Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
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hatte. uvir nir nraufniett Wirllichkert geworden: Tein Leben wird schwanken vor dir in der Herne. d»rß dn dich - ängstigest Tag und Nacht und deines Lebens nicht sicher bist. Aber auch ein anderes von Moses zum Schluffe seiner Strafrede verkündetes Wort sollte nicht unerfüllt bleiben: Und \ dennoch, obwohl sie im Lande ihrer Feinde sind, habe ich sie nicht so verworfen und so ausgestoßen. daß ich sie völlig aufriebe und meinen Bund mit ihnen bräche, denn ich, der Ewig?, bin ihr Gott"). Die so alte Leidensgeschichte unseres Volkes hat die Wahrheit auch dieses Wortes vollauf bestätigt, „(üott verwundet und heilet", lesen wir in der Heiligen Schrift. ..Gott schickt die R'fuah vor der Makka" (schafft die Heilung vor der Erkrankung) pflegten unsere frommen Väter zu sagen. E i n Jfch J'hudi, e i n aufrechter Jude, hat in Lusan gelebt, und dieser eine jüdische Mann hat. wie einst Moses das Sklavenvolk in Aegypten, die Juden des persischen Reiches von dem sie verzehrenden Kaddachathznstande befreit, indem -er sie ju ihrem Ursprung und so zur GesinnumzsLreue zurückführte. Seine Parole, um uns modern auszudrücken, lautete: Zurück zum Judentum! Seid Juden, stolze, aufrechte Juden! Buhlt nicht nach der Liebe und fürchtet nicht den Haß eures Feindes! Bucker und beuget euch nicht vor ihm, wenn er. um feine gegen euch verbreiteten Lügen und Verleumdungen desto wirksamer zu gestalten, einmal auch die Wahrheit spricht: J^solmo Am echad. Ja, seid nur, wie er von euch behauptet, ein Am «*cl»acl, eineiniges Volk, das in unverbrüchlicher Treue dem einig einzigen Gott und feiner Lehre anhängr, dann braucht ihr euch vor keinem vaman, und sei er noch so mächtig, zu fürchten. Und von diesem Gedanken beseelt war auch die von ihm erzogene und in der Cvc*ju)iujtc ihres Volkes unterrichtete Esther, als sie das große Wort sprach: „Geh', sanunle alle Juden, die sich in Susan befinden'" Das war für den tapferen Mardochai keine leichte Aufgabe: denn er hatte unter den Großeil seines Stammes aud> viele Gegner, die in seinem offenen Narnpf gegen Human eine Provokation des Feindes erblickten. „Gr war beliebt lei der Menge seiner Brüder", berichtet die M'gillah, „aber nicht bei allen feinen Brüdern", fügen feinsinnig unsere Weisen hinzm). Allein er verwies sie aus die Gefahr, die auch ihnen und ihren Bindern drohte: denn der von Haman erwirkte Beschluß des Königs war gegen alle Juden, auch gegen die, die sich nur als Perser fühlten, gerichtet; er lautete in drakonischer Kürze: „Stile Juden. Männer, Frauen und Kinder, an einem Tage auszurotten." Das bewirkte, daß sie j sich endlich zur gemeinsamen Abwehr zusannnenschlosien und; sich endlich zur gemeinsamen Abwehr zusannnenschlosien und; wenigstens für kurze eme crtnijcu, cm einiges. i bilderen, das das Esther-Buch als mustergültig für alle Zeiten! darstellt. Wir sehen also, daß Kaddachath. auch nur als Krankhcitsjymptom. sehr ernst nehmen ist. denn es kann zum Tode führen, wenn kein probates Mittel zu seiner Bekämpfung frühzeitig gebraucht wird. Tarurn ist für uns Purim, wenn auch Lein Feiertag, aber immerhin ein Jomtob. ein uns liebgewordener Freudentag, der uns zur Fröhlichkeit stimmt und zugleich ernstlich mahnt: Seid ein An» erliad! Gedenket aber auch, lautet die Mahnung des Esther-Buches, am vierzehiiten Adar, eiirem freudigen Purimfeste, der Unglücklichen und Berfolgten eines Volkes in nah und fern, der Armen und Notleidenden und der für sie in eurer Milte geschaffenen WoMfahrtseinrichtiulgeu. Krankenhäuser. Waisen- und Erziehungsannatten. oie linter der Schwere der Zeit zusammenzudrechen drohen! Gedenket an dem heramiahendeu Piirimfest insbesondere der Lehrer und Kultusbeamtcn in den kleinen - »j Leviticus 26. 