Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 6 (17.3.1922)
- Date
- 1922-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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^crnc«? hier foriD das »tückweis brechende arme Menfchenherz ' noch Trost, Labsal und Gottvertrauen. . Angesichts der feindlichen, herrischen Willenskraft durfte man unter Ausschaltung Parteidvktrinen eine möglichst geschlossene Einheit der in 2pvadyc, Titte, (Geistesleben arg bedrohten Minoritäten als felbfwerständlrch voraussehen.; aber selbst die eigenen besorgniserregenden Wahrnehmungen \ konnten den deutschvölkischen Anhang nicht zur Ueberwindung politischer Spaltungen veranlassen, und, deutschnationaler ' Wesensart entsprechend, erfolgte anläßlich der Wahlen zur j Nationalversammlung und zrmi preußischen Landtag in ' Wähterversammlungen eine demagogische Agitation gegen j Juden rmd andere politische (Gegner, die die formen und - Grenzen der Tchicklickrkcit. Ehrlichkeit und Rechtlichkeit in übj lidicr Beik überschritten, schließlich erwiesen sich die Zeichen der Zeit und die Trimmungen der Volksseele selbst bei deutschvölkischer Geistesverfassung mächtiger als das Parteiinteresse, und das achtungsvolle gegenseitige Verstehen der verschiedenen ■ deutschen Gemeinschaften bildete das zentrifugale Band der nationalen Minderheit. die bei den Kommurralwahlen 17 Sitze errang, während ein Teil der jüdischen Wählerschaft in gesondertem Vorgehen noch einen Kandidaten entsandte, so : daß die Jüdische Gemeinde insgesamt durch drei Ttadtver-! ordnete im Stadtparlament vertreten war. Ter geschmackvolle Sitzungssaal, die bisherige Pstcgstätte einer sittlichen! Lobensankchauung. politischen Verständnisses, gemeinnütziger - Bestrebungen^ opferwilligen Bürgernnns. wurde entsprechend der neuen Kulturstrvmrmg zu einer Tratte, in der die Roheit in Tvrache und Handlung wahre Lrgien feierte. Jüdische ränge Nächstenliebe größeren Stils zur Heilung sozialer Schaden lieferte als ein mit angeblich polnischem Gel de sthunvedürstigen gewährter Beistand polnischer Bosheit reill'lich Stof: zu hetzerischer Agitation, und eine größere von Stadtverordneten suchte in geschlossener Einheil rXn Betähignugsnachweis für das ihnen übertragene Ehreniir.it lediglich in gewinenlostn Verleumdungen, gehässigen Angr'.ist-n und hämischen Bemerkungen gegen Juden und Judentum \u erbringen, ein ncmseliger Versuch, von den Hemtnungen der eigenen politischen Entwicklung abzulenken. Tie Beschränkung der freiheitlichen Rechte, die ganze reaktionäre Strömung, von einer zügellosen chauvinistischen Preist unterstützt, rückte den erwerbstätigen jüdischen Kreisen auch der ^lerngemeinden immer mehr die Notwendigkeit des Abschiedes von der heimatlichen Scholle in greifbare Nähe. Ta trat zu den wirtschaftlichen und politischen Noten noch eine drohende Erfahr hinzu, und zwar das im Judentum zu allen Zeiten und unter allen Umständen als Kardinalfrage betwndelte Problem der geistigen Ausbildung und religiösen Erziehung der minder. Tie jüdischen Volksschulen standen trotz engeren Zusammenschlusses und energischer Abwehrmaßregeln der Hausväter bald verwaist da. denn die behördliche Bestimmung, daß nur eine von mindestens 40 Hindern besuchte schule als öffentlickze anerkannt und subventioniert werden sollte, mußte notgedrungen die Auflösung aller in den Kleingemeinden vorhandenen konfessionellen Unterrichtsstätten zur Holge haben: nur die dank der Initiative des jüdischen Volksrats ins Leben gerufene dreiklamge jüdische Volksschule in der 3radt Posen erneute sich als eunvicklungstähiges Gebilde besonderer städtischer Fürsorge. Tie heistirmstrittene schulpolitische Frage erhielt plötzlich eine geradezu katastrophale ^llendrmg. als die gesamte jüdische Lehrerschaft der Ostmark sich entschloß, die Ttätten jahrzehntelanger Wirksamkeit zu verlassen