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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-17 · Heft 6 (17.3.1922) · p. Seite 62

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 6 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
Seite 62 (sequence 4)
Language
German
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Cm eer ^-ut c<il,vohüu»*,rt-stelle der IfutMieii Juden. einer bedeutungsvollen, zukunstsreicl-en Neusclsiipfung des Znsamnrenschluffes oücr Wol?lsahrtsmstitute, ist fit* im Bvntandc Wirkung rvoll tätig. Tas Israeiitisct)c Lehrerimlenheim in Bcrlin-Lichterfclde ist ihr Sorgenkind, «an das sie Viole Liebe wendet. Tor Israeli tii'elfe Frauemmterstützuugsvcrein für kranke und erwerbsunfähige iveibtiche Personen ist ihrem Vorsitz unterstellt, im Berliner Asylverein für Obdachlose ist die Schatzmeisterin, und reich, überreich ist die ,mfle der Vereine und Voranstaltimgen, in denen man ihren Rat schätzt, ihre Hilfe sucht, an leitender Stelle sie findet. Sy steht sie, stark gemacht durch Lebenserfahrung, demütig durch die Einsicht in die nechfelnden Menschenschicksale, dankbar kür die Güte Gottes, die sie begnadet, so vielen vieles fein zu dürfen, dem *JO. Gebrrrtstag gegenüber. Wir Kranen begrünen sie, wir wünscien ihr Glück und Gdtte-fegen ihr, die den späteren Tagen entgegen, küchelt, in der Reinheit und Güte ihrer Seele, in dem Adel ihrer Gesinnung und in der Wärme eines guten jüdncl-en Herzens. So möge der Himmel sie ihrer Familie und uns allen noch lange Jahre orbalten\ E^ Eschelbacher. * Direktor Albert Sitberberg sAhlem). Am 17». März feiert die Israelitische Gartenbauschule Ahlem da» fünfundzwanzigjährige Amtsjubilämn ihres Leiters, Tir. Albert S i lderber g. Es ist dies nicht nur ein Feiertag für das Institut selbst, sondern das gesamte deutsche Judentum wird sich einig sein in der dankbaren Anerkennung dessen, was dieser Mann in einem Vicrteljahrhundert hingebungsvoller Arbeit für das Gedeihen und die Ehre des deutschen Judentums geleistet hat. Ahlem, dieses in seiner Art einzigartige Institut für jüdische Bodenkultur und jüdisches Handwerk, von A l e r a n d e r M o r i tz Simon ins Leben gerufen.; i?t im wesentlichen sein Werk, das er, allen Widerständen zum Trotz, auf eine imponierende Höhe gebracht bat. Ucberall in der Welt »Südamerika, Palästina. Bereinigte Staaten. Spanien» leben ehemalige Schüler dieses Mannes, die durch ihre eigenen Leistungen Zeugnis ablegen von der Tüchtigkeit, zu der sie in Ahlem ausgebildet. und von dcm Geist, in dem sic erzogen wurden. Bon überall her werden «n seinem Ehrentage die Glückwünsche seiner ..ELjemaltgoir" zu ihm gelaufen, die ihrer Tankbarkeit auch in einer ' ..Albert-Silberberg Stiftung" Ausdruct gegeben iiuüvn, ötu.i Ertrag j den fielen zugute kommen, soll,, „denen Tir. Silberberg die! Arbeit seines Lebens gewidmet hat. Tas deutsche Judentum, das i auf Albert Silberberg stolz sein darf, wird ihn am besten dadurch ehren können, das; es dem Werke, das er geschaffen hat. in grob- . zugigster Weise die Büttel znm Ausbau und zur Weitereristcnz zur | Verfügung stellt. Es wird damit uicht nur den Mann ehren, sondern! sich selbst den besten Tienft erweisen. G Museum jüdischer Altertümer. Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Ter Vorstand der Israelitischen Gemeinde batte am ♦». Marz vor« mittags zur Eröffnung des Mnseums jüdischer. .Altertümer im Gemeindehalts, Fahrgasse t4<>, Ecke Börncstraße. gekadcn. Iustizrat Tr. Blau, der Borsitzende der Gemeinde, würdigte in seinen einleitenden Worten die Verdienste, die sich znerst Eharlcs H allgarten, Edliard Eohcn twd Tirektvr Franbcrger (Tüffel- Vorf) um die Sammlltng jüdischer Altertümer erworben haben. r»nd feierte sodann Herrn Julius Gold schm idt als den eigentlici^n Schöpfer des neuen Mutemns. Mit dem Hinweis ans die mannigfachen Leihgaben, die dem Museum zugeflossen sind, verband er dorr Tank an ihre Stifter, unter denen er vor allem des stadtiscl)en Historischen Museums, der Familie v. Rothschild und des Herrn Lunis Koch Erlvähuung tat. Herr I. G o l d s ch m i d t. der hierauf das Wort ergriff, betonte die Bedeutung, die das Wiiiem« für den Formier und den Künstler besitze, und ging fur% auf seine Entstehungsgeschichte ein. Tie Sammlungen von Tirektvr Frauberger i»nd Eh. Hallgarten witrden. so führte er ans. Zlmächst nur literarisch in den Publikationen der von diesen Männern gegründeten ..Erescllschast z»lr Erforschung jüdischer .Nunstdenkmäler" verwertet. Weiter gehende Pläne zerstörte der Krieg. Wenn cs jetzt trotz der Rot der Zeit gelungen ist, das Museum zu schaffen, so hat man das in der Hauptsact)e der Mnuisizenz der Freifrau M a t h i l