Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
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5! Ansprüche. Eine Cclausbcutunß luirD bis zum Eintritt geregelter politischer Verhältnisse nicht bewilligt iverdcn." Ter Staatssekretär dachte bei seinein letzten Himoeis offenbar an die Ratifrzierung des Mandates. In Lehrer- und Handelskreisen Jerusalems entstand der Plan, eine Handelsschule zu errichten. Tie jüdische Kaustnannschtst fetzte gemeinsam mit Vertretern der Lehrerschaft eine Kommission ein, um die Frage zu prüfen und die nötigen schritte einzuleiten. Tie Kommission errtfchied sich für die Ervffnmrg der schule, die bereits nach Peffach erfolgen soll. Eine zweite Sitzung geineinfam mit Vertretern der Eltern wird die finanzielle Frage regeln. Z. K. Lin ungslsnter Lhemann. ie „New gorker Ltaatszeitung" vom s. Januar enthält einen Bericht über die Ankunft eines in weiten jüdischen Kreisen vielgenannten (belehrten, nämlich des Herrn M e l a m e d, der eines gewissen Interesses, um nicht zu sagen Humors nicht entbehrt. Tas genannte Blatt schreibt darüber: Wohl selten hat eine Eimvandererfamilie den Beamten so viele Schwierigkeiten verursacht, als das gestern mit der „Eftonia" von Tanzig hier eingetrossene Ehepaar Moses und -Hefte Melamed. Papa Melamed traf nämlich in eleganter erster Kajüte ein. n'ährcnd Mama Rene mit dem Zwischendeck oorlicb nahm und ihre beiden söhne samnel Miller und Alfred Aden sie ablwlen wollten. Ter Leser wird wohl einigermaßen erstaunt sein, das; die söhne Mcla- »reds nicht nuc andere Namen haben, sondern dasi sie verschiedene Namen ihr eigen nennen. Nun. die söhne, die schon längere Zeit im Lande weilen. lzaben sich ..amerikanisiert": dem einen gefiel der Name „Miller", dem andern „Aden" bester! Als ein Inspektor sich eben mit Prtpa Melamed beschirtigre und ihn nach .Nam' und "Art rnw woher der Fahrt" befragte, beharrte Melamed darauf seiner Erattin ebensillls die Landung \u .zestaNen.; Ter Inspektor überflog die Kajntcnliste und konnte partout kerne Frau Melamed drin finden, bis ihm Papa Melamed auseinanderj sichte t'r je! ei:: ..belehrter" ..Melamed" Urinruicr nur sudi'ch tat sächlich einen Entehrten» und müsse erster Ulasse reisen, Frau > Melamed reise im Iwi'chendeck. Ter Inspektor hielt dem Mann * mm eine Vorlesung über west luve nnNurbegrrrsi. im allgemeinen und über Galanterie im besonderen und entschied schliesilich. dasi der ' siajntenpaisagier nact» Ellis Island wandern müsie. um am Montag; mit feiner lsiattin dritter Elaste zugleich das gelobte Land betreten : zu können.! In diesem kritischen Augenblick trat samnel Miller in die Bresck)e.! und ersuchte, seinem Pater die Landung zu gestalten. Aber der Inspektor fand in der Najutenliste keinen Namen „Miller". Nun klärte ihn samnel auf. er habe feinen Namen Melamed in ..Voller" geändert und beharrte auf unmittelbarer Landung seines Papas. Ter Beamte war unerbittlich, selbst dann, nacktem Miller seinen Bruder Aden ins Treffen geschickt hatte. Zu dem Humor dieses Melamedschen L a u dungs - erlebniffes gesellt sich bei denl gesetzestrcuen Leser auch noch sicher das Erstaunen, dass ein jüdischer (belehrter nur erster blasse reisen darf, worüber im Lchulchan arrrch leider keine Auskunft zu erlangen ist: auch nicht darüber, daß die treue Lebensgefährtin zu gleicher Zeit auf demselben Fahrzeug im Zwischendeck verstaut werden muß. Ta schwerlich in jüdischen Religionsvorschristen für das sonderbare Verhalten des jüdischen gelehrten Herrn oder richtiger jetzigen M i st e r Melamed gegenüber seiner Gattin über diesen „Zwiespalt der Natur" kaum eine Erklärung zu finden sein dürfte, so ist anzunehmen, daß rein ökonomische (Gründe oen berühmte« Peilenden zu dieser Handlungsweise veranlaßt haben. Um so mehr, als eine Amerikafahrt erster blasse gegenwärtig zwischen *2so<H> und