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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-03 · Heft 5 (3.3.1922) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 5 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
Seite 57 (sequence 13)
Language
German
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..Du geratest ins Feuer." scherzte Eajus, ..ich leugne nicht, daß meine Schwestern die schönsten Jungfrauen Roms find.. ~ ..Allein, zu welch "einfiedlerischem Leben find fie verdammt! Zienrte es. nicht ihrer strahlenden Schönheit, ihrem Geiste in* mitten rauschender Feste..geselliger Freuden . . . " . ..Ha» ha^ l)at" lachte Casus aus volleur Hatte, „rauschende Feste! Du faselst oder vergissest, wo wir leben. Gibt es denn noch Feste? Gehören Spiele und Rennen nicht der Vergangenheit an? Wahrlich, es ist nicht mehr zu ertragen! Hier, am ersten Hofe der - Welt,, schleicht gähnend der Neberdruß einher ..." „Und stete Furcht vor der grausamen Willkür läßt die Jugend ihres Lebens nicht mehr froh werden . . * „C, wie war's doch anders, früher: da wußte man in Rom. was Leben heißt, da gab's Rennen und Spiele. Gladiatorenkämpfe und Tier- und Menfchenheßen. da werr'4 eine Lust zu , leben, doch jetzt, sage Agrippa, istts möglich, unter diesem Joche zu leben, unter diesem Drucke froh zu fern?* ~ „Rein, es ist unerträglich! Schwer, o Casus, lastet die Herrschaft dieses Kaisers auf Rom . . ." .Auf Rom allein?" unterbrach ihn zornflammenddCajus. . auf der ganzen Welt, denn siehe, die ganze bewohnte Erde, sie ist doch bloß ein schwaches Abbild unserer herrschenden Stadt: was bei uns Sitte ist. wird in anderen Ländern nachgcahrnt. Allein, was sich in anderen Ländern ziemt, das in für Rom eine Schmach . . ." „Xu »agst es: Eine Schmach! C. daß es anders wäre — zu Ende mit dieser unerträglichen despotischen Herrschaft des Tyrannen . . daß es ein Ende nehme mit dem knechtischen Drucke, mit dem niedrigen Geize, mir all dem Schimpflichen und U »erträgt ickren. das auf uns lastet, das untYrc Jugendkraft vernichtet und das auch deinem stolzen Geiste, mein Eajus. ich weiß ec-, die Schwingen lähmt . . . Wenn es doch dem Geschicke gefiele, die Welt, den Hör uns. von dieser lähmenden Knechtschaft zu befreien . . ." ..Halt ein! Hüte deine Zunge ..." f ..Hier lauern keine Späher - laß mich, r» brennt mir auf der Seele dir. dem Freunde, darr ich doch mein Inneres offenbaren. Weißt du es ja selbst am besten, wie unerträglich die Zustände geworden sind, reit des Kaisers Geiz und tyrannische Bedrückung mit dem Atter und der wachsenden Schwäche stets zunehmen o, daß doch eine ernstliche Krankheit käme und ihn hinwegraffe. daß ihn die Götter heimriefen, und du. o Eajus, d u, Roms Herrscher würdest ..." „Deine Liebe macht dich an Tiberius Gemellu» vergessen: wenn der Kaiser sich zu den Göttern verrammelt, ist» ein anderer, dem die Krone der Welt gebührt. Mir, deinem Freunde." fügte er seufzend hinzu, „wird stets bloß die Rolle eines kaiserlichen Verwandten zugedacht sein, der von der Gnade des Casars leben und sich mit dem begnügen muß. was die kaiserliche Huld ihm gnädigst gewährt ..." „Nie wird dein Geist jolcfn' Fesseln tragen - nie, ich ahne ' es, mein Auge erblickt dich schon als den zukünftigen Herrscher j der Welt, ich sehe den Lorbeer des Imperators, den Kranz des Siegers deine Stirne schmücken ..." « „Tu faselst — wie sollte ich . . „Ja, du mein Eajus. kein anderer an diesem Hofe ist würdiger als d u, der Herr Roms zu werden ..." , ..Tome Freundschaft verblendet dich: glaubst Du nicht, daß der Kaiser, ehe ihn die Götter heimrusen. dem Senate den , Thronerben bezeichnen wird . . .. und daß dieser nicht dein! Eajus. sondern sicher der kleine Tiber sein wird, des bin ich! gewiß." „Unmöglich kann der Kaiser, dir. dem. vom Volke und Senate geliebten Jüngling. die Herrschaft vorenthaltcn! Du mein Eajus und kein anderer wirst der Beherrscher Roms." „Nun, tat ich nicht recht," rief lachend der junge