de v. R o t h sch i l d zu danken. Sie hc.t nicht ntlr die historisch denkwürdigen Privatsctretärränme des Baron Willwlm v. Rothschild im ersten Stock des von ihr der Gemeinde gestifteten ehemaligen Rothschildscl-cn Geschäftshauses dem Musemn Ztir Verfügung gestellt, sondern attch ans eigenem Besitz viele Knnstgegenstände dem Museum zugcwcndet. Ter Redner entbot der Baronin, mit deren Namen das Museum unzertrennlich verknüpft fei, znm 90. Geburtstag seilte Glückwünsche und dankte gleich dem Vorredner dem Direktor Profeffor Müller vom Historischen Museum, der die Anordnung der .Kunstgegenstände übernommen hat. Im Aufträge des Magistrats beglückwünschte sodann Stadtrat Profeffor Ziehen die Gemeinde zur Gründung des Museums. Er drückte die Zuversicht aus, daß der zunächst noch bescheidene Rahmen des Musettms sich intmcr mehr erlveitern werde und die junge Schöpfung sich attswachse zu einer großen Schallsammlung .zur .Kulturgeschichte des Judentums, die in Verbindung mit seiner Bibliothek die systematische Verarbeitung und Vorführung des überreichen einschlägigen Materials ermöglictie. Tus neue Museum sei um so mehr zlt begrüßen, als es honte noch so gut wie ganz an einer Vorstellung von der kulturgeschichtliche Bedeutung des Judentums schle. Rach einer Schlußansprach von Tirektvr Profeffor M ü l l e r. der nähere Erläuterungen zu den einzelnen strmshp'genstäriden gab, fand unter seiner Führung eine Bcsichtiglmg der Museums räume statt. Gezeigt wird vorerst nur die Schallsammlung. die umfangreiche und wertvolle Bibliothek soll erst später zugänglich gemacht werden. Im wesentlichen enthält die schön geordnete Sammlung jüdiscl)e Kultusgegenstände zum öffentlichen rmd privaten Gebrauch. Kostbaren Thvrafchrankvorhängeu reihen sich Silber- und Goldjchmiedearbeiten, zumeist aus dem Besitze der Freifrau v. Rothschild, an. unter denen besonders zwei goldene Bechr Bewunderung erreaen. In den Schaukasten liegen alte Urkllnden ans, die auf die jüdnch Geschichte Bezug haben: Intereffe erweckt zumal eine dem J.V Jahrhundert entstammende, historisch wichtige Abschrift des Gesetzeswerks von Maimonides, die mit Miniaturen reich verziert ist. Gemälde, photographische Abbildungen und Tenkwürdigkeiten aller Art rwrvvllständigcu das Bild. * Au» einer Siede vsrr Sir Alfred Mond. In Oxford fand ein von der zioniftischn StudeutensclMt veranstaltetes Meetina statt, auf dem Weizmann. und Minister M o n d sprach«. Sir Mond erklärte, daß er seit Erlast der Baltour- Teklaration sowohl als englischer Bürger als auch als Jude sich verpflichtet gefühlt habe, diese Politik mit aller Macht zu unterstützen. Tie Balsoursch Politik ist em Teil des Friedensvertrages, ein Teil der Politik der Alliierten und in unabänderlich, crs habe auch andere Völker gegeben, die sehr gern das Mandat über Palästina zu übernehmen wünschten, jedoch waren Weizmann und seine stollegen sicher, daß die engUscho Regierung und das englische Volk ihre Ver tprechungen einhalten werden, weshalb sie Verleihung des Mandats an England forderten. Tiefe überaus wichtige TMach nmß immer wieder und wieder betont werden. Es sei vollständig sicher, daß die englische Regierung nicht beabsichtige, lhre Stellung zu andern und nuf die Balfonr-Teklaration oder auf das Manditt zu verzichten. Wenn nicht die jüdische Lcurdwirtschrft tmd die jüdischn Kolonisten waren, wäre Palästina um Jahrhunderte zurück. Hat man je gehört, daß die Juden seit isoo Jahren irgend jemand unterdrückt haben ' Sw wollen nur. daß man ihnen gestatte, 311 arbeiten auf Den Wegen und auf den felsigen Böden und allmählich das Heim aufzllbauen, ans dem man sie vor l.SUO Jahren vertrieben hat. Jude und Araber sind ein Zwilling derselben semitischen Familie, und cs dürfe keinen Konflikt zwischn ihnen geben, da genug Platz für beide da ist. Tüe Behauptung, daß man das Land mit Emigranten fibcrfdpuemrnc und die «»»deren zu unterdrücken suche, ist nicht tvahr. Der größte Feind des Zionismus ist die bolschwistisch Regierung in Rustland. Bolschwisten kommen vielleicht nach Palästi»»a. konunen sio ja überall bm. aber zu behaupten, das; die Zionistische Lrganisatio» antibritisch ist. ist die größte Berleutirdung. Tie Palästina geczebeue Konstitution ist eine »ehr liberale nnd kluge, eilte Politik des Ba»»ens einer großen Brücke zwischn Ost und West. lzcrrscht jetzt eine Spaltung zwischn dem Osten und dem Westen; der Jude als Glied der öftlictpen Raffe, der feit Jahren westlich Ideen mchzenonnmn hat, wird die verbindende Kraft abgeben zwistlzen den großen Zivilisationen uuD Kultuten des Ostens und des Westens. Es ist dies ihre jetzige große Mission. 1*. Z.

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