Jtfono Mark kostet, hingegen Zwischendeck ungefähr nur den fünften Teil dieser ciunnie. Tie Schlußfolgerung wäre, daß Herr respektive Mister Melamed ein »ehr reicher Mann ist. In diesem Falle ist es ganz Privatfactze dieses Herrn, wie er für seine und wie seiner (Gattin Person den Lzean kreuzt. Nun kommt es aber heutigen Tags sehr häufig vor, daß gerade hervorragende jüdische Persönlichkeiten, zu denen Mister Melamed vielleicht auch in nichtzionistischen Kreisen zählt, nur in ganz besonders wichtigen Missionen und dann für das (Held irgendeiner Korporation nach Amerika reifen. Ta aber alle Körperschaften, gleichgültig welcher Natur, aus Einzelpersonen bestehen, die das Hauptfnndament, den Lebensnerv, das Geld, für ihre Zwecke aufbringen müssen, so wäre es sicher von lebhaftem Interesse der an der Reise des Herrn (Mister) Melamed beteiligten ^Kreise, wie sie das Bertolten ihres Vertrauensmann bewerten. Jedenfalls sollte man in anderen jüdischen Kreisen als denen des Herrn Melamed, besonders aber in nichtjüdischen die Auffassung nicht allskommen lassen, als ob es irgendwo in den jüdischen Religionsvorschriften etlvas gebe, was das jüdische Weib als ein gänzlich untergeordnetes We«en erscheinen läßt. Aber auch nicht die Auffassung, daß ein jüdischer (belehrter, nach der seichten und sogar bitdungsfeindlichen Ansicht wenn auch reicher, aber denn doch noch lange nicht .maßgebender Kreise, die Höhe des Standes, etwa nach einer Reisefahrtklasse, einschätzen müßte. Ter Fall angenommen, daß, wie wir zur Ehr? des Herrn Melamed annehmen rvollen, seine vor dem Landungsinfpektor czemachte Belrauptung mißverstanden worden sei. war es dann feine jüdische Pflicht, diesen Irrrum zu berichtigen. Ties schon im Interesse des Ansehens unserer amerikanischen Brüder. Teun was sollen nichtjüdische Leier von diesem Vorgang denken, wenn sie in derselben Zeitung folgende Notiz lesen:. Konsulatsbeamter im Zwischendeck. Tie 2>t Zwifchendecksfahrgäste. welch? auf der ..Württemberg" ankamen. wurden he«?e «ach Ellis Island gebracht. Einer von ihnen war Paul Huppech. Er wird der Hilfssickretär des neuen deutschen lsieneralkewnls w New chort. Erich Kaste fein, seine Frau lmo vier Nnider begleiteten rhn auf der Neue. Er ragte, er sin deshalb im Zwischendeck gekonunen. weil die Fahrpreise in denk schein (sield so hoch seien. Cb unseren großen Führern, obenan Mose, dem Hohenpriester Aron, den Propheten oder Hillel das gleiche oder ähnliches hätte widerfahren können wie.Mister Melamed k Tie Antwort kann sich jeder Jude selber geben, selbst wenn er kein t-ielcl,rtcr ist. Tr. .V. K. .Berlin.. <Hm die jüdische Schule. Bon stndienasscssor Tr. Willy Eohn «Breslaus. er dre jüdische Presse der letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat. weiß, daß die Frage der jüdischen Lehnte sehr viel diskutiert worden ist und von der verschiedensten Leite beleuchtet wirrde. sie hat viel Eigner gefunden und viel Anhänger: eins aber ist heute zweifellos nicht mehr zu leugnen: sie eristiert und gewinnt in den verschiedensten Ltädten und in den verschiedensten Kreisen immer neue Anhänger. - Es wäre interessant, diese nach ihrer Einstellnng zum Judentum zu untersuchen: man findet unter ihnen nicht nur Zionisten und religiös Konservative, sondern auch manchen Vater, der dem Judentum ziemlich indifferent gegenübersteht, der aber doch den Wunsch hat. seinem Lohne oder seiner Tochter den Kamps gegen den Antisemitismus abznnehmen und den Haß nicht als Meltau auf ihre jugendlichen Leelen fallen zu lasten! Man sollte die Frage nicht theoretisch entscheiden, ob es besser ist. daß ein Kind schon in seiner Jugend sieht, in welcher Umgebung es lebt, und den Kampf mit der Umwelt aufninunt. Hier Ainu der Lehrer doch vielleicht feiner beobachten, der da fast täglich sieht, wie indische Kinder unter Reibungen leiden.