Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 9 (20.1.1838)
- Date
- 1838-01-20
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 nen Abbruch, eben so wenig als die Lehren der reinen Moral' von ihrer Wahrheit und Giltigkeit etwas dadurch verloren, weil in der Moralphilosophie, seit ihrem Beginn als Wissenschaft bis auf den heutigen Tag über das Moralprincip gestritten wird. Auch der Vorstellung von der Heiligkeit der Religion thut diese Voraussetzung nicht den mindesten Eintrag. Im Gegentheile ist es für das gläubige Gemüth ein sehr erhebender Gedanke, daß alle Wahrheiten der Religion auf der Stufenleiter der Gotteserkenntniß gleichen Rang einnehmen und keine vor der andern einen Vorzug behauptet. Ja, es gereicht ihr noch zum Ruhme und zeugt von ihrer Göttlichkeit. Nur die Erzeugnisse menschlicher Weisheit sind verschiedener Werrhbestimmungen fähig, je nachdem sie sich mehr oder weniger der Wahrheit annahern, mehr oder wem'ger von der schlackigen Beimischung des Falschen gereinigt sind; das Göttliche aber hat alles einen gleich göttlichen Werth, der sich so wenig steigern als verringern läßt. Nach dieser kurzen Beleuchtung sind viele Stellen in dem gedachten Aufsatze des Hrn. Dr. F., als z. B. „daß Mendelsohn den meisten der vonMaimon. aufgestellten und von der ganzen Nation sanctionirten Glaubensprincipien feindlich entgegengetreten, ferner, daß diese Idee, seit dieser Zeit, sowol in viele theologische Werke, als auch in' so manchen Katechismus und in so viele andere populäre Schriften, nicht zum Heile der Religion, eingedrungen sind" u.A. dahin zu berichtigen, daß Mendelsohn, oder wer immer eine bestimmte Zahl von Glaubensartikeln laugnet, keinesfalls der Wahrheit der maimonidischen Lehre feindlich entgegentritt, da er nur ihre formelle, keinesweges aber ihre materielle Wahrheit in Abrede stellt, und nicht nur dreizehn, sondern so viel Glaubensartikel annimmt, als es ihrer überhaupt in der Retigionstehre gibt, und daß in allen Religionsbüchern, die ihre Annahme verweigern, nur von ihrer Giltigkeit als Glaubensprincipien, oder Grund lehren in der oben angegebenen Bedeutung die Rede ist, und daß die eine oder die andere Anzahl derselben als solche, wofern nur ihre inhaltliche Wahrheit in Glaubenssätzen aufgeführt wird, was übrigens, meines Wissens, in keinem jüdischen Religionsbuch fehlt, durchaus für das Heil der Religion nichts Nachtheiliges hat, so wie jeder Streit über rein wissenschaftliche Formen auf dem Gebiete der Theologie für das Aeil und das Wesen der Religion überhaupt gleichgittig ist. - Denn nicht der tobte Glaube, sondern levendige Handlungen machen selig. B e l l e i t'i ft i f. Israelitische Lebensbilder. s. Die Heimkehr des Kriegers.^ *) Der Krieger kehrte zu des Vaters Hause, Und findet Alles in der stillen Klause, Wie er verlassen^, in gewohnter Weise, Mit stillem Wachsthum, in dem engen Kreise. Wie an dem Sabbath, da er gehen mußte, Ruht auf dem Tisch das Folio, das bewußte, Das Brod. des Segens, das mit Lust begrüßte, Jetzt, da die Thran' der Willkomm ihm versüßte. Der Vater lehnt im alten Stuhl der Ruhe, Die Mutter schmückt das reichste Kleid der Truhe, Selbst um die Kindlein webt die heil'ge Weihe, Die in dem Alten bringt das stete Neue. Die blanke Ampel-gibt den klaren Schimmer, Das Wasierbecken noch die Tropfen immer, Dort zeiget Dir das heil'ge Oft der Ramen, Am Eingang wachet des Atlmächt'gen Namen. Dieselbe Liebe, die Dich einst umfangen, A^s ihren Armen Deine sich entrangen, Dieselbe Lieb' hält wieder Dich umschlungen, Nachdem sie oft mit Schmerzensangst gerungen. , Dieselbe Thran' tut Mutterauge feuchtet, Derselbe Blick im Vaterauge leuchtet, Die treue Schwester, die das Haupt Dir richtet. Hat oft der Aeltern bangeö Herz gelichtet. Nun bist Du aus dem wilden Schlachtgewühls Getreten kn des Vaterhauses Stille, Der Sang und Klang ist hinter Dir verschollen, Des Friedens Hauch kam nach-deö Krieges Rollen. *) Das obige Gedicht ist entstanden, als ein Exemplar der Lithograpbie von Oppenheim' - Heimkehr eines jüdischen KriegerS, welches meisterhafte Oelgemälde bekanntlich von den baden'schen Juden dem Herrn vr. Gavr. Riefser zum Ehrengeschenk gemacht worden, übersandt worden. Wir können diese Lithographie, (zu vabcn in der Behren dson 's che n Kunst- und Buchhandlung in Hamburg), dringend alS Zimmerverzierung empfehlen, da sie sehr lobenSwerth ausgefallen.