Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- Seite 50 (sequence 6)
- Language
- German
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5D lei den Jzsaler Pogrotnci» jede Pflichtgemäße Cfiter^ic Ijahc Der» misten lasten und daß auch heute noch die Jzsaker Jude»c tutt mit Hilfe seiner kurzfrisiigerr Bewilligungen für einige stunden in ihren Wohnort zurückkchren können. Tr. Förster verwahrt sich .zunächst gegen die Zumutung, daß er überhaupt Juden Erlaubnisscheine zur Rückkehr gebe. Mit Ausnahme eines einzigen Falles habe er sich eine solche Sct)wäche nie zuschulden kommen lassen, und werde es auch niemals tun. Er leugne es nicht, daß er kalten Blutes zugesehen habe, wie einige vis zum äußersten verbitterte Magyaren eine schwache Revanche nahmen an der Raste, die einen Bela H»m und einen Tibor Szamuely hervorgebracht hat. In der Nationalversammlung lenkte nun Abg. R a s s a y die Aufmerksamkeit des Innenministers aus die Tätigkeit Tr. Försters und seiner den konfessionellen Frieden gefährdenden Erklärung. Innenminister Graf Klebelsderg erklärte. daß cr von der Erklärung des Lbcrstuhlrichters mit tiefem Bedauern und Bestürzung Kenntnis genommen habe, da ste geeignet sei, die Bürger israelitischer Konfesfion in höchstem Maße zu beunruhigen. Er werde im konkreten Falle aufs strengste Vorgehen. Ter Innenminister hat nun tatsächlich Tr. Förster vom Amte suspendiert lind ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitel. Tein im Aufträge oei ..Erwachenden Magyaren" dagegen protestierenden Abgeordneten Kiß erklärte Graf Klebelsber.z, daß er kein asiatischer Minister sei lind derartige Verhetzungen von Amts wegen nicht tolerieren könne. 3. P. Z. * jpilfe für Ufraina «nd die Internationale Hionferen; in Oenf. An der Internationalen Konferenz für die Rußlnndhilse l^berkomuliffariat des Herrn Bros. Fritjof N a n s e n), welche am *25./*2ii. Januar dieses Jahres in (stcns stattgeiunden hatte, beteiligten sich Vertreter des Papstes und fast aller europäischen Regierungen »Schweden, Jugoslawien, Tick-echoslowakei. Rumänien, Bulgarien, Norwegen, Teutschland. Holland, Tänemark, Belgien, Schweiz), sowie Delegierte des Völkerbundes. dos Roten Kreuzes aus verschiedenen Ländern lunter anderen auch aus Rußland und llkraina. Amerika, Italien. Polen. Argentinien. Spanien und andere mehr). Bon den bedeutendsten europäischen und amerikanischen £ri]iiuifm!o:;cn n?.nen vertreten: die Quäkerorganisation „Near East Relief", J»»ternationale Union für KinocchÜre. die Arveifervereinignngen für die Rußlandhilie »Internationale Föderation der Arbeiternrndtkare. Internationale kooperative Bereinigung, das sozialistische Komitee ..Free Russin" "und anderes Bon den jüdischen Organisationen war das Erekutivkonlitee der Jüdischen Welthilfskonser.niz durch Herrn Zcwi A b e r s o n vertreten. Tas Eretulwtomitoe der Indischen Welthilfskonferenz hat der Konferenz des Sberkormnistariats ein Meinorandum überreicht, worin darauf hingewiesen wurde, daß. trotzdem die Juden der ganzen Welt und besonders die jüdischen Arbeiter an dem Hili. "ert für Rußland mit bedeutenden Mitteln sich beteiligen, die russischen Inden, welche nicht nur vom Ämger, sondern mich an den schrecklichen Folgen der Pogrome zu leiden Haber», fast gar nichts von dem Hilsswerk des Lberkommissariats genießen. Tiefe abnorme Erscheinung erkläre sich nicht aus Gründen mangelnden Wohlwollens gegenüber der leidenden jüdischen Bevölkerung, sondern ist einfach darauf zurückzuführen. daß die ganze internationale Hilfsaktion fast ausschließlich in der Wolgagege»rd konzeutriert ist, die leidenden jüdischen Masten befinden sich dagegen nicht an der Wolga, sondern hauptsächlich in der Ukraine. Das Erekutivkomitee der Jüdischen Welthilfskonfereuz ist der Meinung, dich die Hilfe für Ukraina urrd besonders für die Juden derselben, als eine der wichtigsten Aktionen in das Arbeitsprogramm des Internationalen Komitees ausgenommen werden imime. Bezugnehmend auf das MemöranvulK"^Dcs^Erekrrtrvkomitees-dor— Jüdischen Welthttsskonserewz hat der Vertreter des Oberkommistars Herr Edmund F r i ck die Aufnahme der Nkrainahilfe in den Tätigkeitskreis des Internationalen Komitees vorgeichlageu. Tie Uen»even> hat diesen Antrag angenommen. In einer.entsprechende« Resolution werden alle in der Konferenz beteiligten Lrganrfativnen u»u Angabe des Ausmaßes und der Form ihrer Beteiligung am ukrainischen Hilsswerk bis zum l. März höilichst ersucht. Tie oben erwähnte Resoluti-m wird in jiidischen «reisen als ein großer Erfolg