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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-03-03 · Heft 5 (3.3.1922) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 5 (3.3.1922)
Date
1922-03-03
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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uztet Sticheleien und.Kränkungen, die nicht immer disziplinarisch ^rr ahnden sind. Und was ist schließlich mit der Bestrafung n'Tä&t** böswilligen Mitschülers gewonnen? Wird seine Quälerei nsLr in einem anderen Tyallc um so stärker einseben? Ich mochte heute an dieser stelle nicht in eine Untersuchung crL £rr Gründe eintrcten, die mir sonst für jüdifcl)e schulen zu ^riechen scheinen: religiös Erziehung, Sabbatheiligung, jüdis-Lrs Milieu. Ich wein, daß man tfttruber verschiedener MeivMrg lern kann, und ich möchte hier nicht das Trennende, sssdern das Bindende betonen? - Ter (Gesichtspunkt, unter dem ich meine folgenden Ausführungen znsammemafien muß. soll praktische sein, wi? er sich aus der gegenwärtigen schulpoli- Ltschen Einstellung Deutschlands ergibt. Man sagt uns Inden rrach. daß wir eine seine Empfindung für die Ideen der IlttjLim besäßen und immer schon ein wenig wüßten, was kommm muß. so erscheint es mir für Deutschland sicher, daß die 5r^rmonelle schule nodi für längs—die—entscheidende_EriLtrungssorm sein wird. Mögen daneben aus SünultanaDftairen weltliche Schulen. Gesinnungsschulen entstehen, sie rr^rden die Ausnahme von der Regel bilden. Das Zentrum, irän£ das eine Rcgierungsw.öglichkeit in Deutschland überhaupt unmöglich ist. wird aber niemals in die Beseitigung der kon- ^sivnellen schule willigen! Welche Konsequenz ergibt sich für uns Inden? soll es nur evangelische, katholische spulen geben, die vom Staate aus öffentlichen Mitteln untereren werden. Mitteln, zu denen doch auch der jüdische Steuerzahler sein nicht ganz unbedeutendes scherflein beirräar k Hierin liegt eine offenbare Ungerechtigkeit! Tie jüdischen rrtMi'ai. die wir haben, werden in der Hauptsache durch zziviT? 'liiittcl erhalten, Mittel aus der Qpferwilligkeit. wie ne ,_ r77 in unseren Kronen gottlob noch häufig zu studcn ist. Die -Telumi) aber ist nach der geltenden Gesetzgebung Angelegener des Draates. der politischen (Gemeinden! Hier aber müssen . *: r.rlangen. das; völlige Unparteilichkeit herrscht. Was dem .:-;n reetit ist. ist dem anderen billig! In dein bisherigen r rbnlten aber liegt eine Inkonsequenz! Man kann es seelisch - dauern, daß man noch konfessionelle Gymnasien bat: aber ::vmi man in den Städten, in denen eine große, jüdische und n ncrkrästige Bevölkerung ihren Sitz hat — ich nenne nur ^ranlftrrt a. M.. Berlin, Breslau konfessionell-christliche ^nmnasien hat, warum nicht auch in jedem dieser oder ähnrrrder Qrte ein jüdisches? Die Bedürmisfrage müßte bei der großen Anzahl jüdischer DchüLer an höheren Lehranstalten ohne weiteres bejaht werden, sznd in der Regel Pflegen doch Schulgründungen unter dem ^Gesichtspunkt der Bedürfnisfrage behandelt zu werden. Wer die Tinge in der Praxis scharf beobachtet, findet, daß sich die jüdischen Schüler sowieso an den Anstalten zusammensindeu. wo jüdische Lehrer unterrichten, weil sie glauben, hier txmt gegen antisemitische Angriffe geschützt zu sein. Mau nimmt in diesem Falle sogar weite Entfernungen in der Großstadt in Kauf, und es sind durchaus nicht nur die Eltern, die ein besonderes jüdisches Interesse haben, sondern auch ganz jüdisch Indifferente, die dies tun! Es hilft hier kein Klagen darüber, daß unsere Zeit noch nicht so weit ist, daß im ..humanistischen- Gymnasium Kinder der verschiedensten Religionen und Konfessionen reibungslos miteinander unterrichtet werden* Wir müssen den Dingen ins Auge sehen, wie sie einmal sind, damit wir mit den berechtigten Interessen unserer Jugend nicht