Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1922-02-17 · Heft 4 (17.2.1922) · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
86 (1922)
Issue
Heft 4 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3229509-3229513--76598-3289218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Talmuds durch ilm in neuer Beleuchtung erscheinen. t'V?- festigt durch diese einheitliche Lebensauschauung. nahm er an den Wirren der iüdischen Gegenwart lebendigen Anteil, schmerzlich berührt von der äußeren und inneren Not des jüdischen Gesamtgeistes. aber in wundersamer Treue sich anschmiegend an den jüdischen Urgrund seines Wesens, der sich unverkennlmr ausspricht in dem primären Zntereffe an der Ethik in Wissenschaft und Leben. Philosophie und Neligivn, Erkenntnis und Gottvertrauen stehen bei ihm in lebendiger t Wechselwirkung. Sein Wort, das; echte Neligivnsphilosophre immer Epoche gemacht hat in unserer geistigen Geschichte, findet die umfassendste Anwendung auf seine eigene Lebensarbeit, besonders auf seine Identifizierung des Judentums und der modernen .Kultur in ihren sittlichen Grurrdlagen. Wie Eohcns Weltansicht Weift des Judentums ist, so wird dieses den Geist Eohens in sich zur Entwicklung lind Bollendllng bringen muffen und sich damit in Uebereinstimmung fetzen mit den Lebensansdzauungen der großen jüdischen Lenker. Im lösnnkrns der Cäsaren. Historische Erzählung von E a r o l a Buchhei m. (I. ) oUuchdruct toerlutcr.) wurden mit heftig?!» Nucke die schweren. golddurch- / wirkten Borhäng? beiieitegeichob.'n. und erwachend aus seinen sonnigen Träumen von Heimkehr und Vaterland, erblickte er sich seinem (Gebieter gegenüber, der mit zornerfüllter (Gebärde nach dem Ausgange wies. „Wie, so wird meinen, Befehle gehorcht. 3in]tc ich nidit, das; ihr alle euch auf die Luche nach Eutvchos zu begeben habet, statt dessen lungerst du da umher?" „Vergib deinem Sklaven, hoher Herr: deinem Befehle gehorchend, sandte ich mehrere Boten aus, ihn zu suchen und vor dein Angesicht zu bringen, Zch selbst jedoch mnstte hi?r venveileu, deiner Wünsche gewärtig." Ta nahten Schritte, und wenige Minuten später betrar Eutrzchos den Naum, in dem mit gewitterschwülem Ausdruck der (Gebieter und mit schlecht verhohlener Schadenfreude der Gvieche verharrte. Nasch war der junge Fürst auf den sich tief zur Erde Neigenden z,»getreten. „Nicht ohne Eirund säumtest du vor mir zu erscheinen, du fürchtest meinen Zorn!" „£ Herr, wodurch hätte ich deinen Grimm erwirkt?" „Trr gebührt wohl mehr, eine gute Tracht Prügel wäre deiner Tat angemessener." „Was hätte ich begangen, wodurch ich den Zorn meines Herrn auf mich geladen härte?" „Tu kennst dein Vergehen. Unnütz, dir's zu wiederholen.. „schone mich. Herr, schilt nrich vor denen nicht, die sich an meiner Schmach weiden." „Weshalb nichts Vor allen denen soll's gesagt werden, und sie sollen es weitertragen von Mund zu Mund, alle sollen cs hören, das; dll, der orave, ehrliche Eutychos ein — Tieb bist, eil, ehrloser Tieb, der nicht davor zurückscheut, sich am Eigentum seines Herrn zu vergreifen! Wo hast du das Geschmeide?" „Herr, schone mich! Zch Habs nicht entwendet: welcher, Nutzen brächt' es mir . . „Welchen? Nun den, das; du dir's gut bezahlen lickest, oder gabst du's vielleicht einer Tirne. um dir damit ihre Liebe zu erkaufen? schaffe es zur stelle!" „Bei meinem Seelenheil, ich habe die Kette nicht, deren Verlust du