Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 86 (1922)
- Issue
- Heft 5 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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86. Jahrgang. Nr. S Berlin, 3. März 1922 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeimng erscheint pierzebntäqlich. At»on«emen1»«prei»: durch den Buchhandel oder die pod iin Berlin und vor. orten durch unsere verrriehsilellen) bezogen merteljLHrlüh 6 M. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Pbüippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen fdt Redaktion und Lrpedirion r-nan die Adresse: Verlag der .AUgern. Zeitung des Iodenrums^, Berlin BW, Jerusalemer S kratze 4*»-+9, zu richten. »#tr Knft«lf rNoffe, Berlin. TI IT ft rt ff* ^uriln ISö. Vvn Altert Ä a t*. — LS o cli e n s ch <r u. — iJlltfUti« (fin ungalantrr Ehemann. Vvn Tr A. K. «Berlin». — Um die jüdische Ähnle. Don Studienassessor Tr. LS i l lN <5 u h n <VrcÄau). — Tast Varaboic in L^r Aelif.rvn. Von Äaddiner Tr Ludwig AvfentHaL (Nolnl. — Micha-Io»cs «Diicfod) i'ebvniJhn. t*iit s^denkblatt zum 7" Zatnestaa seines -lvlcbcnS am 27. Tchl-at M- «JKV2*. s Fortsetzung.? Von c twt 2 du* i n h a u 4 *:*Krimi». — Ter Tvrssiunge. Vvn A. K. «Berlin>. — ruuillcton: Vnrimgesnicdre. Kcdicht vvn 2. A'ttn.r «Berlin». — .Im Bünntrci» der tfäumn. fS. avrts.I Oi sw rische Erzählung vvn (5 a x o l n B u ch ü c i m. — literarische y)i i t *«? i« u n a s2 v r c d?? ü a!. tar Wcmei«h<tK>lc <B.ilagc znr ..Allgemeinen 'icitnna d<4 Judentums"»: Berlin. Tanzig. Breslau. Aürnderg. Irnnkürrt a. M. — V o n 2L a h und I c r n. ssurim 1822. Von Albert K a tz. in altes jüdisches Sprichwort lautet: Purim ist kein Jvmtod und ZladdachatH ist keine Krankheit'). Tas ist zutreffend und mich nicht. lladoachatll. nn-.ruuter wir Fieber verstehen, ist keine spezifische >lrankheir. wndern bloß ein .^rankheitssymptom, uni) Purim ist insofern kein Jomtob. da ecuns nicht wie die in der Thora vorgeschriebenen Jahres'este dem werktätigen Leben völlig entzieht. Man kann aber nicht behaupten, dast, wer an Uaddachath leidet, sich in normalem b>esnndheitszu.stande befindet, und das? Purim deswegen kein Jomtob ist. weil an ihm das Alltagsleben nicht srillfteht. Wehe dem. der an-itaddachath Leidet und es veraoiän'nt. rechtzeitig geeignete Mittet;u denen Beseitigung an Kurven den! Vielleicht begeht Israel den vierzehnten Adar als freudigen (Gedenktag nicht allein, weil das Buch Esther ihn als Jomtob bezeichnet, sondern weil es aus eigener Erfahrung weist, dast Itaddachath, von dem der jüdische Volkskörper io oft heimgesucht wird, eine gar böle tückische Ürantheitserscheinung ist. Lesen wir doch noch heute mit Entsetzen d^rs Schrnrwort: Ich werdeeuch jählings heimsuchen niitrsnr und r»"?* mit Schwindsucht und Fieber. durch welche die Augen vergehen und die Seele verschmachtet"). Und wie oft ist doch in der langen und bangen (siatutnacht diese durch Mose an Israel gerichtete Drohung in Erfüllung gegangen! Auch die Juden in Susan, wo die Pnrimgeschichre sich abgespielt hatte, waren von einer Art siaddachath befallen. Ter Midrasch M'gillath Esther erzählt darüber folgendes: Unter der großen Volksmenge, die dvr Einladung des Königs Achafchweroth zur Teilnahme an dem siebentägigen Fest in der Üönigsburg gefolgt ivar. befand sich auch eine erhebliche Anzahl jüdischer Ernlanten. die. kaum von den Sklavenketten befreit, den an Babhlons Strömen geleisteten Schwur: ..Bergäste ich dein. Jerusalem, versage mir meine -liechte", schnell vergessen hatten. Tie Mahnung des Mardochai. sich von dem Fest fernzuhalten, um nicht mit den (besetzen der Väter in -Hunflift zu geraten, nicht nnnützenveise den Neid und die Mißachtung ihrer geheimen Feindezu entfachen nrnfr ihnen keinerlei Veranlassung zu geben, ne nachher vor töütt und dein Uönig als ein treuloses Volk unklugen zu können, fand nicht die erwünschte Beachtung. Tie Juden in Susan, insbesondere die Neichen und sogenannten Vornehmen, fühlten sich plötzlich als Urperfer und hatten auf die Einwendungen Mardochais, das; sie doch jüdischer Abstammung wären, auf eine a*-?ße Vergangenheit zurückblickten und auch noch eine herrliche Zukunft zu erwarten hätten, nur die eine Antwort: „Was bringst du Bilder uns zurück. Tie uns versagt fortan? Was zeigst du uns entschwundenes E>lück-, Tas nimmer kehren kann?" Tie Juden in Susan waren eben von einer Art lladdachath befallen, das die Angen blendet und die Sinne trübt Sie glaubten, um in den Augen der Landesbevölkeruug als echte Permr hl gelten, an dem Mahle in der königlichen Burg teilnehmen zll müssen, llnd ahnten nicht, dast sie sich freiwillig in die Falle begaben, die ihre Erzfeinde, die Nachkommen Amateks. ihnen gelegt hatten. Sie wußten es nicht -- führt der Btidraich in feiner Darstellung der sich überstürzenden Ereignisse aus . dast sie die Einladung zu dem siebentägigen Fest des llöuigs keinem anderen als <>rman zu verdanken hatten. Ter bwrt dreier durch ihre strengen tsieietze von uns abgesondert lebenden Juden, sprach er zu Achafchweroth, haßt nichts so sehr wie unsere den Sinneng'nnsscn frönende Lebensweise, die sie als eine unsittliche, mit Unzucht verbundene bezeichnen. Ich rate dir, o Zlönig. ein persisches Volksfest von überschänmendem Lebensgenust und berauschender Lebensfreude zu veranstalten, die spröden Juden zur Teilnahme an demselben gleich deinen anderen Untertanen einznladen. und du wirst bald sehen, wie sie. von deiner (sinnst geblendet, ihren (siott und seine sie erhaltenden (sieietze verlassen und so Vlbft zu ihrer Vernichtung beitragen luerijeir). Tie Inden in Susan befanden sich damals in der Lage eines vor Turst verschmachtenden Wolfes, der vor Freude darüber, endlich einen Brunnen entdeckt zu haben, zu spät bemerkt hatte, das; über demselben ein Netz ausgebreitet war. um ihn einzuianaeiü». Sie glichen aber auch einer ängstlichen Taube, die. auf der Schwelle des Taubenschlags stehend, sich nicht hineiuwagte. weil drinnen eine Schlange lag. und sortzufliegen fürchtete, weil draußen ein Falke auf sie lauerten. Was Moies in seiner enchntterudin Strasrede prophezeit ') Jüdische Spriclioörter von I. B »öeraugegeben von M. Spcktor. Warsä>iu 1***. 5) Leviucus 2t*. Itt. :l\ Midruich M'gillatb Esther. M Julrut 2chimoni zu (ssther. h) ibi(U*m.