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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-17 · Heft 6 (17.3.1922) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 6 (17.3.1922)
Date
1922-03-17
Page
Seite 61 (sequence 3)
Language
German
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4*4- Crtiittc. <cv <liitifCniit il»m narf) uitv hi^tas# «*tn drüutzen fo# daß sein Zwicker entzweiging. Ein Versuch von L. die Polizei zum Eingreifen zu veranlassen, scheiterte an der fMr?5s£jt der Beamten auf dem Poli.zeibnreau. 2o mußte der beschimpfe und mißhandelte Holländer mit dem Gefühl abrcisen, daß es auch?ür einen deutsch« freundlichen Ausländer nicht ratsam ist. in DerrSchland zu reisen, wenn er sich äußerlich von den Löhnen Teuts za tehr abhedt. * Berliner Tagung des Zionistische» Attionstomiteeo. In Berlin^ wir d^ tmrl 5. Älärz eine 'dreirägigr Litzrrng des Großen Zionistischen Aktionskomitees stattnn^en. an der auch der Präsident der Zionistischen Organisation. Professor W e i;- mann, teilnehmen wird. Diese Konferenz Stellt die statutenmäßig alle drei Monate abzuhaltrnde Besprechung der Komiteemitglreder mit der Zionistischen Exekutive dar. * Die Ausschüsse der Gesellschaft „Ort" r« rowjet-Nuftlan-. Das in den Zeitungen wiederaegebene Gerücht, das Odeffacr Komitee der Gesellschaft „Ort" wäre von ter 2owjct-Regierung geschloffen worden, beruht, wie uns die ZernraloerMntung des Verbandes „Ort" in Berlin mitteilt, auf einem Irrrirm. Auf eine diesbezügliche telegraphische Anfracze in Odcna erhielt die Berliner ^Zentralverwaltrrng des ..Ort" von ihrem BevoLlraäLrigten folgende radivtelegmphifche Antwort: „Mitteilung HLorre'pcndenchureau falsch, „Ort" funktioniert. ..Idgestvm" au^ehörr Lubftdrerung. überweist Mittel drincend — Weinstein". Wir ergehen aus diesem -: Telegramm, daß das kvmmultistischc fvgenan^rc ..jüd'»sch-gr.tellschastliche Komitee" denl Odesiaer „Ort" die Ludvenrion entzogen hat und die Teckung seines Etats dem ausländische-: Zentraidureau des „Ort" überläßt. Ans den Protokollen, die die .>enrralverwaltung^ letztens erhielt, geht hervor, daß dem Otesiaer »Lemiree nach wie vor. die folgenden, feit mehreren Jahren in der..Orr" tätigen Mitglieder angeboren: Rechtsanwalt Lchapiro. Ier^enicnr Lteinberg. Frau Bär. Herr Wein sie in. Zn der vorigen Woche hat ter „Crt" eine Ladung Zämerrien über Reval und eine Ladung von Pariaus. beide nach Ldena. für di»- Kolonisten L n d r u ß l a n d s a b ^' a n d t. * Zum 60. Geburtstag der Frau ädrurirtte «au geb. Lövinfon. Am 2Z. Mär; bt'gehtFrau Henriette Man den *'*). Geburtstag. Zn ihrem jungen Wesen, zu ihrer Ledenichrfkenden Persönlichkeit, zu ihren weitumfastenden. energische spannt rast erfordernden Wirken paßt noch ggr nicht recbr der Gedanke der offiziellen Ehrung, der Gedanke, daß der Gerte der gramn Haare ihr schon eignet. Und dort) ist es »urfere Pte:Lr. die PKicht ter jüdischen Frauenwelt, dieser seltenen Uran, die '3 tegem'pendend. beispielgebend, anregend llnd das Gute fordernd rärig ist. die herzlichsten und wärmgen Glückwünsche zu diesem Tage darzudringen, ihr dadurch zugleich zu danken für alles, was sie der jüdischen Gesamtheit leistet. Henriette May ist aus kinderreichem wu'f hcrvorgewachten. Tie erste Tochter der Eltern, nachdem .zwei geboren waren. Ar«s einem zehngliederigen Geschwisterkreis. Tas ist der Boden, der tüchtige Menschen formt und brlder. der dem jungen Kinde schon das Gefühl ferner Pflichten schärfer einprägt, für die Rechte an der Miterziehung der jüngeren Geschwister wachsende Befugniffe und Befähigrurgen ausbildet. Zur Elternhaus umgeben von schönen Eindrücken. Ein vornehmer Gerte. mir guten treujüdifcheir Traditionen, mit Linn und Bedürterrs terr die jüdrsclien Forderungen und Ideale. Als Kind noch irr beglückendem Besitz und Genuß der trefflichsten, gütigsten Großm^ner. Tiefe fromme jüki''che Iran war als Witwe Inipckwrin dem damals neugegründeten Friedhof in der Lchönhauß-r Ä-v und als folctre übte sie Gemillus ('Iküö t:: einer cd len. den ^en'chcn wohl tuenden Form und Art. Bon hier mögen wohl de Krrme de; gütigen selbstlosen Wesens ausgehen, von hier auch ter Za:g des Berstehenkvnncns memchliclxr Leiden, gottgewollter T "Unsgrenzen. Im Elterrrhaus «der solide, gediegene, strebende vSrin. der viele altberlinor jüdische Ftnrülieu au; zeichnet. Ter Barer. heiter blickend, der wachsenden Kinder'chu ein verstehender. karger. feinsinniger Erzieher, der über das Leber» hrnous feinen Kindern und Enkelkindern in einem Familienarchiv die Familiengeschichte und ihre