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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-03 · Heft 5 (3.3.1922) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 5 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
Seite 54 (sequence 10)
Language
German
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Micha-Iolrf (Michael) Lrdenlohn. Eu» Gedenkblatt zum 70. Jahrestag seines Ablebens am 27. Scbbat 5612 (IH52). t^ort'etzlrirg.) Bon Leon scheinhaus (Memel). ie die Sprache der Bibel in Den lyrischen (langen Micha-Joiess neu erwachte, so lebte auch der Geist unserer alten Propheten und Psalmensänger in fernem frechen und geknickten Körper aut. Ter Neichtum seiner tiefen Denkungsart, di? hohe Tichtcrgave in Den zartesten Äuancen"ünd Empfindungen waren der einstigen historischen Größe seines alten Volkes und dem heiligen Martyrium geweiht; der alten Heimat --wo die Wiege edler Ruhmestaten stand galt seine Sehnsucht, aut deren geh eilig kein Boden spielt seine Tichtung. 2o schilderte unser sterbender jugendlicher Dichter, wie keiner vor ihm, das »clmnrig poetische Phantasiegebilde und den Too des Dichterfürsten und größten Zionssänaers „Rabbi Jehuoa Halevi" im Lande feiner Sehnsucht: Und ins schattenreich trug ihir des Traumes Flügel... Tie Toten erstehen mit grauser Gestalt Ans gähnendem Grabe, ans berstendem Hügel - Und treten zum länger mit Schreckensgewalt. Ta die Märwrer Zions, dem Grabe entwnndeii? ..Tie geopfert ihr Leben für Glauben und Land. Ta ftehen bedeckt mit Blut und mir Wunden. Tie ertränkt, die verbrannt von barbarischer Hand! Tie SckwerLdnrchbohrten. die Hungecverzehrten. Tie reißenden Tieren gefallen zum Raub. Tie den Gon ihrer Vater stets innige.verehrten Und ach! für.win Volk einst versanken in staub! Airch Zions Propheten die, Gräber verlassen, Tie scher in Reden voll göttlicher Macht. Soweit nur das Land all die Toren kann fassen. To itehn sie gereihet. in schauriger Pracht . . . sie nahen dem Tanger in mrchtbarem schwärme Und schauen mit Augenhöhlen ihn an. Und winken ihm. streckend die knochigen Arme, Mit stummen Gebärden, sich ihnen zu nah'n . . . Und da noch der Aufzug sein Auge umflorte. Und eh' noch das furchtbare Traumbild verschwand. Ta fühlt' er ein Sapvert, das ihn jählings durchbohrte. Geführt von gewaltiger lebender Hand! Kein schmerzton entfuhr ihm. kein Zagen noch Beben Turchzittert fein himmlisch verklärtes Gesicht; Tas Traumbild schwand - mit ihm auch sein Leben. Und nimmer eröffnet lein Aug' sich dem Licht. Eingangs dieses dichterisch verklärten Bildes der jüdischen Volksseele in ihrem geschichtlichen Ringen und in ihrem weltgeschichtlichen Martyrium schildert begeisternd unser Töchter die Wallsahn des größten Zionsiängers in Heilige Land: Aach Salem des Himmels allheiligster Pforte. Wo einst die Leviten erhüben den sang. Zog Jude Halevi. am heiligen Orte sein Lied zu ergießen, das sehnend erklang. Es klaget die Seele. vorl Wehmut und Trauer. Tie glühende Traue, ne rinnt ungestillt; Doch schweigt 'eine Harfe sie teilt seine schauer. Toch fchweitzt »eine Muse, in Leid mm gehüllr. Ins Läud. wo zum zweiten Mal Eden erblühte; — Ter Baum der Erkenntnis wird neu dort erhöht. Ter Lobensbaum trieb dort die herrlichste Blüte Ward es doch von göttlichem Odern durchweht. sein Tor war die heilige himmliche Pforte: Tort tat sich die Gottheit in Herrlichkeit dar. Tort standen Propheten an jeglichem Orte, Und jeglicher