für die jüdische Hilfsaktion in der Ukraina betrachtet. - Ford will seinen «nmps «egen die Juden cinslcllen? Ter bekannte anlerikanisckze Sonderling und Millionär, £e»»ü Ford, besten leidenschaftliche Propagierung des Antisemitismus in Alncrika so viel böses Blut gemacht hat. soll mitgeteilt haben, daß. vom 21. Januar nn ge sauge»», seine Zeitung, der berüchtigte „Tearbvrid Independent", feine Artikel gegen die Juden wehr veröfsentlichcn werde. Er hätte nach reiflicher Ueberlegung eingesehen, daß das jetzige, so schädlict)e und von ihm bekämpfte Geldsystem aus der Grundlage des Goldes basiere, und er wolle das jetzige Goldsystem zur Abschaffung bringen, ferner Meimmg nach seien die Juden die geergnetsten, ein neues Geldsystem einzuführen, da es ja auch die Juden waren, die das fetzige Goldsystem eingeführt haben; die Juten feicit also auch diejenigen, die cs wieder abschaffen und an dessen Platz ein neues System erftruieii können. Er habe deshalb ^schlossen, die Jliden nicht mehr zi: bekämpfen, und Frieden mit ihnen zrr schließe »r, damit sic ihmbci der TurckMhrung seines iumioii Planes behilflich seien. Tiefe übrig/ns wenig glai'bwürdig klingende Meldung reiht sich ivürdig an alle anderen phantastischen Pläne und Aeußernngen Fords an. Ford jcheiüt von. einer geradezu kranfhaston Reklamesiutst beherrscht .;»» sein »md sicht der Welt stets neuen Stoff zum 2ustigmacheu geben z»» »vollen. Wenn ihn seine Phantasie jetzt dazu fuhren sollte, seinen mit so unbeschrankten Bütteln ausgerüsteten und deshalb so gefährlichen Kampf gegen die Juden wirklich ein.znstclleu. { so können ja die Jude»», mag diese Einstellung a»is welchen Motiven inrmer geschehe»», nur damit zusriede»» sein. Aber wir fürchten, daß Ford auch auf diesem seinem Standpunkt, wenn er ihn tatsächlich »vider Erwarterk einnehmeu sollte, »richt lange beharre»: »vird. 3. P. Z. * 3fttd und über Palästina. T:e palästinensische Regierung gibt amtlich bekannt: Leit langer Zeit »vird der Bau der Straße Gederah Rechobvth— Rischon-2e Zion geplant, welche die Straße Jaffa —Jerusalem und Gaza-^atno verbinden soll. Tie große Bedeutung eines solckjen Bcrkehrsrveges »st »eit lange»» erkannt, aber der Mangel an Mitteln verhinderte die Bauausführung. Nunmehr l,.,t die Regierung Gelder ana^boreu bekvmmen unter der Bedingung, daß die Arbeit durch jüdimv Kräfte erfolgt. Ter zur Verfügung gestellte Betrag deckt z»vei Tratet der Baukosten und »vird der Regierung sirr drei Jahre zinslos überlasten: ein Tritte! der Rosten wird d»»rch örtlidje Komitees aufgebracht, »verden. Mit Rücksicht aus die günstigen Bodinglmgen hat die Regierung beschlösse»», das Angebot anzunehmen, Tie Arlxsit »vird unter der Aufsicht des Regierungsdepartements für öffentliclje Arbeiten erfolgen. Tas cnoähnte Kreditangebot ist, »vie »vir hören, durch die Jüdische Kolonialbank erfolgt, die ans diese Weise den palästinensischen Arbeirsmarkt im Einklang mit der» Interessen des Landes zugunsten der jüdischen Pioniere beeei»»flusten »oill. Ein Beispiel für die Initiative der jüdischen Kolonisten in Palästina gibt ei»r Beschluß, der auf der kürzlich abgehaltenen Jahreskorrferenz der .Landwirtschaftlichen Bereinigung jüdisckfer Kolonisten in Palästina" angeno»n,nen wurde. Tanlnl) soll z»»r Förderung des Siedl»mgs»vcsens eine Kreditbank für Kolomstensöhne und Arbiter gegrülldet werden. Ter Grtsindttngsplan sieht die Ausgabe von Einzelaktien in Höhe von 3 Pfu»rd vor. Tie handelsgerichtliche Eintragung des neuen Unternehmens soll erfolgen, sobald 1«.Prozent des nominellen Kapitals aufgebracht sind. In einer der letzten Unterhaussitzungen fragte das Mitglied Malone nach der Entrvickelnng der Lelgewi-nnung in Palästina. Im Verlaus seiner Antwort erklärte der Staatssekretär für die Kolonien: 7.Seit der britisckren Okkupation wurde feiner Gesellschaft oder Gruppe eine Konzession für die Tehzeivinlltlllg in Palästina erteilt. Gewisse J iveieUfrijaften und Gruppen, sowohl britische als a»»ch ausländisch'.! erheben derr Anspruch auf Konzessionen solche Art, die sie von der j ottvn'.anischn Regierung vor dem Kriege erhalten hatte»». Sobald j der Friedeusvertrag mit der Türkei ratifiziert ist, werden solch Anj sprüch im Sinne des Abschnittes Vl des Vertrages in Betracht ge i zogen werden. Ei»»zelnen Gcsellschasle»» wurde die Bewilligung erj teilt, auf jenen Bodenflächen. für die sie die Konzessionen ertvorber»;,»i haben vorgeben. Be r s»»che zu machen. Tiefe BetviUrgungen! bi!de»l jedoch kein Präjudiz für die Frage der Geltung der erhobene»»