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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-03 · Heft 5 (3.3.1922) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 5 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
Seite 56 (sequence 12)
Language
German
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56 vorübergehend tu einem russischen Torfe zusammonfindett. bilden keine (Gemeinde und haben keine Vertreter, weder der* nünftige noch beschränkte, die von nationalem Fanatismus beseelt wären. Ter alte fanatische Chaze ist so wenig Vertreter der geringen Zahl vom Fischerhandwerk lebenden Juden des Torfes wie der allzuoft znr Schnapsflasche greifende, sonst aber nicht unsympathische Hirsch Peer. -et7 den alten Chaze und Jankels Angehörige für borniert halt und sich mit Abscheu von ihnen wendet. Abergläubische Frauen, wie Jankels Mutter, und idiotische Mädchen, wie seine täppische Cousine Chaike, gibt es unter den russischen Bäuerinnen in weit größerer Zahl, und selbst in Westeuropa sind solche, sogar unter der städtischen Bevölkerung, nicht selten anzutreffen. Ten Fanatismus, den nationalen sowohl wie den religiösen, verurteilen auch wir. aber wir behaupten, daß er keine charakteristische Eigenschaft der Lstsuden ist: er ist interttational und interkonfessionell. Lb er in Tallith und Tephitin oder in Frack und weißer Weste uns entgegentritt, auf der Kanzel, dem Katheder, im Parünnent oder in Volksversammlungen in Stadt und Land seine schrille Stimme ertönen läßt — er offenbart sich immer als eine Ausgeburt der Holle zur Plage für die Menschheit, als eine satanische Macht, die immer nur Böses schafft. Ter ..Torfsjunge" von Leon Kvbrin ist ein Meisterwerk. Tie (Gestalten, die er uns vvrführt, sind keine Phantanegebilde; sie sind aus Fleisch und Blut und nicht minder lebenswahr als die Kulturbilder, die Karl Emil Franzos in „Halb-Asien" und ..Leib Weihnachtskuchen und fein Kind" zeichnet. Cs ist auch die gleiche Tendenz, die beide verfolgen: Durch den Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Aberglauben und Fanatismus,-Licht ztt verbreiten. Licht aber auch unter denen, die mir die M brechen und nicht enuft die Vorzüge der Juden ui den Landern der Unkultur sehen: Iankol erhängt sich, nicht weil er seine häßliche und närrische Cousine Chaikc nicht heiraten null, sondern weit er als Jude die Nataicha nicht heiraten kann, und den väterlichen (Glauben seiner Liebe nicht opfern will. Ueber die schauspielerische Darstellung des ..Torfsjungen" bat die unparteiische Kritik bereits gesprochen: „Mit hinreißender Kraft und Lebendigkeit." A. K. Mrimgrschichtr. Von S. Afchner (Berlin). ^2^er Wenig und Hamann saßen beim Mahl. .Mas ist der Königin SSaitgc so fahl?" llu& die Lose, sie sind schon gemischt in der Nacht. Hamann ging siegsunkelnd heim stolzgebläht. ..Im Hof meines HauseS wird der Galgen erhöht, lk.rd für Mardochais Hals ist die schlinge geschürzt." „Was soll dem geichehn. den ich ehren will?" ..Ihn führe der Herold durch die straften nnt sviel!" ..Nun wohl, so führe tou Mardvck^ri!" Ter König und Hamann saßen beim Diahl. ..Was ist nur Hamanns Wange so fakzs?" „Er ist mein Mörder! Er mordet mein Volk!" Ter König springt jäh ans und eilt in den Park. Hamann, getroffen ins i»»erstc Mark, sinkt hin zn Hüften der Königin. „In Hamanns Haus ist der Galgen. erhöht Für Mardochai. der deine Majestät Errettete mutig von kläglichem Tod!" ..Hängt ihn daran!" Und sie führten ihn fort. Do kam auf ihn selber Schande und Mord. Seine Lose, sie waren gemischt in der Nacht..— Du aber, Esther, der Frauen Krone, der Amnut Quell. Wirf ab alles nächtige Grauen! Erstrahl' wie die Brautfackck hell! Neige -ich uns! Laß uns schauen Dich Engel von Israel! — Es brachen die Schwerter, die scharfen! Legt an Glücksgelächter und Kranz! Fesseln wir selig fortwarfen. Gelöst in Frohlocken und Glanz! Erwachet. Zymbcln und Harfen, Und fingt uns in wirbelnden Tanz, Und du nimm, du schönstes der Feste. Du Königin Purim, uns ganz! > tim iBannhrris der Lässrrn. Historische Erzählung von Carola Buchheim. (2. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ^^ter erwartete sie bereits Cntychos, der sich her ihrem Nahen so tief zn Boden neigte, daß sie ihn nicht zu erkennen vermocht hätten, selbst wenn sie seiner geachtet. Bald teilte der Kahn mit leisem, plätscherndem Klange die silberne Flut. Ein? Weile verharrten die beiden Jünglinge schweigend einander gegenüber, dann aber nahm lachend Agrippa das Wort. „Haft du. geliebter Freund. bloß deshalb der göttlichen Trusiü'a und der holden Julia die Teilnahme an unserer Fahrt geweigert, um nun still mir gegenüber zu ruhen?" „Um deinetwillen schlug ich es ab . . .Und warum hast du mir das Muck geraubt, noch eine tunde in die glutvollen Angen deiner schonen Schwester zu schauen? ... Tu hast mir also diesen Anblick mißgönnt?" ' „Seit wann ist Agrippa den Reizen meiner Schwester ein solch glühender Bewunderer geworden? Seit langem schon, ntcinst du: nun gut. aber ich liebe es nicht, selbst von dir, meinem Freunde, seks ich's nicht gern, wenn man ihr huldigt." „Tas wird sich jedoch bei Julias Schönheit schwer vermeiden laffen . . „Julia? 2llso unsere kleine Julia hat dein Herz erobert? Mt welcher Nebenbuhlerin wird sie es teilen müssen?" „Spotte nicht," rief erregten Tones Agrippa aus, ..Amors Pfeil hat mich ins Herz getroffen . . ,L8eiß Julia um deine Gefühle?" schnitt Cajus die leidenschaftlichen Worte des Freundes ab. ..Du zürnest nicht, mein Casus, wenn ich mich dir erst jetzt anvertraue — lange schon wollte ich dir mein Herz erschließen , heute aber, wo wir allein sind, heute, wo Julia während des Mahles zu meiner Rechten saß und ich den ganzen Zauber chres Wesens erkannte, wo ich sie schrankenlos bewundern, wo sich mein Auge satt sehen konnte an ihren Reizen ..." „Halt ein. wenn du nicht willst, daß wir beide ins Wasser fallen." schrie lachend Cajus. „zürne nicht." setzte er. ernst werdend hinzu. ..aber ich kenne dich gar nicht wieder, und daß cs Jrrlia ist, der deine glühenden Worte gelten, das brachte mich zmn Lachen." „Ich weiß, daß vor der blendenden Schönheit Trusillas Julia weichen nntß allein es liegt etwas in dem Wesen Julias, das für mich mehr ist als die herrlichsten Reize in ihren süßen trälnnorischen Augen liegt eine Welt voll . . -"

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