Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
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49 nennt, dazwiscl-enskhtl l Stürmischer Beifall.» Herr (General, feldmarschall. führen Sie mt*! Wir Landwirte machen Tcntschland gesund. tLebhafter Bolfaii./ Unter dem Genmdnrack)en verstehen Leute vom Schlage des Herrn Lind natürlich nur tos Sichselbstgesundmachen. Ob wohl Herr v. Hindenburg auf solche Kampfgenossen besonders stolz ist t * CHne Anfgabe für btn Lberrerchäanwalt. Tie soeben erscheinende Nummer 4 der Zeitschrift „Der Schild", des Organs de« Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, dnlctt an ihrer Spitze unter der Ueberschrift „Zn eigener Sache"' die folgende Erklärung ab: Am 16. Dezember 1921 haben wir mr gleicher stelle Herrn General Luderrdorff die Unrichtigkeit der von ihm in seinem Buche „Kriegführung und Politik" gegen die deutsä-en Juden im allgemeinen und uns jüdische Frontsoldaten im desondcren ert)obencn Vorwürfe vorgchaltew mrd naä)geloiesen. . Trotzdem hat Herr General Lndendorff es bis lwute nicht für nötig gebalten, auch nur ein Wort der Richtigstellung in die Oesfentlichteit .zu bringen. Wir stellen daher fest. daß Herr General Ludendorff die Wahrheit kennt und sie nicht sagt nnd geilivetttlich die Ehre anderer Menschen mit Füsten' tr^tt. Reicysbund jüdischer Frontsoldaten. 2öir meinen, bemerkt hierzu das „Berliner Tageblatt", auch der Herr Oberreichsamualt hätte Veranlassung, sich mit dieser Sache zu beschäftigen. Aus Seite ."»1 der genannten Schrift, die an grotesken Einfällen reich ist. sagt Genera! Ludendorff unter anderem: „Mit Frankreich und England Hand in Hand arbeitete die Oberleitung des jüdischen Volkes. Vielleicht führte ne beide. Sie sah den kommenden Weltkrieg als das Mittel an. ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele durchzusetzcn . . . Dazu brauchte das jüdi'che Volk die Niederlage TeuisihLand-i-. Teile dieses jüdischen Volkes standen innerhalb unserer Grenzen." Das ist die Beschuldig u n g d e r L a n d e s verrat e s . den das Reichsstrafgesetzbuch mit schwerer Zuchrhuusstrate bedroht uno für denen Aburteilung das Reichsgericht zuständig ist. Deshalb sollte der Oberreichsanwait. dem Ludendorn als Zeuge keine unbekannte Erscheinung ist. der: General vorladen und über die Tatsachen vernehmen, aus die er. sicherlich nach sorgfältiger P r ü f u n g, so schwer wiegende Anklagen stützt. Kann der ,»euge beweisen, was der Schriftsteller drucken liest, dann must gegen die Landesverräter, die Hand in Hand mit England nnd Frankreich an der Niederwerfung Deutschlands arbeiteten, mir der vollen Schärte des Gesetzes vorgegangen werden. Har Ludendvrff jene Behauptungen aber ohne Beweismaterial aufgestellt, dann gebührt ihm an der Seite Ahlrvardts. des ..Rektors aller Deutschen", ein Ehrenplatz. * Direktor Wassermann — Vorsitzender des deutschen Seren Hajeffod. Wie wir bereits lwrichtet haben, hat der deutsche Aufruf für den Reren Hajessod eine tiefgehende Wirkung ausgeübt. Zn vielen Gemeinden wurden unmittelbar nach «rfdjcinen des Manifestes besondere storen-Hajeiwd Komitees gebildet, die den Znsammenschlus; der tätigen Trenn de des steren Hajeswd beschleunigen sollen. Mit großem Plan traten jüdische Männer der Wirtschaft für den steren Hajessod eil», weil ne fühlten, das; ein großzügiger Ausbau Palästinas starke öffcntliö>c Institutionen voransietzr. Mitte Februar war die Stimmung für den steren Hajessod so weit gediehen, das; die stonstitniernng eines Präsidiums und eines Zentralkomitees eingeleitet luerdeu konnte. Unter starker Beteiligung hat denn auch am 21. Februar im Berliner Hotel ..HaiicrtHjf“ die entscheidende Sitzung starraef'anden. Nach einer Begrünnngsmispractw' des Generalkonsuls Landau berichtete Tr. Arthur Hantle über die Lage der steren- Hajessod.Aktion in der Welt, wobei er besonders au» die deutschen Erfolge nnd Plane einging. Hieran? tvurde zur Wahl des Pranduuus geschritten, in dessen Händen die Leitung des steren Hajessod liegen roird. Unter lebhaftem Beifall der Versammelten wurde Herr Oskar Wassermann. Tirektor d«.r Teutßhen Bank, znm Vorsitzenden gewählt. Tie Wahl der