und im alten Vaterlande mit neuer Uvajt und besseren Wirkungsmöglichkeiten ihre Nrilturminion fortznietzen. In eifervollem Rittgeu suchte der Jüdische Voltsrat, unterstützt von der unerschütterlichen, gläubigen Eintracht der Gemeinden, diesen mit einer gefährlichen Strömung drohenden Gefahren, die den vorhandenen Restbestand mit völliger Auflösung bedrohte, zu begegnen: aber die Verworrenheit des nationalen Lebens verhinderte das gegenseitige Verstehen und das Gesamtergebnis war ein völlig negatives. Jede Hoffnung auf praktische Friedensirrbeit und Toleranz im Innern, auf eine Wandlung polnischer Weltanschauung im Rahmen der Kulturgemeinschaft der Menschheit schwand angesichts der reaktionären Eingriffe in die persönlichen und staatsbürgerlichen Rechte der Juden, und nun setzte die Abwanderung aus Groß- und Kleingerneinden erneut ein, galt es doch einem Staatswesen den Rücken zu kehren, das keine gastliche Heimstätte mehr bot. Trotz der Mahnungen an die polnische Bevölkerung, die Entwicklung der Verhältnisse abzuwarten. die ihnen die Liegenschaften der Jrrden wie reife Früchte in den Schoß werfen würden, setzte sich der polnische Tpekulationsgeist durch, und die Verkäufer, die schweren Herzens von ihrem ererbten jahrzehntelangen Besitz scheiden mußten, retteten nur noch einen Bruchteil von dem Erträgnis eines arbeitsreichen, dornenvollen Lebens. Wochenschau. Berlin. 14. März. er B i l d u n g s a u s f ch u ß des Reichstags beschäftigte sich am 4. d. M. mit der Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel. Staatssekretär schütz teilte mit. daß das Reich nicht in der Lage sei. Zuschüße zu leisten: das Rerchsministerium des Innern könne daher keinen Truck auf die Turchführung von Artikel 14.% Der Reichsverfassung üben. — Tr. Löwe n st e i n iU. Sozi beantragte eine Gesetzesvorlage. nach der zum Zweck der Turchführung der Unentgeltlichkeit von Unterricht und Lehrmitteln der anteilige Kostenbciiruit von Reich. Ländern und (Gemeinden festgesetzt werde. Rach längerer Ausiprachr wurde dieser Antrag abgelehnt. Einstimmig angenommen wurde ein von Den Teutschnationalen. der Teutichen Vvlkspartei. den Temokraten, Dem Zentrum und den Sozialdemokraten unterstützter Antrag, der die Reichsreinernng ersticht, den Landern Beihilfen \n gewähren. damit für unbemittelte und für kinderreiche Familien Lehrmittel frei oder durch Verbilligung beschafft werden können. Bei der Etatsberatung im -Hauptausschuß des Reichstags über das Reichswehrministerium beschwerte sich Abg. | Tr. Mo s e s (11. Toz.) darüber, daß in der von der Regierung! unterstützten „Deutschen Soldatenzeitung" Judenhetze und : T o z i a l i st e n h e tz e betrieben werde. Tie Abg. Hunlich : lsozü und Tchöpflin (Toz.) beantragten, daß künftig von einer - direkten Unterstützung einzelner privaten Soldatenzeitungen! seitens der Regierung abgeselzen werde. Reichswehrminister Tr. G e ß l e r erklärte, daß er auf das schärfste jede antisemitische oder Tozialistenhetze! verurteile und ganz energisch gegen die „Deutsche Toldatenl zeitung" einschreiton würde, sobald ihm ein derartiger Fall : nachgewiesen werde. * Antisemitische „ÄttUttr*. Aus Twinemünde wird geschrieben: (fnde Februar saß im hiesigen Lindencasöder rcxc£)c hollündiscire oiiDe 2. friedlich bei seiner Taue Nasser. Herr 3. ist ein großer Philanthrop dentschkrenndlill»er Gesinnung, der Hunderttausende für die deutsche Nmderhilst gespendet hatte. Plötzlich sprang ein ..teuftchcr" Mann auf. veranlaßt ivahrschein!ich durch das aller> dings durchaus nicht teutonische Aussehen des 3.. und fing an. über die jüdischen Wucherer und 3ct>icherer laut zu schimpfen. Ter Holländer ersuchte vergelvus den Wirt um 3chutz. Als der Antisemit schließlich erklärte, ec habe schon längst einen Juden zum Tot'? schlagen gesucht, zahlte Herr 3. und verlies; die gastfreundliche