beklagst; ich sah sie auch nie . . „sonst hätte sie dir wohl früher schon ins Auge gestochen? - Schaffst du mir das Geschmeide nicht, so ,veis;t du. was deiner harrt!" „Bei meinem Gotte, ich weist nichts davon!" „Bei deinem Gotte", lachte Agrippa. der jugendliche Gebieter. „nun, dann rufe nur den Tiebesgvtt an, und fürwahr, der hilft dir sicher auf Die Fährte!" „Ich bin kein Tieb," wiederholte der Sklave, „schone midi, verdächtige mich nicht eines Frevels. d?n ich nicht begangen habe — stets habe ich dir treu gedient. Hab' mich nie auch nur an dem Geringsten vergriffen, und nun sollt' ick; nm eines nichtigen (Geschmeides wegen ..." „Was weißt du, Hund,' ob's nichtig war! Mir war's wert — mehr als alles d:e Kette, die meine Mutter bis zu ihrem Tode trug, „nd die du mir bringst! - sonst, bei meinem Schwerte, die strafe wird keine gelinde fern!" „Must i ch's sein, der sie dir entwendet? Weshalb ruht dein Verdacht auf meinem Haupte? Ta ist Menaffe, da Melos, sie alle können das Geschmeide entwendet haben, warn», gerade ich?" „Nicht ohne Grund trifft dick, mein Verdacht, und wenn dir dein Leben lieb ist. w reinige dich davon." £ Herr, glaube mir. könnt' ich's zur Stelle sdzaffen, mein Leben gäb' idz drum ..." „Tu kannst es. Nun aber Hab' ich's satt! Haft du bis Sonnenuntergang das Geschmeide nicht zurückerstattet, so fürchte meinen Zorn!" „Erbarme dick, deines unglücklichenKnechtes." winselte der Sklave, indem er sich zu Boden warf und mit seinen Lippen die Füße feines Herrn berührte. „Hinweg! Berühre midi nicht!" Und auf erneutes Flehen und Wimmern des Sklaven stampfte er zornig mit dem Fuße. „Hinweg, ehrloser Tieb!" Tann schleuderte er mit einem Fußtritt die zusammengekrümmte Erstatt des Sklaven wie ein ekles Gewürm von sich und verließ den Vorsaal, um sidi nach der erregten Szene durch eine Stunde erquickenden Schlafes für das Gastmahl vorzubereiten, das rhu des Nachts mit feinem Freunde Eajus vereinigte und das wohl erst beim Sonnenaufgang feinen, Ende entgegensehen würde. Eutychos aber verharrte in seiner kauernden Stellung, bis fidz Die Vorhänge hinter seinem Herrn schloffen, erhob sich auch dann nicht, als sid) die anderen Zeugen seiner Schmack) aus der Vorhalle entfernt hatten. Negungslos, das Gesicht dem Boden zugemandt. verharrte er, bis es still um ihn geworden war. Ta erhob er den Kopf: sein Auge fudite den Nauru zu durckzdringen. in dem sein Gebieter sicki befand. Lange lies er den Blick an der Stelle ruhen, und was in diesem Blicke lag von Haß und wilder Nachgier, von verhaltener Wut und sklavischer Empörung, das wabrlicki weissagte seinem Herrn, dem jugendlichen Agrippa. nichts Gutes. H. Im verglühenden Schimmer der sinkenden Sonne lag still der kaiserliche Palast. Kaiser Tiberius hatte sickz. gepeinigt von unerträglichen Schmerzen, gleich nach der Abendmahlzeit zurückgezogen. Wie ein Aufatmen nach schwere,» Drucke rvar es für die erlauchten Teitneh'ner des stillen, schweigsamen Mahles. Während die Sckiwestern noch im Speisesaal zurückblieben, erhob sich der junge Eajus rasckz von seinem Platze, und den Arm in den Agrippas legend, drängte er zum Ausgang hin. „Wo eilt ihr hin?" ri.f Trusilla den beiden sich rasch Entfernenden nach, „verweilet doch noch." „Trusilla hat recht, bis jetzt uulstten ,vir unsere Laune ge UHtUfmit unterdrücken, dursten dei Speii?u stumm wie die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.