direktor. Eliahu I M n n t f ch i k zum Schatzmeister gewählt. Tie jüdisch Kaufmannschaft in Jerusalem wird Anfang April eine Handelsschule errichten. Tie Kosten der neuen Lehrstatte sollen von der Kaufmannschaft und den Eltern der Schiller getragen werden. 2L-K. Geheimer Ssnitstsrst Dr. J. Lass l. A. uliur Boas, au: 12. Januar d. I. verschieden, wurde als Sohn dl des praktischen Arztes Tr. Boas in Beelitz i. d. Mark am - November 1^.2 geboren. Zrvei Jahre besilchte ex die ..König, liclze seminaricl/nle' unter Tiesteriveg. dann das ..Graue Kloster" unter Bcllermann. Von 1*52 bis 1857 studierte er Medizin in Berlin und Halle. Hervorragende Männer zählten zu seinen Lehrern, zrun Beispiel Johannes Müller, Sck-oenlein. Rvmberg. Graefe, Traube. Aber auch mrt einem der bedeutendsten und originellsten jüdischen Männer seiner Zeit ist er in nahe Berührung gekouuuen, dem Direktor des Jüdischen Lehrerseminars Horwitz. diesem idealen, selbstlosen Manne. der sich freute, wenn seine eigenen Schüler oder Pensionäre, zu denen Boas gehörte, über ihn hinauswuchsen. Als Boas *n Berlin approbiert ivar. genügte er seiner Militär- Pflicht beidem Aleranderregimcnt. Hier lerrrte er den späteren Leibarzt Kaiser Wilhelms J., Lauer, kennen und jahrzehntelange Freundschaft verknüpfte die beider, Kollegen. Tie Kriege 1*64 und 1870/71 sahen auch ihn unter der Fahne rrnd mit Begeisterung sprach er stets von der Zeit, als er noch Soldat war. Er. dem ein *urzes Leben vorausgefagt war, dem medizinische Kapazitäten von der Ausgabe des Studiums gesprochen hatten, der 1858 wohl dieserhalb tangere Zeit in Italien wellte. hatte all die Strapazen des Krieges ansgehalten. Er war aber auch ein Lebenskünftler von seltener Energie. Jtie mehr als eine Zigarre am Tage, nie mehr als höchstens .zwei Glas Bier (selbst am Knechtisch) — rver macht ihm das nach? Und doch war er keineswegs ein Philister oder Trübsalblaser. Froher, heiterer srnn, Freude an allem schnen und Edlen, aber auch Luft an gemütlichem scherz waren ihm eigen. Dock) eins war geradezu charakteristisch für ihn: die seltene Bornehrnheit nach innen und außen! Eine Beruhigung muß es gervesen sein, ihn als Hausarzt gehabt zu haben. M,t kleinen Hausmitteln, aber mit genauen Trat- und Behandlungsoorfchrrften hatte er glänzende Erfolge. Und er blieb nicht nur Arzt. Er wurde auch Berater und Freund seiner Patienten. Es war ein Genuß, mit ihm in einem Vorstande arberfen ,pi dürfen. Mit ruhiger, liebenswürdiger srchrheit glättete er die stürmischsten Wogen. Und in wieviel Vereinen war er lang, wicvrel har er Mitbegründer! so die ..Berliner medizinisch lvefeUfchift" und den „Verem für nmere Medizin", ivelch ihn als Ehrenmitglied führten. Er begründete mit Tr. KristeUer 1*62 d:e ärztliche Unterstützungskasie und bewies so als junger Arzt schon lernen Humanitären. wcirblicke»»^»» Zum. 2:c erste san:tatsw?.ch m der Brüterstraße war fein Werk. Auch im Ausschuß für Fürsorge der.Prov:nz Brandenburg fmden wir rhu wieder. Wahrend er flch jo als rnteressierter Wrsicnschftler, als humanitärer Arzt und guter Tenticher .zergre. bewahrte er sich sein ganzes Leven auch eis treuer, guter Jude. War er doch viele Jahre Repräsentant und im Vorstand der Indischen Gemeinde Berlins. Gehörte er doch dem Vorstande des „^reins zur Abwehr des Antisemitismus" und dem engeren Ausschuß des TcutschIsraeirtiichn bwmeindebundes. defjen Ehrenmitglied er ivar. an. Ueber -30 Jahre arbeitete er rm Kirratorrum des Reichnheimjchn Wmsenhaufes und fert 26 Jahren tm L-orrrauoe oes Verems „.rrenirve oer ^.auvuuinmen. ^eoroe Ilmim", dessen Vorsitzender er fort IlltlO bis z,t feinem Tode n>at. Dwjer Verein mit der Taubstummenanstalt in Weitzenfee ivar ihm ans Herz gewachsen. w:e ern eigenes Kind. Ihm, dem Menfchnfreunde, war dar körperliche und geistige Gedeihen der uns anvertrauten Kinder die grotzte Frvlwe. llnermuouch grng der fast v»>siihr:ge von erner Klaffe m dre andere, hörte ern Jedes Kind fpreu,en, ucn sich ore schivachcn defvn^ers vorfuhren und sich über den Stand der Klasien ein genaues Bild geben. Aber cr erkannte auch, daß ein Tandsttimmcnlehrer mcht nur Lehrer jem darf, sondern dtist er vor allem auch den Kindern ln den Rachimnagsftunden ern vatcrlrcher. hingeoenoer Freund fern muß. und dir verlangte er von jecem hier XiUigcn. Tarum wollte cr auch, daß d:e Anstalt nach dem Tode ihres Gönners ganz rn deffcn srirnc iveirrrgefuhrr werde. Hierfür fetzte er sich ern unr feurer ganzen Energie und Kraft. Er fä-eute kernen Weg und lerne Muhe. 1rotzc»ern »hm. dem Vornobn,on. Edlcn. manche ll»»jv»tthe.t darrv zuteil rourde.? Und wrc freute er sich als dirnn fein Ziel erreicht war. ms trotz Teuerung und trotz aller Rachkriegswehen der Verein i»ach außen t hin anfvkühte rrnd sich die Eltern tanbstumnwr Kinder zu dieser