stein — einst des Höchsten Altar! Tie Liebe znm Heiligen Lande, zum Lande der höchsten biblischen Poesie, zur Wiege des jüdischen Volkes und der gesamten gesitteten siulturwelt, widmet Micha - Josef die herrlichsten Verse von solch überwältigendem Eindruck, wie lie seit dem Tode Jehuda Halevis nicht vernommen wurden; mächtiger und inniger ist selbst heute, nach mehr als 70 Jahren in der Aera des modernen Zionismus, kein Zionsgruß erklungen. Tiefe sechs Gesänge Zions sind 187,0 aus dem Hebräischen ins Teutsche nöerrragen worden. lMick)aels Levenfohns Israelitische Gelänge). Tie vorzügliche deutsche Nebenetzung ist eine Jugendarbeit des letzten großen Veteranen aus der ..Wilnaer Schule". des bekannten Sprachgelehrten und hebräischen schri'tstellers Joma Steinbcrg, Jugendfreund und Schwager des früh verblichenen Tichters. 1002 erschien eine neue Auflage in schmucker 'Ausführung, das hebräische Original mit der . deutschen Uebertragung parallel enthaltend. I Ter Zensor W. Tugendhold, der 187,1 die Origi na tau flaue; einsührte. hat auch die erste Llüflage der delltschen Uebersetzung i 187,0) gebührend gewürdigt. Er schreibt unter anderem dem Uebenetzer. seinem nachmaligen Amtsnachfolger (später Zensor und Lehrinspektor» I. S t e r n b er g. bemerkenswerte Worte, welche verdienen hier wiedergegeben zu werden, obwohl dieselben zu unserem großen Jüngling Lebensohn nur mittelbar in Begehung stehen: ..Ta Id) als Ihr fri'tlH'rer Lehrer weis;, mit wekchm Ernste sie üch dem schweren Studium der jüdischen Theologie gewidiuet. mit rvclchem lobenswerten 7vU*:fn* sie st!bst dem Prostüsttrus des »rasten Tvgma obliegen, und da ich obendrein denke, daß sie nie über die dent'che Grenze gekommen lind alles dentsch'u ttm<mngs in ^hrcr völlig jüdi'"chen Umgebung cuwebrreu. w kann ich mein staunen über .Zhre Arbeit nicht stillschweigend lmterdrücken und muß vor aller Welt mein Lob deshalb aus'prechen. Mit derselben Ehrfurcht wie innere Vorfahren einst der hellenischen spräche, haben auch nur Israeliten neuerer Zeit der sprach der Tentfchen zu begegnen, in der feit Mendelssohns Anstreten so viele Arbeiten südi'cher Geister ausgespeichert liegen, in der so bittere 'clevere Nampie durch gekämpft wurden, in der unsere Brüder jenst'ts der Grenze zeigten, daß wir keine seelenlv'en Mlnnien bilden, an de»wn kalt die Neugierde ihre Blicke weidet, sondern daß wir noch ganz d's alte Leben in uns verspüren wie in jenen Urzeiten." Aus dieser Gedichtsammlung sind das Toppelgedicht „Salomo und Kohelet" ins Französische und d<is Gedicht „Rabbi Jehuda Halevi" im Jahre 1881 von W. Bermanu ins Russische übersetzt. - In den Jahren!840 und l87»y, wahrend Der Besuche der Heilquellen Salzbrunn und Neinerz. weilte der Dichter auf den Hin- und Rückfahrten längere-Zeit in Berlin, wo seine ästhetische nnd philosophische Ausbildung den höheren schliss gewann. Ter Umgang mit den namhaften jüdischen Gelehrten von Spreeathen, die Lektionen von Professor Schölling an der Universität über Naturphilosophie, über welche Micha- Josts in einem Brief an den Vater referierte, und der Aufenthalt an und für sich in der deutichen Metropole für sinnst nnd Wissenschaft hatten einen wirkungsvollen Ortiulun auf die immense Begabung des Jünglings ansgeübt, so daß seine Dichtung sich in einem erstaunlichen Maße entfaltete. Nicht nur seine bereits erwähnten historischen Gedichte, mclcbc

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