ins'Hintertreffen geraten! Atrch unsere Jugend bat ein Recht darauf, die Zeit ihrer Eutwicklttng sorglos zu verbringen? Das Gift des Antisemitismus aber peinigt und quält sie! Wird sich also bei dem Reichsschulgesttz Herausstellen, daß ^Konfessionsschule die Grundlage bleibt, dann müssen mir sie auch für uns verlangen, nicht als private, sondern überall da als Staatsanstalt, wo die Zahl der Schüler nach den allgemein geltenden Grundsätzen dies rechtfertigt. .. r Das OsrsLvLk in der Religion. Bon Rabbiner Tr. Ludwig R-ofenthal (Köln). . lies Religiöse hat seine Paradoxie, und es ist darum ja . w auch kein vloßes Postulat, sondern eine unbedingte Gewißheit.^ ‘ v Tiefer Satz klingt zunächst selber wie ein Paradvron. Wir verstehen unter „Postulateinen zwar unbeweisbaren, aber nnabweislichen Satz der Wissenschaften. Im philosophischen Sinne (nach Kant) sind Postulate der praktischen Bernunft die Sätze vom Dasein Gottes, von der Freiheit des Wittens . lind der Unsterblichkeit der Seele, weit das sitttillre Bewußtsein diese Ueberzengungen ..fordert-, ohne sie beweisen zu können: Es gibt also Dingen die lediglich auf der doxa (Glauben, Meinung. lieber',euaung) beruhen, und die darum der unbe- - dingten Eu'wißheit entbehren. Alles Wissenschaftliche beruht aber im letzten Ende aus solchen Postulaten, und darum ist! alles Wissenschaftliche ohne absolute (Gewißheit. Vielleicht! kann nun gerade das unbedingte Gewißheit beanspruchen.! was auf eitlem atlderen Wege in uns eingeht, in wider-! wissenschaftlichen, paradoxen Formen, in dem sich | Elemente finden, die den Wissenschaftsgeseheu widersprechen.! gegensätzliche seiten, die unser Wissen und Begreifen sonst! niemals vereint findet oder sucht. j In seinem Buche ..D a s W eien des I u d e n t u m s"! «in 2.. netibearveireter Auflage bei I. Kauffmann. Frank-! fnrt a. M.. N»22 erschienen) hat Leo Baeck (Berlin) die I weitere Ausführung dieses Gedankens versucht. Das Buch. - ausgezeichnet in feiner Form, zwingend beredt in 'einen Dar- ' legungen. har sich von innen heratts verjüngt und vermehrt! und ist zu einer von Begeisterung getragenen Renichöpfung! geworden. Es ist mehr als eine Verteidigungsschrift und ' auch ganz anders geartet. Es geht an die Wurzel alles Religiöstn. Zentrale Bedeutung har dabei die eingangs erwähnte! Formel erlangt, die aus dem biblischen und nachbiRnch-? jüdischen Schrifttum in anziehender Weise begründet wird. ..Es lebt im Religiösen eine Einheit des scheinbar Unvereinbaren. ein Ineinander des Gegenüber. Das Gefühl des : Abstandes und das der Zugehörigkeit. Jenseits und Diesseits j schließen sich darin zusammen. Beides ist darin: die Empün- ' düng des Fernen und des Rahen, des Erhabenen und des Vertrauten, des Grenzenlosen und des Eigenen, des Un- ' endlichen und des Innigen, des Geheimnisses und des Qftenbarcnden. die Zuversicht des Wunders und des Gesetzes.- ' So tritt cs im ersten religiösen Paradoxon zutage: Gott! und feine Schöpfung. Gott ist das Höchste und j Fernste. Er ist das Unnennbare, nicht zu Erfassende und zu Erreichende, der Unergründliche. Verborgenste, Wunderbarste. Und doch tmt er mein Leben geschaffen, kommt alles Dasein von ihm her. har atl^s in der Welt aus ihm feine Qrdnung und feilt Gesetz. Damit ist der ..in der Höhe Thronendedas Rächste und Innerste geworden. das der Mensch besitzt, sind Transzendenz und Immanenz restlos ineinander verwoben. Mir der ganzen Selbstverständlichkeit seeliiclrer Gelvißheir haben Bibel und Judentum hier Jenseits und Diesseits nebeneinandergeftellt. Gott steigt zur Welt herab, sic ist ja von ihm geschaffen: aber die Welt steigt auch zu Gott empor, als Botschaft seiner Größe, als Qfseubarung des einen Gottes. ,.Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und »einer

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