Prinz. ..daß ich mit dir allein sein wollte? Wie hättest du denn im Beisein der Schwestern mir dies alles prophezeien können! Wahrlich, die Stille um uns her. die nächtliche Fahrt — der Schauplatz ist nicht schlecht gewählt..." ..Sicher! Blick' hin zum Firmament: auch diese» Gestirn, das im Versinken ist. das ist die Sonne des Tiberiu» - sie sinkt, ihr trügerischer Glanz erlischt, um dann mit märchenhaftem Glanze neu zu erscheinen, die Welt mit ihrer verschwenderischen Fülle von Pracht und unvergleichlicher Schönheit zu bezaubern — das ist deine Sonne, mein erhabener Freund, das ist das Sinnbild deiner Zukunft . . .Kun aber ist's genug", unterbrach ihn Casus lächelnd. ..ich erkenne dich heut nicht wieder!" Ringsumher war es traumhaft still geworden, und nur der leise plätschernde Ton der Wellen klang durch das abendliche Schweigen. Die Sonne sank. Noch einmal vergoldete sie mit zauberischem Glanze das All, tauchte in märchenhafte Farben die blendende Flut, übergoß mit rosiger Glut die ragenden Gipfel der fernen Berge - - dann kam die Nacht. Gespannt hingen oie Blicke des Prinzen an den Züge» des Freundes, der mit schwärmerischem Ausdruck, das Auge sehnsüchtig in die Ferne richtend, schweigend verharrte. «Fortsetzung folgt.) Literarische Wittriiungkn. — 6. Hai per. Post-Biblical Hebrew Literatun-. Philadelphia, The Jeswish Publieutiou Society uf America. Iftil. Das Heil kommt aus Amerika: nicht nur, was Dollars anlangt, sondern auch — jüdische Literatur. Was können wir Anken deutscher Zunge dem cntgegensieUcu. was nur die eine obertgeniinnte literarische Unternehmung leistet? Das vorliegende Werk ist nur eines in einer langen Reihe. Dein Verfasser. Professor am Tropsie College in Philadelphia, hat darin eine vorzügliche Arbeit geleistet und einem dringenden Bedürfnis abgeholfen. An einer Anthologie hat er von den Zeiten Ben Diras bis hinunter zu R. H. Wesseln in zusammen 46 Stücken Muster von allen Erzeugnissen der hebräischen Literatur vorgcfüyrr, die zusammen den Beweis erbringen. daß die hebräische Sprache stets das literarische Medium der Anden geblieben, woraus von selbst folgt, das; heute, wo eine Renaissance der hebräischen Sprache angestrebt wird, nur an das Alte anzuknüpfen wäre, und man fände da einen ungemeinen Reichtum der nachbiblischen Sprache.. Die ausgenommenen Texte und chronologisch geordnet und gehören sämtlichen Zweigen der jüdischen. Literatur an: nur zwei Arten glaubte der Verfasser ausscheiden zu müssen: Halacha und Bibelerege'e. weil ne an Üblich nicht auf literarischem Niveau stehen, worin man ihm aber kaum beipflichten wird. In Wirklichkeit sind freilich auch diese Arten bei ihm vertreten, weil er dock) Auszüge aus Maimunis Nodex und aus Abarbanels Nommentaren bietet, und. ebenso die Nabbala, die er ebenfalls ausscheiden will, schließlich aber dennoch ansnimmt. Die Texte sind aus den besten erreichbaren Ausgaben hergestellt worden, manchmal auch aus Handschriften, z. B. die Gedichte von Josef ibn Abitur aus einem Manuskript des Dropsie- «^ollege ufw. Die Umsicht, mit der die Tette hergestellt wurden, ist sehr zu loben, und namentlich deren korrekte Bokalisierung war keine leichte Arbeit. Das Werk besteht aus zwei Bänden: der erste enthalt die hebräischen Texte, der zweite deren englische Ueber- 'ctzung. Jedem Terte geht eine kurze literarische Bemerkung voran, die sich auch in dem englischen Bande befindet, io. daß dieser auch für sich ein Ganzes bildet. Dem ersten Bande ist ein Glossar der nachbiblischen hebräischen Vokabeln beigefügt, das aber bei weitem nicht genügt. Doch das Richtgenügen spielt hier keine Rolle: gewiß. die hebräische Literatur ist so groß, daß hier unvergleichlich mehr geboten hätte werden können, wir müssen uns aber bescheiden und muffen tw* Erbotene dankbar hinnehmen.. Herr Halper hat sich mit diesem -Werke wahrhaft um die jüdische Literatur verdient gemacht. W i e n. Prof. S. «ra u f;.

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