stellvertretenden Vorsitzenden fiel aus Geueralkonsul Landau und Tr. Hantke. Bei der Uebernahme seines Amtes betonte Tircttor Wassermann, das; seine Tätigkeit unterhalb des «eren Hajessod den deutfcl)en Juden eine Gewähr für den unparteiischen Gharakter des Palästinawerkes bieten dürfe, da er außerhalb jeder. Partei stehe und lediglich dem Aufbaugedanken diene. — Wir glauben hinzufügen zu können, daß das dentscl)e Judentum in der Tatsache, daß Wassermann die Leitung der deutschen steren-Hajessod-Aktion übernommen hat, nicht nur eine poLitisctjc Garantie, sondern noch mehr einen Beweis dafür sehe?: lvrrd. daß der Aufbau Palästinas auch erfolgreichen Wirtichastsführern aussichtsvoll erscheint, lieber die weiteren Wahlen für das Präsidium und das Zentralkomitee werden wir unmittelbar nach ihrem Abschluß berichten. * Papst Pius Xi. Als vor kurzem Benedikt XV. das Zeitlicl)e segnete, brachten die Blatter aller Parteien würdigende Nachrufe. Die sieben Jahre seines pontifikalen Wirkens haben die richtige Distanz zur Beurteilung dieses Oberhauptes der katholischen stirche gegeben. Es i.hu jedenfalls eine 'Persönlichkeit von bedeutendem Profil und Inhalt. Sein Nachfolger Pius XL, der nun auf dem Stuhl Perri sitzt, gilt der Welt als unbeschriebenes Blatt, und Die Oeffentlichkeir ist über feine politische Gesimmng und seine Stellungnahme zu den großen Fnrgen der Gregemvart. zu denen wir auch die In den'rage zählen, iwch nicht genügend orientiert, um nch mit ihm weiter zu beßrsien. Im „Neuen Wiener Journal" veröffentlichte Adalbert Stcruberg anläßlich der Papstwahl einenArrikeL. dem wir solgcnde Stelle entnehmen.- „Ten Stuhl Pxxxj bestieget^ dic verschiedensten Arten von Männern. Sehr interessant ist. das; auch ein geraufter Jude Papst rvar. dessen Barer Levi ans dem Jndensriedhos :u Rom begraben ist. Seinem Bruder gab er den Fürstenritel. Tre Nachko.mmen heißen Pierleoni, und eine Toll»:er ihres Haukes heiratete einen Habsburger. So kam frühzeitig Jndenblur in d:e Adern aller Herrschergeschlechter." Allzu stark du rite der Prozentsatz jüdv'äxu Blutes in den Adern der Habsburger ruum gewe'en fern, den" n>enn mau sich an die Jndenseindlichkeit einiger Angehöriger dieses Hauses erinnert. muß mau ßch roirklich fragen: ..Wo ist da die Stimme des Blutes geblieben k" So war es auch mir den Päpsten, es gav wohi duldsame. gleichgültige, aber niemals judeulrebende Päpste. Bon uranchen hingegen ist cs hrstori'ch feststehend, daß sie durch ihre Telegateu Antodaß-s nnd sonstiges ..Jndeubrenncn" veranlaßten. Tas Zeitalter der. An'klarnng har rvohl diese mörderischen Fraunuen gedämpft, doch wußte noch Goethe von den barbari'cl^n Judenlxtzen unier den Auge:: des Heiligen Bakers zu erzählen. I). \V. * Oesterreich. Ter Völkerbund hat in Beantwortung des Memorandums des st. d. I. T. erklärt, daß die Frage der Optionen in Oesterreich nicht in seine -stompeten; falle. Tie österreichisch Regierung chrde dem Sekretär des Völkerbundes auf dessen Anfrage erklärt, daß wegen des Wohwnngsmangels und der großen Arbeitslosigkeit Oesterreich nicht in der Lage fei, neue Bürger aufzunehmcn, weshalb auch die Optionsgesuche der Juden znrückgelviesen werden mußten. Ter polnische Gesandte in Wien. Graf Lasocki, äußerte sich einem Mitarbeiter des ..Neuen Wiener Journals" gegeimber über die anrnetnikische Strömung in Polen: ..Ich hatte namentlich in Mein» polen Gelegenheit, die Lage der Juden aus eigener Anschauung kennen zulernen. Ich kann mit gutem (Ibissen die Versicherung geben, das; die Gerüchte über den Antisemitismus, den ich als Kultursäende;>er ich scheue, stark übertrieben sind. Tie Juden und iw wärt- 'clraftliä)er Beziehung ein wertvolles und nnentbehrlict-es Element der polnischen Gesamtbevolkernng nnd man darf tvohl hoffen, daß der Antisemitisrnns in Polen, der ful> übri^ns nur »Viten in gewalttätigen Formen geäußert hat. ganz ver»'ä^vinden und einem friedlichen Berhältuis Platz machen wird." -L P. Z. ♦ Ungarn. Ter Oberstuhlriäster von stlln.Stz'nt-Mikios. Tr. Ludwig Förster, »etzc seine judeuhctzerisch»' Laugteit fort. Ter Letter des Nidifchen Rechtsschutzbnreans in Budapest stellte Mt, daß Tr. Förster