Tradition erhielt und so den Sinn dokumentierte, der sein Leben leitete und der die Kinder mit Idealen erfüllte. Tie Mutter, das Bild der wahren Mütterlichkeit, hingehend wie das echt-jüdische Weib, das im Hohen Lied so schön besungen wird. Die Welt des Hauses wertete sich ihr. da sie.für. Mann und Kinder unermüdlich liebevoll sorgte, die in den Kreis von Liebe und Fürsorge mit einbezog, was hilfesuchend sich ihr in irgendwelchen Formen und Gestalten nahte. — Ter Geschwisterkrcis, belebt von Bilc-vngsstrcben und Arbeitslllst. beseelt von herzlicher Liebe und schönem gegenfertigen Verständnis. Hier ausivachfend, mußte sich ein harmonischer Mensch entwickeln. Und dieser wurde aus Henriette Lövinsvn. Tos nach fleißigem Studium abgelegte Lehrevinneneramen. ein Auf. entlzailt als Erzieherin ür^London^ zehnjährige Lehrerinnentätigkeit in der Heimat, weiteten den Blick, fchrrfen die Basis für die schon jetzt hervortretende Eignung zu sozialer Betätigung. 1890 schloß sie den Lebensbund mit * 'm FabriDirektor Mar Play. 24 Jahre schöner Gemeinsamkeit waren diesem Bund beschieden. Unvermutet, sie war gerade in Rom auf dem Frauenkongreß, wurde der Gatte ihr entrissen. Mehr und mehr war Henriette May hinerngetreten in die soziale Arbeit. Tie große Umwälzung. die sich ergab durch die Industrialisierung, durch den Zuzug fremder Memchenmaffen nach den großen Ltädten. durch die Lchafftmg neuer sozialer Probleme und Nottvendigkeiten, verlangte dringend nach der Mitarbeit der Frau. Tie Rechte, die hierfür ^kämpfende Frauen verlangten, wurden allmählich anerkannt, und verwundert denken wir heute, daß es eine Zeit geben konnte. in der die Notwendigkeit der Frauenarbeit sich erst Lchritt für schritt anerkeimen lasten mußte. Neue Bahnen mußten ei «geschlagen werden, der Not des Tages zu steuern. Es mußte hineingeleuchtet werden in die dunklen Winkel der Häuser, in die verborgenen Ouellen von Arnrut, Lorge und Not. in die unsichtbaren Leiden und Kümurernisse, die sich der Wett nicht zeigen. die man suchen muß. wenn man sie finden sott. Und alle diese vielen Schöpfungen, die den Ruhm nn-d die Ehre eines Gemeinwesens bilden, bedürfen der Menschen. der hingebenden, verstehenden Hel ter. Zn solch eurem MenM^n tnldete nch venrierre May immer mehr heraus. Im Raten und Beraten, in unendlickx'n Litzungen. die theoretischen Le:tmotrve behandelnd, war und ist ne alle die Zeit her nicht rveniger hrngcdend. ausdauerrrd. gerride blickend, als in der praktifch'en Arbeit. Ihre Einsicht ist gleichermaßen crcfdjärft wie der Blick. Ihr konziliante; Weten. das ..die Arbeit liebt und das Herrschen haßt", macht sie zu einer überaus sympathischen wohltuenden Mitarbeiterin. Lre. die mütterlick)e Frau, ist für viele Mutter, innig und herzlich, hingeberrd und gütig sorgend.. llnd für die ihr versagten eigenen Kinder errväck)st ihr die hohe Mission, den reick-en Lchatz von Güte, Liebe und Verständnis dahin zrr tragen, wo man ihn sehr nötig braucht. Mehr und mehr füllte sich ihr Leben llnd ihr Wirken, und der Name Henriette M a y ist stets ein Begteittvort für liebevolle Arbeit an der Allgemeinheit. In der Ltadtgemeinde und tu der Iüdiscticn.Gemeinde ist sie tätig, in konfessioneller Mitarbeit überbrückt sie etwaige Gegensätze mit Verständnis und Liebe, einigt sie Gemeinsam-Gewolltes mit dankender Anerkennung. Was hat sie geleistet lvähvend der schveren Zeit der Kriegsjahre! ^ie tvählte sich als Arbeitsort ihrer Tätigkeit im Nationalen Franendienft den von unterer hilfsbedürftigen jüdischen Bevölkerung curr dichtesten betvohnten, Bezirk der inneren stndt und half irn Bereirr mit Gleichgesinnten den überaus vielen, die sich nicht selbst zu helfen wußten und nicht den Mut hatten. Wege zu suchen. Es würde einen allzu weiten Raum füllen, sollte ausgezählt lverden, in welck-en Organisationen und Vereinen Frau May tätig ist. Ten Schwerpunkt ihrer Arbeit legt sie in ihr Amt als Schriftführerin vom Jüdischen Frauenbund. Tiefe, tert 1904 gegründete, seitlzer immer erweiterte Zusammensastliug aller iüOifct>en Frauenvereine mit denr Endzweck der Verbesserung. Hebung uno Erziehung der jüdischen Fvauemvelt zu gemeinsamem streben und Wirten, repräsentiert das Kultunvert der jüDitctjcn Arbeit. Tie Lchristführerin hat die ^eele und den Kern der Anregungen und Pläne zu erfaffen, sie rveiterzuführen und ihren Verwirklichungen den Boden .zu bereiter?. Tiefe große Pflicht mit den violerr Mühen mrd AlrstrettgMKie»r könnte allein fclwn die stunden einer arbeitsfreudiizen Frau "füllen.

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