4 t. Iattut «d>iimwi ,»it öftrer. THK K1?* 1TX Z'rb "!L1 Genieittten. die sich gegenwärtig tu einer geradezri verzweifel» tcn Notlage befinden. Helfet und rettet, solange es iwch Zeit ist! Vergesset aber auch nicht den Keren Hajessod und die vielen anderen Organisationen, die zur Wiederaufrichtung und Festigung des aus so vielen Wunden blutenden und von einem hochgradigen Kaddachath geschüttelten jildisck-en Volkskörpers dienen. Spendet liebevoll und reichlich für alle Zwecke! Verabfolgt in diesem Jahre in gesteigertem Maße als sonst milde Gaben, und chr feiert dann das Purimfest als Jomtob im Sinne unserer Väter und im ("-erste des Judentums, das nieversagende Wohltätigkeit und opferwillige Brrrderlrcbe als ausgleichende Gerechtigkeit bezeichnet und sie von den Menschen im Namen des gerechten lind barmherzigen Gottes unablässig fordert. Wochenschau. Berlin, 27. Februar. m 17. und 18. d. M. fand in Hannover die zweite Tagung des Reichslanovundes statt, die von dem Vorsitzenden Abgeordneten Hevp mit Sem Hinweis darauf eröffnet wurde, daß zum ersten Male die ..historische Stätte" des Zirkus Busch in Berlin mit einem Versammlungsort in der Provinz vertauscht worden sei. Antisernitische Lichtbilder lvlirden laut bejubelt und gestalteten den Begrüßungsabend »u einer antisemitischen Versammlung. Am Sonnabend mittag begann die Hauptversammlung im .Kuppelsaal der Stadthalle, an der mehr denn in mm) Personen teilnahmen. A»»ch Genercrlfeldmarschall v. Hindenburg war erschienen imd wurde vom ReichstagsavgeordncLeu -Sepp begrüßt. lieber die politische Lage referierte Abgeordneter Tr. R oe ficke: Aas der Not des Aeicl>s könne nur die Landwirt'chafr llerans^ fuhren du.rch ErlMung der Vrodukt:on, Selbsternährung des Volkes. Tazn müssen alle hel'en, auch die Negierung. .. T i e ' e N e g i c r n n 9 m u ß aber »0 a u s s c y e n, rv i e w i r e s iü u U e u. «Beifall und Zurufe: Juden raus!) Wir minien &ie* fclbe Macht erringen wie die Arbeiter. Haben wir eine wlck^ N^ierung. dtin'n brauchen »vir noct) Nul»e. Ürdmiug und freie Wirtschaft. Ich hone, die deutsche Landwirtschaß »vird nicht einen Zentner Getreide der von der Negierung und der Natimmlbank «Zuruf: JudeudtMt!) gegründeten AktiengeseUß1>üt verkaufen. «L.'lirmisci^r Beifall.) Tie Umlage lehnen wir rundweg ab. Tie Besteuerung der Saclpverte müssen wir ebenfalls ablehnen, sie ist Sozialisierung. Wir wollen keinen Achtstundentag, auch unsere Arbeiter wollen ihn nicht. In einer Resolution, die darauf angenommen wurde, wird der Eisenbahnerftreik verurterlr uub strenge Maßregelung der schuldigen Streikführer verlangt. Eine „Sonderbesteuerung durch die Umlage" wird abgelehnt, der Reichsgetreide-Aktiengesellschaft jede Lieferung versagt. Ferner wendet sich die Resolution gegen jede Zwangsanleihe und die Steuerpolitik der Regierung rrnd gegen jeden Versuch der Auslieferung der Kriegsbeschuldigten. Ter Annahme der Resolution folgte eine lange Erörterung und Besprechung der wirlsckjaftspolrtischen Tagesfragen. Ir» der darauffolgenden Aussprache ließ sich Reichstagsabgevrdneter Lind fNiederingelhoinr, Knrhesim) folgendermaßen aus: Tie verfluchte Jndenzwangswirtschaft (stürmischer Beifall) hat unsere Greise und minder bedrängt, als »vir mit Hindenburg brauste»» in» Felde waren. Ztecken Zie in den Boden, »vas 3ie können, das »vird Ihnen kein Finanzamt wegsteneru. (Heiterkeit.» Bon unseren Liebesgaben ist sicher nur der geringste Teil in d»e Hände der Verbraucher geko»rn»wn. »verl die ver f l uchte I n d en - ba n de am K u r s ü r sten daurm. die sich ichsget re i de stelle